LEG Immobilien und Wettbewerber TAG haben ihre Fusionsgespräche beendet. Ein Zusammenschluss scheiterte an der Bewertungsfrage.

LEG Immobilien

27.05.20
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LEG Immobilien und TAG blasen Fusion ab

Erst am Freitag waren die Fusionsgespräche zwischen LEG und TAG öffentlich geworden, nun sind sie schon wieder beendet. Darunter leidet besonders der Kurs des kleineren Fusionspartners.

Der Traum einer Großfusion am deutschen Immobilienmarkt ist schon wieder ausgeträumt: Nachdem LEG Immobilien erst am vergangenen Freitag Gespräche mit dem Wettbewerber TAG Immobilien über einen möglichen Zusammenschluss bestätigt hatte, folgte nun bereits das offizielle Aus: Die Gespräche seien „einvernehmlich“ beendet worden, heißt es in einer Meldung des Unternehmens.

Die M&A-Transaktion scheiterte offenbar an der Bewertung: LEG Immobilien, der größere der beiden Wettbewerber, hätte im Fall einer Fusion den TAG-Aktionären angeboten, ihre Aktien in LEG-Aktien zu tauschen. Nun teilte der Immobilienkonzern jedoch mit, die Vorstände hätten „insbesondere hinsichtlich eines möglichen Umtauschverhältnisses keine Einigung erzielt“. Bei LEG Immobilien verantwortet derzeit CEO Lars von Lackum interimistisch auch die Finanzabteilung, die designierte CFO Susanne Schröter-Crossan soll ihr Amt im Juli antreten

M&A-Markt für Immobilien stark in Bewegung

Bei einer Fusion hätten es die beiden MDax-Konzerne gemeinsam auf einen Börsenwert von mehr als 10 Milliarden Euro bringen können. LEG hat derzeit an der Börse eine Marktkapitalisierung von rund 7,4 Milliarden Euro, der kleinere Wettbewerber TAG kommt auf gut 3 Milliarden Euro. Regional hätten sich die beiden Wohnimmobilienkonzerne gut ergänzt: LEG unterhält rund 136.000 Wohnungen, vorwiegend in Nordrhein-Westfalen. Bei TAG Immobilien sind es rund 85.000 Wohnungen, die besonders im Osten und Südosten Deutschlands liegen.

Gemeinsam wären die beiden Konzerne damit auf 221.000 Wohneinheiten gekommen – immer noch deutlich weniger als der Branchenprimus Vonovia, der nach eigenen Angaben 400.000 Wohnungen an rund 400 Standorten in Deutschland zu seinem Portfolio zählt. Die Deutsche Wohnen dagegen hat 161.500 Wohneinheiten im Bestand – an ihr hätten LEG und TAG in Kombination vorbeiziehen können.

Der Immobilienmarkt ist insgesamt weiterhin in Bewegung: Ein weiterer großer Wettbewerber entsteht durch die Fusion der Wohnimmobilienkonzerne Ado Properties und Adler Real Estate. Beide zusammen bringen es auf einen Bestand von mehr als 76.000 Wohneinheiten und rücken damit in eine Liga mit TAG Immobilien auf. Auch Gerüchte über einen möglichen Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen kamen zuletzt wieder auf. Zudem gab es mit Aroundtown und TLG eine Milliardenfusion am Markt für Gewerbeimmobilien

TAG-Aktie verliert, LEG Immobilien legt zu

Am Kapitalmarkt hatten offenbar insbesondere die TAG-Investoren auf den Zusammenschluss mit der größeren LEG gesetzt. Die TAG-Aktie war am Freitag vor Bekanntwerden der Gespräche noch bei 20,50 Euro in den Handel gegangen und kletterte im Laufe des Nachmittags auf bis zu 22,24 Euro. In den folgenden Tagen gab die Aktie den Großteil dieser Gewinne jedoch wieder ab und beendete den Handel am Dienstag bereits wieder unter der 21-Euro-Marke. Am Mittwochvormittag ging es für TAG weiter nach unten, um 10 Uhr lag die Aktie noch um 1,5 Prozent im Minus und notierte um 20,40 Euro – und damit wieder auf dem Niveau, das sie vor Bekanntwerden der Gespräche hatte.

Ein umgekehrtes Bild zeigt sich dagegen bei LEG Immobilien: Der größere der beiden Wettbewerber hatte von der Ankündigung der Fusionspläne am Kapitalmarkt nicht profitiert. Am Freitagabend notierte die Aktie bei rund 112 Euro, am Dienstagabend lag der Kurs knapp unter 108 Euro. Die Nachricht vom Abbruch der Gespräche dagegen gab der Aktie Auftrieb: Bis zum Vormittag legte das Papier um 1,5 Prozent auf knapp 109 Euro zu.