KWS Saat will den Markt für Gemüsesaatgut erobern und übernimmt für 400 Millionen Euro das niederländische Gemüsesaatzuchtunternehmen Pop Vriend Seeds.

KWS

21.06.19
Deals

M&A-Deals: KWS Saat, Triton, Bastei Lübbe

KWS Saat steigt in das Gemüsesaatgutgeschäft ein, Triton veredelt seinen SGL-Carve-out und Bastei Lübbe kommt beim Portfolioumbau voran. Diese und weitere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

KWS Saat steigt ins Gemüsesaatgutgeschäft ein

KWS Saat kauft das niederländische Gemüsesaatzuchtunternehmen Pop Vriend Seeds. Wie der Einbecker Saatgutanbieter mitteilte, entspricht der Kaufpreis rund 20 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung von KWS Saat, was bei einem Börsenwert von rund 2 Milliarden Euro rund 400 Millionen Euro entspricht.

Pop Vriend Seeds wurde 1956 gegründet und erzielte KWS Saat zufolge im Geschäftsjahr 2017/2018 einen Umsatz von rund 75 Millionen Euro. Der Abschluss der Transaktion wird bis Juli diesen Jahres erwartet. KWS will nach eigener Aussage eine signifikante Position im Gemüsesaatgutmarkt aufbauen, dessen weltweites Volumen das Unternehmen auf rund 5 Milliarden Euro pro Jahr schätzt.

Finanzinvestor Triton verkauft Cobex nach Japan

Der Private-Equity-Investor Triton trennt sich nach nur zwei Jahren schon wieder von seinem Portfoliounternehmen Cobex: Der Wiesbadener Hersteller von Kohlenstoff- und Graphitprodukten wird für einen Unternehmenswert von 825 Millionen Euro von dem japanischen Wettbewerber Tokai Carbon übernommen. Triton hatte Cobex im Jahr 2017 aus dem SDax-Konzern SGL Carbon herausgeschält. Damals wurde die Transaktion inklusive Schulden noch mit 250 Millionen Euro bewertet. SGL befand sich zu dieser Zeit mitten in der Restrukturierung.

Die Käuferseite wurde bei der Transaktion von Allen & Overy (Federführung: Hartmut Krause und Alexander Wüpper) unterstützt. Triton wurde von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Leif U. Schrader) beraten.

Bastei Lübbe treibt Portfolioumbau voran

Der Kölner Verlag Bastei Lübbe verkauft sein Geschäft mit Rätselmagazinen und Sudoku-Heften an die niederländische Mediengruppe Keesing Media. Das teilte das Verlagshaus am Dienstag mit. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mitarbeiter würden nicht übernommen. Die 33 Rätselmagazine hatten rund ein Viertel des Geschäftsbereichs „Romane und Rätsel“ ausgemacht. Durch den Verkauf treiben die Kölner ihren Portfolioumbau voran. Erst vergangene Woche gründete Bastei Lübbe ein Joint Venture mit dem Verleger Claus Bachem.

Berater-News

Die Wiener Tech-M&A-Beratung i5invest eröffnet ein Berliner Büro und macht Justus Lumpe zum Deutschland-Chef. Lumpe war bislang Managing Director der Berliner Internetkonferenz Noah und hatte kurzfristig eine Doppelrolle ausgeführt. Zu seinen vorherigen Stationen gehören unter anderem Lehman Brothers/Nomura und die Royal Bank of Canada.

Weitere Meldungen

Der Finanzinvestor HIG übernimmt das europäische Polyurethan-Systemgeschäft des Chemiekonzerns Covestro. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Mit dem Abschluss der Transaktion wird in der zweiten Jahreshälfte 2019 gerechnet. Das erworbene Systemgeschäft setzt nach eigenen Angaben jährlich 230 Millionen Euro um und beschäftigt rund 250 Mitarbeiter. Die Wirtschaftskanzleien Taylor Wessing (Federführung: Sabine Schomaker und Ulf Gosejacob) sowie Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Julia Sellmann) haben HIG bei der Transaktion begleitet. Covestro wurde von Hogan Lovells (Federführung: Jens Uhlendorf) beraten.

Der Antriebshersteller Rolls-Royce übernimmt eAircraft von Siemens. Wie der deutsche Industriekonzern bekannt bekannt gab, trennt sich Siemens damit von seinem Geschäft mit elektrischen Flugzeugantrieben. Die Sparte beschäftigt rund 180 Mitarbeiter. Rolls-Royce wurde bei der Transaktion von DLA Piper beraten (Federführung: Benjamin Parameswaran und Sebastian Decker).  

Ein Investorenkonsortium um die Berlin Technologie Holding verkauft das Softwarehaus Sevenval Technologies an den Finanzinvestor Oaktree. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Durch den Deal wird Sevenval Teil der Unternehmensgruppe IT Services Competence Platform, die von einem Investorenkonsortium um Oaktree und Cornerstone geführt wird. Jan Webering, Gründer und Geschäftsführer von Sevenval Technologies, bleibt CEO und auch weiterhin an dem Softwareunternehmen beteiligt. Zudem wird er bei der Plattform die Rolle des Global Chief Marketing Officers übernehmen. Die Verkäuferseite wurde von Oppenhoff & Partner (Federführung: Peter Etzbach) beraten.
 
Der Private-Equity-Investor Capiton verkauft seine Beteiligung an LAP Laser Applikationen an IK Investment. Über den Kaufpreis für den Lüneburger Produzenten von Laser-Projektionssystemen wurden keine Angaben gemacht. Capiton hatte 2016 gemeinsam mit dem Management die Mehrheit an LAP übernommen. Beim Verkauf wurde Capiton von William Blair (M&A), Milbank (Legal), Deloitte (Financial & Tax) sowie L.E.K. (Commercial) begleitet. IK Investment wurde von Quarton (Federführung: Konstantin Schönborn, Rolf Holtmann) finanziell und von Renzenbrink & Partner (Federführung: Ulf Renzenbrink) rechtlich beraten. Zudem wurde die Käuferseite von Codex Partners (Federführung: Clemens Beickler und Peter Engelhardt) mit einer strategischen sowie von Ebner Stolz (Federführung: Claus Bähre) mit einer finanziellen Due Diligence unterstützt.

Die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Equity Capital Management (ECM) hat sich an dem Berliner Softwareentwickler PikeTec beteiligt. Die Gründer des Softwareunternehmens, Eckard Brigmann, Andreas Krämer und Jens Lüdemann, werden PikeTec auch weiterhin führen. Über weitere Transaktionsdetails vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Die Wirtschaftskanzlei Milbank (Federführung: Michael Bernhardt) hat ECM bei der Beteiligung unterstützt.

Der Private-Equity-Investor Odewald KMU übernimmt die Mehrheit an dem Schadenssanierer Artus, zu dem die Artus Gesellschaft für Brand- und Wasserschadensanierung sowie Artus Projekt gehört. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Odewald KMU wurde bei der Transaktion mit einer Tax Due Diligence von der Beratungsgesellschaft Ebner Stolz (Federführung: Holger Mach) unterstützt. Artus mit Sitz in Langenhagen bei Hannover wurde 2012 gegründet und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter.

Die vier insolventen Gesellschaften der Eucrea-Gruppe werden Teil der Binder-Gruppe: Der Neckarsulmer Hersteller von Rundsteckverbindern übernimmt rückwirkend zum 1. Juni die Geschäftsbetriebe der FMB Technik, Weinbrecht & Kücherer, Eucrea Industrieservice sowie der Eucrea Hexagon Holding. Die mehr als 100 Arbeitsplätze bleiben fast vollständig erhalten und sollen künftig am Standort in Pforzheim konzentriert werden. Die vier Unternehmen hatten im März einen Insolvenzantrag gestellt.

Das Frankfurter Technologieunternehmen Lucht Probst Associates (LPA) übernimmt das dänische Beratungsunternehmen Capital Market Partners (CMP). Finanzielle Transaktionsdetails werden nicht genannt. Die CMP-Gründer Lars Christiansen und Christian Thygesen bleiben dem Unternehmen auch nach der Übernahme als Teil des Führungsteams erhalten, ebenso wie die derzeitige Geschäftsführerin Lotte Mollerup. CMP wurde 2009 in Kopenhagen gegründet und beschäftigt 20 Mitarbeiter.

Deag übernimmt über seine Schweizer Tochter Aio die beiden Unternehmen Live Music Production und Live Music Entertainment. Hinter den beiden Unternehmen steht die Unternehmensgruppe des Veranstalters Michael Drieberg. Über den Kaufpreis machte Deag keine Angaben.

Der Onlinekreditmarktplatz Creditshelf übernimmt das Fintech Valendo von der Unternehmensschmiede Finleap. Wie Creditshelf bekannt gab, wird der Kaufpreis in zwei Tranchen fällig, wobei der zweite Teil erfolgsabhängig ist. Creditshelf sicherte sich zudem die Option, den Kaufpreis komplett über zwei Sachkapitalerhöhungen zu begleichen. 

Der Vorstand von Biofrontera nimmt das Angebot von Maruho Deutschland an, und dient seine Aktien dem japanischen Pharmakonzern an. Der Vorstand möchte dem Übernahmeangebot damit zum Erfolg verhelfen. Zusammen hält der Vorstand derzeit nach eigenen Angaben 935.937 Aktien. Maruho bietet 7,20 Euro pro Aktie wodurch das Paket rund 6,7 Millionen Euro schwer ist. Das Übernahmeangebot läuft noch bis zum 24. Juni.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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