Knorr-Bremse

07.09.17
Deals

Knorr-Bremse steht bei Haldex vor dem Aus

Die schwedische Börsenaufsicht hört auf das Haldex-Management und nicht auf die Aktionäre: Sie verlängert die Übernahmefrist für das Angebot von Knorr-Bremse nicht. Doch der Münchener Bremsenhersteller gibt immer noch nicht auf.

Knorr-Bremse hat kaum noch Chancen, den schwedischen Konkurrenten Haldex zu übernehmen. Die schwedische Börsenaufsicht lehnte am heutigen Donnerstag eine erneute Verlängerung der Angebotsfrist ab. Knorr-Bremse hatte diese bis zum 9. Februar ausweiten wollen, um die nötigen Kartellfreigaben der EU zu erhalten.

Nach der Entscheidung der schwedischen Börsenaufsicht dürfte dafür kaum noch ausreichend Zeit bleiben. Denn die Offerte an die Haldex-Aktionäre läuft nur noch bis zum 26. September. Die EU-Kommission hat dagegen bis zum 30. November Zeit, um über die von Knorr-Bremse angebotenen Zugeständnisse zu entscheiden. Die Behörde hatte zuvor in mehreren Bereichen kartellrechtliche Bedenken gegen die Übernahme geäußert. So könnte etwa bei elektronischen Bremssystemen eine zu große Marktmacht entstehen, fürchtet man in Brüssel. 

Entscheidung der Börsenaufsicht überrascht Knorr-Bremse

Die Entscheidung der schwedischen Börsenaufsicht kommt überraschend. Schließlich hatten sich die Haldex-Aktionäre erst vor wenigen Wochen für eine Verlängerung der Übernahmefrist ausgesprochen. Das Votum der Aktionäre hatte die Behörde vor ihrer Entscheidung ausdrücklich noch abwarten wollen. Damals sah es so, als würde die Aufsicht dem scheidenden Knorr-Bremse-CFO Lorenz Zwingmann den Deal noch ermöglichen.

Nun schlug sich die Behörde aber auf die Seite des Haldex-Managements, das trotz des Aktionärsvotums weiter gegen die Übernahme durch Knorr-Bremse aufbegehrte. Ende Juni hatte das Management der Schweden seine anfängliche Unterstützung für den Deal zurückgezogen. Der monatelange Schwebezustand belaste das operative Geschäft, hieß es zur Begründung.

Zunächst hatten die Beteiligten gehofft, die Transaktion im Frühjahr dieses Jahres abschließen zu können. Im April hatte das Familienunternehmen dann erstmalig eine Fristverlängerung um drei Monate beantragt, die die Börsenaufsicht später gewährte.

Knorr-Bremse will sich bei Haldex noch nicht geschlagen geben

Das Haldex-Management begrüßte die Entscheidung der Börsenaufsicht prompt, Knorr-Bremse benötigte dagegen lange, um die Entscheidung zu prüfen. Erst am späten Abend veröffentlichten die Münchener ein Statement aus dem hervorgeht, dass das Unternehmen um Eigentümer Heinz Hermann Thiele weiter um den Deal kämpfen will.

Die schwedische Börsenaufsicht sei bereit, Knorr-Bremse die Unterbreitung eines neuen Angebots innerhalb von drei Wochen nach einer positiven Entscheidung der Kartellbehörden zu erlauben, heißt es dort. „Wir werden eine Fortsetzung des Prozesses genau prüfen vor dem Hintergrund, dass der Haldex Verwaltungsrat wiederholt gesagt hat, Haldex werde die Entscheidung der Hauptversammlung nicht umsetzen und im Kartellfreigabeverfahren nicht kooperieren“, sagt Knorr-Bremse-CEO Klaus Deller.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Der Knorr-Bremse-CFO wird das Münchener Familienunternehmen zum Jahresende verlassen. Wo es den Finanzchef hinzieht, erfahren Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Lorenz Zwingmann.