Ursprünglich sollte der Deal noch in dieser Woche über die Bühne gehen. Doch jetzt hat die polnische Fluggesellschaft Lot die Condor-Übernahme überraschend abgesagt.

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17.04.20
Deals

M&A-Deals: Condor, Isra Vision, SAP

Aus für den Deal zwischen Condor und Lot, Atlas Copco sichert sich die Mehrheit an Isra Vision, und SAP bereitet offenbar einen Verkauf vor: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Condor-Übernahme durch Lot geplatzt

Der geplante Condor-Verkauf an Lot ist gescheitert: Der polnische Staatsflieger hat die Übernahme der insolventen Thomas-Cook-Tochter am Ostermontag abgesagt. Eine Begründung nannte Lot nicht – die Ursache für den geplatzten M&A-Deal dürfte jedoch sein, dass die Polen wegen der Coronavirus-Krise selbst Staatshilfe benötigen. Eigentlich hätte die Ende Januar unterzeichnete Transaktion in dieser Woche abgeschlossen werden sollen. Wie die Nachrichtenagentur „Reuters" berichtete, macht die polnische Regierung Condor für das Scheitern der Übernahme verantwortlich: Der polnische Schatzmeister Jacek Sasin habe dem privaten Rundfunksender RMF am Donnerstag gesagt, dass Polen - entgegen der Forderung von Condor - keine Entschädigung für den Rückzieher aus dem Vertrag zahlen werde. Sasin zufolge habe die deutsche Fluggesellschaft die Vertragsbedingungen nicht erfüllt. Eine Condor-Sprecherin habe die Vorwürfe zurückgewiesen.

Den Verkaufserlös hätte Condor allerdings dringend gebrauchen können: Mit dem Geld wollte der deutsche Ferienflieger die am heutigen Freitag fällig gewordene Rückzahlung eines KfW-Kredits über 380 Millionen Euro nebst Zinsen bezahlen. Dieser hatte Condor seit der Thomas-Cook-Pleite Ende September letzten Jahres am Leben gehalten. Eine Verlängerung des Kredits wurde Unternehmensangaben zufolge allerdings noch nicht beantragt.  

Die Suche nach einem neuen Käufer für Condor dürfte indes schwierig werden, da die Fluggesellschaft wohl erst wieder in ferner Zukunft profitabel wirtschaften kann. Bereits vor der Krise erzielte Condor nur sehr geringe Gewinne. Eine mögliche Lösung könnte die Übernahme durch die Lufthansa sein. Doch diese Variante ist aus kartellrechtlichen Gründen schwierig. Wettbewerbsbehördliche Bedenken könnten aber zurückgestellt werden, sollte der Bund künftig bei beiden Fluggesellschaften Einfluss haben.

Dreiviertelmehrheit für Atlas Copco bei Isra Vision

Atlas Copco ist neuer Mehrheitseigentümer von Isra Vision: Wie der schwedische Industriekonzern bekanntgab, sicherte er sich im Rahmen des freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots 62,62 Prozent an dem Darmstädter Hightech-Unternehmen. Für die 13.723.396 angedienten Isra-Aktien hatten die Schweden je Aktie 50 Euro in bar geboten – daraus errechnet sich ein Kaufpreis von rund 686 Millionen Euro. Insgesamt bewertet Altas Copco die Darmstädter mit rund 1,1 Milliarden Euro. Zusammen mit den bereits von Atlas Copco gehaltenen 13,68 Prozent kontrollieren die Schweden nun insgesamt 76,3 Prozent der Anteile von Isra Vision.

Die weitere Annahmefrist hat am gestrigen Donnerstag begonnen und endet am 29. April 2020. Der Deal bedarf noch der Genehmigung durch die US-Behörde CFIUS – alle anderen Angebotsbedingungen seien bereits erfüllt. Im Februar dieses Jahres hatten die Unternehmen die Übernahmepläne angekündigt.

SAP prüft Verkauf des Mobilfunk-Software-Geschäfts

Der Technologieriese SAP will sich offenbar von seiner Software-Sparte für Handynetzwerke trennen: Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete, evaluiert der Walldorfer Dax-Konzern derzeit mit Beratern das Interesse für die Sparte. Dafür habe SAP bereits mit potenziellen Käufern gesprochen. SAP wollte dies gegenüber der Nachrichtenagentur nicht kommentieren. Die Sparte gehörte ursprünglich zur Firma Mobile 365, die der US-Konzern Sybase im Jahr 2006 für rund 400 Millionen Dollar übernommen hatte. Seit 2010 gehört Sybase zu SAP.

Berater-News

Die IEG Investment Banking Group befördert Mirko Heide zum Managing Director. Der Tech-Experte kam bereits 2018 als Executive Director zu der Banking- und M&A-Boutique, die sich auf Technologietransaktionen spezialisiert hat. Heide berät unter anderem in den Bereichen IoT, Blockchain, E-Mobility sowie Gaming & Leisure. Vor seiner Zeit bei IEG sammelte Heide bereits bei dem Big-Four-Haus KPMG, der M&A-Boutique Keller & Coll, der Beratungsgesellschaft C.H. Reynolds Corporate Finance und der britischen Investmentbank Close Brothers M&A-Erfahrung.

Die M&A-Beratung Duff & Phelps baut ihre Präsenz auf dem deutschen Markt aus und verstärkt den Bereich Transaction Advisory Services mit zwei Neuzugängen: Klaus-Martin Haussmann verantwortet künftig als Managing Director die Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vor seinem Einstieg bei Duff & Phelps arbeitete Haussmann bei Rödl & Partner, unter anderem im Bereich der Transaktionsberatung. Zudem wird Demian Köster als Director das deutsche Corporate-Finance-Team unterstützen. Bevor Köster zu Duff & Phelps kam, baute er das M&A-Geschäft von Metro Deutschland auf. Zu seinen vorherigen Stationen gehören außerdem die Big-Four-Häuser EY und KPMG.

Parkview Partners vergrößert ihr Frankfurter Team: Christopher Buhlmann steigt als Director bei der Investmentbank-Boutique ein und wird sich dort auf die Beratung bei M&A-Transaktionen und öffentliche Übernahmen konzentrieren. Zuletzt arbeitete Buhlmann als Executive Director im Bereich Corporate Finance/M&A von J.P. Morgan. Für die US-Bank war er die vergangenen zwölf Jahre tätig. Parkview zufolge war Buhlmann unter anderem als Berater für KKR beim freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot für Axel Springer tätig und begleitete Diebold beim öffentlichen Übernahmeangebot für Wincor Nixdorf.

Weitere Meldungen

Das Bundeskartellamt hat die Beteiligung von Mediaset an ProSiebenSat.1 genehmigt. Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ einen Sprecher zitiert, habe die Behörde keine wettbewerblichen Bedenken bei der Transaktion. Die Italiener hatten den „Erwerb eines wettbewerblich erheblichen Einflusses” zur Prüfung vorgelegt, was weniger als 25 Prozent der Anteile entspricht, so die Nachrichtenagentur. Das Medienunternehmen der Familie Berlusconi war im vergangenen Mai bei den Münchenern eingestiegen und hatte seinen Anteil seitdem stetig ausgebaut. Aktuell ist Mediaset mit rund 20 Prozent an ProSiebenSat.1 beteiligt.

Der Marktanalyst Metoda bekommt einen neuen Eigentümer: Die Finanzinvestoren Tengelmann Ventures, High-Tech Gründerfonds und Bayern Kapital sowie mehrere Business Angel verkaufen im Rahmen eines Secondary-Buy-outs ihre Mehrheitsbeteiligung an dem Münchner Software-Startup. Käufer ist der Finanzinvestor Maxburg Capital Partners, hinter dem die RAG-Stiftung steht. Das Metoda-Gründerteam bleibt weiterhin am Unternehmen beteiligt, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells (Federführung: Nikolas Zirngibl) hat die Verkäuferseite bei dem Deal beraten.

Andritz will seine deutsche Tochter Schuler komplett übernehmen: Wie der österreichische Anlagenbauer mitteilte, will er die verbleibenden Aktionäre des schwäbischen Metallpressen-Herstellers im Rahmen eines aktienrechtlichen Squeeze-outs herausdrängen. Die Beteiligungsgesellschaft der Österreicher hält derzeit 96,62 Prozent der Schuler-Aktien. Die Höhe der Barabfindung für die Schuler-Minderheitsaktionäre sei noch offen. Andritz hatte 2013 die Mehrheit an dem schwäbischen Unternehmen erworben.

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Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Mutares verkauft den polnischen Hersteller von Filtersystemen Balcke-Dürr an die Wallstein Gruppe. Die gesamte Gruppe erwarb Mutares Ende 2016 von der US-Firma SPX Corporation, um deren Geschäftsmodell anschließend neu auszurichten. Zwischen 2017 und 2019 konnte die polnische Gesellschaft ihre Gesamtleistung mehr als verdoppeln und die Profitabilität annährend vervierfachen, teilt Mutares mit. Das Unternehmen trägt künftig den Namen Wallstein Rothemühle. Das aktuelle Managementteam führt das Unternehmen weiterhin operativ. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt.

Heyer Medical
wird chinesisch: Der Medizinproduktehersteller aus Bad Ems wird an die auf Anästhesie- und Beatmungsgeräte spezialisierte chinesische Aeonmed-Gruppe verkauft. Der M&A-Deal erfolgt im Zuge der Restrukturierung von Heyer Medical: Das Bad Emser Unternehmen musste im Oktober 2018 Insolvenz anmelden. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Die Kanzlei Orrick (Federführung: Wilhelm Nolting-Hauff) hat Aeonmed bei dem Kauf begleitet.

Der niederländische Molekulardiagnostiker Curetis verkauft seine in Holzgerlingen ansässige deutsche Tochter Curetis GmbH an das US-Unternehmen Opgen. Dafür erhält die niederländische Muttergesellschaft Anteile an Opgen. Der Deal erfolgt im Rahmen des geplanten Zusammenschlusses der beiden Parteien, bei dem die deutsche Curetis in Opgen übergehen wird. Hierfür will Opgen die deutschen Tochter zunächst von der Mehrländerböse Euronext in Amsterdam und Brüssel nehmen. Im Anschluss soll das Unternehmen aufgelöst werden. Curetis wurde von der Wirtschaftskanzlei Linklaters (Federführung: Kristina Klaaßen-Kaiser) und H.C. Wainwright & Co. unterstützt. Opgen wurde von der Anwaltskanzlei Ballard Spahr und Crosstree beraten.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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