02.10.15
Deals

M&A-Deals: Axel Springer, Dr. Oetker, Pfeiffer Vacuum

Das Medienhaus Axel Springer übernimmt das Finanznachrichtenportal Business Insider für rund 300 Millionen Euro, Dr. Oetker verkauft seinen Feinkosthandel Frischeparadies und der Pumpenhersteller Busch steigt beim Konkurrenten Pfeiffer Vacuum ein. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Axel Springer zahlt gut 300 Millionen Euro für Business Insider

Der Medienkonzern Axel Springer kauft das amerikanische Wirtschaftsnachrichtenportal Business Insider für einen Kaufpreis von 343 Millionen US-Dollar, was rund 306 Millionen Euro entspricht. Springer übernimmt im Rahmen des M&A-Deals 88 Prozent der Anteile zusätzlich zu seiner bestehenden Beteiligung von rund 9 Prozent, womit das Medienhaus etwa 97 Prozent der Business-Insider-Anteile hält. Der Kaufpreis liegt damit weit unter dem Wert von 500 Millionen Euro, der für diese Übernahme gerüchteweise noch vor kurzem im Gespräch war. Springer wurde bei der Akquisition durch die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller beraten.

Neben dem Finanzportal investiert Springer auch bei dem US-Medienunternehmen Thrillist Media Group, das die Lifestyle-Seite Thrillist betreibt. Springer wird nach Abschluss der Transaktion – voraussichtlich Anfang Oktober – eine Minderheit an dem Unternehmen halten, womit der Konzern nach eigenen Angaben zum größten externen Anteilseigner von Thrillist wird.

Dr. Oetker verkauft Frischeparadies an Schweizer Transgourmet

Der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker hat den Feinkosthändler Frischeparadies an den Schweizer Lebensmittelhändler Transgourmet veräußert. Den Kaufpreis gaben die Unternehmen nicht bekannt. Die Frischeparadies-Gruppe beschäftigt an 10 Standorten in Deutschland und Österreich rund 600 Mitarbeiter. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hatte zuvor auch der Handelskonzern Metro mit Dr. Oetker über einen Verkauf der Frischeparadies-Gruppe verhandelt. Oetkers Preisvorstellung lag in diesen Gesprächen bei etwa 80 Millionen Euro, wie die Agentur unter Berufung auf eine informierte Person berichtete.

Wettbewerber Busch steigt bei Pfeiffer Vacuum ein

Der hessische Pumpenspezialist Pfeiffer Vacuum hat einen neuen Investor: Konkurrent Busch aus Baden-Württemberg hat 15 Prozent am Unternehmen gekauft. Die Anteile werden über die Beteiligungsgesellschaft Pangea gehalten. Zwischen den beiden Pumpenherstellern besteht bereits eine Geschäftsbeziehung, teilte ein Sprecher von Pfeiffer Vacuum mit.

Nach dem Beginn eines Übernahmeversuchs sieht die Transaktion gleichwohl nicht aus. Laut den Gesellschaftern von Busch handelt es sich um eine reine Finanzbeteiligung. Das Familienunternehmen Busch hat die neue Beteiligung aus bestehenden Eigenmitteln finanziert. Die Equinet Bank schätzt in einer Analyse zu dem Deal den Kaufpreis der Aktien auf etwa 140 Millionen Euro.

M&A-Personalien

Die deutsch-französische Mittelstandsbank Oddo Seydler Bank steigt in das M&A-Geschäft ein. Ab 1. Oktober wird Gero Wendenburg den Bereich Mergers & Acquisitions leiten. Mit seiner Hilfe soll das Produktangebot der Bank ausgebaut werden, auch in Richtung grenzüberschreitender Deals. Wendenburg kommt von dem Schweizer Beratungs- und Investmenthaus MountainPeak Capital.

Klaus Pflum wechselt von der Corporate-Finance-Beratung Leonardo & Co. zu Duff & Phelps. Pflum wurde vor zweieinhalb Jahren neben Ulrich Graebner zum Co-Head für Deutschland bei dem Beratungshaus berufen. Bei Duff & Phelps wird er von München aus als Senior Advisor im Schwerpunkt die Region Deutschland, Österreich und Schweiz bearbeiten.

Drei ehemals bei Hengeler Mueller tätige Anwälte haben sich in München als Ego Humrich Wyen selbstständig gemacht. Henrik Humrich und Jan-Henning Wyen waren bislang Associates im Münchener Büro von Hengeler Mueller, während Alexander Ego vor einem Jahr als Counsel zu P+P Pöllath + Partners gewechselt war. Die neue wirtschaftsrechtliche Boutique wird in gesellschaftsrechtlichen Fragen, bei M&A-Deals sowie komplexen Rechtsstreitigkeiten beraten.

Weitere M&A-Deals

Der niederländische Hedgefonds Farringdon ist mit 4 Prozent bei dem Modekonzern Tom Tailor eingestiegen. Im Zuge eines starken Kursrückgangs von 8 auf 5 Euro in den zurückliegenden vier Wochen dürfte der Hedgefonds rund 6 Millionen Euro für die Anteile gezahlt haben. Farringdon könnte die Anteile von dem US-Fonds Wellington erworben haben, der seinen Anteil im August unter die meldepflichtige 3-Prozent-Schwelle reduziert hatte.

Der Online-Fahrzeugmarkt Mobile.de, ein Unternehmen der eBay Classifieds Group, übernimmt die Autocommunity Motor-Talk. Die beiden Marken sollen erhalten bleiben, jedoch eng verbunden werden. Die beiden Unternehmen erreichen zusammen über 13 Millionen Nutzer pro Monat. Die Verkäufer um Motor-Talk-Gründer Hartmut Wöhlbier wurde durch Arqis Rechtsanwälte unter Federführung von Christoph von Einem beraten. Als Financial Advisor für die bisherigen Gesellschafter war außerdem die Investment Banking Group mandatiert. Mobile.de wurde bei der Akquisition durch die Kanzlei Weil, Gotshal & Manges begleitet.

Nachdem der Kunststoffhersteller Balda mit dem PE-Investor Paragon einen Kaufvertrag zur Veräußerung seines operativen Geschäfts für 63 Millionen Euro unterzeichnet hat, ist ein weiteres Kaufangebot eingegangen. Die Düsseldorfer Unternehmensgruppe Heitkamp & Thumann will für Baldas operative Einheiten 70 Millionen Euro zahlen. Demnach hat der Metallwarenhändler, der vor der Einigung mit Paragon bereits mit Balda verhandelt hatte, sein früheres Angebot erhöht. Aus dem M&A-Deal würde Balda - einschließlich des auszuschüttenden Gewinns für das abgelaufene Geschäftsjahr - ein Bruttobetrag von rund 73,9 Millionen Euro zufließen. Nun muss Baldas Hauptversammlung entscheiden. Elector, der mit 29,43 Prozent größte Balda-Aktionär, hatte sich bereits verpflichtet, für den Verkauf an Paragon zu stimmen. Der Beschluss erfordert jedoch eine Dreiviertelmehrheit.

Warren Buffett hat seinen von den Unternehmen Berkshire Hathaway und National Indemnity Company gehaltenen Anteil an dem Rückversicherer Munich Re auf 9,7 Prozent reduziert. Die Unternehmen waren seit 2010 mit über 10 Prozent an Munich Re beteiligt, zuletzt mit rund 12 Prozent.

Der Stahl- und Metallhändler Klöckner & Co. hat über sein US-Tochterunternehmen Kloeckner Metals Corporation den Stahlverarbeiter American Fabricators übernommen. Der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben. Das Unternehmen erzielt mit rund 150 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 30 Millionen US-Dollar. Klöckner hat etwa 9.700 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 6,5 Milliarden Euro.

Die BASF-Tochter Wintershall und der russische Öl- und Gaskonzern Gazprom haben wie angekündigt ihren lange geplanten Asset-Tausch  vollzogen. Der Deal wurde rückwirkend zum 1. April 2013 abgeschlossen.

Der Pharmakonzern Merck will die Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich in den kommenden zwei Monaten abschließen. Eigentlich war dies schon für das dritte Quartal geplant. Allerdings stellt die Europäische Kommission die Bedingung, dass bestimmte Teile des Geschäfts mit Lösungsmitteln und anorganischen Stoffen von Sigma-Aldrich verkauft werden müssen. Entsprechende Verkaufsverhandlungen seien nun „im finalen Stadium“, wie Merck ankündigte. Zur Finanzierung des M&A-Deals hatte Merck unter anderem eine Anleihe über 2,1 Milliarden Euro begeben.

Die Baumarktkette Obi hat von den deutschen und österreichischen Wettbewerbsbehörden die Erlaubnis erhalten, den Konkurrenten Baumax zu übernehmen. Somit darf Obi ohne Auflagen langfristige Mietverträge abschließen und dadurch die Kontrolle über 68 der 105 Baumax-Filialen erlangen. Betroffen sind Standorte in Österreich, der Slowakei, Slowenien und Tschechien.

Die börsennotierte Bitcoin Group (vormals AE Innovative Capital) hat sämtliche Anteile der Bitcoin Deutschland übernommen. Finanziert wurde der Deal über eine Sachkapitalerhöhung, im Rahmen derer das Grundkapital auf 5 Millionen Euro erhöht wurde. Details des Deals wurden nicht bekanntgegeben.

Das auf Abgasnachbehandlung spezialisierte Unternehmen Twintec hat den Branchenkollegen Kontec übernommen. Die Transaktion soll im vierten Quartal vollzogen werden, der wirtschaftliche Übergang erfolgte zum 1. Oktober. Twintec zahlt 7 Millionen Twintec-Aktien aus einer Sachkapitalerhöhung für die Übernahme. Die Aktie notiert derzeit um 1 Euro. Das Unternehmen erwartet aus dem M&A-Deal eigenen Angaben zufolge für das kommende Geschäftsjahr eine Verdoppelung der Umsätze und des Ebitda auf 55 bis 60 Millionen Euro beziehungsweise rund 3,5 Millionen Euro.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.