Der französische Investor Nikolas Walewski wird neuer Mehrheitseigner des Waffenherstellers Heckler & Koch.

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24.07.20
Deals

M&A-Deals: Heckler & Koch, Curevac, Heideldruck

Ein neuer Mehrheitseigentümer nimmt bei Heckler & Koch die Zügel in die Hand, Curevac bekommt mit Glaxosmithkline einen neuen Aktionär, und Heideldruck gelingt ein M&A-Coup: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Heckler & Koch geht an CDE

Der Machtkampf bei Heckler & Koch findet vorerst sein Ende: Wie der Waffenhersteller mitteilte, hat die Luxemburger Finanzholding Compagnie de Développement de l’Eau (CDE) die Mehrheit an Heckler & Koch übernommen. Zuvor hatte die Holding des französischen Investors Nicolas Walewski für den M&A-Deal grünes Licht vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erhalten. Zur genauen Höhe der Beteiligung machte das Unternehmen keine Angaben. „Wir haben ein großes Interesse an klaren und stabilen Eigentümerverhältnissen. Mit CDE ist die wirtschaftliche Stabilität von H&K nun nachhaltig garantiert. Der seit 2018 eingeschlagene Konsolidierungskurs kann jetzt konsequent fortgeführt werden“, kommentiert Heckler-CEO Jens Bodo Koch den Deal.

Im November vergangenen Jahres wurde Heckler & Koch überraschend ins Schaufenster gestellt – damals äußerte sich der bisherige Haupteigentümer Andreas Heeschen jedoch noch nicht zum Namen der „kaufinteressierten Mitaktionärin“. Einen Monat später wurde Walewskis Finanzholding dann als Käuferin entlarvt. CDE ist bereits seit 2015 mit 5,1 Prozent an H&K beteiligt.

Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Oberndorf am Neckar ist hochverschuldet: Bei Heckler & Koch hatte sich zum Ende des vergangenen Jahres ein Schuldenberg von 233 Millionen Euro plus Pensionsforderungen von 60 Millionen Euro angehäuft. Der Waffenhersteller gibt sich derzeit aber positiv gestimmt: „Nach verlustreichen Jahren hat Heckler & Koch im zurückliegenden Jahr wieder einen Gewinn in Höhe von 1,6 Millionen Euro erzielt“, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Für das erste Halbjahr 2020 erwarte der Vorstand eine weitere Umsatzsteigerung und Ergebnisverbesserung, schreibt der Waffenhersteller, ohne auf weitere finanzielle Details einzugehen.

GSK steigt bei Impfstoffentwickler Curevac ein

Erst im Juni war der Bund mit 300 Millionen Euro bei Curevac eingestiegen, nun bekommt der Impfstoffentwickler einen weiteren neuen Investor: Der britische Pharmakonzern Glaxosmithkline (GSK) sichert sich für 130 Millionen Pfund (rund 150 Millionen Euro) 10 Prozent der Anteile an dem Tübinger Biotechunternehmen, wie Curevac bekannt gab. Zudem erhält Curevac von den Briten eine Einmalzahlung in Höhe von 104 Millionen Pfund (rund 120 Millionen Euro). Die Transaktion erfolgt im Rahmen einer strategischen Kooperationsvereinbarung der beiden Unternehmen, die künftig bei der Entwicklung von mRNA-Impfstoffen und bei der Antikörperforschung zusammenarbeiten wollen. Die beiden bestehenden klinischen Curevac-Entwicklungsprogramme zu Impfstoffen gegen das Coronavirus und die Tollwut seien jedoch nicht Teil der Kooperation.

Heideldruck veräußert defizitäre Gallus-Gruppe

Weiterer Befreiungsschlag für Heidelberger Druckmaschinen: Wie das Heidelberger Unternehmen mitteilte, verkauft es die Gallus Gruppe an den Schweizer Verpackungskonzern Benpac. Die Transaktion umfasst fünf Standorte in Deutschland und der Schweiz mit insgesamt rund 430 Mitarbeitern. Der Kaufpreis beträgt 120 Millionen Euro, Heideldruck rechnet mit einem Ertrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Der Verkauf soll noch in diesem Jahr wirksam werden, so die Heidelberger.

Mit dem Verkauf trennt sich Heideldruck von einem zuletzt defizitären Geschäftsbereich. Nach FINANCE-Informationen erwirtschaftete die Gallus Gruppe zuletzt einen Umsatz von rund 160 Millionen Euro, erzielte allerdings nur im Geschäft mit Schmalbahn-Rollendruckmaschinen einen operativen Gewinn. Inklusive der im Aufbau befindlichen Digitaldruckgeschäfte ist die Gruppe noch defizitär.

„Wir stärken weiter erheblich unsere Liquidität und unser Konzern-Eigenkapital – das hilft uns vor allem auch in Zeiten von Corona“, kommentiert CFO Marcus Wassenberg die Transaktion. Auch nach dem Deal wollen die Unternehmen zusammenarbeiten: Heideldruck liefert weiterhin digitale Druckeinheiten und Verbrauchsmaterialen für spezifische Gallus-Maschinen. Heidelberger Druckmaschinen wurde bei dem Deal von DLA Piper (Federführung: Benjamin Parameswaran) beraten.

Wirecard: Verkauf nun doch als Ganzes?

Seit der Insolvenz des Skandalunternehmens Wirecard haben immer mehr Parteien Interesse an Teilen des Münchener Zahlungsdienstleisters bekundet – jetzt soll Wirecard aber offenbar doch nicht zerlegt werden. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Insider berichtete, versucht Insolvenzverwalter Michael Jaffé das existierende Kerngeschäft und die Wirecard Bank als Ganzes zu verkaufen. Die Banktochter soll demnach gemeinsam mit der zugehörigen Technik von Wirecard angeboten werden. Die Schließung der Wirecard Bank oder ein Zahlungsverbot seien hingegen kein Thema mehr. Den Verkaufsprozess begleitet die Anwaltskanzlei Noerr.

Weiter vorangekommen sei auch der M&A-Prozess für das US-Geschäft, das offenbar auf einen Wert von bis zu 100 Millionen Euro kommen könnte: Für den Bereich „Citi Prepaid Card Services“ rechnet die mandatierte Investmentbank Moelis & Co im Laufe des heutigen Freitag mit den ersten Übernahmeangeboten, heißt es im Bericht. Für die Suche nach Kaufinteressenten für das britische Wirecard-Geschäft wurde die Beratung Alvarez & Marsal beauftragt.

Weitere Meldungen

Offenbar sucht ZF Friedrichshafen nach einem Käufer für seine Luftfahrttechnik. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise schreibt, hat der Automobilzulieferer die Investmentbank Rothschild für die Käufersuche mandatiert. ZF teilte auf Anfrage der FAZ mit, man prüfe, ob es geeignete Interessenten gebe. Der Prozess sei aber ergebnisoffen. Den Auftrag hat ZF dem Bericht zufolge schon vor Ausbruch des Coronavirus vergeben. Die Luftfahrttechnik, die bei ZF dem Bereich Industrietechnik angehört, beschäftigt 400 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 82 Millionen Euro.

Das Familienunternehmen Hengst Filtration übernimmt das Hydraulik-Filtrationsgeschäft der Bosch-Tochter Rexroth. Wie die auf die Bereiche Filtration und Fluidmanagement spezialisierte Firma aus Münster mitteilte, umfasst der M&A-Deal den Standort im baden-württembergischen Ketsch mit rund 190 Mitarbeitern, die weltweiten Vertriebsaktivitäten in über 30 Ländern sowie die Übertragung von mehr als 40 Schutzrechten. Über finanzielle Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Closing rechnet Hengst zum Anfang des nächsten Jahres. Mit dem Zukauf wollen die Münsteraner ihren Geschäftsbereich „Industriefiltration“ weiter ausbauen, für den sie im Jahr 2016 den dänischen Filterhersteller Nordic Air Filtration sowie zwei Jahre später den Luftfiltration-Spezialisten Delbag übernommen hatten. Die Verkäuferseite wurde von der Anwaltskanzlei Ashurst (Federführung: Volker Germann) beraten.

Der Regensburger Anbieter von Zeitarbeitssoftware Prosoft und die Landwehr Gruppe schließen sich zusammen. Hinter dem HR-Software-Unternehmen Landwehr steht seit April 2019 der Private-Equity-Investor Lea Partners. Die Prosoft-Gesellschafter Axel Wegmann und Denny Hölscher wurden bei der Transaktion von der Investmentbank Bryan, Garnier & Co beraten. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Erst im Februar dieses Jahres hatte René Benkos Signa Holding zusammen mit der thailändischen Central Group die Schweizer Warenhauskette Globus übernommen – nun trennt sich das Duo schon wieder von einem Teil der Geschäfte: Wie Globus bekannt gab, gehen 31 Fachgeschäfte an den ehemaligen Globus-CEO Thomas Herbert sowie an die Besitzer der Modekette Bayard, das Ehepaar Silvia und Fredy Bayard. Die Transaktion umfasst alle ehemaligen Schild-, Herren-Globus- und Navyboot-Filialen und soll zum 1. Februar 2021 erfolgen. Alle 320 Mitarbeiter würden übernommen. Signa und Central Group wollen in den nächsten Jahren mehr als 300 Schweizer Franken in Globus investieren. Die Schweizer Warenkette plant eine Neupositionierung im Luxus- und Premiumbereich.

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Die Frankfurter Investmentgesellschaft Universal-Investment beteiligt sich mehrheitlich an der B2B-Online-Investment-Plattform Capinside. Die beiden Capinside-Gründer Philipp Schröder und Achim Denkel bleiben – ebenso wie der dritte Geschäftsführer Micha Grüber – am Unternehmen rückbeteiligt und werden dieses auch weiterhin leiten, wie Universal-Investment mitteilte. Die Geschäftsführung des Hamburger Fintechs wird darüber hinaus um Jürgen Sehnert, Head of Strategy and Product Governance bei Universal-Investment, erweitert. Über finanzielle Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Hinter Universal-Investment steht das Private-Equity-Haus Montagu. Die Wirtschaftskanzlei Linklaters (Federführung: Ralph Drebes) hat die Käuferseite bei dem Deal beraten.

Die Schweizer Versandapotheke Zur Rose übernimmt den Münchener Telemedizinanbieter Teleclinic. Der Kaufpreis für das 2015 von Katharina Jünger gegründete Unternehmen befinde sich „im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Die Kanzlei P+P Pöllath+Partners (Federführung: Michael Inhester) hat Zur Rose bei dem Deal unterstützt.

Waterland kauft für sein Portfoliounternehmen Netgo zu: Wie der Private-Equity-Investor mitteilte, übernimmt der IT-Dienstleister mit Sitz in Borken die Mehrheit an den Wettbewerbern Commehr und Workbees. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in Berlin und beschäftigen insgesamt rund 60 Mitarbeiter. Verkäufer sind die beiden Gründer Timo Glaser und Sebastian Meyer, die rückbeteiligt bleiben. Zur Höhe der Anteile wurden keine Angaben gemacht. Netgo ist seit Herbst 2019 im Portfolio des Finanzinvestors Waterland, der für sein Portfoliounternehmen eine Buy-and-build-Strategie verfolgt. Im Rahmen der Wachstumsstrategie kaufte Waterland bereits die Unternehmen Comnet und Mehrwerk zu.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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