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03.11.17
Deals

M&A-Deals: Kaufhof, Air Berlin, Biotest

Der Karstadt-Eigentümer Signa will den Konkurrenten Kaufhof schlucken, Easyjet übernimmt Air-Berlin-Teile und Biotest muss um die milliardenschwere Übernahme durch Creat bangen.

Signa bietet 3 Milliarden Euro für Kaufhof

Nachdem sich die Gerüchte erhärtet haben, hat die Signa-Holding nun ein offizielles Übernahmeangebot für die angeschlagene Kaufhauskette Kaufhof eingereicht. Das verkündete der Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay (HBC) am vergangenen Mittwoch. Über die höhe des Gebots machte HBC keine Angaben. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll sich das Angebot von Signa, dessen Eigentümer der österreichische Investor und Karstadt-Eigentümer René Benko ist, auf 3 Milliarden Euro inklusive Schulden belaufen. Reuters beruft sich bei seinen Informationen auf mit der Sache vertraute Personen.


HBC gab an, dass das Angebot von Signa „unvollständig, nicht bindend und unaufgefordert“ eingereicht wurde. Nichtsdestotrotz werde HBC das Angebot prüfen. Es ist bereits der zweite Versuch von Signa den Konkurrenten Kaufhof zu übernehmen. Mit einer Entscheidung von HBC wird bis Mitte November gerechnet. Erst vor kurzem hatte HBC noch beteuert, keine Verkaufsabsichten für Kaufhof zu hegen. 

Easyjet übernimmt Air-Berlin-Flieger für 40 Millionen Euro

Die britische Billigfluglinie Easyjet übernimmt Teile des insolventen deutschen Konkurrenten Air Berlin. Der Kaufpreis liegt laut Angaben beider Unternehmen bei rund 40 Millionen Euro. Die Teilübernahme durch Easyjet beinhaltet 25 Flugzeuge der Air-Berlin-Flotte, sowie die Zeitfenster für Starts und Landungen der ehemals zweitgrößten deutschen Fluglinie.

Easyjet plant mit dem Zukauf, die innerdeutschen Flugrouten auszubauen. Außerdem bietet die Fluglinie den Air-Berlin-Mitarbeitern Arbeitsplätze an, für die jedoch ein normaler Bewerbungsprozess gelte. Am vergangenen Freitagabend stellte Air Berlin nach über 40 Jahren offiziell den Flugbetrieb ein. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hat sich gezeigt, dass Air Berlin offenbar nicht in der Lage ist, seinen Masseverbindlichkeiten nachzukommen. Somit ist auch die Rückzahlung des Kredits der Bundesregierung über 150 Millionen Euro gefährdet. Der deutsche Staat hatte das Darlehen gewährt, um den kurzfristigen Flugverkehr der insolventen Airline zu gewähren. 

Fresenius übernimmt Teil von DBAG-Beteiligung

Der Dax-Konzern Fresenius übernimmt über seine Tochter Vamed das Healthcare-Geschäft des deutschen Mittelständlers Cleanpart, der zum Portfolio des Finanzinvestors Deutsche Beteiligungs AG gehört. Cleanpart bereitet wiederverwendbare Medizinprodukte in Krankenhäusern auf und erzielte damit zuletzt mehr als 20 Prozent des Umsatzes. Der Kaufpreis, den Fresenius zahlt, wurde nicht genannt. Cleanpart konzentriert sich künftig auf das Geschäft mit der Halbleiterindustrie. 

Gefährdet CFIUS-Prüfung die Biotest-Übernahme?

Offenbar plant der US-Ausschuss CFIUS, die milliardenschwere Übernahme des Arzneimittelherstellers Biotest durch die chinesische Creat Group auf Risiken für die nationale Sicherheit der USA zu überprüfen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insiderinformationen. Im März verkündeten die Chinesen ihr Kaufinteresse an dem SDax-Konzern. Creat ist bereit, 1,3 Milliarden Euro für den hessischen Konzern zu bezahlen und hat im Juni bereits 77 Prozent der Biotest-Stammaktien erworben.

Die CFIUS-Prüfung könnte den Deal noch scheitern lassen. Die US-Behörde führt nach eigenem Ermessen Prüfungen von M&A-Deals durch, die das US-Geschäft betreffen und eine potenzielle Gefahr für die nationale Sicherheit des Landes darstellen.

Novartis will französischen Krebsspezialisten kaufen

Der Schweizer Biotechnologie- und Pharmakonzern Novartis plant den französischen Krebsspezialisten Advanced Accelerator Applications (AAA) zu übernehmen und bietet offiziell über 3,9 Milliarden US-Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro). Das berichtet die „Neue Züricher Zeitung“. Laut Unternehmensangaben haben beide Konzerne eine Vorabvereinbarung für den M&A-Deal unterschrieben. Novartis will den Aktionären demnach 41 US-Dollar (35 Euro) pro Stammaktie zahlen.

Die Franzosen konnten im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mit rund 550 Mitarbeitern rund 109 Millionen Euro umsetzen. Mit dem Zukauf will Novartis sein Krebsgeschäft ausbauen und technologische Entwicklungen vorantreiben. Laut der „Neuen Züricher Zeitung“ schätzen Analysten den Kaufpreis unter Berücksichtigung der Umsatzzahlen als zu hoch ein. Advanced Accelerator Applications wird in 2018 voraussichtlich 195 Millionen US-Dollar (167 Millionen Euro) erwirtschaften. Der Kaufpreis übersteigt diesen Wert um das Zwanzigfache. 

Angebote für gesamte HSH Nordbank liegen vor


Die HSH Nordbank geht den nächsten Schritt in Richtung Privatisierung. Aus dem Bieterkreis sind laut Angaben der Bank mehrere verbindliche Offerten für eine Übernahme der Landesbank eingegangen. Die Angebotsfrist für potenzielle Käufer der finanziell angeschlagenen Bank lief bis zum 27. Oktober. Damit scheinen die Spekulationen über eine mögliche Zerschlagung der HSH vom Tisch, auch wenn sie potenziell noch möglich wäre.

Offiziell ist über die Investoren nichts bekannt. In den Medien wird jedoch darüber berichtet, dass es sich bei den Interessenten hauptsächlich um Finanzinvestoren handeln soll. Strategische Investoren seien nicht mehr unter den Bietern. Laut Informationen des „Handelsblatts“ befinden sich unter den Interessenten die US-Investoren Christopher Flowers und Apollo, die ein gemeinsames Angebot abgegeben haben sollen. 

M&A-Personalien

Josef Schmidt wechselt von Davis Polk & Wardell zur Wirtschaftskanzlei Eisenberger & Herzog. Der 32-Jährige wird künftig als Partner die Bereiche Corporate und M&A verantworten und wird damit einer von 16 weiteren Equity-Partnern der Kanzlei. Schmidt beriet bereits die Deutsche Bank und die Österreichische Kontrollbank bei Großprojekten.

Konstantin Köck und Markus Reinfeld sind künftig Teil der Anwaltskanzlei Jank Weiler Operenyi (JWO). Köck wird in den Bereichen Corporate und M&A tätig sein. Außerdem wird der 34-Jährige den Aufbau der Praxisgruppe Kartellrecht und Compliance verantworten. Reinfeld wird ebenfalls in den Bereichen Corporate und M&A tätig sein. Der 30-Jährige kommt von der Kanzlei Wolf Theiss zu JWO.

Wolfgang Klövekorn wechselt von Berwin Leighton Paisner zur Wirtschaftskanzlei Ebner Stolz. Der 42-Jährige ist Rechtsanwalt und Steuerberater. Künftig wird er als Teil des Transaktionsteams von Ebner Stolz internationale Deals und den Midcap-Private-Equity-Markt betreuen.

Katja Heuterkes kehrt nach zwölf Jahren als M&A-Beraterin bei Dechert zu Baker McKenzie zurück. Heuterkes ist auf nationale und internationale Transaktionen spezialisiert. Bei Baker McKenzie soll sie künftig auch den Bereich Private Equity mitverantworten.

Unter der Leitung von Miro Parizek hat der M&A-Berater Hampleton Partners ein Büro in Frankfurt am Main eröffnet. Nach eigenen Angaben reagiert Hampleton damit auf die gestiegene Nachfrage im deutschsprachigen Raum. Parizek verantwortet am Standort Frankfurt ein siebenköpfiges Team.

Weitere M&A-Deals

Der französische Automobilkonzern PSA und die Bank BNP Paribas gaben bekannt, dass die Übernahme der Finanzierungsgesellschaften der Automobilproduzenten Opel und Vauxhall abgeschlossen sei. Die neue Organisation soll laut der Mitteilung die bestehenden Gesellschaften Opel Bank, Opel Financial Services und Vauxhall Finance unter einem Dach vereinen.

Der Industriekonzern Thyssen Krupp will durch einen Zusammenschluss seines Tochterunternehmens Atlas Elektronik mit dem norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg den U-Boot-Bau vorantreiben. Ziel des internationalen Joint Ventures ist laut Thyssen Krupp, den Standard zukünftiger Führungs- und Waffeneinsatzsysteme für U-Boote zu prägen. Die Kooperation trägt den Namen Kta Naval Systems und wird künftig ein exklusiver Zulieferer für Thyssen Krupp Marine Systems sein.

Südzucker baut sein Tiefkühlgeschäft aus. Die Unternehmenstochter des Zuckerproduzenten Freiberger kauft den Pizzaproduzenten Richelieu. Das gab Südzucker über eine Pressemitteilung bekannt. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Das US-Unternehmen Richelieu hat umgerechnet einen Unternehmenswert von etwa 373 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 280 Millionen Euro.

Die Lowell-GFKL-Gruppe, ein Portfolio-Unternehmen des Private-Equity-Investors Permira, kauft eine Ausgliederung des Kreditmanagement-Dienstleisters Intrum. Der Kaufpreis soll sich laut dem Online-Magazin Private Equity News auf 730 Millionen Euro belaufen. Intrum erfüllt durch den Verkauf Forderungen der EU, die dem schwedischen Unternehmen im Anschluss an die Fusion mit Lindorff auferlegt wurden. Permira verfolgt mit dem M&A-Deal eine klassische Buy-and-Build-Strategie. Lowell-GFKL machte in der Vergangenheit mit den Zukäufen der beiden Kreditmanager Tesch und IS Inkasso auf sich aufmerksam. 

Der Chemiekonzern Sika übernimmt den US-amerikanischen Betonbodenhersteller Butterfield Color. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Butterfield hat im Geschäftsjahr 2016 umgerechnet 17 Millionen Euro umgesetzt. Sika konnte im gleichen Zeitraum knapp 5 Milliarden Euro erwirtschaften. Die Übernahme sei laut des Sika-Regionalleiters für Nordamerika, Christoph Ganz, von Vorteil, da sie Sika Zugang zu neuen Kunden und eine verstärkte Präsenz bei wichtigen Großprojekten ermögliche.

Der Schweizer Nahrungsmittelproduzent Hochdorf kauft den deutschen Wettbewerber Zifru Trockenprodukte und den US-Trockenfrüchteproduzenten Snapz. Über den Kaufpreis ist in beiden Fällen nichts bekannt. Mit den Zukäufen will Hochdorf nach eigenen Angaben die Präsenz im Geschäft mit Kindernahrung sowohl in Deutschland als auch in den USA ausbauen. Der Nahrungsmittelkonzern konnte im Geschäftsjahr 2016 mit etwa 630 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 474 Millionen Euro erwirtschaften.

Die Schweizer Nachrichtenagentur SDA und die Bildagentur Keystone fusionieren zu einem Nachrichtenanbieter. Ab dem 1. Januar 2018 werden beide Traditionsunternehmen unter der gemeinsamen Dachmarke multimediale Keystone agieren. Laut eigenen Angaben will das neue Unternehmen das Geschäft mit Organisationen, Behörden und Unternehmen ausbauen. Außerdem soll die Entwicklung digitaler Dienstleistungen vorangetrieben werden.

Der Technologiekonzern GK Software hat sich die Mehrheit am Anbieter für Echtzeit-Personalisierung Prudsys gesichert. GK Software erhofft sich durch den Zukauf, die Fachkenntnis für die Prozessautomatisierung im Handel auszubauen. Prudsys beendete das Geschäftsjahr 2016 mit einem Umsatz von 3,6 Millionen Euro. GK erreichte im selben Jahr einen Umsatz von 77,3 Millionen Euro. Über den genauen Kaufpreis ist nichts bekannt. Ende September schätzte GK den Kaufpreis für die Mehrheitsanteile noch auf rund 5 Millionen Euro.

Der Private-Equity-Investor Cinven plant laut einer Pressemitteilung den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an dem spanischen Agrarunternehmen Planasa. Der Kaufpreis für die Anteile soll laut Cinven bei rund 450 Millionen Euro liegen.

Der deutsche Telekommunikationsdienstleister CTDI hat die Reparaturdienstleistungssparte für Europa, den Nahen Osten und Afrika von dem US-amerikanischen Unternehmen Communications Test Design gekauft. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Beraten wurde CTDI bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells (Federführung: Jens Uhlendorf).

Der Venture-Capital-Investor German Startups Group trennt sich von den verbleibenden Anteilen, die er noch an dem Anbieter für Finanzierungslösungen CRX Markets gehalten hat. Durch die Veräußerung erzielte German Startups nach eigenen Angaben einen Erlös von 400.000 Euro. Um wen es sich bei dem Käufer handelt, ist nicht bekannt. Im April hatte der Investor bereits die ersten Anteile veräußert.

Der Private-Equity-Investor IK Investment Partners kauft das Inkassounternehmen Debitor Inkasso, bei dem es sich um eine Tochtergesellschaft von Burda Direct handelt. Das gab IK mittels einer Pressemitteilung bekannt ohne weitere Details zu nennen.

Der Private-Equity-Investor Equistone hat laut einer Pressemitteilung seine Mehrheitsbeteiligung an dem Gartengerätehersteller Oase an die Investmentgesellschaft Argand Partners verkauft. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Equistone übernahm 2011 die Anteile an dem westfälischen Unternehmen. Damals belief sich der Umsatz von Oase auf rund 100 Millionen Euro. Bis 2017 wuchs dieser auf etwa 150 Millionen Euro. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 750 Mitarbeiter in fünf Ländern.

Die niederländische Industrieholding Nimbus beteiligt sich an dem Bauunternehmen NOE-Schaltechnik. Damit erweitert das 1957 gegründete Unternehmen seinen Gesellschafterkreis. In welchem Umfang sich Nimbus beteiligt, ist nicht bekannt. NOE erwartet, für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro mit etwa 230 Mitarbeitern zu erwirtschaften. Bei der Suche nach einem neuen Gesellschafter wurde NOE von der M&A-Beratung Imap beraten.

Die Schweizer Industriebeteiligungsgruppe CGS Management kauft Anteile des Maschinenbauers Stürtz. Über die Beteiligungshöhe und den Kaufpreis ist nichts bekannt. CGS konnte sich in einem mehrstufigen Bieterverfahren behaupten. Stürtz wurde beim Verkauf der Unternehmensanteile an CGS von der Corporate-Finance-Beratungsgesellschaft Cfm und der Wirtschaftskanzlei Ebner Stolz unterstützt.

Der PC- und Computer-Händler Caseking kauft den Hard- und Software-Vertrieb Trigono. Caseking gehört seit 2014 der Private-Equity-Gesellschaft Equistone. Mit dem Zukauf will Caseking in Skandinavien expandieren und dem schwedisch-norwegischen Trigono Wachstumschancen ermöglichen. Zum Kaufpreis machten beide Unternehmen keine Angaben. Trigonos Umsatz beläuft sich auf 12 Millionen Euro.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de