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06.10.17
Deals

M&A-Deals: Constantin Medien, Alno, Commerzbank

Constantin Medien bläst den Sport1-Verkauf ab, der insolvente Küchenbauer Alno verkauft Pino Küchen und die französische Regierung gibt grünes Licht für eine Fusion der Commerzbank mit der BNP Paribas. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Constantin Medien bläst Sport1-Verkauf ab

Erst im Juni dieses Jahres hatte der Medienkonzern Constantin Medien mit der Meldung überrascht, seine Sportplattform Sport1 verkaufen zu wollen. Nun haben die Münchener ihre Entscheidung revidiert und den Verkauf gestoppt. Der Verkaufsprozess wurde damals aus der Not heraus angestoßen, um die angespannte finanzielle Situation von Constantin Medien zu beruhigen, da im kommenden Jahr eine 65-Millionen-Euro schwere Mittelstandsanleihe fällig wird. Außerdem hat der Machtkampf zwischen Bernhard Burgener und dem Constantin-Großaktionär und ehemaligen Aufsichtsratschef Dieter Hahn viel Geld gekostet. Auch das operative Geschäft von Sport1 und der Tochterfirma Plazamedia schwächelt.

Helfen könnte bei der Entspannung vielleicht die Entkonsolidierung der Schweizer Schwestergesellschaft Highlight Communications durch die Constantin ein Einmalbetrag von 37,3 Millionen Euro zufließt. Darüber hinaus entfallen Schulden über 36 Millionen Euro. Allerdings hat Constantin die Gewinnprognose für das laufende Jahr nur um 7 Millionen Euro auf ein Konzernergebnis von höchstens 10 Millionen Euro erhöht. Der Konzern verfügt laut den aktuellen Geschäftszahlen zudem über liquide Mittel von rund 100 Millionen Euro. 

Pino Küchen wird verkauft und Alno zerschlagen

Der insolvente Küchenbauer Alno wird offenbar zerschlagen. Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, hat der Gläubigerausschuss dem Verkauf von Pino Küchen im Rahmen einer sogenannten übertragenen Sanierung (ohne Schulden) zugestimmt. Der Käufer ist eine Investorengruppe, zu der auch Deutschlands größter Einbauküchenbauer Nobilia gehört.

Ein Sanierungskonzept mit dem Ziel Alno als Ganzes zu übernehmen, ist damit vom Tisch. Eine Gläubigergruppe um die geschasste Alno-Finanzchefin Ipek Demirtas hatte dazu ein Konzept diskutiert. Über einen Tausch von Fremd- in Eigenkapital wollte Demirtas die Kontrolle bei Alno zurückgewinnen. Was mit den restlichen Alno-Assets passiert, ist aktuell noch unklar. 

Übernahme der Commerzbank durch BNP Paribas wird realistischer

Vor rund zwei Wochen waren erstmals Gerüchte aufgekommen, dass die Commerzbank möglicherweise mit der BNP Paribas fusionieren könnte, da sich die Bundesregierung offenbar von ihrem 15,6-Prozent-Anteil trennen will. Nun hat der französische Regierungssprecher Christophe Castaner sich positiv darüber geäußert, dass sich die französische Großbank den Frankfurtern zuwendet.

Zuvor hatte bereits die Zeitung „Le Canard Enchainé“ berichtet, dass der französische Präsident Emmanuel Macron einen Zusammenschluss der Geldhäuser gutheißen würde. BNP soll allerdings nicht der einzige Interessent für den Commerzbankanteil sein. Auch der italienischen Unicredit wurde Interesse nachgesagt.

Siemens löst seine Bindung zu Osram

Der Technologiekonzern Siemens hat weitere 18,155 Millionen Aktien des Leuchtenherstellers Osram Licht verkauft. Dies entspricht einem Anteil von 17,34 Prozent des ausstehenden Grundkapitals von Osram. Durch die Transaktion fließen Siemens 1,2 Milliarden Euro zu, wobei die Aktien vollständig an institutionelle Anleger verkauft wurden. Das Geld soll für allgemeine Unternehmenszwecke genutzt werden.

Eine geringe Anzahl an Osram-Aktien muss Siemens aufgrund der in 2019 auslaufenden Optionsanleihe behalten, um diese zurückzahlen zu können. Osram wurde 2013 von Siemens abgespalten und an die Börse gebracht. Das Verhältnis zum Münchener Ankeraktionär trübte sich zuletzt allerdings immer stärker ein und kostete Osram-CFO Klaus Patzak sogar den Job.

M&A-Personalien

Alexander Muires ist neuer Partner am Münchener Standort der Beratungsgesellschaft Proventis. Zuletzt war der 48-Jährige anderthalb Jahre Leiter des neu geschaffenen Bereichs Mergers & Acquisitions/Corporate Finance bei der Funke Mediengruppe. Davor arbeitete Muires zehn Jahre lang für die Düsseldorfer M&A-Beratung Network Corporate Finance. 2013 wurde er dort zum Managing Director ernannt.

Wulf Ihler ist neuer Partner im Frankfurter Büro von Stehen Associates und wird sich zukünftig um Mandanten mit M&A-Transaktion im Investitionsgüter- und Automobilsektor kümmern. Darüber hinaus soll Ihler das Geschäft mit grenzüberschreitenden Unternehmenstransaktionen vorantreiben. Vor seinem Wechsel arbeitete er als Senior Advisor für ein Private Equity Haus.

Christoph Schubert ist zum neuen Vorstandsmitglied der Industrieholding Adcuram ernannt worden. Zusammen mit Armin Bire, Philipp Gusinde, Florian Meise und Thomas Probst wird er den Bereich M&A und Corporate leiten. Der 47-Jährige soll in seiner neuen Position neue Beteiligungsmöglichkeiten identifizieren und umsetzen, insbesondere bei Nachfolgesituationen und Buy-and-Build-Strategien.

Die Anwaltskanzlei Baker McKenzie baut ihre Corporate-Praxis aus und wirbt Berthold Hummel samt Team von der Anwaltskanzlei Dechert ab. Hummel wird als Corporate-Partner vom Münchener Standort der Anwaltskanzlei aus arbeiten. Bei Dechert war Hummel seit 2006 Equity-Partner. Hummel berät vor allem Finanzinvestoren, Investmentfonds und Family Offices bei Rechtsfragen zum Beteiligungserwerb, zur Refinanzierung, bei Zukäufen und bei Exits.

Die Kanzlei BRL Boege Rohde Luebbehuesen hat laut eines Berichts von „Juve.de" ein dreiköpfiges M&A-Team von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY abgeworben. Ilja Schneider soll als Non-Equity-Partner beginnen und bringt die beiden Associates Max Lipsky und Michael Watzl mit. Das Team berate hauptsächlich bei M&A-Transaktionen und Umstrukturierungen. 

Weitere M&A-Deals

Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re verbündet sich mit der japanischen Versicherungsgruppe MS&AD. Wie die „Börsenzeitung" berichtet, werden die Japaner bis zu 800 Millionen Pfund in die ReAssure-Sparte von Swiss Re stecken, über die die Schweizer in Großbritannien alte Lebensversicherungsbestände aufkaufen wollen. 

Die chinesische Unternehmensgruppe Nison aus Suzhou übernimmt die Mehrheit an dem ostwestfälischen Küchenbauer Siematic. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, behält die Eigentümerfamilie eine Minderheitsbeteiligung. Der Geschäftsführende Gesellschafter Ulrich Siekmann soll das Unternehmen gemeinsam mit Silvia Weppler weiterhin führen. Durch den Verkauf nach China will sich Siematic mehr Marktanteile in China sichern. 

Der Industriekonzern Siemens will bis Jahresende Siemens Convergence Creators (CVC) verkaufen. Käufer für das in Wien beheimatete Unternehmen ist Atos, ein Anbieter für digitale Services. Die Kanzlei Hengeler Mueller berät Siemens bei dem Verkauf unter der Federführung von Viola Sailer-Coceani, Daniel Wiegand und Hans-Jörg Ziegenhain. Atos wurde von der Kanzlei Gleiss Lutz (Federführung: Thomas Menke) beraten. 

Der Chipentwickler Dialog Semiconductor will eine größere Rolle bei dem Trend „Internet der Dinge“ spielen und übernimmt dazu den US-amerikanischen Anbieter Silego. Das deutsch-britische Unternehmen bezahlt für die Kalifornier nach eigenen Angaben 276 Millionen US-Dollar (rund 235 Millionen Euro). Der Kaufpreis könne sich um bis zu 30,4 Millionen Dollar erhöhen, wenn bestimmte Umsatzziele erreicht werden, zitiert das „Handelsblatt“ eine Dialog-Sprecherin. Silego visiert mit seinen rund 235 Mitarbeitern 2017 einen Umsatz von mehr als 80 Millionen Dollar an. Dieser solle bis 2020 jährlich um rund 15 Prozent zulegen.

Der Lebensmittelverpackungs-Hersteller Tetra Pak hat Big Drum Engineering, einen Anbieter von Eiscreme-Abfüllmaschinen, übernommen. Mit der Akquisition will das Unternehmen seine Markposition bei abgefüllter Eiscreme ausbauen und damit seine weltweite Position stärken. Verkäufer ist die JP-Beteiligungsgesellschaft. Die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller hat Tetra Pak bei der Transaktion beraten. JP wurde von der Kanzlei Ebner Stolz unterstützt.

Die Übernahme des Diagnostika-Entwicklers Epigenomics durch die chinesische Beteiligungsgesellschaft Cathay Fortune International Company war zuletzt gescheitert. Die Epigenomics-Abspaltung Epiontis wurde laut eines Presseberichts dagegen Ende September an das US-amerikanische Unternehmen Precision for Medicine verkauft. Die Amerikaner befinden sich auf Expansionskurs und haben laut des Zeitungsberichts zuletzt Büros in Paris und Edinburgh eröffnet. Precision for Medicine ist Teil der Precision-Medicine-Gruppe und beschäftigt mehr als 900 Mitarbeiter an 15 Standorten in den USA, Kanada und Europa.

Die Investmentgesellschaft Union Investment hat sich mit 13 Prozent an dem Berliner Proptech Architrave beteiligt. Die Berliner sind Anbieter für Datenmanagement in der Immobilienwirtschaft. Mit der strategischen Partnerschaft will Union Investment die Digitalisierungsstrategie für die Immobilienwirtschaft voranbringen. Architrave erhofft sich von der Beteiligung ein schnelleres Wachstum. Das Berliner Unternehmen plant für das Jahr 2017 mit einem Umsatz von 2 Millionen Euro und beschäftigt 32 Mitarbeiter.

Die Pfandbriefbank Berlin Hyp hat einen Anteil an der Finanzierungsplattform Brickvest erworben. Brickvest ist eine Onlineplattform für gewerbliche Immobilieninvestments. Im Zuge der strategischen Partnerschaft soll Berlin Hyp in mehreren Schritten zum Lead-Investor des Unternehmens werden. Die Pfandbriefbank will mit der Transaktion ihre Digitalisierungsstrategie voranbringen.

Das tschechische Unternehmen EPH hat das Steinkohlekraftwerk Mehrum von Enercity und BS Energy erworben. Alle Mitarbeiter sollen ihre Arbeitsplätze behalten können, heißt es in einer Presseerklärung. Nach Informationen des Online-Portals „Juve.de“ wurde EPH von der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller beraten, während Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Annedore Streyl) und Goetzpartners Corporate Finance Enercity beratend zur Seite stand. BS Energy wurde von Noerr (Federführung: Christoph Spiering) unterstützt.

Synergie International Employment Solutions, ein Tochterunternehmen des Arbeitsvermittlungsdienstes Synergie, hat 80 Prozent der Anteile des österreichischen Personaldienstleisters Völker erworben. Synergie wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei CMS beraten.

Die M&A-Beratung Alantra übernimmt den Konkurrenten Catalyst Corporate Finance. Der Kaufpreis setzt sich aus einer Barkomponente über 15 Millionen Britische Pfund sowie aus einer Aktienkomponente zusammen. Letzterer müssen die Alantra-Aktionäre noch zustimmen. Catalyst wird nach einer Übergangsphase unter dem Namen Alantra firmieren. Mit der Transaktion will Alantra gemeinsam mit Catalyst zu einem Investment-Banking-Spezialisten im Mid-Market-Segment werden.

Deutz, ein Hersteller von Antriebssystemen, hat seinen langjährigen italienischen Händler IML Motori übernommen. Gleichzeitig erwarb die Deutz-Gruppe auch die Tochtergesellschaf IML Service und die rumänische Vertriebs- und Servicegesellschaft IML Motoare. Mit der Akquisition beabsichtigt Deutz das Unternehmenswachstum sowie das Vertriebs- und Servicenetz in Italien zu stärken. IML Motori erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 45 Millionen Euro und soll zukünftig unter dem Namen Deutz Italy firmieren.

Die Beteiligungsgesellschaft Afinum hat sich gemeinsam mit dem Management an IT-Works, einem Dienstleister für Außenwerbung, beteiligt. Der Gründer des Unternehmens, Thomas Toporowicz, wird das Amt des Beiratsvorsitzenden besetzen und die Strategie des Unternehmens und deren Umsetzung begleiten. Rund 70 Mitarbeiter arbeiten für IT Works.

Der alternative Finanzierer Kartesia verkauft den Druckdienstleister Euro-Druckservice an den Finanzinvestor Deutsche Private Equity(DPE). Kartesia hatte das Passauer Unternehmen vor vier Jahren erworben. Euro-Druckservice hat im vergangenen Jahr mit 1.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 275 Millionen Euro erwirtschaftet. Die DPE wurde bei der Kanzlei von der Kanzlei Ashurst beraten (Federführung: Holger Ebersberger und Bernd Egbers).

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Schweiz hat Terria Mobile, eine auf mobile Lösungen und Produkte spezialisierte Softwareentwicklungsgesellschaft, erworben. Durch die Übernahme will KPMG ihre Kompetenzen in den Bereichen digitale Transformation und Mobile Experience stärken.

Der chinesische Motorenhersteller Sec übernimmt den Antriebsspezialisten Vem. Dieser gehört zur Merckle-Gruppe und ist auf die Herstellung von elektrischen Antriebssystemen, Spezialmotoren und Sondermaschinen fokussiert. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Vem mit 1.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 200 Millionen Euro. Noerr (Federführung: Florian Becker) hat Sec bei der Transaktion beraten.

Der Private-Equity-Investor IK Investment Partners hat Evac aus Finnland an den PE-Investor Bridgepoint verkauft. Evac bietet Abfall-, Abwasser- und Wassermanagementsysteme für die Schiffsindustrie an. Die Wirtschaftskanzlei Noerr hat Evac bei dem Verkauf beraten (Federführung: Thomas Schulz).

Der in der USA an der Nasdaq notierte belgische Entwickler von 3D-Druck-Software Materialise übernimmt die deutsche ACTech-Gruppe, die Metallgussteile herstellt. Die Kanzlei Ebner Stolz hat die Belgier bei dem Kauf beraten (Federführung: Claus Buhmann). Die Kanzlei Baker McKenzie hat Materialise beraten.  

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