Biotest

26.01.18
Deals

M&A-Deals: Biotest, Niki, Constantin

Die Übernahme von Biotest durch Creat gelingt doch noch, Niki hat einen neuen Eigentümer und Highlight übernimmt seinen ehemaligen Mutterkonzern Constantin. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Grünes Licht für Biotest-Übernahme durch Creat

Der chinesische Investor Creat darf den deutschen Arzneimittelhersteller Biotest nun doch übernehmen. Der US-Ausschuss CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States) hat die Freigabe für die Akquisition für das Unternehmen aus dem hessischen Dreieich erteilt. Der Ausschuss überprüft M&A-Deals, die Geschäftsbereiche in den Vereinigten Staaten und die Sicherheit beeinflussen könnten. Im November hatte es noch so ausgesehen, als würde Creat mit der milliardenschweren Übernahme scheitern. Damals hatte CFIUS den Kauf zunächst vorläufig gestoppt. Grund dafür waren Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit der Creat-Tochter Tiancheng.

Um den Deal zu retten, musste Biotest sein komplettes US-Geschäft verkaufen. Bis zum Vollzug der Transaktion werden sich die Geschäfte bei einem US-amerikanischen Treuhänder befinden. Creat hatte im Mai ein offizielles Übernahmeangebot für Biotest vorgelegt. Die Chinesen bzahlen 1,3 Milliarden Euro inklusive Schulden für Biotest.

Niki Lauda erhält Zuschlag für Air-Berlin-Tochter Niki

Niki Lauda hat in der Neuauflage des Verkaufsprozesses von Niki den Zuschlag für die insolvente Air-Berlin-Tochter erhalten. Dies verkündeten der deutsche Insolvenzverwalter Lucas Flöther und die österreichische Masseverwalterin Ulla Reisch am Dienstagmorgen in einer Presseerklärung. Somit ist die vor gut zwei Wochen beschlossene Übernahme von Niki durch die spanische IAG-Tochter Vueling hinfällig. Die Fluggesellschaft hatte bereits einen Kaufvertrag unterschrieben und war bereit, 20 Millionen Euro für Niki zu bezahlen. 

Aufgrund einer Beschwerde des Fluggastrechtedienstleisters Fairplane musste der Verkaufsprozess jedoch neu aufgerollt werden. Fairplane hatte eine Verlagerung des anfangs in Deutschland geführten Insolvenzverfahrens nach Österreich verlangt und Recht erhalten. Abzuwarten ist, wie IAG und Vueling auf die jetzige Entwicklung reagieren werden. Bisher ist nicht bekannt, ob der Billigflieger sich an dem österreichischen Verkaufsprozess beteiligt hatte.  

Niki soll künftig unter dem Namen Laudamotion firmieren und Ende März den Flugbetrieb wiederaufnehmen. Außerdem erklärte Niki Lauda, dass er sich 15 der 21 früheren Niki-Flugzeuge gesichert habe, die die Lufthansa übernommen hatte. Der Dax-Konzern wies diese Darstellung allerdings zurück. Es sei noch keine Einigung bezüglich der Flugzeuge getroffen worden und man verhandle noch mit anderen Parteien über einen möglichen Verkauf der Maschinen. Bei der Übernahme durch Niki Lauda wurde Niki von der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Konrad Schott).

Highlight Communications übernimmt Constantin Medien

Der Schweizer Medienkonzern Highlight Communications übernimmt gemeinsam mit der Investmentfirma der Familie Studhalter den deutschen Film- und Sportvermarkter Constantin Medien. Im Zuge eines öffentlichen Übernahmeangebots an Constantin Medien sind Highlight gut 38 Prozent der ausgegebenen Aktien angedient worden, teilte das Unternehmen mit Sitz in Pratteln mit. Highlight und Studhalter hatten den Aktionären 2,30 Euro je Aktie geboten. Bereits vor der Übernahme war Highlight mit rund 30 Prozent der größte Aktionär bei Constantin Medien.

Zwischen Highlight und seiner ehemaligen Konzernmutter Constantin Medien kam es im vergangenen Jahr zu einem Machtkampf. Highlight-CEO Bernhard Burgener hatte sich einen langwierigen Streit mit dem Constantin-Aufsichtsratschef Dieter Hahn geliefert. Grund für die Auseinandersetzung war, dass Hahn das Filmgeschäft abspalten und das Unternehmen auf die Sportberichterstattung hatte konzentrieren wollen. Burgener hingegen hatte das Unternehmen als Ganzes erhalten wollen.

Steinhoff verkauft weitere PSG-Anteile

Der kriselnde Möbelkonzern Steinhoff hat sich von weiteren Anteilen an der südafrikanischen PSG-Gruppe getrennt. Laut eigenen Angaben platzierte der MDax-Konzern knapp 29,5 Millionen Aktien in einem beschleunigten Bookbuilding-Verfahren bei institutionellen Investoren. Die Poco-Mutter konnte ihr PSG-Anteile letztendlich für 240 Südafrikanische Rand verkaufen. Durch die Veräußerung des Aktienpakets sind dem deutsch-südafrikanischen Unternehmen knapp 480 Millionen Euro zugeflossen. Im Dezember des vergangenen Jahres hatte Steinhoff bereits PSG-Anteile verkauft und 290 Millionen Euro erlösen können. Nach dem Verkauf des Aktienpakets liegt die Beteiligung von Steinhoff an der PSG-Gruppe unter 3 Prozent.

Den Verkaufserlös dürfte Steinhoff dazu nutzen, um die Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Das deutsch-südafrikanische Unternehmen hatte Anfang Dezember Bilanzunregelmäßigkeiten eingestehen müssen. In Folge dessen zog der Möbelkonzern die Zahlen für 2016, als auch die Bilanzen einzelner Gesellschaften für das Jahr 2015 zurück. Zuletzt hatte Steinhoff über eine Rettungsfinanzierung über 200 Millionen Euro verhandelt, wie FINANCE exklusiv erfahren hatte. Weiteres Geld könnte Steinhoff durch den Verkauf der britischen Tochter Poundland erhalten, über den verschiedene Medien berichtet hatten. 

White Tale steigt bei Clariant aus

Der aktivistische Investor White Tale verkauft seine Beteiligung an dem Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant. Bei dem Käufer handelt es sich um das saudi-arabische Chemieunternehmen Sabic, das die 24,99 Prozent der Clariant-Anteile von White Tale übernimmt.  White Tale hatte im Oktober des vergangenen Jahres Schlagzeilen gemacht. Der Investor hatte die 14 Milliarden Euro schwere Fusion von Clariant und dem US-amerikanischen Wettbewerber Huntsman zum Scheitern gebracht.

Jetzt steigt der Investor überraschenderweise bei Clariant aus. Die genauen Pläne von Sabic sind noch unklar. Jedoch teilte das Unternehmen bereits mit, dass man keine Absichten habe „eine vollständige Übernahme zu starten oder in anderer Weise herbeizuführen“.

Prevent übernimmt Halberg Guss

Der deutsch-bosnische Automobilzulieferer Prevent übernimmt über seine Tochtergesellschaft Castanea Rubra die saarländische Gießerei Halberg Guss von der Süddeutschen Beteiligungs GmbH (SDB). Das geht aus einem Bericht des „Handelsblatt“ hervor. Demnach soll der Kaufpreis im niedrigen dreistelligen Millionenbereich liegen. Das Blatt beruft sich dabei auf Informationen aus Branchenkreisen. 

Hinter Prevent steht die bosnische Unternehmerfamilie Hastor, die zuletzt durch die gescheiterte Grammer-Übernahme und den Machtkampf beim insolventen Küchenbauer Alno Schlagzeilen gemacht hatte. Der Zulieferer Prevent ist hingegen bekannt dafür, dass er 2016 durch einen Lieferstopp tagelang die Produktion bei Volkswagen zum Stillstand gebracht hatte.

Halberg Guss beschäftigt laut SDB 3.000 Mitarbeiter an drei Standorten und kommt auf einen Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro. SDB hatte das saarländische Unternehmen erst im Juni 2017 vom damaligen Eigentümer, dem niederländischen Finanzinvestor HTP-Automotive, erworben.

Drive Now und Car2Go stehen offenbar vor Fusion

Die Hinweise über eine mögliche Fusion der Carsharing-Dienstleister Drive Now und Car2Go verdichten sich. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Insiderinformationen. Demnach wollen die beiden Muttergesellschaften der Carsharing-Dienstleister, die Autobauer BMW und Daimler, bereits im Februar die Fusion bekanntgeben. 

Dem Bericht zufolge sollen Drive Now und Car2Go eigenständig bleiben. Jedoch würden beide Unternehmen künftig auf einer IT-Basis laufen, um Kosten einzusparen, heißt es weiter. Mit Abschluss des M&A-Deals soll die Bewertung des neu geschaffenen Carsharing-Riesen bei 1 Milliarde Euro liegen. Bereits vor einem Jahr kamen die ersten Gerüchte auf, wonach BMW und Daimler über eine Fusion ihrer Carsharing-Dienste verhandeln würden.

M&A-Personalien

Matthias Meyer ist seit Anfang des Jahres neuer Partner im Münchener Büro der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, wo er den Bereich Corporate Finance verstärken soll. Die Beratungsschwerpunkte von Meyer liegen unter anderem bei Corporate Finance- und Transaktionsgeschäfte. Zuletzt war er als Practice Area Director im Bereich M&A/Corporate Finance bei der Unternehmensberatung Bain & Company tätig.

Christian Büchelhofer ist seit Anfang des Jahres neuer Managing Director bei dem Beratungsunternehmen Valuetrust. Büchelhofer wechselt von KPMG Deal Advisory zu Valuetrust. Er ist spezialisiert auf Beratungen bei Transaktionen mit dem Fokus auf Wertschöpfung.

Jan-Philipp Matthewes verstärkt das Team der Düsseldorfer Beratungsgesellschaft Corporate Finance Mittelstandsberatung als Associate Partner. Er war zuletzt Geschäftsführender Gesellschafter eines Family Office und zuvor unter anderem für Odewald & Compagnie sowie die WestLB AG tätig. Bei CF-MB soll er das Beratungsangebot im Bereich Strukturierte Finanzierungen ausbauen. In der Transaktionsberatung ist Niklas Joosten als Manager neu an Bord. Er ist von der IKB gewechselt.

Weitere M&A-Deals

Die Beteiligungsgesellschaft Prolimity Capital Partners hat am 22. Januar den insolventen Wochenblatt-Verlag der Region Bodensee & Oberschwaben übernommen. Das Unternehmen wird zukünftig unter dem Namen Unabhängiges Wochenblatt firmieren. Das Ravensburger Unternehmen besteht seit 45 Jahren und erreicht nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Leser pro Woche. Das Unternehmen sollte aufgrund eines Beschlusses des früheren Eigentümers im November 2017 liquidiert werden und geriet dadurch in die Insolvenz. In Zukunft wird das Wochenblatt von Sven Jetter, dem langjährigen Vertriebsleiter, und Christoph Fluhr, einem Managing Partner von Prolimity, geleitet. Die Anwaltskanzlei Clifford Chance stand Prolimity bei der Transaktion beratend zur Seite. 

Der Abfallentsorger Remondis steht offenbar kurz vor der Übernahme des Betreibers des Mülltrennungssystems Grüner Punkt. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet von konkreten Verhandlungsgesprächen. Grüner Punkt wird aktuell vom Dualen System Deutschland (DSD) betrieben. DSD wiederum gehört mehrheitlich dem Private-Equity-Investor H.I.G. Capital und dem Finanzinvestor Bluebay. Die beiden Eigentümer hatten ihr Asset vor einem Jahr zum Verkauf gestellt. Der „FAZ“ zufolge sind beide Seiten guter Dinge, dass es zu einem Abschluss des M&A-Deals kommt. 

Der Kupferkonzern Aurubis übernimmt alle Anteile an Deutsche Giessdraht, einem Gemeinschaftsunternehmen von Aurubis und Codelco Kupferhandel. Bisher hatte Aurubis 60 Prozent der Anteile und Codelco 40 Prozent der Anteile an dem Emmericher Joint Venture gehalten. Deutsche Giessdraht produziert Kupfer-Gießwalzdraht und beschäftigt eigenen Angaben zufolge rund 110 Mitarbeiter.

Die Beteiligungsgesellschaft Odewald KMU II hat das Ingenieurbüro Langer & Lautmann erworben. Das Unternehmen ist unter anderem auf den Einbau und die Modernisierung von Türantrieben für Aufzüge spezialisiert. Im Zuge der Transaktion haben sich die bisherigen geschäftsführenden Mehrheitsgesellschafter an dem Unternehmen aus Nordwalde rückbeteiligt. Sie werden laut eigenen Angaben das Unternehmen weiterhin leiten. Die Wirtschaftskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Pär Johansson) und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz  haben Odewald KMO II bei der Transaktion beraten.

Der Finanzinvestor Deutsche Private Equity (DPE) hat die Mehrheit an der Air-Alliance-Gruppe, einem Anbieter von Dienstleistungen im Luftfahrtbereich, erworben. Der Gründer und Geschäftsführer, Wolfgang Krombach, wird weiterhin am Unternehmen beteiligt bleiben, teilte das Unternehmen mit. Air Alliance beschäftigt eigenen Angaben zufolge mehr als 130 Mitarbeiter und bietet unter anderem Wartungs- und Instandhaltungsleistungen für Privat- und Geschäftsflugzeuge an. DPE wurde bei der Transaktion von der Anwaltskanzlei Noerr (Federführung: Georg Schneider) beraten.

Der Personaldienstleister TP Group Service übernimmt den Konkurrenten Mach Professionals. Mach ist im Bereich Arbeitnehmerüberlassung und Personalvermittlung für die Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie tätig. TP Group ist seit vergangenem Jahr Teil des Zeitarbeitskonzern House of HR. Nach eigenen Angaben soll mit der Übernahme der Wachstumskurs in Deutschland fortgesetzt werden. Die Wirtschaftskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Peter Ladwig) stand TP Group Service bei der Transaktion beratend zur Seite.

Die luxemburgische Beteiligungsgesellschaft Active Ownership übernimmt gemeinsam mit dem Kupplungshersteller Dellner den Produzenten von Industriebremsen Pintsch Bubenzer. Bei dem Kirchener Unternehmen handelt es sich um eine Tochtergesellschaft des Verkehrstechnikunternehmens Schaltbau. Mit einem Abschluss des Deals wird bis Ende Februar gerechnet. Active Ownership wurde bei der Transaktion von der Anwaltskanzlei DLA Piper (Federführung: Andreas Füchsel) beraten. Auf Seiten von Schaltbau war die Wirtschaftskanzlei Noerr (Federführung: Sebastian Voigt und Jens Gehlich) unterstützend tätig. 

Die französische Kommunikationsagentur Havas hat die Kommunikationsberatung Deekeling Arndt Advisors (DAA) übernommen. Bei den Verkäufern handelt es sich um die Gründer und bisherigen Mehrheitsgesellschafter von DAA. Zum Kaufpreis oder der Höhe der Beteiligung von Havas machten die Unternehmen offiziell keine Angaben. Jedoch berichtet das Branchenmagazin Horizont davon, dass Havas 51 Prozent der DAA-Anteile übernimmt. Die Gesellschafter von DAA wurden von DLA Piper (Federführung: Benjamin Parameswaran und Philipp Clemens) beraten.

Die Energiesparte des Baywa-Konzerns, Baywa renewable energy, hat den Solartechnikanbieter Sybac Service übernommen. Sybac beschäftigt aktuell 24 Mitarbeiter, die Unternehmensangaben zufolge ebenfalls von Baywa übernommen werden. Bei dem M&A-Deal wurde Baywa von der Beratungsgesellschaft Baker Tilly unterstützt.

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.