Daniel Kretinsky lässt nicht locker: Mit einem erneuten Übernahmeangebot will er die 30-Prozent-Schwelle bei Metro überschreiten.

Metro

14.09.20
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Kretinsky schleicht sich weiter an Metro heran

Bei niedrigem Kursstand lanciert Metro-Großaktionär Daniel Kretinsky erneut ein Übernahmeangebot. Es könnte sein Türöffner für weitere Zukäufe im großen Stil sein.

Großaktionär Daniel Kretinsky gibt bei Metro nicht auf: Über das Vehikel EP Global Commerce (EPGC) hat der Investor den Aktionären des Großhandelskonzerns am gestrigen Sonntag ein erneutes freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot unterbreitet. Sonderlich großzügig fällt es nicht aus: Kretinsky bietet 8,48 Euro je Stammaktie und 8,87 Euro je Vorzugsaktie. Inhaber der Vorzugsaktien haben keine Stimmrechte, erhalten dafür aber eine höhere Dividende.

Die Metro-Stammaktien waren am Freitagabend bei Werten um 8,32 Euro aus dem Handel gegangen. Nach Kretinskys Ankündigung, weiter zukaufen zu wollen, legten die Papiere am Montagvormittag deutlich zu und sprangen über die 9-Euro-Marke. Damit bleibt das Kursniveau jedoch niedrig. Vor einem Jahr kostete eine Metro-Aktie noch mehr als 14 Euro. 

Metro: Aktienkurs im Corona-Tief

Kretinsky hat Meldeschwelle im Blick

Bei seinem Übernahmeangebot hat der tschechische Investor die Meldeschwelle von 30 Prozent fest im Visier. Diese will EPGC überschreiten, „um zukünftig flexibler agieren zu können, ohne ein Pflichtangebot abgeben zu müssen“. Das deutsche Aktienrecht sieht vor, dass ein Kaufangebot unterbreitet werden muss, sobald diese Schwelle geknackt wird.

EPGC kommt bereits auf 29,99 Prozent der Anteile. Nimmt also nur ein kleiner Teil der Metro-Aktionäre das freiwillige Angebot an, würde Kretinsky massiv an Spielraum gewinnen. Nach Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle liegt die nächste Meldeschwelle erst wieder bei 50 Prozent der Anteile. Hat EPGC mit seinem Angebot Erfolg, könnte Kretinsky also bald massiv am freien Markt weitere Aktien zukaufen – und sich das niedrige Kursniveau so zunutze machen. Bei einem ersten Übernahmeangebot im vergangenen Jahr hatte der Investor noch 16 Euro je Metro-Aktie geboten und damit fast doppelt so viel. 

Der Metro-Vorstand sagte in einer ersten Stellungnahme bereits, man sei „fest davon überzeugt, dass das Angebot das Unternehmen erheblich unterbewertet“. Die Gründe dafür will das Management nachreichen, sobald die vollständige Angebotsunterlage verfügbar ist. „Wir raten unseren Aktionären, bis dahin keine Maßnahmen zu ergreifen“, heißt es aus Düsseldorf.

Die Beisheim Holding und Meridian teilten bereits mit, man werde nicht auf das Angebot eingehen. Ein Sprecher das Aktionärspools kritisierte den Vorstoß. Anstatt Unruhe zu schüren, solle man besser die „Aufbruchstimmung“ nach dem Verkauf von Geschäft in China sowie der Real-Transaktion nutzen.

Kretinsky hat Widersacher unter den Aktionären

Kretinsky und EPGC sehen sich zudem einer starken Opposition im Metro-Aktionariat gegenüber. Die Berliner Meridian Stiftung und die Holding der Unternehmerfamilie Beisheim halten inzwischen gemeinsam rund 23,06 Prozent der Metro-Anteile. Nur knapp 47 Prozent der Metro-Aktien befinden sich im Streubesitz.

Meridian und Beisheim hatten bereits Kretinskys vorheriges Übernahmeangebot ins Leere laufen lassen. Ihr Anteil ist groß genug, um zusammen auf Hauptversammlungen eine Veto-Position einnehmen zu können. Das aktuelle Kretinsky-Angebot sieht diesmal keine Mindestannahmeschwelle vor – an dieser Hürde war sein vorheriger Vorstoß gescheitert.

Metro sucht Nachfolger für CEO Koch

Kretinskys erneuter Vorstoß kommt nun in einer Zeit, in der Metro ohnehin ein Umbruch bevorsteht: Erst vor rund zwei Wochen hat CEO Olaf Koch mitgeteilt, seinen Vertrag zum Jahresende auslaufen lassen zu wollen. Die Suche nach einer Nachfolgeregelung ist bereits angelaufen.

Meridian und Beisheim hatten den Kurs des Managements um CEO Koch in den Übernahmedebatten bislang unterstützt. Während Kretinsky Metro eine radikale Transformation verordnen will, setzt das Management auf eine langfristig angelegte Wachstumsstrategie mit Fokus auf dem Großhandelsgeschäft.

EPGC setzt bei dem erneuten Vorstoß auf BNP Paribas und Société Générale als M&A-Berater,  globale Koordinatoren und Finanzierungsbanken. Die Credit Suisse ist als Financial Advisor und Cash Confirmation Bank an Bord, rechtlich beraten wird EPGC von Kirkland & Ellis.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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