Containerfrachter von Hamburg Süd: Die neue Mega-Reederei mit Hapag-Lloyd hätte eine problematische Aktionärsstruktur.

Hamburg Süd

18.12.12
Deals

Knifflige Aktionärsstruktur bei Hapag-Lloyd/Hamburg Süd

Hapag-Lloyd und Hamburg Süd sprechen über eine Fusion. Doch die heikle Aktionärsstruktur könnte zum Dealbreaker werden. Nach der Fusion droht eine Pattsituation zwischen eigenwilligen Großaktionären – eine große Herausforderung für den designierten Oetker-CFO Albert Christmann.

Die heute Mittag bekannt gewordenen Fusionsgespräche zwischen den beiden größten deutschen Containerreedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd könnten zu einem neuen Reedereigiganten made in Germany führen. Mit einem Umsatz von 6,1 Milliarden Euro und 150 Schiffen im Einsatz ist Hapag-Lloyd die sechstgrößte Containerreederei der Welt, Hamburg Süd rangiert mit 160 Schiffen und 4,7 Milliarden Euro Umsatz auf Platz 12. Gemeinsam würden sie mit mehr als 10 Milliarden Euro Umsatz an die Weltmarktführer Möller-Maersk, MSC und CMA CGM heranrücken.

Strategisch würden sich beide Reedereien gut ergänzen: Hapag-Lloyd gehört zu den stärksten Anbietern im Asienverkehr, Hamburg Süd gehört zu den Marktführern auf der Europa-Amerika-Route. Das ist gleichzeitig die Achillesferse der hundertprozentigen Oetker-Tocher: Die Musik spielt auf den Asienrouten, auch der ruinöse Preiskampf ist auf den Amerikarouten noch stärker ausgeprägt. Das wird die Bewertungsfrage in den anstehenden Fusionsverhandlungen zum Knackpunkt machen. Doch die größte Hürde der Fusion liegt in dem potentiellen Aktionärskreis.

TUI will raus

Laut Schifffahrtsexperten und Analysten könnten bei einer Fusion am Ende die Hapag-Lloyd-Aktionäre zwei Drittel des neuen Unternehmens halten, Oetker käme durch die Einbringung von Hamburg Süd auf rund ein Drittel der Anteile. Doch die Aktionärsstruktur bei Hapag-Lloyd ist schon jetzt zersplittert und politisch heikel – nach einer Fusion würde sich diese Situation nahtlos auf das größere Unternehmen übertragen.

Größter Hapag-Lloyd-Aktionär ist die Stadt Hamburg, die ihren Anteil im Frühjahr nach einem Deal mit dem Reisekonzern TUI von 24 auf 37 Prozent aufgestockt hat. Der streitbare Milliardär Klaus-Michael Kühne hält 28 Prozent, TUI noch 22 Prozent. Die restlichen 13 Prozent liegen bei diversen Banken und Versicherungen wie der Signal Iduna, MM Warburg, Hanse Merkur und der HSH Nordbank – sie alle haben kein strategisches Interesse an der Reederei.

Nach einer Fusion könnte die neue Aktionärsstruktur nach FINANCE-Berechnungen so aussehen: Oetker stiege mit 33 Prozent zum Hauptaktionär auf, dicht gefolgt von der Stadt Hamburg mit 25 und Kühne mit 19 Prozent. TUI käme auf 15 Prozent und die Finanzdienstleister gemeinsam auf 8 Prozent. TUI besitzt eine Put-Option und darf seine Anteile an die Börse bringen oder an einen anderen Investor verkaufen. Ein Börsengang könnte auch den Finanzdienstleistern den Ausstieg ermöglichen. Doch die drei Großaktionäre Oetker, Hamburg und Kühne befänden sich dann in einer Pattsituation.

Sperrminorität für Hamburg, Dilemma für Kühne

Hamburg wäre mit einer Sperrminorität von 25 Prozent wahrscheinlich zufrieden – das Hauptinteresse der Regionalpolitiker ist es, einen Verkauf des Unternehmens an einen ausländischen Konkurrenten zu verhindern und die Konzernzentrale in der Hansestadt zu halten. Nach einer Fusion mit Hamburg Süd und mit der Stadt als starkem Ankeraktionär wären beide Ziele wohl langfristig gesichert.

Kühne, der seine Mitaktionäre TUI und Hamburg seit Jahren mit undurchsichtigen Manövern und ständig ändernden Plänen zur Aufstockung bzw. Reduktion seines Anteils in Atem hält, wäre gefangen „in the middle of nowhere“. Großen strategischen Einfluss hätte er mit weniger als 20 Prozent der Aktien nicht mehr, der Erwerb der Mehrheit an der neuen Großreederei wäre aber auch für den Milliardär finanziell kaum zu stemmen.

Was plant Konzernchef Richard Oetker?

Wie der Familienkonzern Oetker sich langfristig sein Engagement in der zyklischen Schifffahrtsbranche vorstellt, ist derzeit noch völlig unklar. Dass der Konzern nach der Mehrheit der fusionierten Gruppe greift, ist unwahrscheinlich, schließlich würden die volatilen Erträge der Reederei dann die stetigen Cashflows des Oetker-Lebensmittel- und Biergeschäfts verzerren. Ein Rückzug aus dem potentiell wachstumsträchtigen Logistikgeschäft würde hingegen viele Jahre dauern und zwingend einen Börsengang oder den Verkauf an einen Wettbewerber voraussetzen, was mit der Stadt Hamburg nicht zu machen wäre.

Hinzu kommt: Gerade befindet sich das Top-Management von Oetker in einer Übergangsphase. Der langjährige CFO Ernst F. Schröder zieht sich zurück und wird in einem Jahr den Ruhestand antreten, sein Nachfolger Albert Christmann arbeitet sich gerade ein und läuft sich möglicherweise sogar für den Sprung als erster Familienfremder an die Konzernspitze warm. Auch deshalb könnte der Oetker-Führung an einer Portfoliobereinigung gelegen sein.

Christmann ist derzeit noch Chef von Radeberger, der Brauerei-Tochter der Oetkers – ein großes Interesse an der Schifffahrt darf man ihm nicht unterstellen, zumal die finanziellen Risiken des Reedereigeschäfts mit hohen Investitionsanforderungen und brutal schwankenden Cashflows auf einen CFO mit Food&Beverage-Hintergrund nicht besonders einladend wirken dürften. CFO Schröder und Konzernchef Richard Oetker, der nicht lange an der Spitze der Holding bleiben will, dürften eher von dem Wunsch angetrieben zu sein, den Einfluss des volatilen Reedereigeschäfts auf die Konzernfinanzen einzudämmen als das Exposure noch weiter zu erhöhen.

Eine Chance, die Aktionärsstruktur aufzubrechen

Die laufenden Fusionsverhandlungen bieten theoretisch eine Chance, die knifflige Aktionärsstruktur aufzubrechen und zu konsolidieren. Allerdings hat kein einziger der Beteiligten ein strategisches Interesse an einer Mehrheitsübernahme. Mehr noch: Für jeden Großaktionär wäre ein solcher Schachzug ein finanzieller Drahtseilakt.

So könnten die unterschiedlichen Vorstellungen über die langfristige Aktionärsstruktur der Reederei nach der Fusion schon zu einem Dealbreaker im Frühstadium der gerade erst beginnenden M&A-Verhandlungen werden. Fest steht: Selten war die Ausgangslage vor Fusionsverhandlungen schwieriger als bei Hapag-Lloyd/Hamburg Süd.     
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de