M&A-Deals: Der Flughafen Frankfurt Hahn kommt wohl doch nicht in chinesische Hände: Offenbar sind die Zweifel am Investor Shanghai Yiqian Trading Company zu groß.

Frankfurt Hahn Airport

08.07.16
Deals

M&A-Deals: Flughafen Frankfurt Hahn, Novartis, Deutsche Leasing

Der Verkauf des Flughafens Frankfurt Hahn ist gescheitert, Novartis plant sich von seinem Anteil an Roche zu trennen und die Deutsche Leasing hat die Mehrheit an der Deutschen Factoring Bank erworben. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Frankfurt Hahn: M&A-Deal mit Chinesen geplatzt

Das Land Rheinland-Pfalz muss den Deal mit der chinesischen Shanghai Yiqian Trading Company (SYT) begraben, wie die „Badische Zeitung“ berichtete. Inzwischen bestehen dem Bericht zufolge zu große Zweifel an der Seriosität des Käufers. Bislang habe das Unternehmen nicht einmal die Unterlagen eingereicht, die zur Genehmigung für einen Kauf von Anteilen des Flughafens Frankfurt Hahn erforderlich seien. Zudem gebe es einen Verdacht, dass Dokumente gefälscht wurden.

Es bestanden schon seit einiger Zeit Zweifel an dem Unternehmen – unter anderem, weil dessen Firmensitz in Shanghai nicht zu existieren schien. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat inzwischen Fehler bei der Prüfung des Käufers eingeräumt. "Das ist bitter, dass dieser schlimme Fehler passiert ist", sagte sie bei einer Sondersitzung des Landtags in Mainz.

Novartis veräußert Roche-Beteiligung

Der Pharmakonzern Novartis plant den Verkauf seines Anteils an dem Konkurrenten Roche, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Schweizer „Sonntagszeitung“ berichtete. Der M&A-Deal soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen, sofern der Markt stabil bleibe.

Novartis hält etwa ein Drittel der stimmberechtigten Aktien, die derzeit etwa 12,8 Milliarden Euro wert sind. Ein Verkauf könnte einen Kontrollwechsel bei Roche nach sich ziehen, denn die Familie Hoffmann-Oeri, die derzeit mit 50,01 Prozent noch die Mehrheit der Stimmrechte hält, will ihre Beteiligung nicht aufstocken.

Deutsche Leasing macht M&A-Deal im Factoring-Bereich

Die Deutsche Leasing hat mit 53 Prozent der Anteile die Mehrheit an der Deutschen Factoring Bank erworben. Die BayernLB, Bremer Landesbank, NordLB und SaarLB haben die Anteile abgegeben. Durch den M&A-Deal erhöht die Deutsche Leasing ihren Marktanteil im Factoringgeschäft.

Die Transaktion muss noch von den Behörden freigegeben werden. Der Abschluss wird für Ende August erwartet, wie ein Sprecher des Unternehmens gegenüber FINANCE sagte. Als Berater hat die Deutsche Leasing die Kanzlei P+P Pöllath + Partners unter Federführung von Ralf Bergjan beauftragt.

PE-Investor 3i verkauft Geka an Sulzer

Der Schweizer Maschinen- und Anlagenbauer Sulzer übernimmt den Verpackungshersteller Geka, der für die Kosmetikbranche arbeitet. Geka wird mit 260 Millionen Euro bewertet. Durch den Zukauf wächst die Sulzer-Sparte Chemtech, die Kunststoffteile im Spritzgussverfahren herstellt.

Verkäufer ist der britische PE-Investor 3i. Nach eigenen Angaben erwartet der Investor einen Erlös von 178 Millionen Euro und erzielt damit das 1,8-Fache seines Einsatzes. Der M&A-Deal soll im dritten Quartal abgeschlossen werden, sobald die Freigabe der Wettbewerbsbehörden vorliegt. Beraten wird 3i bei dem Verkauf durch die Wirtschaftskanzlei Clifford Chance unter Federführung von Kerstin Kopp und Joachim Hasselbach. Für Sulzer ist die Kanzlei Baker & McKenzie unter Leitung von Florian Kästle und Nikolaus Reinhuber mandatiert.

LSE-Aktionäre geben grünes Licht für Fusion mit Deutscher Börse

Die Anteilseigner der London Stock Exchange (LSE) haben dem geplanten Zusammenschluss mit der Deutschen Börse mit fast 100 Prozent zugestimmt, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete. Wie das Votum von deutscher Seite in Folge des Brexit aussehen wird, ist jedoch noch nicht klar. Zudem sei damit zu rechnen, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Börse gegen den geplanten Unternehmenssitz in London Einspruch einlegen werde.

Rückschlag für Schokoladenkonzern Mondelez

Der Süßwarenhersteller Mondelez will seinen Konkurrenten Hershey übernehmen. Allerdings lehnt der US-Rivale das 23 Milliarden US-Dollar schwere Angebot ab. Es gebe „keine Basis für weitere Diskussionen“, wie Hershey mitteilte.

Mondelez wollte mit dem M&A-Deal zum Branchenführer in Sachen Schokolade aufsteigen. Dafür hat der Konzern 107 US-Dollar je Hershey-Aktie geboten. Den Kaufpreis würde Mondelez zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien zahlen. Analysten rechnen damit, dass der Konzern sein Angebot aufstocken wird.

Evonik kauft Probiotikageschäft von Norel

Der Spezialchemiekonzern Evonik übernimmt das Probiotikageschäft des spanischen Unternehmens Norel, das Futtermittelzusätze herstellt. Der Deal umfasst auch den Produktionsstandort im spanischen León. Evonik will die Sparte in sein Animal-Nutrition-Geschäft integrieren. Der Zukauf ist Teil von Evoniks Strategie, sein Angebot an nachhaltiger und gesunder Tierernährung zu erweitern.

Deutsche Börse verkauft Finanznachrichtendienst

Die Deutsche Börse verkauft mit dem Finanznachrichtendienst Market News International (MNI) ein weiteres Randgeschäft. Käufer ist der US-Finanzinvestor Hale Global. Der Deal soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Details nannte der Konzern nicht. Allerdings habe MNI im vergangenen Geschäftsjahr weniger als 1 Prozent zum Umsatz der Börse beigetragen. Beraten wird die Deutsche Börse bei der Transaktion durch DeSilva and Phillips sowie Nixon Peabody.

M&A-Personalien

Georg Ralle und Karlheinz Jungbeck sind neue Associate Partner im M&A-Team von Proventis Partners. Georg Ralle berät unter anderem in den Bereichen, IT, Medien und Medizin. Ralle war Vorsitzender der Geschäftsführung der Springer Medizin Verlage (später Springer Science + Business Media). Im Jahr 2009 wurde er zum Vorstand des Softwareunternehmens ICW ernannt. Zudem ist Ralle für mehrere Stiftungen tätig. Karlheinz Jungbeck ist auf Corporate Finance, Restrukturierung und Strategieberatung spezialisiert. Er berät unter anderem in den Bereichen Touristik, Medien, Logistik und Finanzdienstleistungen.

Weitere M&A-Deals

Heidelberg-Cement macht Fortschritte bei der Übernahme des italienischen Wettbewerbers Italcementi. Der Zementhersteller hat von der Holding Italmobiliare der Familie Pesenti für 1,67 Milliarden Euro deren Aktienpaket in Höhe von 45 Prozent erworben. Etwa die Hälfte des Kaufpreises hat Heidelberg-Cement in Aktien beglichen, wodurch Italmobiliare seine Beteiligung auf 5,3 Prozent erhöht. Ende August soll den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot zur Übernahme unterbreitet werden.

Der chinesische Mischkonzern HNA hat nach eigenen Angaben die Übernahme des Schweizer Bordverpflegers Gategroup erfolgreich abgeschlossen, wie Reuters berichtete. HNA konnte nur 63,6 Prozent der Stimmrechte übernehmen, womit die angestrebte Mindestquote von 67 Prozent unterschritten wird. Allerdings will der chinesische Konzern auf die Erfüllung der Bedingung verzichten. Außerdem gibt es noch eine Nachfrist, während derer weitere Aktionäre HNA ihre Anteile andienen können. Insgesamt ist der Deal rund 1,3 Milliarden Euro schwer.

Der Sportwagenhersteller Porsche hat sich über sein Tochterunternehmen Porsche Digital am Startup Evopark beteiligt. Das Unternehmen bietet eine Parkkarte an, die das Parken in Ballungsräumen revolutionieren soll. Es ist das erste Investment der neugegründeten Porsche-Tochter, die sich auf digitale Technologien spezialisiert.

Lufthansa sucht einem Bericht des Handelsblatts zufolge nach Wegen, ihre Billigflugtochter Eurowings durch eine Fusion wachsen zu lassen. Aber auch über andere Arten der Kooperation mit Wettbewerbern denkt die Fluglinie nach. Möglich sei unter anderem die Zusammenarbeit mit der skandinavischen SAS, der belgischen Brussels Airlines sowie den Fluggesellschaften von Thomas Cook, zu denen Condor gehört.

Der in der Automobilindustrie tätige Montagedienstleister Ferrostaal Automotive bekommt mit Rhenus einen neuen Eigentümer. Der Logistikdienstleister übernimmt das Unternehmen von Ferrostaal, der Kaufpreis ist jedoch nicht bekannt. Als M&A-Berater war Lincoln International für die Verkäuferseite tätig.

Der Versicherungskonzern Zurich hat sein Tochterunternehmen Zurich Insurance Company South Africa an die kanadische Fairfax Financial Holdings verkauft. Der M&A-Deal soll im vierten Quartal abgeschlossen werden, Details gaben die Unternehmen nicht bekannt. Im Mai hatte Zurich bereits ein marokkanisches Tochterunternehmen an den Wettbewerber Allianz veräußert.

Das Metallrecyclingunternehmen Chiho-Tiande mit Sitz in Hongkong übernimmt die vorrangig besicherten Forderungen des deutschen Recyclingunternehmens Scholz Holding. Anschließend will sich Chiho-Tiande auch an Scholz beteiligen. Scholz erzielt einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Die Käuferseite hat die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins als Berater beauftragt. Das Team leitete Jörn Kowalewski.

Die französische Trigo Group plant die Übernahme des Unternehmens Böllinger, das ebenfalls im Bereich Qualitätssicherung tätig ist. Die Höhe des Kaufpreises ist nicht bekannt. Die Wettbewerbshüter müssen die Transaktion noch freigeben. Trigo gehört mehrheitlich dem PE-Investor Ardian. Als Berater war Arqis für die Trigo-Gruppe tätig. Das Team leitete Jörn-Christian Schulze.

Das Unternehmen Vohtec Qualitätssicherung, das dem PE-Investor VR Equitypartner gehört, schließt sich mit dem Geschäftsbereich Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung der Böllinger Group zusammen. Details des Deals sind nicht bekannt.

Die Schön Klinik hat einen neuen Minderheitsinvestor. Um wen es sich bei dem Finanzpartner handelt, teilte der Klinikbetreiber jedoch nicht mit. Die Transaktion soll im Herbst abgeschlossen werden, sobald die kartellrechtliche Genehmigung vorliegt. Beraten wurde die Schön Klinik bei dem Deal durch die Kanzlei Hengeler Mueller.

Die Schlemmer Group, ein Anbieter von Verschraubungstechnik und Kunststofflösungen, hat mit Tubicor und Tubecraft zwei indische Unternehmen erworben und Schlemmer Technology India gegründet. Als Berater war die Kanzlei DLA Piper unter Federführung von Benjamin Parameswaran tätig. Zudem hatte Schlemmer in Indien die Kanzlei Cyril Amarchand Mangaldas mandatiert, das Team leitete Smruti Shah.

Das Bergbauunternehmen HMS Bergbau hat sich über sein südafrikanisches Tochterunternehmen HMS Bergbau Africa mit 25,1 Prozent an dem südafrikanischen Unternehmen Zamfin Capital beteiligt. Das Unternehmen betreibt eine Kohlewaschanlage, zu der HMS Bergbau durch den Deal Zugang erhält.

Das Beteiligungsunternehmen Solvesta hat die Übernahme des insolventen Bekleidungsunternehmens Dressmaster (vormals Steilmann) abgeschlossen. Details des M&A-Deals sind nicht bekannt. Etwa 40 der 60 Mitarbeiter werden weiterbeschäftigt.

ZF Friedrichshafen und TRW Automotive treiben nach ihrem Zusammenschluss die Integration voran. Vertrieb und Einkauf wurden bereits zusammengelegt. Ab Januar 2017 soll auch das Servicegeschäft integriert laufen, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete.

Das Beteiligungsunternehmen Solvesta hat die Übernahme des insolventen Bekleidungsunternehmens Dressmaster (vormals Steilmann) abgeschlossen. Details des M&A-Deals sind nicht bekannt. Etwa 40 der 60 Mitarbeiter werden weiterbeschäftigt.

Unternehmens Invest
hat über eine österreichische Zweckgesellschaft eine Beteiligung in Höhe von 25,07 Prozent an dem Unternehmen All for One Steeb erworben. Verkauft hat die Anteile Pierer Industrie.

Eine Investorengruppe um Quartum Kapital hat sich an der auf die Reinigung von Reinräumen spezialisierten Profi-Con Gruppe beteiligt. Auch das Management hat in diesem Zuge Anteile erworben. Quartum Kapital investiert in Unternehmen mit einem Umsatz bis 50 Millionen Euro.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.