Merck

11.03.19
Deals

Konflikt zwischen Merck und Versum verstärkt sich

Die Fronten zwischen Merck und dem M&A-Target Versum verhärten sich. Goldman Sachs soll jetzt den Knoten für den Dax-Konzern durchschlagen.

Der Chemie- und Pharmakonzern Merck holt sich für seine Übernahmeattacke auf den US-Halbleiterzulieferer Versum prominente Unterstützung ins Haus. Die Darmstädter rund um CFO Marcus Kuhnert haben Goldman Sachs als weiteren Berater für die geplante 5,9 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme mandatiert. Das teilte Merck am heutigen Montagmorgen mit. Zuvor hatte der Konzern bereits die Investmentbank Guggenheim sowie die Kanzlei Sullivan & Cromwell als Berater ins Boot geholt.

Merck geht direkt auf Versum-Aktionäre zu

Mit der Mandatierung von Goldman Sachs zeigen die Darmstädter, dass sie bei Versum am Ball bleiben wollen – trotz des Widerstands der Amerikaner, deren Fusionspläne mit dem Branchennachbarn Entegris Merck torpediert hat. Der Dax-Konzern bietet den Versum-Aktionären 5,2 Milliarden Dollar in bar, was einem Kaufpreis von 48 Dollar je Aktie entspricht – laut Merck in etwa 16 Prozent mehr, als die Versum-Aktionäre durch eine Fusion mit Entegris kassieren würden. Damit bewertet Merck Versum mit dem 12,6-fachen erwarteten Ebitda des laufenden Jahres.

Nach der Abfuhr durch das Management umwirbt Merck nun die Versum-Aktionäre direkt. In einem offenen Brief an die Anteilseigner versuchte der Dax-Konzern, sein Angebot als überlegen darzustellen. Letztlich geht es darum, wie die Versum-Aktionäre die Zukunftsperspektive ihres Unternehmens bewerten. Entegris bietet zwar tatsächlich deutlich weniger als Merck, dafür blieben die Versum-Aktionäre nach einem Aktientausch aber auch an der möglichen Upside des Deals beteiligt. Allerdings gilt dies auch für das Abwärtspotential, falls sich das Geschäft der beiden Fusionspartner in Zukunft nicht so gut entwickeln sollte wie erhofft.

FINANCE-Köpfe

Dr. Marcus Kuhnert, Merck KGaA

Marcus Kuhnert beginnt nach seinem Studium und der Promotion 1999 seine Karriere bei Henkel als Corporate Controller. Von dort wechselt er in die Investor Relations-Abteilung und leitet ab 2003 den Bereich Konzernabschlüsse und Beteiligungscontrolling. Ab 2007 arbeitet Kuhnert in Singapur als Regionalleiter für die Klebstoff-Division.

Im Jahr 2008 übernimmt er die Verantwortung für das CEO-Office und leitet die Strategieentwicklung. Ab 2009 übernimmt Kuhnert interimistisch auch die Unternehmenskommunikation. Ein Jahr später wird er zum Bereichs-CF0 der Sparte Laundry & Home Care ernannt.

Im Frühjahr 2014 erreicht ihn das Angebot, als CFO des Pharma- und Chemiekonzerns Merck die Nachfolge des zu Lanxess zurückkehrenden Matthias Zachert anzutreten und in die Stadt heimzukehren, in der er auch studiert und promoviert hat. Im August 2014 beginnt seine Amtszeit als CFO des Dax-Konzerns aus Darmstadt. 

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Zu den drei größten Versum-Aktionären gehören der Nachrichtenagentur Reuters zufolge die US-Fondsgesellschaften Vanguard (knapp 9,8 Prozent) und Blackrock (mehr als 8 Prozent) sowie der Versicherer State Farm (rund 7 Prozent).

Versum mit Giftpille und höherem Synergieversprechen

Das Versum-Management spricht sich jedoch deutlich für die Entegris-Option aus. Den Aktionäre rät das Management ab, die Merck-Offerte anzunehmen: „Der angemessene Vergleich ist nicht der zwischen dem Angebot von Merck und dem eigenständigen Wert von Versum, sondern zwischen dem Verkauf an Merck heute und der verbleibenden Investition in die fusionierte Entegris-Versum, mit Beteiligung an der signifikanten erwarteten Wertschöpfung“, teilte Versum mit.

Um dies zu untermauern, haben Versum und Entegris die Synergieschätzungen für ihre geplante Fusion deutlich angehoben. Die Guidance für die zu erwartenden Einsparungen haben die Amerikaner von 75 auf 125 Millionen Dollar pro Jahr aufgestockt.

Und Versum hat sogar eine Giftpille gegen den Merck-Vorstoß in Stellung gebracht. Dafür haben die US-Amerikaner einen zeitlich begrenzten Aktionärsrechteplan verabschiedet, wonach kein Aktionär die Kontrolle über die Unternehmensgruppe zum Nachteil der übrigen Anteilseigner erlangen kann. Die Mechanismen des Plans greifen, sobald ein Investor die Schwelle von 12,5 Prozent überschreitet. Sollte das geschehen, dürften alle Aktionäre neu ausgegebene Versum-Aktien zum halben Marktwert kaufen.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de