Die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream übernimmt die Fondsvertriebsplattform der UBS mehrheitlich.

Deutsche Börse AG

24.01.20
Deals

M&A-Deals: Clearstream, ThyssenKrupp, Metro

Clearstream übernimmt das UBS Fondcenter, ThyssenKrupp hat offenbar eine Shortlist für die Aufzugsparte, und zwei Großaktionäre können jetzt bei Metro ein Veto einlegen: Die spannendsten M&A-Deals der Woche in unserem FINANCE-Rückblick.

Clearstream kauft Fondsplattform von UBS

M&A-Deal in der Finanzbranche: Die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream übernimmt die Mehrheit an Fondcenter, der Fondsvertriebsplattform der Schweizer Großbank UBS. Im Zuge der Transaktion erwirbt der Nachhandelsdienstleister der Deutschen Börse 51,2 Prozent der Anteile an Fondcenter. Wie die UBS mitteilte, soll das Fondcenter mit dem Clearstream Fund Desk zusammengelegt werden. Den Schweizern zufolge entstehe dadurch eine B2B-Fondsvertriebsplattform mit einem verwalteten Vermögen im Wert von rund 230 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 207 Milliarden Euro).

UBS behält zunächst die Minderheitsbeteiligung an ihrer Sparte in Höhe von 48,8 Prozent. Die Schweizer haben aber die Möglichkeit, ihren Anteil später an Clearstream zu verkaufen. Der Kaufpreis beträgt 389 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 362 Millionen Euro), teilte die Deutsche Börse mit.

Die UBS rechnet durch den Zukauf mit einem Gewinn nach Steuern von 600 Millionen US-Dollar (540 Millionen Euro) und einer Erhöhung des harten Kernkapitals um 400 Millionen US-Dollar (360 Millionen Euro). Mit dem Abschluss der Transaktion rechnen die Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres. Die Deutsche Börse wurde bei dem Deal von der Schweizer Kanzlei Bär & Karrer sowie der Investmentboutique Ardea Partners beraten.

ThyssenKrupp sortiert Bieter für die Aufzugsparte aus

ThyssenKrupp verkleinert offenbar das Bieterfeld für eine Übernahme der Aufzugsparte. Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ aus Finanzkreisen erfuhr, ist die in Hong Kong ansässige Private-Equity-Gesellschaft Hillhouse Capital offenbar nicht mehr im Rennen um die Übernahme von „Elevators“. Sie soll sich Bloomberg zufolge allerdings gegen ein Gebot entschieden haben. Aussortiert haben soll der Essener MDax-Konzern offenbar die brasilianisch-amerikanische Investmentgesellschaft 3G Capital.

Noch im Rennen ist dem Bericht zufolge das Konsortium um die Finanzinvestoren Blackstone, Carlyle und Canada Pension Plan, ebenso wie die Bietergruppe um Advent, Cinven und den Staatsfonds von Abu Dhabi. Der Vermögensverwalter Brookfield, der sich mit Temasek verbündet hat, sowie der finnische ThyssenKrupp-Wettbewerber Kone, der sich mit CVC Capital Partners zusammengeschlossen hat, haben demnach offenbar auch noch Chancen auf den Deal.

Der kriselnde MDax-Konzern will sich im Rahmen einer Restrukturierung von seiner Ertragsperle Elevator trennen, um frisches Kapital in die eigenen Kassen zu spülen. Lange war jedoch unklar, ob es zu einem Börsengang oder einem Verkauf der Sparte kommen soll.

Metro: Beisheim und Meridian vs. Kretinsky?

Beisheim und Meridian haben ihren Anteil an Metro auf eine faktische Sperrminorität ausgebaut: Die beiden Großaktionäre sind nun mit 23,06 Prozent an dem Düsseldorfer Handelskonzern beteiligt und haben sich damit ein Vetorecht auf künftigen Metro-Hauptversammlungen gesichert. Dabei hält die Meridian Stiftung 15,87 Prozent der Anteile, 7,19 Prozent entfallen auf die Stiftung des Metro-Mitgründers Otto Beisheim.

Über die Zukäufe kann sich das Metro-Management freuen, denn Beisheim und Meridian unterstützen Metros Fokus auf das Großhandelsgeschäft. Für Daniel Kretinsky, der aktuell 29,99 Prozent der Metro-Aktien hält, wird es hingegen eng: Der Plan des Tschechen, Metro komplett zu übernehmen und dem Handelskonzern einen hohen Leverage aufzubürden, ist nun wohl vom Tisch.

Zieht Kretinsky die zweite Tranche der Haniel-Option, würde sein Anteil auf 32,7 Prozent steigen, was ein Pflichtangebot auslösen würde. So könnte Kretinsky relativ günstig seinen Anteil ausbauen. Doch das könnte schnell teuer werden, wenn auch Beisheim und Meridian weitere Anteile am freien Markt erwerben.

Datagroup übernimmt Mehrheit an Wettbewerber

Datagroup baut sein Geschäft mit Cloud Services und IT-Betriebsdienstleistungen aus: Der IT-Dienstleister erwirbt 68 Prozent der Anteile an dem Konkurrenten Diebold Nixdorf Portavis. Das teilte Datagroup am Montag mit. Über den Kaufpreis des M&A-Deals, dem das Bundeskartellamt noch zustimmen muss, haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Hamburger Sparkasse und die Sparkasse Bremen halten weiterhin 32 Prozent an der Diebold Nixdorf Portavis.

Die beiden Sparkassen gehören neben der Hamburg Commercial Bank zu den wesentlichen Kunden von Diebold Nixdorf Portavis. Das auf den Finanzdienstleistungssektor spezialisierte Unternehmen beschäftigt rund 200 Mitarbeiter und soll Datagroup zufolge im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich rund 60 Millionen Euro erwirtschaften. Datagroup wurde bei dem Deal von Raymond James Technology & Services beraten.

Bosch investiert in Brennstoffzellen-Partnerschaft

Bosch setzt auf die Brennstoffzellen-Technologie und erhöht seinen Anteil an Ceres Power: Wie der schwäbische Automobilzulieferer mitteilte, stockt er seine Beteiligung an dem britischen Unternehmen von 3,9 auf rund 18 Prozent auf. Bosch zeichnet dabei neue Aktien von Ceres Power und erwirbt weitere Anteile bestehender Aktionäre. Insgesamt investieren die Schwaben rund 90 Millionen Euro. Im Zuge der Transaktion erhalten sie zudem einen Sitz im Aufsichtsrat von Ceres Power.

Die beiden Unternehmen kooperieren bereits seit August 2018 bei der Entwicklung von Brennstoffzellen-Stacks für stationäre Anwendungen. Seit Herbst 2019 fertigt Bosch erste Brennstoffzellensysteme in Kleinserienfertigung – die nun getätigte Investition in Ceres Power erfolgt auch mit Blick auf eine mögliche industrielle Großserienfertigung, so die Stuttgarter.

Weitere Meldungen

Rolf Elgeti hat seine Beteiligung an Francotyp-Postalia (FP) aufgestockt: Der Finanzinvestor hält nun rund 20,6 Prozent der Anteile an dem Berliner Frankiermaschinenbauer. Damit erhöht Elgeti den Druck auf das Management um FP-Chef Rüdiger Andreas Günther: Elgeti unterstellt dem Unternehmen, nicht sein volles Potential auszuschöpfen. Der Investor kritisiert beispielsweise hohe Kosten sowie die langsame Revitalisierung des Umsatzwachstums. Eine konkrete Anweisung, welchen Weg die Berliner deshalb einschlagen sollten, nennt Elgeti jedoch nicht – er selbst sieht sich nicht als aktivistischen Investor. Elgeti hatte sich Ende August vergangenen Jahres rund 15 Prozent der Anteile an Francotyp-Postalia gesichert.

RIB Software übernimmt mit 60 Prozent die Mehrheit an Intech, einem amerikanischen Anbieter von Cloud-Technologien und IT-Dienstleistungen mit Hauptsitz in Puerto Rico. Wie die Stuttgarter mitteilten, haben sie die Anteile von Finanzinvestoren übernommen – das Management um Intech-Gründer und CEO Henry Gordillo bleibt mit 40 Prozent für die nächsten drei bis fünf Jahre beteiligt. RIB sicherte sich zudem eine Kaufoption für die restlichen Anteile. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Nach Angaben von RIB wuchs das Cloud-Geschäft von Intech im Jahr 2019 um über 47 Prozent, das Cloud-bezogene EBITDA stieg um über 250 Prozent.

Jenoptik stoppt den Verkauf seiner Militärsparte: Wie der Technologiekonzern bekannt gab, führt er das unter der Marke Vincorion laufende mechatronische Geschäft künftig als eigenständige Beteiligung weiter. Grund für die Kehrtwende: „Die vorliegenden Angebote entsprechen im Ergebnis nicht dem im Geschäftsjahr 2019 bestätigten Potenzial von Vincorion und damit nicht den Erwartungen von Jenoptik“, teilten die Jenaer mit. Das SDax-Unternehmen hatte den Verkaufsprozess seiner Militärsparte im vergangenen Sommer gestartet.

Villeroy & Boch prüft eine Übernahme des Armaturen- und Badkeramikherstellers Ideal Standard. Wie die Saarländer bekanntgaben, befinde sich die Prüfung noch in einer frühen Phase, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Es sei möglich, dass das Unternehmen das Projekt nicht weiter verfolge, oder dass ein Erwerb aus anderen Gründen nicht zustande komme. Zuvor hatten verschiedene Medien über den M&A-Deal spekuliert.

Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) kauft 7Mind, eine Berliner Online-Plattform für Meditation und Achtsamkeit. Wie SWMH bekannt gab, behalten die 7Mind-Unternehmensgründer und Geschäftsführer Jonas Leve und Manuel Ronnefeldt ihre Funktionen im Unternehmen. Zu finanziellen Details der Transaktion wurden keine Angaben gemacht. Der Erwerb diene SWMH als Basis zur Schaffung einer digitalen Gesundheitsplattform. Das Berliner Unternehmen wurde 2014 gegründet und ist SWMH zufolge mit 1,5 Millionen Nutzern Deutschlands größte Plattform für das Angebot von digitalen Inhalten für Meditation und Achtsamkeit. Die Verkäuferseite wurde bei dem Deal von P+P Pöllath + Partners (Federführung: Eva-Juliane Stark) rechtlich und steuerlich beraten.

TTL Real Estate baut seine Beteiligung an DIC Asset aus: Das Beteiligungsunternehmen der TTL Beteiligungs- und Grundbesitz-AG erhöht seinen Anteil an dem Frankfurter Immobilienunternehmen von rund 5 auf 7,1 Prozent. Wie TTL mitteilte, habe man im Rahmen einer Kapitalerhöhung 2,3 Millionen Aktien zu je 16 Euro erworben – das entspricht zusammengerechnet 36,8 Millionen Euro.

Lindenfarb bekommt einen neuen Eigentümer: Der schwäbischen Textilhersteller Mattes & Ammann übernimmt den Aalener Textilveredler. Detlef Specovius, Rechtsanwalt von Schultze & Braun, führte Lindenfarb durch das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung und wurde mit der Suche nach einem Investor beauftragt. Ende November hob das Amtsgericht Aalen das Sanierungsverfahren formal auf. Künftig wird Specovius gemeinsam mit dem bestellten Geschäftsführer Ahmad Wali Ali das Textilveredelungsunternehmen leiten. Zu finanziellen Transaktionsdetails wurden keine Angaben gemacht.

Joseph Dresselhaus geht an die Niederlande: Die vier Eigentümerfamilien des Anbieters von Befestigungstechnik und Verbindungselementen verkaufen ihre Anteile im Rahmen einer Nachfolgelösung an die niederländische Industrie-Holding Nimbus. Dem Deal müssen noch die zuständigen Kartellbehörden in Deutschland und der Türkei zustimmen, da Dresselhaus auch Standorte in der Türkei hat. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Verkäuferseite wurde von der M&A-Beratung IMAP unterstützt.

Die Beteiligungsgesellschaft DRS Investment beteiligt sich mehrheitlich an dem Software-Unternehmen Electric Paper Evaluationssysteme (EPE). Das teilte der Software-Investor aus Oberhaching mit. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Deal will EPE den Geschäftsbereich Cloud-Computing sowie das Marketing und den Vertrieb weiter ausbauen. EPE wurde 1996 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Lüneburg.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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