Metro will seinen Aktionären offenbar eine Sonderdividende auszahlen, die bis zu mehreren Euro hoch sein könnte.

Metro

17.07.19
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Kontert Metro Kretinsky-Angebot?

Plant die Metro-Führung, anstehende Verkaufserlöse an jene Aktionäre auszuschütten, die die Kretinsky-Offerte ausschlagen? Das Unternehmen dementiert dieses Gerücht. Trotzdem birgt die Thematik Sprengstoff.

Vergangene Woche hat Daniel Kretinsky Details zu der geplanten Metro-Übernahme veröffentlicht – eine Offerte, die die Metro-Führung als zu niedrig ablehnt. Nun bastelt das Management offenbar an einem Plan, der die eigene Position untermauern und Kretinsky in die Defensive bringen soll. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg heute unter Berufung auf Insider berichtet, erwägt Metro offenbar, seinen Aktionären aus anstehenden Verkaufserlösen eine hohe Sonderdividende auszuschütten.

Aktionäre, die ihre Wertpapiere im Rahmen des noch bis zum 7. August laufenden Übernahmeangebots andienen, müssten demnach jedoch auf die Sonderzahlung verzichten. Dies wäre ein schlagkräftiges Argument gegen die Kretinsky-Offerte. Metro weist den Bloomberg-Bericht jedoch zurück: „Es gibt keine Pläne für eine Superdividende“. Eine ausführliche und begründete Stellungnahme zu Kretinskys Übernahmeangebot werde man in der kommenden Woche veröffentlichen. Auch von Kretinsky kamen keine neuen Signale zu seiner Offerte von 16 Euro je Metro-Aktie.

Welche Upside bieten die laufenden M&A-Prozesse?

Der Bloomberg-Bericht setzt jedoch auf zwei tatsächlich schon weit fortgeschrittenen M&A-Prozessen auf, deren weiterer Verlauf einen erheblichen Einfluss auf den Wert der Metro-Aktie nehmen könnte. Zum einen steht Metro kurz vor dem Verkauf der Supermarkttochter Real an den Immobilieninvestor Redos. Dabei wird Real mit 500 Millionen Euro bewertet. Das ist weniger als der ursprüngliche Buchwert, den Metro in seinem jüngsten Quartalsabschluss auf die Höhe der Redos-Offerte angepasst hat. Die ebenfalls an Real interessierten Investoren X+bricks und SCP haben angekündigt, diese Offerte überbieten zu wollen. Metro ließ diesen Vorstoß ins Leere laufen. Trotzdem bietet das Tauziehen um die kriselnde Supermarktkette Metro eine kleine theoretische Chance auf eine begrenzte Upside in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrags.

Die zweite und potentiell wesentlich ertragreichere Transaktion betrifft die China-Aktivitäten von Metro: Weil die Düsseldorfer sich auf ihr Großhandelsgeschäft konzentrieren wollen, suchen sie nach Käufern für ihr China-Geschäft, wo zwei Drittel der Kunden Einzelhändler sind. Weil es angeblich vor Interessenten wimmelt und selbst so finanzstarke Konzerne wie Alibaba darunter sein sollen, schießen die Kaufpreisspekulationen immer weiter in die Höhe. War zum Start der Verkaufspläne noch ein Preis von bis zu 1 Milliarde US-Dollar erwartet worden, steht jetzt schon das Doppelte im Raum.

Ein Käufer wie der Online-Händler Alibaba könnte die rund 100 Metro-Märkte in China nutzen, um seinen Online-Vertrieb um ein weitreichendes Filialnetz zu ergänzen. Das Interessante für Metro und seine Aktionäre: Der bilanzierte Buchwert des China-Geschäfts dürfte deutlich unter den kolportierten 2 Milliarden Dollar liegen. Gelänge Metro ein Exit zu diesem Preis, stünde also nicht nur eine satte Geldspritze im Raum, sondern auch noch ein hoher Buchgewinn. Sollte Metro diesen Buchgewinn wie von Bloomberg beschrieben an die Aktionäre ausschütten, könnte eine Sonderdividende in Höhe von mehreren Euro je Aktie anfallen.

Metros Problem mit der Kretinsky-Offerte

Die Realisierung derart hoher stiller Reserven in China würde tatsächlich die Position der Metro-Führung um CEO Olaf Koch und Finanzchef Christian Baier stärken, die den Handelskonzern mit den von Kretinsky gebotenen 5,8 Milliarden Euro für „erheblich unterbewertet“ hält. Inklusive der Nettoverschuldung von 3,6 Milliarden Euro beträgt der Gesamtwert der Offerte 9,4 Milliarden Euro.

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Christian Baier, Metro AG

Studienbegleitend absolviert Christian Baier eine Ausbildung bei der Baden-Württembergischen Bank in Freiburg und wechselt 2001 als Beteiligungsmanager zur LBBW-Tochter BWK. Von 2002 bis 2004 unterbricht er seine berufliche Laufbahn für ein MBA-Studium an der New York University. 2004 wechselt er zur Investmentbank Lehman Brothers in die M&A-Beratung. Von 2006 bis 2011 arbeitet er als Investment Executive beim Private-Equity-Haus Permira.

2011 steigt Christian Baier bei dem Handelskonzern Metro ein, wo er zunächst in der Unternehmensleitung von Schaper C&C die Finanzen und Administration verantwortet. Ein Jahr später wechselt er als M&A-Leiter in den Mutterkonzern und übernimmt kurz darauf auch die Unternehmensstrategie.

2015 wird er CFO von Metro Cash & Carry, bevor er im Zuge der Aufspaltung des Metro-Konzerns in die Bereiche Lebensmittelgroßhandel („Metro“) und Elektronikhandel („Ceconomy“) zum Finanzvorstand der Metro AG ernannt wird.

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Eine Tatsache, die diese Einschätzung des Metro-Managements stützt ist, dass Kretinsky den Handelskonzern laut einer Analyse der Research-Plattform Smartkarma inklusive Übernahmeprämie noch nicht einmal zu jenen Multiples bewertet, die von Konkurrenten wie Tesco, Ahold Delhaize und Carrefour derzeit ohne Übernahmeprämie auf die Waage bringen.

Das Problem der Metro-Führung aber ist, dass beide Deals, die nach Aussage von Metro „vielversprechend“ verlaufen sollen, wohl erst nach Ablauf des Übernahmeangebots abgeschlossen werden können – zu spät, um verkaufswillige Aktionäre dann noch umzustimmen. Dies würde erklären, warum ausgerechnet jetzt Berichte über eine mögliche Sonderdividende durchsickern.

Glauben Sie, dass Daniel Kretinsky sein Übernahmeangebot nachbessern wird?

Will Kretinsky Metros Leverage in die Höhe treiben?

Kretinsky und sein Geschäftspartner Patrik Tkac behaupten indes, der gebotene Preis spiegele bereits eine „deutlich verbesserte operative und finanzielle Performance wider, die durch eine erfolgreiche Umsetzung der geplanten Transformation von Metro erst noch erreicht werden soll“.

Im Hause Metro wird hingegen befürchtet, dass das Investorenduo versuchen könnte, die Rendite auch durch die Ausweitung des bilanziellen Leverages in die Höhe zu treiben. Dieser liegt schon jetzt bei rund 3x Ebitda. Tatsächlich will Kretinsky nicht mehr als 2,5 Milliarden Euro Eigenmittel zur Übernahmefinanzierung beisteuern. Übertrüge er das aufgenommene Fremdkapital auf die Metro, könnte der Leverage des Handelskonzerns auf über 5x Ebitda ansteigen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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