Das Matratzen-Start-up Emma will den Schlaf der Deutschen verbessern – und gehört künftig in das Portfolio der Unternehmerfamilie Haniel.

Andrey Popov/iStock/Getty Images

09.04.20
Deals

M&A-Deals: Haniel, Infineon, Metro

Haniel sichert sich die Mehrheit am Matratzen-Start-up Emma, Infineon hat freie Bahn für die Cypress-Übernahme, und Kretinsky entschärft die Metro-Übernahmegerüchte: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Haniel kauft Mehrheit an Matratzen-Start-up

Start-up-Übernahme: Die Haniel-Gruppe, das Family Office der Unternehmerfamilie Haniel, übernimmt mit 50,1 Prozent der Anteile die Mehrheit an Emma, einer Online-Plattform für Matratzen und Schlafsysteme. Hinter der B2B-Marke steht das Unternehmen Bettzeit. Wie das Duisburger Familienunternehmen mitteilte, bleiben die Emma-Gründer Manuel Müller und Dennis Schmoltzi mit jeweils 24,95 Prozent am Unternehmen beteiligt und behalten ihre Positionen als Co-CEOs. Wie die Duisburger mitteilten, umfasst der Deal keine weitere Finanzierungsrunde.

Mit der Unterstützung des Finanzinvestors will Emma das Unternehmenswachstum beschleunigen und das internationale Geschäft ausbauen. Das 2013 gegründete Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main beschäftigt eigenen Angaben zufolge 350 Mitarbeiter und ist in 21 Ländern aktiv. Über finanzielle Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Die Gesellschafter von Emma wurden bei der Transaktion von Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Oliver Böttcher und Kristina Schneider) beraten.

Finale Freigabe für Cypress-Übernahme durch Infineon

Infineon nimmt die allerletzte Hürde beim Cypress-Deal: Der Halbleiterproduzent hat die noch ausstehende Genehmigung von der chinesischen Behörde SAMR (State Administration for Market Regulation) für die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor erhalten. Das teilte das Dax-Unternehmen am Dienstag mit. Zuvor stimmten bereits die EU und die USA dem Milliardendeal zu. Infineon plant den Abschluss der Transaktion in den kommenden fünf Geschäftstagen.

Infineon hatte bereits im Juni 2019 bekannt gegeben, den US-amerikanischen Rivalen übernehmen zu wollen. Die Finanzierung sicherte sich Infineon schon vor der Coronavirus-Krise: Das Unternehmen führte bereits im vergangenen Sommer eine Kapitalerhöhung durch und begab eine Hybridanleihe – dadurch kamen insgesamt 2,7 Milliarden Euro zusammen. Das restliche Geld für die Übernahmefinanzierung des 9 Milliarden Euro schweren Deals stammt aus Krediten, die insgesamt 20 Banken zur Verfügung stellen, so der Konzern aus Neubiberg. Es ist der größte M&A-Deal der Unternehmensgeschichte von Infineon.

Hat Sysco doch kein Interesse an Metro?

Wie viel ist dran an den Gerüchten, demnach der US-Konzern Sysco den Handelsriesen Metro schlucken will? Zumindest Metro-Großaktionär Daniel Kretinsky entschärfte in dieser Woche Spekulationen zu dem möglichen Deal. „Wir stehen nicht in Kontakt mit Sysco wegen Metro und haben keine Signale erhalten, dass Sysco ernsthaftes Interesse an Metro haben könnte“, sagte der tschechische Investor der Nachrichtenagentur „Reuters“.

Medienberichten zufolge bestätigte Metro-Chef Olaf Koch Ende März die M&A-Gerüchte rund um Sysco: Es habe Gespräche zur Übernahme gegeben, so der CEO. Ein konkretes Angebot liege dem Handelskonzern aber nicht vor, sagte Koch damals. Ein möglicher Kaufinteressent müsste sich mit dem Großaktionär Kretinsky abstimmen, der sich zumindest nicht auf die Schnelle von seiner rund 30-prozentigen Beteiligung trennen werde: „Wir beabsichtigen ein langfristiges Engagement bei Metro.“

Weitere Meldungen

Der französische Gasehersteller Air Liquide trennt sich von seiner deutschen Tochter Schülke & Mayr: Wie die Franzosen bekannt gaben, sind sie mit dem Finanzinvestor EQT in exklusive Verhandlungen über den Verkauf des Anbieters von Infektionspräventions- und Hygieneprodukten eingetreten. Air Liquide hatte bereits im November vergangenen Jahres mitgeteilt, einen Verkauf von Schülke & Mayr zu prüfen. Die Tochtergesellschaft hat ihren Hauptsitz in Norderstedt bei Hamburg und erwirtschaftet eigenen Angaben zufolge einen Jahresumsatz von rund 335 Millionen Euro. EQT wird von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Wessel Heukamp) beraten, bei den Finanzierungsvereinbarungen stand die Kanzlei Latham & Watkins dem Finanzinvestor zur Seite. Air Liquide wurde von Baker McKenzie (Federführung: Florian Kästle) beraten.

Der geplante Verkauf der polnischen Commerzbank-Tochter M-Bank ist offenbar bis auf weiteres verschoben. Nach Informationen des „Handelsblatts“ sei es wegen der Coronavirus-Maßnahmen derzeit nicht möglich, Verhandlungsgespräche in Polen zu führen. Darüber hinaus hat sich der Marktwert der M-Bank seit Jahresanfang fast halbiert, hat das Handelsblatt ausgerechnet. Daher könnten die ursprünglichen anvisierten Verkaufserlöse nicht mehr realisiert werden, so die Zeitung weiter. Mitte März gab Commerzbank-CFO Bettina Orlopp bekannt, dass ein Verkauf nur bei passendem Preis und Transaktionsstrukturen in Frage käme. Laut Insiderinformationen der Zeitung ist die polnische Bank Pekao der „einzige ernsthafte Bieter“ für die M-Bank.

Die Deutsche Bahn wird ihre Auslandstochter Arriva nicht wie geplant in diesem Jahr über die Börse verkaufen. Das berichtete die Nachrichtenagentur „Reuters“ am Montag. Der Konzern halte zwar an den strategischen Verkaufsbemühungen fest, sehe aber für dieses Jahr keine Umsetzung, zitiert die Agentur Bahnchef Richard Lutz. Die Nachrichtenagentur habe zuvor aus Konzernkreisen erfahren, dass der geplante Arriva-IPO auch trotz der Corona-Krise voraussichtlich nicht stattfinden würde. Aufgrund der Krise der Deutschen Bahn war zunächst ein Verkauf der britischen Nahverkehrstochter geplant – die Suche nach einem Käufer erwies sich jedoch als vergebens.

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Der Technologieinvestor Investcorp mit Sitz in Bahrain übernimmt das Cybersecurity-Unternehmen Avira. Das Softwareunternehmen aus dem baden-württembergischen Tettnang stellt unter anderem Anti-Malware bereit und bietet Schutz für die eigene Online-Identität, Finanzinformationen sowie private Daten. Eigenen Angaben zufolge schützt Avira mehr als 500 Millionen Endgeräte weltweit. Kunden sind OEMS sowie Endverbraucher. Die Übernahme muss noch kartellrechtlich genehmigt werden. Den Kaufpreis veröffentlichen die Parteien nicht.

Der Münchener Finanzinvestor Accursia kauft die europäische Sparte der Optimas-Gruppe, einem Spezialanbieter von Verbindungs- und Lieferkettenlösungen. Die Transaktion umfasst vier Gesellschaften mit Sitz in Italien, Deutschland, Belgien und Bulgarien. Die erworbenen Unternehmen sollen künftig unter der Marke „Stronghold“ auftreten und C-Teile-Lieferlösungen für Industrieunternehmen anbieten. Die Wirtschaftskanzlei Dentons (Federführung: Alexander von Bergwelt) hat Accursia bei dem Deal beraten.

Eigentümerwechsel bei FTI Touristik? Wie das „Handelsblatt“ zuerst berichtete, plant FTI-Großaktionär Samih Sawiris offenbar die Übernahme des Münchener Reiseveranstalters. Wie der Liste der laufenden Fusionskontrollverfahren des Bundeskartellamts zu entnehmen ist, hat der ägyptische Milliardär über seine Luxemburger Firma SOSTNT einen Prüfantrag bei der deutschen Wettbewerbsbehörde gestellt. Hierbei geht es um die „Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an der und alleiniger Kontrolle über die FTl Finanzholding GmbH“. Bislang ist das Touristikunternehmen zu zwei Drittel im Besitz der Familie des Gründers Dietmar Gunz, Sawiris hält das weitere Drittel. Zuletzt sicherte sich FTI ein Rettungspaket, an dem sich der Bund, das Land Bayern, die Hausbank Unicredit sowie die Gesellschafter beteiligen.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Admetos erwirbt 51 Prozent der Anteile am Geschäftsbereich Automotive Interiors des belgischen Industrieunternehmens Recticel. Wie die Münchener bekannt gaben, soll Automotive Interiors ein eigenständiges Unternehmen werden. Recticel wird für die nächsten vier Jahre weiterhin 49 Prozent halten. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Admetos wurde von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins rechtlich beraten.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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