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M&A-Deals: Egym, BMW/Mercedes, Allianz

Fusion in der Firmenfitness-Branche - Egym schluckt Gymlib. Foto: Elnur - stock.adobe.com
Fusion in der Firmenfitness-Branche - Egym schluckt Gymlib. Foto: Elnur - stock.adobe.com

Millionen für die Firmenfitness – Egym schluckt Gymlib

Fitness ist eines dieser Phänomene, die immer wieder und andauernd im Trend liegen, spätestens pünktlich zum Jahreswechsel. Und als solcher Gesundheitstrend wird auch Corporate Fitness immer beliebter. Genau darauf hat sich Egym, ein Münchener Anbieter von Firmenfitness, spezialisiert. Um in Europa das selbst gesteckte Ziel der Marktführerschaft auf diesem Gebiet zu erreichen, geht Egym auf Einkaufstour und übernimmt für einen zweistelligen Millionenbetrag den französischen Wettbewerber Gymlib. Beraterteams von CMS und Baker Tilly haben das Münchener Start-up bei der Übernahme durch Gymlib beraten.

Eigenen Angaben zufolge gehören rund 3.600 Unternehmenskunden zum Egym-Netzwerk. Gymlib wiederum bezeichnet sich mit rund 600 Unternehmenskunden und 4.300 Fitnesseinrichtungen als Marktführer in Frankreich. Egym-Geschäftsführer Philipp Roesch-Schlanderer zeigt sich vor allem beeindruckt „vom Unternehmergeist“ der Gymlib-Gründer, „die ihr Business gerade während und nach der Pandemie massiv ausgebaut und ihren Fokus klar auf Marktführerschaft und Kapitaleffizienz gelegt haben“.

Opel-Mutter Stellantis kauft Share Now von BMW und Mercedes

Dass das Mobilitäts-Joint Venture von BMW und Mercedes (ehemals Daimler) nicht so wächst wie geplant, zeichnet sich schon seit einiger Zeit ab. Der Ausverkauf der Teile aus dem erst 2019 gegründeten Joint Venture „You Now“, mit dem die Autobauer nicht weniger als die komplette Palette der modernen Mobilität bedienen wollten, begann schon 2021.

Nun folgt ein weiterer Trennungsschritt: Die Carsharing-Tochter Share Now wird an Stellantis verkauft. BMW und Mercedes-Benz haben eine entsprechende Vereinbarung mit dem französisch-italienischen Autokonzern unterzeichnet, wie die Autobauer bekanntgeben. Über finanzielle Details wurde Stillschweigen vereinbart. Analysten und Branchenkenner schätzen den Kaufpreis auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, da die Nutzungszahlen des deutschen Carsharing-Anbieters unter Corona spürbar gelitten haben.

BMW und Mercedes wollen sich nun auf die Dienstleistungen rund um die Ladeinfrastruktur für E-Autos (Charge Now) und den Mobilitätsvermittler Free Now fokussieren. Es sind die einzigen „Nows“ von einst fünf Plattformen im Joint Venture, die nach dem Verkauf an Stellantis noch übrig bleiben. Der Mobilitätsdienstleister Reach Now wurde bereits eingestellt und die Parkplatz-App Park Now an den schwedischen Konkurrenten Easypark verkauft.

Stellantis wiederum will den M&A-Deal nutzen, um das Wachstum des eigenen Angebots Free2move anzukurbeln. Zu den bestehenden 2 Millionen Kunden kämen nun weitere 3,4 Millionen hinzu, erklärt Stellantis. Der Autobauer peilt an, den Nettoumsatzes mit Mobilitätsdienstleistungen bis 2030 auf 2,8 Milliarden Euro zu steigern. Ein erster Schritt soll bis zum Jahr 2025 mit 700 Millionen Umsatz erreicht werden.

Allianz gründet größten panafrikanischen Versicherer

Der Versicherungsriese Allianz will nun auch auf dem afrikanischen Kontinent einen Big Player schaffen. Dazu gründet der Konzern mit dem südafrikanischen Branchenkollegen Sanlam ein Joint Venture, das in 29 Ländern – ausgenommen Sanlams Heimatmarkt Südafrika – tätig sein und zum größten panafrikanischen Versicherer aufsteigen soll, wie das Unternehmen im Rahmen seiner Hauptversammlung mitteilt.

40 Prozent des Joint Ventures sollen beim Münchener Versicherer liegen. Die Mehrheit von 60 Prozent soll Sanlam halten. Allerdings hat die Allianz die Option, ihren Anteil auf 49 Prozent aufzustocken oder nach zehn Jahren auszusteigen. Den Aufsichtsratsvorsitz werden die beiden Konzerne alternierend alle zwei Jahre besetzen. Wer das Gemeinschaftsunternehmen führen soll, ist noch nicht entschieden.

Der afrikanische Kontinent „hat enormes Wachstumspotenzial, die Marktdurchdringung mit Versicherungen ist vergleichsweise gering“, erklärt Allianz-Chef Oliver Bäte die Motivation hinter dem Deal. Der Wert des neu geschaffenen Unternehmens wird auf 2 Milliarden Euro beziffert, zwei Drittel davon bringt Sanlam in das Joint Venture mit.

Weitere M&A-Deals

Der Automobilzulieferer Hella liebäugelt mit dem Gedanken, sich von einer seiner Sparten zu trennen. Konkret prüfen die Lippstädter Optionen für ihr Geschäftssegment „Special Applications“. Dazu sondiert Hella zunächst den Markt, befindet sich dabei nach eigenen Aussagen aber noch in einem frühen Stadium. In diesem Segment stellt Hella lichttechnische und elektronische Produkte für Spezialfahrzeuge her. Erst kürzlich hat der Autozulieferer die Business Group Lifecycle Solutions formiert, in der die Produktlinien Independent Aftermarket, Workshop Solutions und auch Special Applications gebündelt werden. Ein Kaufvertragsabschluss sei zum jetzigen Stand noch nicht in Aussicht, Hella wolle aber den Kapitalmarkt über den weiteren Fortgang auf dem Laufenden halten.

Zwischen den Immobilienunternehmen Immofinanz, S Immo und CPI Property Group laufen schon länger Übernahme- und Fusionsversuche. Ursprünglich hatten die beiden Unternehmen S Immo und CPI Property Offerten für Immofinanz abgeben. Eine Fusion ist noch möglich, dann allerdings unter dem Dach der CPI Property, die Großaktionärin von S Immo ist. Denn die Wiener von S Immo hätten sich mit CPI Property über eine Übernahme geeinigt, wie das Unternehmen mitteilt. Konkret will S Immo die Stimmrechtsbegrenzung in der Satzung der Gesellschaft abschaffen, damit CPI Property ein Pflichtangebot abgeben darf. Im Gegenzug soll CPI Property, hinter der der tschechischen Milliardär Radovan Vitek steht, den angekündigten Angebotspreis um 1,50 je Aktie auf 23,50 Euro je Aktie aufstocken.

Bosch übernimmt den Mikrolautsprecher-Spezialisten Arioso Systems. Das Marktsegment sei für Bosch sehr attraktiv und Arioso – das 2019 aus dem Fraunhofer IPMS und Forschungsarbeiten der BTU Cottbus-Senftenberg hervorgegangen ist – sei einer der weltweit innovativsten Anbieter von sogenannten MEMS Mikrolautsprecher-Technologien, so das Unternehmen. Die Technologie sei äußerst stromsparend, betont Bosch. Das ist relevant für neue Sensoranwendungen in anspruchsvollen Kopfhörern sowie in anderen tragbaren Konsumelektronikgeräten. Der Zukauf wird in die Division Bosch Sensortec integriert und soll die Diversifikation des Portfolios erhöhen. Hengeler Mueller (Federführung: Thomas Meurer, Bernd Wirbel) hat Bosch bei der Transaktion beraten.

Das Risikomanagement- und Rückversicherunternehmen Aon kauft den Spartenmakler Karl Köllner Versicherungsmakler und die Karl Köllner Marine Insurance Brokers. Durch den Zukauf will die irisch-britische Aon, die den Deal über ihre deutsche Tochter abwickelt,  das Portfolio im Bereich Schifffahrt, Transport und Logistik ausbauen. „Auf der einen Seite gibt es einen Makler mit erstklassiger Branchenexpertise, auf der anderen Seite einen Großmakler mit breiter Produktpalette und internationalem Netzwerk“, erklärt Kai Büchter, CEO Aon DACH, die Vorzüge der Akquisition. Die Marke Karl Köllner wird fortgeführt und auch die Geschäftsführer Stephan Winneg, Thilo Paulsen, Ulfert Paulsen sowie Mathias Hofmann bleiben an Bord. Winneg wird zudem Teil des deutschen Aon-Managements.

Die Münchener Industriegruppe Aequita hat die IFA Gruppe übernommen. Nach einer Transformationsphase will sich der Autozulieferer IFA nun mit einem neuen Eigentümer und auch unter neuer Führung auf einen Wachstumskurs begeben und das Portfolio weiter auf den Trend zur E-Mobilität ausrichten. Mit Abschluss des Deals werde Arno Haselhorst sein Mandat als CEO und CRO niederlegen, erklärt der Konzern. Neuer CEO wird Robert Roiger, ein erfahrener Geschäftsführer in technologiegetriebenen Unternehmen mit besonderem Fokus auf die Automobilzulieferindustrie. Ebenfalls neu in der Geschäftsführung sind Jan C. Maser als CFO sowie Stefan Bultmann als COO. Freshfields Bruckhaus Deringer hat SGP Schneider Geiwitz & Partner als Sanierungstreuhänderin von IFA sowie die IFA bei dem vollzogenen Verkauf beraten.

Parkettböden werden immer beliebter. Die Schweizer Bauwerk Group, ein Zusammenschluss aus den Unternehmen Bauwerk Parkett und Boen, zählt hierbei zu einem der großen Hersteller des Bodenbelags. Nun gelingt den Schweizern ein echter M&A-Coup: Durch die strategische Übernahme des US-amerikanischen Branchenkollegen Somerset Hardwood Flooring wird Bauwerk zum globalen Marktführer für Qualitätsparkett, wie der Konzern stolz betont. Das Unternehmen steigert den Umsatz von 300 Millionen Schweizer Franken auf dann 400 Millionen Franken Umsatz. Über finanzielle Details des Deals wurde Stillschweigen vereinbart.

Das Beratungshaus Accenture hat die Beratung Akzente gekauft. Akzente ist auf den Bereich Nachhaltigkeit spezialisiert und unterstützt Unternehmen aus verschiedensten Branchen wie Automobil, Energie und Konsumgüter dabei, diesen Aspekt in ihrem Kerngeschäft zu integrieren. Die Münchener Beratung beschäftigt rund 60 Mitarbeiter. Mithilfe der Übernahme will Accenture den eigenen Nachhaltigkeitsbereich ausbauen. Denn das Beratungshaus hat sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit in sämtliche Unternehmensaktivitäten und in die Zusammenarbeit mit Kunden zu integrieren. Nähere Details zur Transaktion wurden nicht bekanntgegeben.

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd darf sich am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven beteiligen. Die Übernahme der Anteile von Konkurrent A.P. Møller-Mærsk war bereits angekündigt, stand aber unter Vorbehalt der EU-Kommission, die eine Auswirkungen auf den Binnenmarkt befürchtet hatte. Nun gab es das grüne Licht. Hapag-Lloyd wird mit dem Deal 30 Prozent am Container Terminal Wilhelmshaven von Møller-Mærsk und 50 Prozent am Rail Terminal Wilhelmshaven übernehmen. Die Hamburger stärken durch die Beteiligungen ihre Wettbewerbsposition im Schiffsverkehr mit Fernost. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Terminalbetreiber Eurogate soll die verbleibenden Anteile halten.

M&A-Gerüchteküche

Diesmal rumort es in der Gerüchteküche von SAP, die durch den Zukauf von Taulia und den Weggang von CFO Luka Mucic in der jüngsten Vergangenheit ohnehin viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen  haben. Nun, so will es das „Manager Magazin“ aus Insiderkreisen erfahren haben, sollen die Walldorfer Software-Spezialisten ihre Lernplattform Litmos ins Schaufenster stellen und eine Auktion für das Geschäft starten. SAP soll bereits die Investmentbank Moelis & Co für den Verkaufsprozess mandatiert haben, wie das Magazin mit der Angelegenheit vertraute Personen zitiert. Das cloudbasierte Schulungssystem könnte dabei mit über 1 Milliarde Euro bewertet werden. SAP selbst hatte Litmos erst 2018 im Rahmen der 2,4 Milliarden US-Dollar-Akquisition des Kundenmanagement-Spezialisten Callidus übernommen.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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