Nach eineinhalb Jahren und weitreichenden Zugeständnissen erhält Bayer nun die Freigabe für der US-Justiz für die Übernahme von Monsanto.

Bayer AG

01.06.18
Deals

M&A-Deals: Bayer, Grammer, Techem

Die US-Justiz gibt grünes Licht für den Bayer-Monsanto-Deal, ein chinesischer Investor will Grammer übernehmen, und der PE-Investor Macquarie verkauft nach über zehn Jahren den Heizkostenableser Techem. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Bayer erhält US-Freigabe für Monsanto-Übernahme

Das US-amerikanische Justizministerium (Department of Justice) hat die gut 54 Milliarden Euro schwere Übernahme des Saatgutproduzenten Monsanto durch den Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer genehmigt. Allerdings erfolgt die Zustimmung nur unter strengen Auflagen. Bayer muss sich im Zuge des größten Deals seiner Unternehmensgeschichte von Geschäftsteilen im Wert von rund 7,8 Milliarden Euro trennen. Bereits im Vorfeld der Freigabe hatte sich angedeutet, dass die Freigabe nur unter hohen Auflagen erfolgen dürfte.

Mit der Genehmigung der USA ist Bayer bei der im September 2016 angekündigten Übernahme von Monsanto fast am Ziel. Zuvor hatte der Leverkusener Konzern bereits die Freigabe der EU-Kommission und den Wettbewerbshütern aus Indien, Russland, Brasilien, Südafrika und China erhalten. Nun fehlen nach wie vor die behördlichen Freigaben aus Mexiko und Kanada, diese gelten allerdings als unkritisch.

Als größter Nutznießer der Bayer-Zwangsverkäufe gilt der Wettbewerber BASF, der sich durch zwei Übernahmen große Teile des Bayer-Saatgutgeschäfts sichern konnte. Zeitweise sah es so aus, als könnte BASF in einen Bieterstreit mit dem Saatguthersteller KWS Saat geraten. Der niedersächsische Wettbewerber hatte Interesse an der zum Verkauf stehenden Bayer-Sparte angemeldet. Nachdem die EU-Kommission sich für eine Übernahme der Bayer-Geschäftsteile durch BASF ausgesprochen hatte, hat KWS sein Gebot wieder zurückgezogen.

Chinesischer Konzern Ningbo Jifeng übernimmt Grammer

Der chinesische Konzern Ningbo Jifeng übernimmt den Autozulieferer Grammer. Eine entsprechende Investorenvereinbarung sei unterzeichnet worden, teilten die Bayern mit. Ningbo Jifeng bietet für den SDax-Konzern 60 Euro plus 1,25 Euro Dividende je Aktie. Grammer wird demnach mit rund 772 Millionen Euro bewertet. Derzeit kontrollieren die Chinesen rund ein Viertel der Grammer-Aktien.

Ningbo Jifeng war Anfang 2017 über eine Wandelanleihe bei dem Autozulieferer eingestiegen, um eine mögliche feindliche Übernahme durch die bosnische Unternehmerfamilie Hastor zu verhindern. Der Einstieg der Chinesen kommt für Grammer zu einem sehr guten Zeitpunkt. Vergangene Woche gab der Konzern noch bekannt, den größten Deal der Firmengeschichte zu wagen. Für umgerechnet rund 230 Millionen Euro übernehmen die Bayern den US-amerikanischen Wettbewerber Toledo Molding. Grammer wird bei der Transaktion von der Anwaltskanzlei Ashurst (Federführung: Thomas Sacher und Reinhard Eyring) beraten.

Partners Group kauft Techem von Macquarie

Der Private-Equity-Investor Macquarie verkauft nach zehn Jahren den Heizkostenableser Techem an ein Konsortium bestehend aus der Partners Group und dem kanadischen Pensionsfonds verkauft. Techem wird bei der geplanten Transaktion mit 4,6 Milliarden Euro bewertet. Im Geschäftsjahr 2016/17 erzielte der Eschborner Konzern einen Umsatz von 782,7 Millionen Euro, ein Plus von gut 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Nachrichtenagentur „Reuters“ hatte Mitte April unter Berufung auf Insider berichtet, dass es drei Interessenten für Techem gebe.

Das Konsortium um die Partners Group will durch den Zukauf die internationale Präsenz von Techem weiter ausbauen und neue Technologien entwickeln. Der Heizkostenableser beschäftigt heute 3.600 Mitarbeiter. Macquarie wurde bei der Transaktion von Linklaters (Federführung: Ralph Drebes und Ann-Catherine Hoffmann) beraten. Partners Group wurde von Freshfields unterstützt.

Lutz Helmig erhöht Angebot für Baukonzern M&R

Aton, eine Beteiligungsgesellschaft im B2B des deutschen Milliardärs Lutz Helmig, hat ihr Übernahmeangebot für den südafrikanischen Baukonzern Murray & Roberts (M&R) aufgestockt. Helmigs Investmentgesellschaft bietet nun umgerechnet rund 520 Millionen Euro für M&R, 13 Prozent mehr als bisher, heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“. Gleichzeitig stockt Aton seine Beteiligung von knapp 40 auf 44 Prozent auf. Für die Anteilsscheine zahlt die Gesellschaft 17 südafrikanische Rand, was umgerechnet 1,17 Euro entspricht.

Das Management von M&R wehrt sich gegen die Übernahme. Auch der zweitgrößte Aktionär, der Staatsfonds PIC, will nicht auf das Angebot eingehen. In der vergangenen Woche hatte M&R selbst ein Kaufangebot für den ebenfalls in der Bau- und der Bergbau-Branche aktiven südafrikanischen Rivalen Aveng angekündigt.

JAB-Holding übernimmt Sandwichkette Pret A Manger

JAB, eine Investmentholding der Familie Reimann, kauft die britische Sandwichkette Pret A Manger von dem Finanzinvestor Bridgepoint. Offizielle Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Nach Informationen der „Financial Times” bezahlt JAB inklusive Schulden 1,5 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro). Pret A Manger betreibt derzeit weltweit 530 Sandwich-Läden und erwirtschafte zuletzt einen Umsatz von 879 Millionen Pfund (rund 1 Milliarde Euro).

Mit diesem Deal setzt die JAB-Holding ihre Einkaufstour weiter fort. Zuletzt kaufte sie im April 2017 die US-Bäckereikette Panera Bread für 7,5 Milliarden Dollar (rund 6,5 Milliarden Euro). Im Februar folgte dann die Übernahme des Getränkeherstellers Dr Pepper Snapple für 18,7 Milliarden Dollar (rund 16,2 Milliarden Euro).

Einstieg von Softbank bei Swiss Re gescheitert

Die Verhandlungen über einen Einstieg des japanischen Telekommunikationskonzerns Softbank bei dem Schweizer Rückversicherer Swiss Re sind gescheitert. Die beiden Unternehmen beendeten die Gespräche nach fast vier Monaten. Swiss Re wolle seine Technologiestrategie intern und in Zusammenarbeit mit externen Partnern vorantreiben, teilten die Züricher in einer Pressemitteilung mit.

Die beiden Unternehmen hatten seit Februar über einen Einstieg der Japaner bei dem Schweizer Rückversicherer verhandelt. Swiss Re zufolge war eine Beteiligung von höchstens zehn Prozent im Gespräch. In den vergangenen Wochen berichtete die „Financial Times“ unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen bereits über ein mögliches Scheitern der Verhandlungen.

Weitere Meldungen

Der Verkaufsprozess der krisengebeutelten HSH Nordbank könnte sich nach Einschätzung des HSH-Aufsichtsratschefs Thomas Mirow weiter in die Länge ziehen. Mirow hatte in einem Interview mit dem „Weser Kurier“ Zweifel an der Aussage des HSH-Vorstandschefs Stefan Ermisch geäußert, der von einem Abschluss der Privatisierung im Sommer dieses Jahres ausgeht. Ein Vollzug der Übernahme bis zum 30. Juni ist nach Aussage Mirows „sportlich“. Der Verkaufsprozess war kürzlich ins Stocken geraten, nachdem in den vergangen Wochen Zweifel an der milliardenschwere Übernahme durch ein Finanzkonsortium um die US-Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers aufgekommen waren. Der zentrale Streitpunkt dreht sich darum, ab wann die HSH den vollen Schutz der Privatbanken genießen soll.

Der Versicherungsriese Allianz war in der vergangenen Woche gleich zwei Mal auf dem M&A-Markt aktiv. Die Münchener beteiligen sich mit 8 Prozent an dem afrikanischen Rückversicherer Africa Re und bezahlten dafür 69 Millionen Euro. Gleichzeitig hat die Allianz im Zuge einer Finanzierungsrunde ihre Beteiligung an dem britisch-italienische Fintech Moneyfarm aufgestockt. In welcher Höhe die Beteiligung ausfällt, ist nicht bekannt. Nach eigenen Angaben ist der Versicherungskonzern nun der größte Minderheitsaktionär von Moneyfarm.

Die Deutsche Börse übernimmt die US-amerikanische Währungshandels-Plattform GTX Electronic Communication Network. Wie der Börsenbetreiber mitteilte, liegt der Kaufpreis liegt bei 100 Millionen Dollar (rund 87 Millionen Euro). GTX verzeichnete 2017 einen Bruttoerlös von 23 Millionen Dollar (rund 20 Millionen Euro).

Die PE-Investoren Cinven, Cerberus sowie Triton wollen sich offenbar an dem Wohnmobil- und Caravanhersteller Erwin Hymer beteiligen. Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge bewerten die Finanzinvestoren Hymer bei ihrem geplanten Einstieg mit 2 Milliarden Euro. Das Blatt beruft sich auf mit der Sache vertraute Personen. Die Verhandlungen befänden sich den Insidern zufolge noch in einem frühen Stadium. Es sei möglich, dass noch weitere Interessenten dazu stoßen. Erst im März hatte Hymer angekündigt, dass der Einstieg eines strategischen Partners geprüft werde.

Der Automobilkonzern Daimler steigt über seine Tochtergesellschaft Mobility Services beim estnischen Uber-Konkurrenten Taxify ein. Im Zuge einer Finanzierungsrunde haben sich die Stuttgarter mit 175 Millionen Dollar (152 Millionen Euro) beteiligt. Laut eigenen Angaben ist Daimler damit der größte Taxify-Investor. Daimler wird bei der Transaktion von der Anwaltskanzlei Noerr (Federführung: Barbara Kusak und Alexander Hirsch) beraten.

Der Private-Equity-Investor Halder trennt sich von seiner Beteiligung an dem Medizintechnikunternehmen Klingel Medical Metal. Bei dem Käufer handelt sich um den Finanzinvestor IK Investment Partners. Ein Kaufpreis ist nicht bekannt. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete Klingel mit rund 300 Mitarbeitern einen Umsatz von 36,5 Millionen Euro. IK wurde bei der strategischen Due Diligence von Alvarez & Marsal (Federführung: Georg Hochleitner) beraten. Bei der Financial Due Diligence unterstützte die Kanzlei Ebner Stolz (Federführung Claus Bähre).

Der chinesische Technologiekonzern Kangde Composites hat den Carbon- und Glasfaserhersteller SGL Kümpers übernommen. Der Abschluss der Transaktion soll im dritten Quartal 2018 erfolgen. Kangde Composites wurde bei dem Deal von der Wirtschaftskanzlei Eversheds Sutherland (Federführung: Alexander Honrath) beraten. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.

Der Energiesystemhersteller Viessmann Group hat das auf Smart-Home-Lösungen spezialisierte Unternehmen Wibutler übernommen. Das IT-Unternehmen musste Anfang Mai Insolvenz anmelden. Ein Kaufpreis wurde nicht öffentlich gemacht. Viessmann wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Johan Schneider) beraten. Die Sanierung Wibutlers betreute der Wirtschaftsprüfer BDO (Federführung: Steffen Reusch) und der Insolvenzverwalter Pluta (Federführung: Stefan Meyer).

EQT Ventures, eine Tochterfirma der Beteiligungsgesellschaft EQT, ist bei dem Stuttgarter Softwareunternehmen Philandro eingestiegen. Der Venture-Capital-Arm von EQT verwaltet eigenen Angaben zufolge ein Vermögen von 566 Millionen Euro. EQT Ventures wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke (Federführung: Matthias Elser und Mikael Moreira) beraten. Details über die Höhe der Beteiligung oder den Kaufpreis sind nicht bekannt.

Die niederländische Koninklijke Drukkerij Em. de Jong hat die Jungfer Druckerei und Verlag GmbH mit Sitz in Herzberg am Harz und deren niederländische Tochterfirmen übernommen. Beide Unternehmen sind im Segment der Werbebeilagen spezialisiert. Jungfer Druckerei und Verlag erzielt eigenen Angaben zufolge mit 360 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro. I-capital (Federführung: Torben Seikowsky, Wibke Wilkens und Christian Stahl) und die Rechtsanwaltsgesellschaft Luther (Federführung: Thomas Halberkamp und Sebastian Rabe) haben Jungfer Druckerei und Verlag beraten. Koninklijke Drukkerij Em. de Jong wurde von einem Team von KPMG (Federführung: Heiko Hoffmann) unterstützt.

Der südafrikanische Medienkonzern Naspers ist über den zu seiner Tochter OLX Group gehörenden Investmentarm OLX Ventures bei der Berliner Gebrauchtwagen-Plattform Frontier Car Group (FCG) eingestiegen. OLX Ventures hat sich in einer Finanzierungsrunde mit 89 Millionen Dollar (rund 77 Millionen Euro) an FCG beteiligt. Mit dem neuen Investment will der Online-Marktplatzanbieter OLX Group die Märkte in Afrika, Lateinamerika und Asien weiter ausbauen. Naspers wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Gleiss Lutz (Federführung: Martin Viciano Gofferje und Ralf Morshäuser) beraten.

Der Anbieter von Marketing Cloud Services, Censhare, hat die Düsseldorfer Agentur Kontrast Communication Services sowie die Berliner Marketing-Plattform 360dialog übernommen. Durch die Übernahmen entsteht eigenen Angaben zufolge ein kombiniertes Unternehmen mit rund 500 Mitarbeitern und einem Umsatz in Höhe von rund 45 Millionen Euro. Zudem erweitern die Zukäufe das Marketing-Technologie-Portfolio der Du Mont Mediengruppe, eines Investors von Censhare. Censhare wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Noerr (Federführung: Georg Schneider und Marlies Raschke) beraten.

Der Kältemittellieferant Arthur Friedrichs hat sämtliche Geschäftsteile an die englische A-Gas-Gruppe verkauft. Arthur Friedrichs Kältemittel wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO (Federführung: Steffen Eube und Thorsten Schumacher) unterstützt. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.