Seit einigen Monaten wächst die Kompromissbereitschaft bei Valuation-Fragen rund um M&A-Deals.

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07.12.20
Deals

M&A-Bewertungen: Kompromissbereitschaft steigt

Ermutigendes Signal vom M&A-Markt: Seit einigen Monaten wächst offenbar die Kompromissbereitschaft bei Valuation-Fragen rund um M&A-Deals – auch weil Verkäufer die Krise geschickt nutzen, um ihre M&A-Story zu verfeinern.

„Wann sinken endlich die Kaufpreise?“ fragt sich mancher Investor vermutlich schon seit Monaten – und das zu Recht: Seit das Coronavirus deutsche Unternehmen erwischt hat, rechnen viele am M&A-Markt aktive Käufer mit einem Rückgang der Unternehmensbewertungen und Kaufpreise, um die Effekte der Coronakrise auf potentielle Übernahmekandidaten zu reflektieren.

Einen deutlichen Einbruch bei den Bewertungsniveaus hat es aber noch nicht gegeben: Die FINANCE-Multiples sind im Durchschnitt von 8,7x Ebit im Februar lediglich auf 8,4x Ebit im November gesunken – ein minimaler Abschlag verglichen mit den heftigen Auswirkungen der Krise. Ähnlich sieht es auch bei den großen Aktienindizes aus. Das liegt auch daran, dass viele Verkäufer sich konsequent präsentieren – oder stur, je nach Sichtweise. Sie weigern sich, die aus ihrer Sicht temporären Corona-Einbußen bei den Kaufpreisverhandlungen zu berücksichtigen.

Corona sorgte für Abschlag von bis zu 15 Prozent

Unter dem Strich haben aber immer noch ein paar M&A-Aspekte Gültigkeit, die schon vor Corona galten: Die Bewertungen kleinerer Unternehmen reagierten auf die Coronakrise sensibler als die von Großkonzernen, und dort können die Verkäufer auch schwerer mit dem Argument eines nur zeitweisen Rückgangs argumentieren, berichtete der Bewertungsexperte André Laner, Principal der Unternehmensberatung Ebner Stolz, vor wenigen Tagen in einem FINANCE-Webinar (das Sie sich hier noch einmal ansehen können).

Auch bei den Branchen gibt es eine Spreizung, rechnete der M&A-Berater vor: Während Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Software oder erneuerbare Energien heute bis zu 3 Prozent höher bewertet werden als vor Corona, gab es in schon vorher „billigen“ Branchen wie der Automobilindustrie oder dem Maschinen- und Anlagenbau Bewertungsabschläge von bis zu 15 Prozent. Ein weiterer Grund dafür, dass in vielen Branchen die Bewertungen nicht zurückkamen: Im Zuge von Corona ist schlicht auch die Nachfrage nach M&A-Targets zurückgegangen, was den Druck auf die Multiples gesenkt hat.

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Laner erzählte in einer von drei Case Studies, die er vorstellte, wie ein Mittelständler aus der Chemiebranche, der kurz vor Corona über einen M&A-Deal seine Nachfolge regeln wollte, die Krise nutzt, um den Wert des gestoppten M&A-Deals sogar noch zu erhöhen: Der Unternehmer verwendet die Zeit, um die zweite Führungsebene zu stärken, neue Produktionslinien aufzubauen und die Liquidität mit einem KfW-Kredit zu stärken. Parallel bereitet das Chemieunternehmen eine „saubere“ Equity Story vor, die den Einfluss der Coronakrise transparent macht, aber auch die Zukunftsperspektiven aufzeigt. Aus Laners Sicht die richtige Entscheidung: „Das erhöht den Unternehmenswert deutlich.“

Käufer hätten es da einfacher, die Unternehmensbewertung in ihre Richtung zu beeinflussen – eine Krise biete vielfältige Möglichkeiten, negative Due-Diligence-Findings aufzuspüren und mit deren Hilfe den Preis nach unten zu verhandeln. Die Folge: „Ich habe in diesem Jahr schon Unterschiede von 20 Prozent oder mehr zwischen gefordertem und gebotenem Preis erlebt“, sagt Laner. „Dann helfen alternative Kaufpreisstrukturen wie beispielsweise Earn-outs.“ Tatsächlich beobachtet der M&A-Spezialist seit einigen Monaten eine wachsende Kompromissbereitschaft. Die Nachfrage nach erfolgsabhängigen Zahlungen nimmt zu, so Laner.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

„Ich habe in diesem Jahr schon Unterschiede von 20 Prozent oder mehr zwischen gefordertem und gebotenem Preis erlebt.“

André Laner, Principal bei Ebner Stolz

Den Mitschnitt des kompletten Webinars mit vielen Grafiken und weiteren Fallbeispielen von André Laner finden Sie hier.