M&A-Deals der Woche: Auf dem Weg zur Mega-Fusion: EADS und die britische BAE Systems hegen Fusionspläne.

BAE Systems

14.09.12
Deals

M&A-Deals: EADS, Deutz, Neckermann

EADS und BAE wollen fusionieren, Neckermann droht das Aus und Volvo steigt bei Deutz zum Großaktionär auf. Diese und weitere M&A-Deals der Woche finden Sie hier in unserem Wochenrückblick.

EADS und BAE wollen fusionieren

Eine neue Mega-Fusion hat sich in dieser Woche angekündigt: EADS und die britische BAE Systems hegen Fusionspläne. Die Konzerne arbeiten bereits an mehreren Projekten, unter anderem dem Eurofighter, gemeinsam. Die Unternehmen hätten zusammen einen Börsenwert von 36,6 Mrd. Euro. Bei einer Fusion sollen EADS und BAE zwar als Gruppe agieren, an der Börse aber getrennt geführt werden. EADS würde mit 60 Prozent am neuen Konzern beteiligt.

Die Reaktionen waren gemischt: Die Papiere von EADS brachen zunächst um 7 Prozent ein, während die BAE-Aktie zulegte. Ob die Transaktion wie geplant durchgeht, ist noch unklar. Mehrere Regierungs- und Wettbewerbsbehörden müssen der Fusion zustimmen. EADS und BAE wollen bis zum 10. Oktober verkünden, ob der M&A-Deal zustande kommt.

Bayer kauft Teva-Tiersparte in den USA

Bayer Healthcare hat heute angekündigt, das US-Tiergesundheitsgeschäft von Teva Pharmaceutical Industries für einen Kaufpreis von bis zu 145 Mio. US-Dollar zu übernehmen. Im Portfolio enthalten sind Produkte für Nutztiere und Haustiere. Der Kaufpreis setzt sich zusammen aus einer Einmalzahlung von 60 Mio. Dollar, beim Erreichen bestimmter Produktions- und Umsatzziele werden Meilensteinzahlungen von maximal 85 Mio. Dollar fällig. Die Transaktion, die auch die Übernahme eines Produktionsstandorts in Missouri einschließt, soll im Verlauf des Jahres 2013 abgeschlossen werden.

Neckermann: Chance auf Verkauf schwindet

Der Versandhändler Neckermann steht womöglich vor dem Aus. Die Chancen zur Unternehmensrettung schwinden, teilte in dieser Woche die Sozietät CMS Hasche Sigle mit, die mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung von neckermann.de und Neckermann Logistik beauftragt ist.

Seit acht Wochen suchen die vorläufigen Insolvenzverwalter Joachim Kühne und Dr. Michael Frege gemeinsam mit Ernst & Young nach Investoren, bislang erfolglos. Kühne zufolge versuche man weiter, noch bis Ende September einen ernsthaften Investor zu finden, die Lage werde aber immer aussichtsloser. Ende September läuft das Insolvenzausfallgeld der Arbeitsagentur aus.

Im Suchprozess wurden von der Sozietät zufolge bislang mehr als 200 Investoren angesprochen. Etwa 50 hätten sich intensiv mit den Geschäftsverhältnissen befasst. „Die Investoren monieren vor allem, dass ihrer Ansicht nach über einen langen Zeitraum hinweg nicht kostenbewusst gewirtschaftet worden sei. Überall seien sie bei ihrer Prüfung auf die sichtbar schlimmen Folgen für die Wirtschaftlichkeit des Betriebs gestoßen“, sagte Frege.

Volvo wird Großaktionär bei Deutz

Der schwedische Baumaschinenhersteller AB Volvo ist seit dieser Woche neuer Großaktionär bei Deutz. AB Volvo hat für rund 130 Mio. Euro mehr als 22 Mio. Aktien vom langjährigen Mehrheitsaktionär Same Deutz-Fahr gekauft und seine Beteiligung damit von 6,7 auf mehr als 25 Prozent erhöht. Die Transaktion war im Juni angekündigt worden. AB Volvo ist nun mit 25 Prozent plus 1 Aktie größter Anteilseigner von Deutz.

Deutz und Volvo prüfen zudem die Bedingungen für die Gründung eines Joint-Ventures in China, das mehrheitlich Deutz gehören soll. Der italienische Landmaschinenhersteller Same Deutz-Fahr bleibt mit rund 8,4 Prozent an Deutz beteiligt.

Weitere M&A-News und M&A-Deals der Woche

Das MDax-Unternehmen Dürr ist in dieser Woche beim Wärmepumpenanbieter Thermea eingestiegen. Dürr übernahm einen 27-prozentigen Anteil an dem Unternehmen, finanzielle Details wurden nicht bekannt. Thermea bietet Pumpen an, die mit dem natürlichen Kältemittel CO2 arbeiten und daher umweltfreundlicher als herkömmliche Wärmepumpen sein sollen. Dürr will mit dem Anfang 2011 gegründeten Unternehmensbereich Clean Technology bis 2015 einen Umsatz von mehr als 200 Mio. Euro erzielen.

Die Kartellbehörden haben dem M&A-Deal zwischen dem Baumaschinenhersteller Atika und dem französischen Wettbewerber Altrad-Gruppe zugestimmt. Altrad will in Deutschland expandieren und hat eine strategische Mehrheit an Atika mit Option auf den Kauf der restlichen Anteile vom Unternehmer Axel Pollmeier erworben. Über das Volumen der Transaktion wurde Vertraulichkeit vereinbart. Kürzlich hatte sich der französische Staatsfonds FSI an Altrad beteiligt, weitere Mittel kamen von einer Gruppe von Finanzinvestoren um BNP Paribas Développement. Altrad hat weitere Akquisitionen angekündigt. Altrad wurde bei dem M&A-Deal von der Kanzlei Noerr rechtlich beraten.

Mit großen Hoffnungen war Holtzbrinck Digital 2007 bei den sozialen Netzwerken studiVZ, schuelerVZ und meinVZ eingestiegen, Branchenkreisen zufolge soll Holtzbrinck damals etwa 85 Millionen Euro bezahlt haben. Nun hat das Unternehmen die Beteiligungen, die inzwischen unter dem Namen Poolworks gebündelt wurden, an eine Tochter der US-Investmentgesellschaft Vert Capital verkauft. Für schuelerVZ behält Holtzbrinck eine Nutzungsoption. Über den Kaufpreis für die Netzwerke, die zuletzt massiv Nutzer verloren hatten, wurde Stillschweigen vereinbart. CMS Hasche Sigle hat Holtzbrinck Digital beim Verkauf beraten.

Der Softwareanbieter Godesys hat die Assets des Systemberatungshaus Proratio übernommen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Die Hamburger Beteiligungsgesellschaft Adiuva Capital hat die Ascopharm-Gruppe im Rahmen einer Nachfolgeregelung zu einem nicht genannten Preis vollständig von Gründer Karl-Heinz Oppermann übernommen. Ascopharm vertreibt Nahrungsergänzungsmittel und freiverkäufliche Arzneimittel. M&A International war exklusiver M&A-Berater des Verkäufers.

Das Beteiligungsunternehmen Heliad Equity Partners will sich stärker auf seine Kernbereiche fokussieren und hat deshalb einen Minderheitsanteil am Entwickler von Solarstromwerken Ecolutions über 8,21 Prozent verkauft. Details der Transaktion wurden nicht genannt.

Das Schweizer Immobilienunternehmen Swiss Prime Site kauft den Immobiliendienstleister Wincasa vollständig von der Credit Suisse Group. Wenn die Wettbewerbskommission zustimmt, soll der M&A-Deal bis Ende Oktober vollzogen werden. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Die Schur Flexibles Group hat weiter zugekauft. Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen den deutschen Hersteller von Lebensmittelbeuteln Vacufol übernommen. Bereits im August hatte Schur Flexibles im Rahmen eines Buy-and-Build-Konzepts – initiiert von MP Corporate Finance und dem hinter der Gruppe stehenden Private-Equity-Investor Capiton – die deutsche Firma Flexofol übernommen. Schur Flexible machte 2011 rund 73 Mio. Euro Umsatz.

Die deutsche Grenzebach-Gruppe (Umsatz 362 Mio. Euro) hat ihre Beteiligung am Logistikunternehmen Swisslog von 11,26 auf 21,45 Prozent aufgestockt. Man beabsichtige jedoch nicht, Swisslog zu übernehmen, hieß es. Grenzebach ist der größte Einzelaktionär von Swisslog.

Die deutsche TWE Group hat das Vliesstoffgeschäft der britischen Vita Group übernommen. Vita trennte sich von vier europäischen Tochterunternehmen in Belgien, Frankreich und Schweden. TWE besitzt Produktionsstätten in Deutschland und China. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt. Die TWE Group wurde von der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft beraten sowie von Granrut Avocats (Frankreich), MAQS (Schweden) und Philippe & Partners (Belgien). Die Vita Group wurde von Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.

Das technische Handelsunternehmen Kistenpfennig hat das auf Arbeitsschutzprodukte spezialisierte polnische Unternehmen Robod mit sechs Standorten und einem Distributionscenter übernommen. Es ist die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte von Kistenpfennig. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Das Beratungsunternehmen Angermann hat gemeinsam mit der auf die Gesundheitsbranche spezialisierten Managementberatung B-LUE das Joint Venture Hanseatische Healthcare Invest gegründet. Das neue Unternehmen bietet Dienstleistungen in den Segmenten M&A (Immobilien und Betrieb), Asset Management, Restrukturierung/Startup sowie im Bereich von Investments in Ärztezentren. Die Geschäftsführung übernehmen Marco-Dirk Friesen und Mark Zluhan.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de