M&A-Deals: Der Flughafen Frankfurt Hahn hat einen Käufer gefunden.

Frankfurt Hahn

10.06.16
Deals

M&A-Deals: Frankfurt Hahn, Stada, Warburg Pincus

Ein chinesischer Investor hat den Flughafen Frankfurt Hahn gekauft, Stada dementiert Verkaufsgespräche mit CVC und der Investor Warburg Pincus hat Inexio erworben. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Chinesischer Investor kauft Flughafen Frankfurt-Hahn

Der chinesische Konzern Shanghai Yiqian Trading Company kauft den Flughafen Frankfurt-Hahn, wie die dpa berichtete. Demnach veräußert das Land Rheinland-Pfalz seinen Anteil von 82,5 Prozent. Die restlichen Anteile hält das Land Hessen, das dem Vernehmen nach noch in Verhandlungen mit demselben Investor steht.

Insgesamt soll ein Verkauf des Flughafens ein Volumen von rund 10 Millionen Euro haben. Kurz nach der Meldung des Verkaufs gab es allerdings einige Unklarheiten. Die Chinesische Handelskammer in Deutschland kennt den neuen Investor nicht. Die Shanghai Guo Qing Investment Company, die als eine der Investorengesellschaften hinter der SYT genannt wird, ist dagegen bekannt. Die rheinland-pfälzische CDU hegt daher Medienberichten zufolge Zweifel an der Seriosität der SYT.

Stada führt offenbar keine Verkaufsgespräche

Der Arzneimittelhersteller Stada hat laut dpa Gerüchte über Verhandlungen mit dem britischen Finanzinvestor CVC oder anderen Investoren zurückgewiesen. Der Aktienkurs von Stada war wegen Übernahmespekulationen zuletzt gestiegen, ist nun aber wieder gefallen.

Das Wall Street Journal hatte kürzlich über informelle Gespräche mit CVC berichtet. Bei Stada gibt es im Moment einige Baustellen: Der Arzneimittelhersteller muss sich zurzeit auch mit dem aktivistischen Investor Active Ownership auseinandersetzen, der knapp 5 Prozent der Anteile hält. Zudem hat CEO Hartmut Retzlaff sein Amt aus Krankheitsgründen gerade an den Finanzvorstand Helmut Kraft abgegeben.

Warburg Pincus sichert sich Breitbandanbieter Inexio

Der PE-Investor Warburg Pincus hat im Rahmen einer Kapitalerhöhung die Mehrheit an dem Breitbandanbieter Inexio erworben. In diesem Zuge hat Warburg Pincus 30 Millionen Euro Kapital in das Unternehmen eingebracht.

Hinter dem Deal steht Ex-Telekom-CEO René Obermann, der im vergangenen Jahr als Partner zu Warburg Pincus gekommen war. Er will Inexio nun als Aufsichtsratschef zu einem „führenden Netzanbieter Deutschlands“ machen. Dazu könnte Warburg Pincus noch weitere Anteile zukaufen. Der Investor verhandelt noch über den Kauf eines Aktienpakets von 11 Prozent.

Knorr-Bremse kauft Tedrive Steering

Der Bremssystemehersteller Knorr-Bremse übernimmt die Tedrive Steering Gruppe, die Lenksysteme herstellt. Der M&A-Deals umfasst neben zwei deutschen Produktionsstätten auch Standorte in der Türkei, Russland und den USA. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Ebner Stolz hat Knorr-Bremse bei der Transaktion beraten. Die Feder führte Claus Buhmann. Auch die Kanzlei Mayer Brown war unter Leitung von Partner Carsten Flaßhoff für Knorr-Bremse beratend tätig.

Axel Springer kauft eMarketer

Der Medienkonzern Axel Springer übernimmt 93 Prozent der Anteile an eMarketer, einem US-Anbieter von Analysen, Reports und Daten für die digitale Wirtschaft. Zwei der noch aktiven Gründer werden weiterhin an dem Unternehmen beteiligt bleiben. Unter Berücksichtigung der liquiden Mittel und Verbindlichkeiten zahlt Axel Springer rund 242 Millionen Dollar (213 Millionen Euro). Der Unternehmenswert von eMarketer wird auf 250 Millionen US-Dollar (220 Millionen Euro) beziffert. Bei einem Ebitda von 18,5 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2015 liegt das Ebitda-Multiple bei 13,5x. Der Umsatz lag 2015 bei 45,5 Millionen US-Dollar (rund 40 Millionen Euro). Mit dem Deal will Axel Springer im englischsprachigen Raum wachsen. Die Freigabe durch das Kartellamt steht noch aus.

Rothschild plant Fusion mit Martin Maurel

Die Investmentbank Rothschild & Co strebt einen Zusammenschluss mit dem französischen Wettbewerber Compagnie Financiere Martin Maurel an. Martin Maurel wird dabei mit 240 Millionen Euro bewertet. Das fusionierte Unternehmen hätte ein verwaltetes Vermögen von rund 34 Milliarden Euro.

Rothschild will den M&A-Deal teils aus Barreserven, einer Kapitalerhöhung und Krediten finanzieren. Mit der Fusion wollen die Banken eine der führenden unabhängigen Privatbanken in Frankreich schaffen.

M&A-Personalien

Thomas Derlin ist seit 1. Juni neuer Equity-Partner in der Corporate- und M&A-Praxis von GSK Stockmann + Kollegen. Der 42-Jährige war zuvor mehr als sechs Jahre lang bei K&L Gates in Berlin tätig, wo er zuletzt Partner war. Derlin berät unter anderem bei M&A- und Venture-Capital-Deals sowie im Kapitalmarkt- und Gesellschaftsrecht.

Deloitte Legal verstärkt seinen Berliner Standort mit Julia Petersen. Die Anwältin hat zum 1. Juni von Lindenpartners gewechselt, wo sie unter anderem Transaktionen im Mittelstand und im Bereich Real Estate begleitete. Vor ihrer Tätigkeit für Lindenpartners leitete Petersen den Bereich Corporate und M&A der Kanzlei Luther für die Region Ostdeutschland.

Weitere M&A-Deals

Der Online-Immobilienmarktplatz Immobilienscout24 übernimmt die Portale My-next-home.de sowie Immodirekt.at. Beide Marken sollen eigenständig bestehen bleiben. Der Kaufpreis für beide Unternehmen zusammen liegt im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Das Maschinenbauunternehmen ElringKlinger hat im Rahmen eines Asset Deals das auf Formen- und Werkzeugbau spezialisierte insolvente Unternehmen Maier Formenbau übernommen. Der Verkaufsprozess wurde von Ebner Stolz Management Consultants begleitet. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Callista Private Equity kauft sämtliche Anteile an Monofrax, einem US-Hersteller von Hochtemperaturwerkstoffen. Verkäufer ist RHI, ein österreichischer Anbieter von Feuerfestprodukten. Monofrax erwirtschaftet mit 160 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro. Für Callista ist der M&A-Deal ein erster Schritt, um seine Investitionen in der Branche sowie im US-Markt auszuweiten. Beraten wird RHI bei der Transaktion durch MP Corporate Finance beraten.

Der Immobilienkonzern Immofinanz hat rund 18,5 Millionen Aktien des Immobilienunternehmens Buwog an den strategischen Investor Sapinda veräußert. Bei einem Preis von 19 Euro je Aktie ergibt sich für das Aktienpaket ein Kaufpreis von rund 352 Millionen Euro. Mit dem Erlös will Immofinanz eine Beteiligung in Höhe von 26 Prozent an dem Unternehmen CA Immobilien Anlagen erwerben. Nach der Transaktion hält Immofinanz noch rund 10 Prozent der Buwog-Anteile.

Die Ergo Versicherungsgruppe hat ihrem indischen Joint-Venture-Partner Housing Development Finance Corporation (HDFC) 22,9 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen HDFC Ergo General Insurance Company abgekauft. Der Kaufpreis beläuft sich auf rund 155 Millionen Euro. Damit hält Ergo 48,7 Prozent an dem Joint Venture.

Perusa Partners verkauft über seinen Fonds Perusa Partners Fund 2 das Unternehmen SEM, einen schwedischen Hersteller von Zünd- und Regelsystemen für Motoren, an Procuritas Capital Investores. Der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben. Der Umsatz von SEM liegt jedoch bei rund 35 Millionen Euro.

Der PE-Investor Aurelius hat das Unternehmen Calumet International erworben, zu dem der Fotofachhändler Calumet Photographic und der Lichttechnikhersteller Bowens Lighting gehören. Verkäufer ist die Calumet Holdings. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Das US-amerikanische Biotechnologieunternehmen Myriad Genetics hat das Unternehmen Sividon Diagnostics, das auf Brustkrebsprognosen spezialisiert ist, für 35 Millionen Euro übernommen. Wenn das Unternehmen bestimmte Leistungsziele erreicht, zahlt der Käufer weitere 15 Millionen Euro. Als Berater hatte Myriad Genetics die Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells beauftragt.

Das Beteiligungsunternehmen Indus hat das Unternehmen H. Heitz Furnierkantenwerk erworben, das Furnierkanten und Ummantelungsfurniere für die Möbel- und Bauindustrie herstellt. Die bisherigen Hauptgesellschafter Guido und Ralf Heitz haben verkauft, um die Unternehmensnachfolge zu regeln, bleiben aber Geschäftsführer. Heitz erzielt einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro jährlich. Der Deal muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Der Bremer Landesbank könnte eine vollständige Übernahme durch die NordLB bevorstehen, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Informationen aus Finanzkreisen berichtete. Demnach finden Gespräche auf Trägerebene statt. Der NordLB gehören 55 Prozent der Anteile an der Bremer Landesbank, 41 Prozent hält das Land Bremen und die übrigen Anteile gehören den niedersächsischen Sparkassen. Die Bremer Landesbank hat mit Belastungen aus Schiffskrediten zu kämpfen.

Lufthansa hat die Übernahme der skandinavischen Fluglinie SAS vorerst abgeblasen, wie Reuters berichtete. Statt eines M&A-Deals will Lufthansa nun eine „intensivere Kooperation“ mit SAS eingehen. Allerdings soll Lufthansa auch mit dem Wettbewerber Condor über eine Partnerschaft verhandeln, so die Agentur unter Berufung auf Insider. Demnach könnte sich aus den Verhandlungen auch eine Übernahme ergeben.

Der österreichische Petrochemiekonzern Borealis übernimmt die Kunststoffrecyclingunternehmen mtm Plastics und mtm Compact. Die Freigabe durch die Kartellbehörden steht noch aus. Bei der Transaktion wurde Borealis durch ein Team der Kanzlei Noerr unter Federführung von Florian Becker beraten. Die mtm-Gruppe hatte Network Corporate Finance als Berater mandatiert.

Das Beteiligungsunternehmen Auden hat seine Beteiligung  an dem Finanzdienstleister Optiopay auf 10 Prozent ausgebaut. Auch zwei deutsche Großbanken und Venture-Capital-Investoren haben sich an der Finanzierungsrunde beteiligt, wie das Unternehmen bekanntgab. Insgesamt wurde Optiopay dabei mit rund 15 Millionen Euro bewertet.

Die Social Commerce Group hat die verbliebenen 48,1 Prozent der Anteile an dem auf 3D-Druck spezialisierten Unternehmen Staramba erworben und hält somit künftig sämtliche Unternehmensanteile. Im gleichen Zuge hat die Social Commerce Group ihre gesamte Beteiligung an der MXM Mixed Reality Marketing, an Yoyo Smart Social Web Solutions sowie an Staramba USA Corporation an ihren US-amerikanischen Vertragspartner übertragen. Das Gesamtvolumen des M&A-Deals beträgt rund 60 Millionen Euro. Die Transaktion soll in Kürze abgeschlossen werden.

Das Biotechnologieunternehmen Stratec Biomedical erwirbt von Sony DADC Austria das Tochterunternehmen Sony DADC Biosciences, das intelligente Verbrauchsmaterialien für die Bereiche Diagnostik, Life Sciences und Medizintechnik herstellt. Der M&A-Deal soll bis Ende des dritten Quartals abgeschlossen werden. Für das aktuelle Geschäftsjahr erwartet Sony DADC Biosciences einen Umsatz von rund 17 Millionen Euro. Dem Kaufvertrag liegt ein Firmenwert von über 30 Millionen Euro zugrunde.

Die Mybet Holding hat ihre Beteiligung an Pferdewetten.de veräußert. Die Anteile wurden von verschiedenen Investoren erworben, wie das Unternehmen mitteilte. Details des Deals sind nicht bekannt.

Die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft hat eine stille Beteiligung an dem Grillspezialisten Activa Grillküche erworben. Mit dem Geld will Activa expandieren. Die Höhe der Investition ist jedoch nicht bekannt.

Chinesische Investoren kurbeln den deutschen M&A-Markt an. Gegenüber dem Vormonat hat sich das Volumen von M&A-Deals mit deutschen Targets etwas gesteigert. Einen großen Anteil daran macht unter anderem der Übernahmeplan des chinesischen Investors Midea für das Robotikunternehmen Kuka aus.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.