Es war das kurioseste Angebot der Woche: Greenpeace will das Braunkohle-Geschäft von Vattenfall übernehmen.

Christian Aslund/ Greenpeace

09.10.15
Deals

M&A-Deals: Greenpeace, K+S, Imtech

K+S hat die Übernahme durch den kanadischen Konzern Potash erfolgreich abgewehrt, das Bremer Familienunternehmen Zech übernimmt die insolvente Imtech Deutschland, und Greenpeace macht das kurioseste M&A-Angebot des Jahres. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Greenpeace will Braunkohlegeschäft von Vattenfall kaufen

Der schwedische Energieversorger Vattenfall hat ein ungewöhnliches Kaufangebot für sein deutsches Braunkohlegeschäft erhalten: Ausgerechnet die Umweltorganisation Greenpeace will mitbieten. Mit dieser kuriosen Offerte will Greenpeace verhindern, dass Braunkohle zur Energiegewinnung genutzt wird und damit konkrete Verantwortung für das Klima übernehmen. Als Favoriten für die Übernahme gelten derzeit allerdings die tschechischen Energiekonzerne CEZ und EHP. Der M&A-Prozess wird von der Citigroup organisiert. Für Greenpeace würde die Finanzierung eines solchen Kaufs eine Hürde darstellen.

Nordex wird mit Übernahme von Acciona Wind zum Global Player

Der Windturbinenbauer Nordex übernimmt den spanischen Wettbewerber Acciona Windpower für insgesamt 785 Millionen Euro. Als dominierender Nordex-Aktionär wird die deutsche Unternehmerfamilie Klatten von dem spanischen Baukonzern Acciona abgelöst. Neben 366,4 Millionen Euro in bar erhält Acciona aus einer Kapitalerhöhung 16,1 Millionen neue Nordex-Aktien zum Preis von 26 Euro je Aktie. Außerdem reicht der bisherige Großaktionär Skion – das Investmentvehikel der Klatten-Familie – einen Großteil seiner Beteiligung an die Spanier weiter: Skion reduziert seinen Nordex-Anteil von knapp 23 Prozent auf 5,7 Prozent. Accionas Beteiligung steigt dadurch auf 29,9 Prozent. Nordex wurde bei dem M&A-Deal durch die Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.

M&A-Deal abgeblasen: Potash verliert Interesse an K+S

Der kanadische Düngemittelkonzern Potash hat sein Angebot für K+S offiziell zurückgezogen. Das hessische Unternehmen hatte lange Widerstand gegen die Übernahmepläne des Konkurrenten geleistet. Ob sich dies allerdings für die Aktionäre auch finanziell gelohnt hat, wird sich noch zeigen müssen. Zunächst brachen die K+S-Papiere dramatisch ein. Nachdem sie den Handel in der Vorwoche bei rund 31 Euro beendet hatten, notierten die Aktien am Montagvormittag mehr als 20 Prozent tiefer bei rund 24 Euro. Die Kanadier hatten 41 Euro pro K+S-Aktie in Aussicht gestellt.

Imtech geht an Familienunternehmen Zech

Das insolvente Bauunternehmen Imtech Deutschland hat einen Käufer gefunden, der gleichwohl nur rund drei Viertel des Geschäfts übernehmen wird. Zuletzt waren fünf ernsthafte Bieter im Rennen, darunter auch ein Finanzinvestor. Den Zuschlag für Imtech Deutschland hat letztendlich die Bremer Bau- und Immobiliengruppe Zech erhalten. Die Übernahme soll über ein Tochterunternehmen der Gustav Zech Stiftung erfolgen. Der Deal umfasst den Geschäftsbetrieb und die wesentlichen Vermögensbestandteile von Imtech, wie der Baudienstleister mitteilte. Abgeschlossen werden soll der Verkauf nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang November, vorher müssen auch die Kartellbehörden noch zustimmen.

Nestle plant Joint Venture mit R&R

Der Schweizer Speiseeiskonzern Nestle verhandelt einem Bericht der Nachrichtenagentur Dow Jones zufolge mit seinem langjährigen Lizenzpartner, dem britischen Konzern R&R, über ein Speiseeis-Joint-Venture in Europa und Afrika. Nestle könnte demnach sein Eisgeschäft in Europa, Ägypten, Brasilien, Argentinien und auf den Philippinen, sowie auch sein europäisches Geschäft mit Tiefkühlkost – ausgenommen Pizza - einbringen. Die R&R Group, die dem PE-Investor PAI Partners gehört, soll hingegen vollständig in dem Gemeinschaftsunternehmen aufgehen, an dem beide Partner zur Hälfte beteiligt wären. Das Joint Venture hätte mehr als 10.000 Mitarbeiter und Standorte in über 20 Ländern.

Steilmann greift nach der Macht bei Adler

Die Textilholding Steilmann, die ihren Börsengang plant, will mit dem IPO-Erlös Anteile der Modekette Adler zukaufen, um dort eine Kontrollmehrheit zu erlangen. Aktuell hält Steilmann gemeinsam mit dem PE-Investor Equinox über das Finanzvehikel S&E Kapital 52,8 Prozent der Anteile an den Adler-Modemärkten. Konzernchef Michele Puller strebt jetzt mindestens eine konsolidierungsfähige Mehrheit – also 50 Prozent – an, wie er im Interview mit der Börsenzeitung sagte.

Damit stehen Puller und Neu-CFO Jens Brüggemann zwei Möglichkeiten offen: Entweder sie kaufen den PE-Investor Equinox aus der Erwerbsgesellschaft S&E Kapital heraus, oder sie erwerben zusätzliche Adler-Aktien außerhalb von S&E Kapital. Dafür kämen Aktien aus dem Streubesitz infrage, aber möglicherweise auch die Anteile des Textilunternehmers Gerhard Wöhrl, der 5 Prozent an Adler hält.

M&A-Personalien

Die US-Kanzlei Greenberg Traurig hat das gesamte Team der Berliner Niederlassung von Olswang abgeworben und das Büro Anfang Oktober als ihren ersten deutschen Standort eröffnet. Zu Greenberg Traurig Germany gehören 55 Anwälte, deren M&A-Praxis auf die Immobilien- und Technologiebranche spezialisiert ist. Die Kanzlei ist auf Wachstumskurs – in den nächsten Jahren soll die Zahl der Anwälte um ein Drittel erhöht werden.

Weitere M&A-Deals

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 forciert den Ausbau seines Digitalgeschäfts und kauft sich mit einer Minderheitsbeteiligung bei der britischen Fußballplattform 90min.com ein. Zusammen mit den drei bisherigen Anteilseignern Battery Ventures, Dawn Capital und Gemini Ventures hat ProSiebenSat.1 insgesamt 15 Millionen US-Dollar in die Plattform investiert, die bereits über 30 Millionen Nutzer erreicht. Auch an EverSport Media, einer amerikanischen Plattform für Liveübertragungen, hat der deutsche Konzern eine Minderheit erworben. Zuletzt hat ProSiebenSat.1 seine Digitalsparte unter anderem mit Investments bei dem Online-Kunsthändler Fineartmultiple und der Online-Ticketbörse Myticket verstärkt.

Der Schuhhändler Deichmann will laut dpa zum 1. Januar 2016 über seine Schweizer Tochter Ochsner Sport den bayerischen Sportfachhändler Sport Sperk übernehmen. Ochsner Sport ist Anfang 2015 in den deutschen Markt eingetreten und ist in Deutschland bislang mit zwei Filialen vertreten. Sport Sperk hat bundesweit 13 Standorte. Der Zukauf soll über das deutsche Tochterunternehmen von Ochsner Sport erfolgen. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus. Ochsner Sport erwirtschaftete 2014 rund 405 Millionen Euro Umsatz.

Der Energiekonzern E.On steht offenbar kurz vor dem Verkauf seiner Öl- und Gasfelder in der norwegischen und britischen Nordsee, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtete. Demnach befinde sich der Fonds LetterOne des russischen Milliardärs Michail Fridman in fortgeschrittenen Gesprächen mit E.On. Aus einem Verkauf der Felder und weitere Assets in Algerien erhofft sich E.On bis zu 1,8 Milliarden Euro. Insider gehen laut Reuters allerdings davon aus, dass der Erlös wegen des stark gefallenen Ölpreises geringer ausfallen könnte.

BayernLB Capital Partner hat die Isu Gruppe, ein Zeitarbeitsunternehmen, an den belgischen Personaldienstleister Actief Interim verkauft. Actief ist ein Portfoliounternehmen des niederländischen PE-Fonds Gilde Equity Management. Bei dem M&A-Deal handelte es sich um eine Add-on-Akquisition, die als Secondary Buy-Out durchgeführt wurde. In diesem Zuge hat sich das Isu-Management an der neuen deutschen Holding Actief Holding Germany beteiilgt. Die Verkäuferseite wurde durch Norton Rose Fulbright unter Federführung von Holger Scheer sowie durch Lincoln beraten.

Der Medienkonzern Bertelsmann hat über seinen Unternehmensbereich Be Printers die verbleibenden 25,1 Prozent an der Druckerei-Gruppe Prinovis übernommen. Verkäufer der Anteile ist der Medienkonzern Axel Springer. Details des Deals wurden nicht bekanntgegeben.

Das Bundeskartellamt hat den deutschen Autobauern BMW, Daimler und Audi erlaubt, den Kartendienstleister Here zu übernehmen. Allerdings kann auch die EU-Kommission die Entscheidung noch überstimmen. Vor der Einigung mit Nokia über den Verkauf von Here hatte es einen Bieterwettstreit um den Kartendienst gegeben. Letztendlich bewerteten die Beteiligten Here mit 2,8 Milliarden Euro.

Der Online-Autoteilehändler Kfzteile24 geht an den EQT Mid Market Fund. Die Verkäufer und Unternehmensgründer Matthias Kieper und Torsten Hainke bleiben wesentliche Gesellschafter und Co-CEO. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus. Im vergangenen Jahr erzielte das Berliner Unternehmen mit rund 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 114 Millionen Euro. Als Berater der Verkäufer war Blue Corporate Finance mandatiert.

Die Finanzinvestoren Apollo, York Capital und TowerBrook haben 3,3 Millionen Aktien des Dachpfannenherstellers Braas Monier veräußert und ihren Anteil damit von 48,4 auf 39,9 Prozent verringert. Mit der Platzierung war die Investmentbank Goldman Sachs beauftragt. Bei einem Preis von 22,75 Euro je Aktie erzielten die Verkäufer insgesamt 75,8 Millionen Euro. Braas Monier war im Sommer 2014 an die Börse gegangen.

Die KST Beteiligungs AG veräußert die Corporate-Finance-Beratung Blättchen & Partner mit Wirkung zum 1. Januar 2016. Bislang hat die Beteiligung einen Bilanzwert von 260.000 Euro. Außerdem zieht das Unternehmen 440.000 bereits erworbene eigene Aktien ein und setzt somit das Grundkapital auf 5,5 Millionen Euro herab.

Die Pfisterer Unternehmensgruppe hat sämtliche Anteile an der Lapp Insulators Holding erworben. Das Unternehmen stellt Hochspannungsisolatoren her. Verkäufer sind das Beteiligungsunternehmen Quadriga Capital sowie das Management von Lapp Insulators. Quadriga wurde beim Verkauf durch ein Team von Latham & Watkins unter Leitung von Oliver Felsenstein beraten.

Das Leipziger IT-Unternehmen Comparex hat sämtliche Anteile des Softwareunternehmens Amando Software übernommen. Comparex hat weltweit 2.150 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2014/2015 einen Umsatz von rund 1,77 Milliarden Euro. Beraten wurde die Käuferseite durch die Wirtschaftskanzlei Clifford Chance unter Federführung von Christof-Ulrich Goldschmidt.

Die Bibiliotheca Gruppe, ein Portfoliounternehmen des PE-Investors One Equity Partners, hat den Geschäftsbereich Library Systems von der 3M Company erworben. Finanziert wurde der M&A-Deal von der Goldman Sachs International Bank und Fonds der Vermögensverwaltungsgesellschaft Bluebay Asset Management. Die finanzierenden Banken wurden durch Latham & Watkins beraten, das Team leitete Andreas Diem.

Das britische Unternehmen Trifast, ein Spezialist für Befestigungssysteme, hat den deutschen Wettbewerber Kuhlmann Befestigungselemente erworben. Ein Teil des nicht genannten Kaufpreises wurde laut Mitteilung der Unternehmen in Trifast-Aktien gezahlt. Trifast wurde bei der strategischen Akquisition durch die Kanzlei Noerr unter Federführung von Stephan Schulz und Till Kosche beraten.

Der PE-Investor Incline Equity Partners hat Wheaton Industries, einen US-amerikanischen Hersteller von Laborglas und Verbrauchsmaterialien für die Forschung, veräußert. Käufer ist die Duran Gruppe, die Fonds des Private-Equity-Hauses One Equity Partners gehört. Incline Equity Partners wurde beim Verkauf durch die Investmentbank Lincoln International beraten.

Das auf mittelständische M&A-Targets spezialisierte Beteiligungsunternehmen Mutares hat das französische Holzbaustoffunternehmen Metsä Wood France von der finnischen Metsäliitto Cooperative gekauft. Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen Usmatz von 43 Millionen Euro und hat 115 Mitarbeiter. Im Mai hatte Mutares bereits den Papierhersteller Metsä Board Zanders mit Sitz in Bergisch Gladbach erworben, der mit 480 Mitarbeitern in 2014 Umsätze von 93 Millionen Euro erwirtschaftet hat.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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