Daimler Trucks und die Volvo Group planen ein Joint-Venture. Den ersten Grundstein für die Kooperation hat Daimler Trucks in dieser Woche gelegt.

Daimler Trucks

12.06.20
Deals

M&A-Deals: Daimler Trucks, Stada, ProSiebenSat.1

Daimler Trucks legt den Grundstein für ein Joint-Venture mit Volvo, Private Equity will Stada komplett von der Börse nehmen, und die üblichen Verdächtigen erhöhen bei ProSiebenSat.1 ihre Anteile: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Daimler Trucks bereitet Joint-Venture mit Volvo vor

Daimler Trucks bündelt seine Brennstoffzellen-Aktivitäten in einem neuen Unternehmen und treibt so die geplante Kooperation mit dem Wettbewerber Volvo Group voran: Wie die Stuttgarter bekannt gaben, gründen sie hierfür das Tochterunternehmen „Daimler Truck Fuel Cell“, das die beiden Daimler-Managern Andreas Gorbach und Christian Mohrdieck leiten werden. Später soll die neue Firma dann in das geplante Joint-Venture mit dem schwedischen Lastwagenbauer übergehen, bei dem die Volvo Group die Hälfte der Anteile für 600 Millionen Euro übernimmt. Das Joint-Venture soll weiterhin als eigenständige und unabhängige Einheit agieren. Darüber hinaus bleiben die Unternehmen „in allen anderen Geschäftsfeldern Wettbewerber“.

Die Transaktionen unterliegen noch der Prüfung und Genehmigung der zuständigen Behörden. Die Pläne über die gemeinsame Entwicklung von Brennstoffzellen-Antrieben für schwere Nutzfahrzeuge wurden im April dieses Jahres bekannt. In der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts wollen die Autobauer die Technik dann seriell anbieten.

Zudem plant Daimler Trucks eine Kooperation mit dem britischen Technologiekonzern Rolls-Royce im Bereich stationärer Brennstoffzellensysteme, um die mit Volvo entwickelten Brennstoffzellen-Technologien zu vermarkten.

Private Equity plant Squeeze-out bei Stada

Stada soll von der Börse genommen werden: Die Finanzinvestoren Bain und Cinven wollen die Minderheitsaktionäre des Arzneimittelherstellers mittels eines Squeeze-outs aus dem Unternehmen drängen. Das teilte der Pharmakonzern aus Bad Vilbel mit. Derzeit ist Nidda Healthcare, das Investmentvehikel der Private-Equity-Investoren, mit rund 97,7 Prozent an Stada beteiligt. Der Schritt muss noch in einer außerordentlichen Hauptversammlung, die für die zweite Jahreshälfte 2020 geplant ist, beschlossen werden. Die Höhe der Barabfindung für die Stada-Minderheitsaktionäre wurde noch nicht festgelegt. Im Frühling 2017 hatten Bain und Cinven den Zuschlag für den Arzneimittelhersteller bekommen.

ProSiebenSat.1: Kretinsky und KKR stocken Anteile auf

Kurz vor der virtuellen Hauptversammlung von ProSiebenSat.1 am vergangenen Mittwoch haben die Großaktionäre KKR und Daniel Kretinsky ihre Anteile am Münchener Fernsehkonzern weiter ausgebaut. Wie eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur „Reuters“ sagte, habe der New Yorker Private-Equity-Investor seinen direkten Anteil von zuletzt 3,21 Prozent leicht erhöht, liege aber weiter unter der nächsten Meldeschwelle von 5 Prozent der Stimmrechte. Die Investorengruppe CMI um den tschechischen Milliardär Kretinsky halte inzwischen mehr als 12 Prozent der Stimmrechte. Zuerst berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ darüber. Zuletzt kontrollierte der tschechische Investor rund 10 Prozent der Anteile.

Weitere Meldungen

Bayer bekommt grünes Licht für den Verkauf seiner Tierarzneisparte an den US-Rivalen Elanco – jedoch unter Auflagen: Wie die EU-Kommission bekannt gab, ist die Genehmigung des M&A-Deals daran geknüpft, dass Teile von Animal Health an Wettbewerber verkauft werden. Als Grund für die Entscheidung nennt Kommissionspräsidentin Margrethe Vestager, dass Tierärzte, Haustierbesitzer und Landwirte „auf innovative und wettbewerbsfähige Preise für Arzneimittel für Tiere angewiesen sind“. Bei der ursprünglich geplanten Transaktion hätte sich die Produktauswahl „signifikant verringert“. Im August vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Leverkusener ihre Tiergesundheitssparte für 7,6 Milliarden Dollar (rund 6,7 Milliarden Euro) an die US-Amerikaner verkaufen wollen. Der M&A-Deal dient auch dem Abbau der durch den Monsanto-Kauf entstandenen Schulden des Konzerns.

Der Düsseldorfer Versicherer Ergo steigt in den chinesischen Markt für Schadens- und Unfallversicherungen ein: Wie die Münchener-Rück-Tochter mitteilte, erwirbt sie eine strategische Beteiligung in Höhe von 24,9 Prozent an der Taishan Property & Casualty Insurance mit Sitz in Shandong. Die Investition ergänze das bereits bestehende Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft in China, so Ergo-China-CEO Jürgen Schmitz. Finanzielle Details der Transaktion, die noch der Zustimmung der zuständigen Behörden bedarf, wurden nicht genannt.

Die Bauer Media Group trennt sich von ihrem russischen Verlagsgeschäft. Käufer der Anteile ist das bisherige russische Management. Die Transaktion umfasst ein Portfolio mit Beteiligungen an fünf russischen Gesellschaften und rund 90 Zeitschriftentiteln. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Die Wirtschaftskanzlei Noerr (Federführung: Björn Paulsen und Volker Land) hat Bauer beim Verkauf beraten. Die Hamburger Verlagsgruppe hatte Anfang Mai dieses Jahres bereits ihre polnische Internet- und Technologie-Gruppe Interia veräußert.

Der Nahrungsmittelriese Nestlé verkauft sein nordamerikanisches Geschäft mit der Pastamarke Buitoni an den auf den Lebensmittelsektor spezialisierten Finanzinvestor Brynwood Partners. Ein Firmensprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht des „Wall Street Journal“. Die Buitoni Food Company komme der Zeitung zufolge mit den Rechten an der Marke in den USA, Kanada und der Karibik auf einen Wert von 115 Millionen Dollar (rund 102 Millionen Euro).

K+S sieht den Verkauf seines nord- und südamerikanischen Salzgeschäfts trotz der Coronavirus-Krise im Plan. Das berichtete die Nachrichtenagentur „Reuters“. „Der Verkaufsprozess läuft seit März dieses Jahres wie geplant. Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind bisher kaum aufgetreten”, zitiert der Bericht K+S-Vorstandschef Burkhard Lohr. Inzwischen habe der Konzern mit der direkten Ansprache von Investoren begonnen – es gebe hohes Interesse an dem Geschäft, so Lohr. „Unser Ziel ist es, noch im Kalenderjahr 2020 zu einer schriftlichen Verkaufsvereinbarung zu kommen. Mit einem Abschluss der Transaktion und einer Kaufpreiszahlung sollte aber nicht vor 2021 gerechnet werden.” K+S hatte sein amerikanisches Salzgeschäft im März dieses Jahres im Zuge einer umfassenden Restrukturierung des Unternehmens ins Schaufenster gestellt.

Waterland kauft gleich zwei Add-ons für sein Portfoliounternehmen Athera: Wie das Private-Equity-Haus mitteilte, sind die Physiotherapie-Anbieter Gantze Zentrum für Gesundheit sowie Physiotherapie Rosita Boose künftig Teil von Athera. Der Zukauf erfolgt im Rahmen der von Waterland verfolgten Buy-and-Build-Strategie für die neu geschaffene Dachmarke Athera, welche zuvor unter der Marke „Rehacon“ agierte. Über finanzielle Details der Transaktionen, deren Abschluss für Juli erwartet wird, wurde Stillschweigen vereinbart.

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Marx Re-Insurance Brokers (Marx Re) wird an die britische PIB Group verkauft. Das gaben beide Unternehmen bekannt. Welchen Kaufpreis der Londoner Versicherungsvermittler für den Münchener Versicherungsmakler bezahlt, wurde nicht genannt. Der Schwerpunkt von Marx Re liegt auf Asset-basierten Geschäften, insbesondere in den Bereichen Immobilien und Bau, Energieerzeugung und erneuerbare Energien. Die PIB Group, hinter der der Private-Equity-Investor Carlyle steht, wurde bei dem M&A-Deal von der Wirtschaftskanzlei CMS (Federführung: Richard Mitterhuber, Laura McIntosh und Astrid Roesener) unterstützt.

Der schwedische Games-Entwickler Three Gates beteiligt sich mehrheitlich an dem Wettbewerber Tivola Games. Die Hamburger Firma ist eine Ausgründung der Tivola Publishing GmbH, die im Zuge der Transaktion in eine Holding umgewandelt wird. Die neue Holding bündelt alle Rechte des Nicht-Games-Geschäft, unter das die Bereiche DVDs, Brettspiele und Bücher fallen. Zur Höhe der Beteiligung oder zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Wirtschaftskanzlei GvW Graf von Westphalen (Federführung: Ritesh Rajani) hat Tivola Publishing bei dem Deal beraten.

Süss Microtec und Micro Resist Technology kündigen ein Joint-Venture im Bereich der Nanoimprint-Lithografie an: Wie der Münchener Anbieter von Anlagen und Prozesslösungen für die Halbleiterindustrie bekannt gab, soll die Kooperation unter dem Dach des „SUSS Imprint Excellence Center“ angesiedelt werden. Micro Resist Technology mit Sitz in Berlin entwickelt und produziert Fotoresiste und Nanoimprint-Materialien. Die beiden Unternehmen verfolgen das Ziel, die Entwicklung bestehender und neuer Anwendungen sowohl in Richtung Hochleistungs- als auch Großserienproduktion weiter voranzutreiben. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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