Das waren die spannendsten Transaktionen rund um den Jahreswechsel: M&A-Deals von BASF, P&I, Euromicron.

Detlef W. Schmalow/BASF

03.01.20
Deals

M&A-Deals: BASF, P&I, Euromicron

BASF verkauft sein Bauchemiegeschäft, Hg holt sich P&I zurück, und alle Euromicron-Töchter wechseln den Besitzer: Der FINANCE-Überblick über die spannendsten Transaktionen zum Jahreswechsel.

BASF-Bauchemiegeschäft geht an Lone Star

Kurz vor dem Jahreswechsel hat BASF auch einen Käufer für die Bauchemiesparte gefunden: Für 3,17 Milliarden Euro übernimmt der US-Finanzinvestor Lone Star das Geschäft. Bereits im August vergangenen Jahres hatten die Ludwigshafener ihre Pigmentsparte nach Japan verkauft.

Das Bauchemiegeschäft setzte 2018 rund 2,5 Milliarden Euro um. Als Interessenten an der Sparte waren in den zurückliegenden Monaten auch die Private-Equity-Häuser Advent, Bain und Blackstone gehandelt worden, die sich Berichten zufolge jedoch im Sommer aus dem M&A-Prozess zurückgezogen haben sollen. Die Ludwigshafener wurden bei dem Deal von der Wirtschaftskanzlei Linklaters (Federführung: Tim Johannsen-Roth) beraten.

Hg kauft P&I von Permira zurück

Das britische PE-Haus Hg will das Softwareunternehmen P&I Personal und Informatik von Permira zurückkaufen. Bei dem Deal wird P&I mit 2 Milliarden Euro bewertet. Permira hatte P&I 2016 von Hg übernommen, Branchenkreisen zufolge damals für rund 800 Millionen Euro. Hg behielt damals eine Minderheit an dem Softwarehaus. Künftig will Hg wieder die Mehrheit übernehmen, der Verkäufer Permira will sich seinerseits als Minderheitseigner rückbeteiligen.

P&I ist der sechste Anbieter von HR-Software, an dem sich Hg beteiligt. Hg wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Latham & Watkins (Federführung: Oliver Felsenstein) unterstützt. Permira wurde bei dem Deal von Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Markus Paul) beraten.

Zech übernimmt Euromicron-Töchter

Euromicron findet einen Käufer für seine Tochtergesellschaften: Wie die Neu-Isenburger mitteilten, übernimmt die Gustav Zech Stiftung alle 16 Tochterunternehmen des insolventen Netzwerkausrüsters. Im Rahmen des geplanten Deals sollen die mittelständischen Betriebe aus den Bereichen Industrie 4.0, „digitalisierte Gebäude“ und „kritische Infrastrukturen“ an die Stiftung des deutschen Unternehmers Kurt Zech gehen.

Über den Gesamtkaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart – jedoch reiche der Zufluss aus den Unternehmensverkäufen aller Voraussicht nach nicht aus, um alle Insolvenzforderungen vollständig zu bedienen, so Euromicron. Der Netzwerkausrüster musste Mitte Dezember Insolvenz anmelden, was vor allem dem Großaktionär Funkwerk missfiel. Die Tochtergesellschaften waren dabei nicht von der Insolvenz betroffen.

Petrus Advisers macht Deal mit Commerzbank

Erst gestern berichteten verschiedene Nachrichtenagenturen, dass die Commerzbank mit Petrus Advisers in Verhandlungen getreten sein soll, um dem Hedgefonds seinen Anteil an der Tochter Comdirect abzukaufen. Heute bestätigte die Commerzbank die Berichte: Wie die Frankfurter Bank mitteilte, erwirbt sie das Comdirect-Aktienpaket von Petrus Advisers über eine Tochtergesellschaft. Petrus Advisers war mit 7,5 Prozent an der Comdirect beteiligt, und hatte den Anteil im Dezember sogar noch erhöht. Die Commerzbank hält nun nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent aller Comdirect-Aktien.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Da Petrus Advisers die Offerte von 11,44 Euro je Aktie allerdings für zu niedrig hielt, ist davon auszugehen, dass der finale Kaufpreis höher liegt. Aktuell liegt der Preis der Comdirect-Aktie bei 13,20 Euro. Der nächste Schritt für die Commerzbank ist nun der Squeeze-out der verbleibenden Comdirect-Aktionäre. Im Rahmen des deutschen Verschmelzungsrechts erhalten die restlichen Aktionäre nun eine Barabfindung. Die Höhe dieser Abfindung wird extern durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer sowie einen gerichtlichen Prüfer festgelegt.

Bankhaus Lampe steht kurz vor dem Verkauf

Offenbar steht die Unternehmerfamilie Oetker kurz vor dem Verkauf des Bankhauses Lampe: Nach Informationen der F.A.Z. stehen die Verkaufsverhandlungen kurz vor einer Entscheidung. Bereits vor Weihnachten hat Oetker den Bieterkreis um einige Parteien verkleinert, so die F.A.Z. unter Berufung auf Finanzkreise, die diese Information bestätigen. Demnach sind die Schweizer Großbank UBS, der französische Privatbankier Philippe Oddo sowie die Bethmann Bank bereits aus dem Bieterrennen ausgeschieden.

Das lenkt den Blick auf den chinesischen Mischkonzern Fosun, dessen Offerte der F.A.Z. zufolge höher sein soll als die 200 bis 300 Millionen Euro, die Oddo für das Bankhaus Lampe geboten haben soll. Fosun hatte bereits im Jahr 2016 die Privatbank Hauck & Aufhäuser übernommen.

Aurelius übernimmt Dätwyler-Bereiche

Die Schweizer Dätwyler-Gruppe hat ihre auf elektronische Komponenten ausgerichteten Geschäftsbereiche Distrelec und Nedis an den Turnaround-Investor Aurelius verkauft. Die Einheiten erwirtschaften rund 275 Millionen Euro Umsatz im Jahr und sollen künftig zu eigenständigen Unternehmen werden. Dafür werde der Käufer sie „finanziell und operativ unterstützen“, heißt es in einer Mitteilung.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Für Aurelius ist es nach eigenen Angaben die fünfte Akquisition des abgelaufenen Jahres, sie soll im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden. Aurelius wurde beraten von PwC (M&A), OC&C (Commercial), KPMG (Tax), Lenz & Staehelin und Linklaters (Legal M&A), Deloitte (Pension), Diva-e (E-Commerce), Digatus (IT) und Euro Transaction Solutions (Insurance).

ECM investiert in Umwelttechnologie

Die Beteiligungsgesellschaft ECM Equity Capital Management hat die Mehrheit an dem Umwelttechnologiedienstleister SIS übernommen. Mit dem neuen Investor an Bord sollen nun die Management- und Vertriebsstrukturen bei SIS ausgebaut werden. Unternehmensgründer Guido Soyk bleibt ECM zufolge „signifikant“ beteiligt und weiterhin geschäftsführender Gesellschafter. Vertriebsleiter Martin van der Veen steigt zum zweiten Geschäftsführer auf.

Über weitere Details der Transaktion haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Käufer wurden von Milbank (Recht und Strukturierung), Androschin & Partner (Due Diligence Markt), Ebner Stolz (Finanzen & Steuern) sowie Willis (Versicherung) beraten. Bei ECM verantworteten Alexander Schönborn, Florian Kähler und Christoph Demers die Transaktion. SIS wurde durch CFC Corporate Finance Contor und Thomas Bister (M&A und Recht) beraten.

Qiagen beendet Verkaufsgespräche

Das deutsch-niederländische Biotech Qiagen hat die Gespräche mit potentiellen Investoren an Heiligabend für beendet erklärt. Die Aktie verlor daraufhin sowohl in New York als auch in Frankfurt rund 20 Prozent an Wert. Aufsichtsrat und Vorstand des Biotechs bezeichneten die Angebote der potentiellen Interessenten als „nicht überzeugend“.

Das Unternehmen möchte künftig mit einer eigenständigen Strategie auf den Wachstumspfad zurückkehren. Im vergangenen November hatten gleich mehrere Wettbewerber Interesse an einer Übernahme von Qiagen bekundet. Dass die Kaufinteressenten einen erneuten und womöglich feindlichen Anlauf für die Übernahme des Biotech-Unternehmens starten, gilt dabei unter Analysten als nicht unwahrscheinlich.

Fresenius kauft in Kolumbien zu

Der Dax-Konzern Fresenius kauft über die Tochter Quirónsalud für rund 300 Millionen Euro die kolumbianische Privatklinik Centro Medico Imbanaco. Der Klinikbetreiber hatte in den zurückliegenden Monaten bereits mehrfach kleinere Investments in dem Land getätigt. Im Oktober 2018 trat Quirónsalud mit dem Kauf der Clínica Medellín in den kolumbianischen Markt ein, im September dieses Jahres folgten mit der Clínica Las Vegas und der Clínica del Prado zwei weitere Klinikzukäufe in Medellín. Ende November steckte der Fresenius-Klinikbereich Helios zudem rund 40 Millionen Euro in die Übernahme der kolumbianischen Diagnostikfirma Cedimed.

Delivery Hero kauft „Geister-Restaurants“

Der Essenslieferant Delivery Hero übernimmt sämtliche Geschäftsanteile an der Honest Food Company vom vorherigen Besitzer Good Brands. Good Brands war seit Juni 2017 an der vor zweieinhalb Jahren gegründeten Berliner Gesellschaft beteiligt. Finanzielle Konditionen der Transaktionen wurden nicht genannt.

Die Honest Food Company hat eine Kette für sogenannte „Geister-Restaurants“ aufgebaut. Diese haben keine Gasträume, sondern lediglich einen Abholbereich für Lieferdienste. Das Closing der Transaktion soll im ersten Quartal 2020 erfolgen. Delivery-Hero-CFO Emmanuel Thomassin hatte erst kürzlich mehrere Milliarden am M&A-Markt investiert, mit dem Ziel, für 3,6 Milliarden Euro den koreanischen Wettbewerber Woowa zu übernehmen.

IK übernimmt MDT Technologies

Der Private-Equity-Investor IK Investment Partners hat den Hersteller von Produkten zur Gebäudeautomation MDT Technologies übernommen. Finanzielle Details des M&A-Deals sind nicht bekannt. Die Transaktion soll nach Genehmigung durch die Kartellbehörden voraussichtlich im ersten Quartal 2020 abgeschlossen sein. Alantra hat IK als M&A-Berater begleitet und auch die Akquisitionsfinanzierung strukturiert. Die Finanzierung wurde über ein Senior-Unitranche-Darlehen des französischen Private-Debt-Managers Capza strukturiert. Rechtlich wurde IK von der Kanzlei Latham & Watkins (Federführung: Thomas Weitkamp) unterstützt.

Weitere Meldungen

Die Zerschlagung der deutschen Thomas Cook geht weiter: Im Rahmen der Insolvenz der britischen Konzernmutter wird die Call-Center-Tochter des deutschen Reiseunternehmens verkauft. Neuer Besitzer der Gesellschaft für Reisevertriebssysteme (GfR) ist die Münchner Beteiligungsgesellschaft Dubag. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Dubag will das Geschäft von GfR samt des bestehenden Managements weiterführen, zudem bekommt der Call-Center-Betreiber einen Manager von Dubag zur Seite gestellt. Die Insolvenzverwalter von Thomas Cook wurden bei dem Verkauf von der Kanzlei Noerr (Federführung: Dorothee Prosteder und Florian Becker) beraten.

Außerdem wurde für eine weitere Thomas-Cook-Gesellschaft ein Käufer gefunden: Wie die Insolvenzverwalter der Kanzlei Hermann Wienberg Wilhelm mitteilten, gehen Neckermann Reisen sowie verschiedene Domains an die türkische Anex Gruppe. Einen Kaufpreis nennt die Kanzlei nicht, der Deal steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörden. Anex hatte bereits im vergangenen Jahr den Türkeispezialisten Öger Tours sowie den Last-Minute-Anbieter Bucher Reisen übernommen.

Die Beteiligungsgesellschaft Mutares will im Rahmen eines Buy-and-Build-Ansatzes für ihr Portfoliounternehmen Keeeper Tableware das deutsche Papierserviettengeschäfts der finnischen Metsä Tissue übernehmen. Eine Vereinbarung ist bereits unterzeichnet, den Abschluss des M&A-Deals erwarten die Unternehmen im ersten Quartal 2020. Die Transaktion umfasst die Übernahme von Immobilien, Anlagen, Maschinen und Warenbeständen der Papiermühle Stotzheim sowie der Marken Mondial und Fasana. Im Geschäftsjahr 2018 setzte das Geschäft Mutares zufolge rund 45 Millionen Euro um. Die Keeeper-Gruppe erzielte 2018 einen Umsatz von rund 65 Millionen Euro. Metsä Tissue wurde bei der Transaktion von Hengeler Mueller begleitet.

AMS
hat im Rahmen der weiteren Annahmefrist für die Osram-Offerte nur noch 0,6 Prozent weitere Aktien eingesammelt. Somit kommt der österreichische Sensorhersteller auf einen Osram-Anteil von nunmehr 59,9 Prozent. In einem nächsten Schritt müssen die Aktionäre von AMS einer Kapitalerhöhung in Höhe von 1,65 Milliarden Euro zustimmen, mithilfe der die Übernahme finanziert werden soll.

Die Swiss Automotive Group (SAG) bindet den deutschen Online-Händler Autoteile Pöllath (ATP) durch eine Kapitalerhöhung enger an sich. Beide Unternehmen sollen künftig unter Führung der SAG zusammenarbeiten. Die Kapitalerhöhung durch die SAG, zu deren Volumen die Unternehmen keine Angaben machten, soll die langfristige Finanzierung von ATP sichern. Direkteinkäufe beider Unternehmen laufen künftig über die neu gegründete Schweizer Gesellschaft AT Sourcing. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. ATP wurde bei der Tranksaktion von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Georg Streit) beraten.

Das auf Schiebeanlagen spezialisierte Unternehmen Mincam, seit Mai 2018 Teil der Harald Quandt Industriebeteiligungen (HQIB), fusioniert mit Rausch, einem Anbieter von Inspektionssystemen. Der Zusammenschluss soll Synergien auf dem Markt für optische Rohr- und Kanalinspektionssysteme bringen. Beide Marken bleiben erhalten, auch die Geschäftsführungen der weiterhin eigenständigen Unternehmen bleiben unverändert. Die Unternehmen arbeiten künftig in einer gemeinsamen Unternehmensgruppe strategisch und operativ zusammen. Über Einzelheiten der Transaktion haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. CMS (Federführung: Hendrik Hirsch) hat HQIB rechtlich bei der Transaktion sowie dem Aufsetzen der Industrieholding beraten.

Die Suche der Baywa nach einem Minderheitsinvestor für die Tochter Baywa r.e. Renewable Energy dauert nach wie vor an: Man befinde sich „weiterhin in Verhandlungen über die Aufnahme eines Minderheitsgesellschafters“, teilte das Unternehmen kurz vor Weihnachten mit. Man gehe davon aus, den Prozess im ersten Quartal 2020 abschließen zu können. Zuvor hatte der Konzern Ende November verkündet, es lägen „mehrere attraktive Angebote“ vor. Die Aufnahme der Investoren, die 49 Prozent an der Tochter halten sollen, ist über eine Kapitalerhöhung geplant.

Compugroup Medical
übernimmt sämtliche Anteile an Epsilog, einem französischen Anbieter von Informationssystemen im Bereich ambulante Pflege, von Hevanance und Goodwill Systems. Der Kaufpreis beträgt 72 Millionen Euro, wobei es nach dem Closing zu Kaufpreisanpassungen kommen kann. Details hierzu nannten die Unternehmen nicht. Epsilog erzielte 2018 einen Umsatz von rund 14 Millionen Euro. Im vergangenen Herbst sorgte Compugroup mit einem geplatzten M&A-Deal und einer daraus resultierenden Gewinnwarnung für Aufsehen.

Der Londoner Technologiedienstleister Endava hat die Berliner Digitalagentur Exozet übernommen. Die Briten erhalten durch die Übernahme Zugriff auf den deutschen Kundenstamm und wollen zudem in neue Geschäftsfelder vordringen. Finanzielle Details der Transaktion sind nicht bekannt. Die Kanzlei Simmons & Simmons (Federführung: Stephan Ulrich) hat Endava beraten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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