M&A-Deals: Warren Buffet steigt über Berkshire Hathaway in die Hamburger Motorradvertriebsgesellschaft Detlev Louis ein.

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27.02.15
Deals

M&A-Deals: Deutsche Telekom, DBAG, Warren Buffet

Die Deutsche Telekom steigt mit der Mehrheitsbeteiligung an der Deutschen Sportwetten in den Markt für Sportwetten ein, die Deutsche Beteiligungs AG wartet mit gleich drei Add-on-Akquisitionen auf und der US-Investor Warren Buffet kauft das Hamburger Familienunternehmen Detlev Louis. Die M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Warren Buffet investiert in Hamburger Unternehmen

Der US-Investor Berkshire Hathaway, dessen Hauptgesellschafter Warren Buffet ist, hat sein erstes Direktinvestment in den deutschen Mittelstand getätigt und die Hamburger Detlev Louis Motorradvertriebsgesellschaft von der Eigentümerin Ute Louis im Rahmen der Testamentsvollstreckung übernommen. Das Unternehmen hat rund 1.500 Mitarbeiter und erzielte 2013 einen Konzernumsatz von rund 270 Millionen Euro. „Wir interessieren uns dafür, weitere deutsche Unternehmen zu kaufen“, sagte Buffet gegenüber dem Handelsblatt. Die Gesellschafterin Louis wurde von Kupferberg Transactions in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt unter der Leitung von Hans-Josef Vogel und Martin Rappert beraten.

PE-Investor OEP verkauft Duropack

Der PE-Investor One Equity Partners (OEP) hat sich für 300 Millionen Euro von der österreichischen Duropack Group getrennt. Käufer ist der britische Verpackungshersteller DS Smith. Duropack ist spezialisiert auf Wellpappenverpackungen und hatte 2014 einen Umsatz von 237 Millionen Euro. Im Dezember erst hatte OEP die Duropack-Schwester Constantia Flexibles verkauft, die OEP ebenso wie Duropack 2009 im Rahmen der Mehrheitsübernahme der Constantia Packaging gekauft hatte.

Telekom mit Mehrheit an Deutsche Sportwetten

Die Deutsche Telekom steigt in den Sportwettenmarkt ein und beteiligt sich über die Telekom Innovation Pool mit rund 64 Prozent an der Deutschen Sportwetten. Das Unternehmen wurde von der Österreichischen Sportwetten gegründet, die weiterhin einen Minderheitsanteil hält. Die Deutsche Sportwetten wird im Internet unter der Marke tipp3.de Wetten vor allem in den Bereichen Fußball, Formel 1 und Basketball anbieten. Die Telekom wird für die Geschäfte in Deutschland die Konzession für Sportwetten aus Österreich nutzen. Beraten wurde der Käufer von einem Hogan Lovells-Team unter der Federführung von Volker Geyrhalter.

DBAG mit drei Add-on-Akquisitionen

Die Deutsche Beteiligungs AG hat drei ihrer Portfoliounternehmen durch Add-on-Akquisitionen gestärkt: Der Hersteller von Belüftungstechnik für Busse Spheros, an dem die DBAG seit März 2012 beteiligt ist, hat die amerikanische ACC Climate Control gekauft. Heytex, ein Produzent von beschichteten technischen Textilien, hat den US-Anbieter BondCote erworben. Und der Maschinenbauer Romaco mit Sitz in Karlsruhe, der seit April 2011 Teil des DBAG-Portfolios ist, hat die Innojet Herbert Hüttlin (zukünftig Romaco Innojet) erworben, einen Anbieter von Maschinen zur Herstellung und Verpackung von Tabletten.

PE-Investor Odewald: Exit bei Polytech-Domilens

Der PE-Investor Odewald KMU hat die Polytech-Domilens-Gruppe aus Roßdorf an den auf den europäischen Mittelstand fokussierten Investor Stirling Square Capital Partners verkauft. Die Polytech-Domilens-Gruppe ist ein Dienstleistungspartner im Bereich der Augenchirurgie und beliefert Augenärzte und Kliniken mit Produkten rund um die Kataraktchirurgie. Sie ist in der DACH-Region sowie in Ungarn, Polen und Spanien aktiv. Das Investment stammt aus dem 2008 aufgelegten Fonds im Volumen von 150 Millionen Euro. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Odewald ist 2011 bei Polytech eingestiegen und hatte das Unternehmen 2013 mit Domilens zusammengeführt. Beraten wurde Odewald von einem Heuking Kühn Lüer Wojtek-Team um Pär Johansson. Der letzte Exit ist noch nicht lange her: Ende 2014 war Odewald erst bei dem Verpackungsunternehmen Oystar ausgestiegen.

Edeka/Tengelmann-Fuison: Kaufland mischt mit

Edeka bekommt schon wieder neue Konkurrenz: Jetzt mischt auch noch Kaufland bei der geplanten Übernahme von Tengelmann durch Edeka mit. „Wir haben durchaus Interesse an einzelnen Kaiser's- Tengelmann-Filialen“, sagte eine Sprecherin von Kaufland dem Tagesspiegel. Damit gibt es jetzt schon einen dritten Interessenten, vergangene Woche kündigte auch Rewe an, an einer Übernahme interessiert zu sein. Zuvor hatte das Kartellamt Bedenken gegenüber einer Fusion von Tengelmann und Edeka geäußert. Der Grund: Durch die Fusion würden nicht nur Konsumenten, sondern auch Lieferanten benachteiligt, insbesondere in Berlin, München und einzelnen größeren Städten in Nordrhein-Westfalen.

Burda will Zooplus verkaufen

Der Medienkonzern Hubert Burda will sich offenbar von seinem Tierfutterversand Zooplus trennen. Wie Burda-Digitalvorstand Stefan Winners in einem Interview mit Reuters sagte, will der Konzern in den nächsten zwei bis drei Jahren aussteigen. Denkbar sei ein Investor als Käufer oder ein Verkauf über die Börse. Burda hält derzeit 30 Prozent an Zooplus. Grund für den Ausstieg sei unter anderem, dass das Geschäft des Tierfutterhändlers nicht zu den Kernaktivitäten von Burda passt.

Weitere M&A-Deals

Die beiden M&A- und Corporate-Finance-Beratungshäuser Acxit Capital Management und Corporate Finance Partners schließen sich zusammen und firmieren künftig unter dem Namen Acxit Capital Partners. Das Unternehmen wird rund 60 Mitarbeiter – davon mehr als 50 Berater – haben. Mit der Expertise von CFP in der Technologiebranche will das Beratungshaus nun unter anderem das US-Geschäft forcieren.

Die Übernahmeschlacht um Hawesko ist abgeschlossen: Die Tocos Beteiligung des Investors und Geschäftsführers sowie alleinigen Gesellschafters Detlev Meyer hat jetzt ihr Übernahmeangebot für den Weinhändler Hawesko beendet. Insgesamt hält Tocos nun 78,96 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der Hawesko-Aktien. Bereits vor wenigen Wochen konnte sich Meyer, der Anfang November den Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot unterbreitete, eine Dreiviertelmehrheit sichern. Hawesko soll weiterhin als unabhängiges Unternehmen mit einem ausreichenden Free Float an der Börse notiert bleiben, hieß es in einer offiziellen Mitteilung.

Der Energiekonzern RWE gibt einen weiteren Anteil an dem tschechischen Gasnetzbetreiber RWE Grid Holding an mehrere Fonds der australischen Bank Macquarie ab. Wie RWE mitteilte, erhöhen die Fonds ihren Anteil an dem Unternehmen auf insgesamt 49,96 Prozent. Über den Preis ist nichts bekannt. RWE hatte 2012 eine Partnerschaft mit Macquarie geschlossen.

Der PE-Investor VR Equitypartner ist mit 65 Prozent neuer Mehrheitseigner der Berliner Dilax Intelcom, die auf Zählsysteme spezialisiert ist. Dilax erwirtschaftete 2014 mit 120 Mitarbeitern rund 18 Millionen  Euro Umsatz. Im Rahmen des M&A-Deals beteiligten sich auch Omos Equity Partners und das Management von Dilax an dem Unternehmen. Der bisherige Hauptgesellschafter Uwe Hinrichsen hält nun einen Minderheitsanteil. VR Equitypartner wurde von Latham & Watkins unter der Federführung von Martin Neuhaus beraten.

Rockspring Property Investment Managers hat ein Joint Venture mit seinem verwalteten German Retail Box Funds sowie einem niederländischen Pensionsfonds und einer belgischen Versicherungsgruppe aufgesetzt, um in einem Share-Deal 23 Handelsimmobilien im Wert von 350 Millionen Euro in Deutschland zu kaufen. Verkäufer der Immobilien sind Capital & Regional sowie ein von Ares verwalteter Immobilienfonds. Das Gemeinschaftsunternehmen hat das Portfolio bei der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen refinanziert. Rockspring wurde von der Londoner Kanzlei Nabarro und von GSK Stockmann + Kollegen beraten.

Der Versicherungskonzern Talanx übernimmt  für umgerechnet rund 180 Millionen Euro die chilenische Versicherungsgruppe Inversiones Magallanes. Talanx  besitzt nun mehr als 99 Prozent der Anteile an der Versicherungsgruppe in Chile. Der Mutterkonzern hat seinen Sitz in Hannover und erzielte über 28 Milliarden Euro Prämieneinnahmen im Jahr 2013. Talanx hatte erst vergangene Woche zwei Tochtergesellschaften in der Ukraine und in Bulgarien verkauft.

Das bayerische Luftfahrtunternehmen 328 Support Services wurde von der US-amerikanischen Sierra Nevada Corporation übernommen.  Das amerikanische Unternehmen beschäftigt mehr als 3.000 Mitarbeiter. Beraten wurde der Käufer von SKW Schwarz, federführend war Kolja Petrovicki. Neben SKW Schwarz waren noch die holländisches Partnerkanzlei Holland & Hart für das US-amerikanische Recht und Reynolds Porter Chamberlain für das englische Recht zuständig.

Die Beteiligungsgesellschaft Arcaris Management hat den westfälischen Fenster- und Türenhersteller Rubo Fenster übernommen. Als Berater dieser Transaktion wurde I-Advise mandatiert.

Der Chemiedistributor Brenntag hat die südafrikanische Lionheart Chemical Enterprises mit Sitz in Johannisburg übernommen. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Das Zielunternehmen Lionheart konnte im Geschäftsjahr 2014 insgesamt einen Umsatz von 12 Millionen Euro verbuchen.  Brenntag erzielte 2013 mit mehr als 13.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 9,8 Milliarden Euro.

Der Baukonzern Hochtief hat seine Beteiligung von 50 Prozent an der Via Solutions Thüringen veräußert, die das öffentlich-private-Partnerschafts-Projekt A4-Umfahrung Hörselberge in Thüringen betreibt. Käufer ist der Infrastrukturinvestor Meridiam. Die übrigen 50 Prozent der Anteile an Via Solutions hält Vinci Concessions.

Die Robert-Bosch-Tochter Bosch Software Innovations übernimmt den Softwareentwickler ProSyst, zu dessen Kunden nach eigenen Angaben führende Geräte- und Automobilhersteller zählen. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Das Unternehmen beschäftigt rund 110 Mitarbeiter in Köln und Sofia. Beraten wurde Bosch Software Innovations von einem SKW Schwarz-Team unter der Federführung von Stephan Morsch.

Die Hamburger Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Alpers & Wessel schließt sich mit dem Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen Dornbach mit Sitz in Koblenz zu Alpers Wessel Dornbach zusammen. Details der Transaktion sind nicht bekannt. Das Unternehmen erzielt einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro an 18 Standorten in Deutschland.

Die Baumarktkette Hornbach hat die österreichische Öbau Egger übernommen, wie das Wirtschaftsblatt berichtet. Die Umwandlung soll im Herbst erfolgen. Hornbach ist in Österreich derzeit mit elf Filialen vertreten. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Der Schweizer Flugzeugabfertiger Swissport steigt mit einem Joint Venture in Kasachstan ein und übernimmt die Passagierabfertigung sowie die Bodenabfertigung am Flughafen der Hauptstadt Astana. Das Joint Venture wird den Namen Swissport Kasachstan haben und umfasst außerdem die Flughafenbetreibergesellschaft JSC Astana International Airport und die Airport Management Group.

Der börsennotierte Automobilelektronikhersteller Paragon hat den Displayhersteller Spheredesign zu 100 Prozent übernommen. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Die Hamburger Reederei Ahrenkiel Steamship, die dem Investor MPC Capital gehört, übernimmt acht Containerschiffe aus dem Portfolio der HSH Nordbank. Insgesamt liegt der Deal in US-Dollar im dreistelligen Millionenbereich. Die Verkäufer und Kaufpreise sind nicht bekannt.

Die belgische Baustoffunternehmensgruppe Etex verkauft die deutsche Tochtergesellschaft Eternit Flachdach an die französische Soprema Gruppe. Eternit Flachdach wird mit seinen 86 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von 20 Millionen Euro ein Teil von Adexsi, der Muttergesellschaft des Soprema Geschäftsbereich für Oberlichter und Entrauchungsanlagen. Soprema selbst erwirtschaftete mit ihren weltweiten 5.334 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 2 Milliarden Euro im Jahr 2014. Soprema wurde von Orrick Herrington & Sutcliffe unter der Federführung von George T. Rigo und  Oliver Duys beraten. Etex mandatierte Kümmerlein (Federführung: Martin Gisewski).

Der Ingenieurdienstleister Quest Global Engineering mit Sitz in Singapur hat das Münchener Automobiltechnik-Unternehmen EDF erworben. EDF wurde 1989 gegründet und beschäftigt über 300 Mitarbeiter. Finanzielle Details sind nicht bekannt. Beraten wurde der Käufer von Angermann.

Rapid Nutrition, ein Londoner Unternehmen für Gesundheitsprodukte auf Naturbasis, holt sich das deutsche Fitnessunternehmen mysportscomp ins Boot. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Der PE-Investor Equistone Partners Europe hat seine Anteile an dem Schweizer Callcenter-Betreiber Avocis an den britischen Outsourcingspezialisten Capita verkauft. Bisheriger Eigentümer von Avocis war die Premium Communications Holding, an der mehrheitlich von Equistone beratene Fonds beteiligt sind. Details des M&A-Deals sind nicht bekannt. Avocis erzielte 2014 einen Umsatz von 210 Millionen Euro. Berater der Verkäufer waren Robert W. Baird, Bär & Karrer, KPMG und PwC.

Der auf LED und Laser spezialisierte Schweizer Anlagenbauer Evatec hat den Geschäftsbereich Advanced Technologies der Oerlikon-Gruppe übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die internationale Federführung des M&A-Deals oblag der Schweizer Kanzlei Prager & Dreifuss. Zu Fragen des deutschen Rechts wurde Evatec von der Wirtschaftskanzlei Noerr unter der Federführung von Sabine Klett und Silvia Sparfeld beraten.

2G Energy, ein deutscher Hersteller von Kraft-Wärke-Kopplungs-Anlagen, hat seine Beteiligung an seinem amerikanischen Vertriebsunternehmen 2G Cenergy Power Systems Technologies von bislang 49 Prozent auf 100 Prozent aufgestockt. Über den Kaufpreis der Anteile ist nichts bekannt.

julia.becker[at]finance-magazin.de

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