M&A-Deals der Woche: Die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs hat nun doch eine Option auf die Übernahme der Finnair Catering.

LSG/Lufthansa

03.08.12
Deals

LSG-Option auf Finnair Catering, Steag kauft zu

Die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs kommt doch noch bei Finnair Catering zum Zug, der Energieversorger Steag kauft Anteile an der spanischen Projektgesellschaft Arenales und die Commerzbank verabschiedet sich von ihrem teuren Ukraine-Abenteuer. Diese und weitere M&A-Deals der Woche hier in unserem Wochenrückblick.

Lufthansa hält sich Option auf Finnair Catering offen

Nach langen Querelen erhält die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs nun doch die Möglichkeit zur Übernahme der Finnair Catering  (Umsatz rund 72 Mio. Euro). Ende Mai noch hatte Lufthansa der Tochter den Zukauf mit Verweis auf das Sparprogramm und einen Investitionsstopp untersagt.

Nun wurde eine Kaufoption für fünf Jahre ausgehandelt, das Management und den operativen Betrieb des finnischen Bordmenülieferanten übernimmt die Lufthansa bereits jetzt. Auch der Kaufpreis, zu dem LSG die Finnair-Tochter innerhalb der nächsten fünf Jahre übernehmen könnte, wurde bereits fixiert. Die Höhe ist nicht bekannt.

Steag kauft Arenales-Anteile

Eine Tochter des deutschen Energiekonzerns Steag kauft den 26-prozentigen Anteil des insolventen Unternehmens Solar Millennium an der spanischen Solar-Projektgesellschaft Arenales. Solar Millennium war 2011 bei dem Projekt eingestiegen. Wie Insolvenzverwalter Volker Böhm mitteilte, erhält Solar Millennium das investierte Eigenkapital zuzüglich eines Gewinnaufschlags zurück, der Kaufpreis erreiche eine zweistellige Millionenhöhe.

Die Zustimmung des Bankenkonsortiums sowie der Mitgesellschafter – RREEF (49 %) und Ohli (25 %) – sei erst in langwierigen Verhandlungen erreicht worden. Noerr hat die Projektgesellschaft Arenales und deren achtköpfiges Bankenkonsortium,  zu dem unter anderem die Großbanken Banco Santander, Société Générale und BBVA gehören, begleitet. Das Gesamtfinanzierungsvolumen des 50-Megawatt-Solarprojekts beträgt rund 450 Mio. Euro.

Commerzbank verkauft Bank Forum

Die Commerzbank hat in dieser Woche ihren 96-prozentigen Anteil an der ukrainischen Bank Forum abgetreten. Die Bank, bei der das Institut im Frühjahr 2008 eingestiegen war, geht an die ukrainische Smart Group. Vertragliche Details nannten die Beteiligten nicht. Der ukrainische Markt habe sich nicht so dynamisch entwickelt wie erwartet, man rechne für die nahe Zukunft nicht mit einer nachhaltigen Verbesserung, begründete die Commerzbank den Ausstieg. Die Commerzbank behält aber weiterhin eine Repräsentanz in Kiew.

Der Verkaufsprozess bedeutet ein Ende mit Schrecken: Die Unterzeichnung des Kaufvertrags führt bei der Commerzbank im zweiten Quartal 2012 zu einer außerordentlichen Belastung in der Gewinn- und Verlustrechnung über rund 86 Millionen Euro. Forum stand mit einem höheren Betrag in den Büchern, als der Käufer zu zahlen bereit war.

Zu den Abschreibungen kommen Währungseffekte. Bei Abschluss der Transaktion müssten zudem die kumulativ angefallenen Währungseffekte in Höhe von aktuell minus 200 Millionen Euro in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen werden. Insgesamt wird das Vorsteuerergebnis der Commerzbank bis zum Abschluss der Transaktion mit rund 286 Millionen Euro belastet. Die Transaktion hat Bankangaben zufolge durch die damit verbundene Reduzierung der Risikoaktiva keine wesentliche Auswirkung auf die Core-Tier-1-Quote der Commerzbank, die Ende Juni voraussichtlich bei 12 Prozent liegen werde.

Weitere M&A-News und M&A-Deals der Woche

Der Finanzinvestor Equistone  beteiligt sich mit 67 Prozent der Anteile an der neu gegründeten Vivonio Furniture Group in München. Die Gruppe wird die zurzeit noch unabhängig gehaltenen Unternehmen Maja, Staud und SCIAE bündeln, der Turnaroundinvestor Orlando gibt die Mehrheitsanteile an diesen drei Firmen ab, wird gemeinsam mit dem Managementteam aber weiterhin mit 33 Prozent an Vivonio beteiligt bleiben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. 

Der Investor Aurelius hat seine Tochtergesellschaft Schabmüller (Umsatz 2011: 61,3 Mio. Euro) an die italienische Zapi-Gruppe verkauft. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt. Den Bereich für Gleichstrommotoren hatte der Investor im März 2007 von der amerikanischen Sauer-Danfoss übernommen und in Schabmüller umfirmiert. Zum Januar 2009 kaufte der Konzern zusätzlich den Bereich Wechselstrommotoren von Sauer-Danfoss, es war Aurelius zufolge die erste Plattform-Akquisition für eine Tochtergesellschaft.

Der Abverkauf der Schlecker-Töchter kommt voran: Die H.H. Holding hat angekündigt, 45 Filialen der Drogeriemarktkette Ihr Platz, einer Tochter der insolventen Firma Schlecker, zu übernehmen. 213 Märkte hat Insolvenzverwalter Werner Schneider bereits an die Drogeriemarktkette Rossmann und die österreichische MTH Retailgroup verkauft. Die H.H. Holding will zudem 57 Geschäfte von Schlecker XL übernehmen. Nach langwierigen Verhandlungen haben in dieser Woche auch die Schlecker-Tochtergesellschaften in Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg einen Käufer gefunden. Die Beteiligungsgesellschaft Tap 09 mit Sitz in Wien, die auf die Übernahme von Restrukturierungsfällen spezialisiert ist, übernimmt alle 1.350 Standorte in den fünf Ländern. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Weiterhin gesucht wird ein Käufer für die Schlecker-Töchter in Spanien und Tschechien.

Die Familie des Emirs von Katar hat den Kauf der bayerischen Privatbank Merck Finck & Co. sowie weiterer europäischer Privatbanken abgeschlossen. Die Käufer zahlten über die Investmentgesellschaft Precision Capital 1 Mrd. Euro für die Privatbankengruppe KBL mit Sitz in Luxemburg, zu der Merck Finck gehört. Die Bankengruppe war zuvor Teil der belgischen Bankengruppe KBC. Auf die Transaktion hatten sich die Parteien im vergangenen Oktober verständigt.

Die brasilianisch-schweizerische Safra-Gruppe ist bei Sarasin am Ziel. Die Gruppe hat in dieser Woche die Übernahme der Rabobank-Beteiligung an dem Schweizer Vermögensverwalter abgeschlossen. Safra hält nun 50,1 Prozent am Grundkapital und 71 Prozent der Stimmrechte. Safra hatte im November angekündigt, die Beteiligung für gut 1 Mrd. Franken von der Rabobank kaufen zu wollen.

Der Finanzinvestor Argantis hat das Unternehmen Frostkrone Tiefkühlkost in einem Secondary-Buy-out an Axa Private Equity weiterverkauft. Ein Kaufpreis wurde nicht bekannt. Teile des Frostkrone-Managements beteiligen sich auch unter dem neuen Eigentümer, der die Internationalisierung vorantreiben will. Lincoln International begleitete Argantis und das Management von Frostkrone bei der Vorbereitung und Umsetzung der Transaktion.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de