Würth übernimmt Liqui Moly, und im Bieterwettstreit um die Airline Niki zeichnet sich ein Favorit ab: Die aktuellen M&A-Deals im FINANCE-Wochenrückblick.

Liqui Moly

29.12.17
Deals

M&A-Deals: Liqui Moly, Air Berlin, Hummel Manufaktur

Liqui Moly wird an die Würth-Gruppe verkauft, Niki Lauda muss den Zuschlag um die Fluglinie Niki anderen überlassen, und die insolvente Hummel Manufaktur hat einen Investor gefunden: Die aktuellen M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Würth-Gruppe übernimmt Liqui Moly

Der schwäbische Schmierstoffspezialist Liqui Moly bekommt einen neuen Besitzer. Der geschäftsführende Gesellschafter Ernst Prost verkauft seine Anteile zum Jahreswechsel an die Würth-Gruppe. Der 60-Jährige bleibt aber weiterhin Geschäftsführer. Zudem wird der langjährige Vertriebsleiter von Liqui Moly, Günter Hiermaier (52), zum 1. März 2018 zum zweiten Geschäftsführer berufen.

Die Würth-Gruppe ist bereits seit fast 20 Jahren stiller Teilhaber bei Liqui Moly und wird künftig alleiniger Eigentümer sein. Der Schmierstoffspezialist soll als eigenständiges Unternehmen innerhalb der Würth-Gruppe bestehen.

Finanzielle Details zur Anteilsübernahme wurden nicht bekannt. Mit über 800 Mitarbeitern erwirtschaftete Liqui Moly im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von rund einer halben Milliarde Euro. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Verkauf von Niki auf der Zielgeraden

Der Verkauf der Air-Berlin-Tochter Niki ist auf der Zielgeraden: Unter den vier Interessenten, mit denen Insolvenzverwalter Lukas Flöther zuletzt verhandelte, hat sich offenbar ein Favorit herauskristallisiert. Am gestrigen Donnerstag entschied der Gläubigerausschluss, die Verkaufsverhandlungen vorerst exklusiv mit einem Bieter fortzuführen.

Der Insolvenzverwalter will öffentlich nicht sagen, wer der verbliebene Interessent ist. In spanischen Medien war zuletzt der britisch-spanische Konzern IAG als Favorit auf eine Niki-Übernahme gehandelt worden. Zu IAG gehört neben British Airways und Iberia auch die Billigfluglinie Vueling.

Der frühere Rennfahrer Niki Lauda bestätigte bereits öffentlich, selbst nicht mehr im Rennen um die Übernahme zu sein. Auch der Reisekonzern Thomas Cook und Tuifly sollen zuletzt noch an einem Niki-Kauf interessiert gewesen sein.

Ein zunächst geplanter Verkauf von Niki an die Lufthansa scheiterte Mitte Dezember an Bedenken der Kartellbehörden. Niki musste daraufhin Insolvenz anmelden. Ein potentieller Käufer muss Flöther zufolge noch vor einem Closing der Transaktion  Mittel bereitstellen, um den laufenden Betrieb weiter zu finanzieren. Andernfalls müsste der Betrieb stillgelegt werden.

Hummel Manufaktur findet neuen Investor

Die traditionsreiche Hummel Manufaktur in Rödental im oberfränkischen Landkreis Coburg hat einen neuen Investor gefunden. Der Kulmbacher Unternehmer Bernd Förtsch übernimmt den insolventen Figurenhersteller, der zum wiederholten Mal in eine Krise geraten ist. Das Unternehmen, das derzeit noch etwa 70 Mitarbeiter beschäftigt, musste seit der Jahrtausendwende bereits dreimal Insolvenzantrag stellen, in den Jahren 2006 und 2013 sowie zuletzt im Herbst 2017.

Förtsch will das Unternehmen nun neu mit einem überarbeiteten Vertriebskonzept neu aufstellen. Künftig sollen der Direktvertrieb sowie ein Community-Konzept im Vordergrund stehen, um die Sammlergemeinde besser zu vernetzen und einzubinden. Die Kanzlei Linse & Ehrlicher hat die Insolvenz begleitet.

Perusa kauft Schroth Safety Products

Der Finanzinvestor Perusa übernimmt gemeinsam mit dem Management den deutsch-amerikanischen Luft- und Raumfahrtzulieferer Schroth Safety Products.

Der Mittelständler produziert unter anderem Passagiergurte und Cockpit-Sicherheitskomponenten für Passagierflugzeuge von Airbus und Boeing. Daten zu Umsatz, Profitabilität oder Kaufpreis wurden nicht bekanntgegeben. 

CEOs von Allianz und Aurubis prüfen Zukäufe

Die Allianz prüft die Übernahme von Anbietern aus dem Bereich Sachversicherung. Dies sagte Allianz-Chef Oliver Bäte der F.A.Z.: „Wir beobachten den Markt, aber die Unternehmen sind sehr teuer geworden“, so Bäte. Den Spekulationen über eine große Übernahme erteilte er jedoch eine Absage. „Solche Deals wären sehr teuer und gefährlich“, glaubt Bäte.

Auch Jürgen Schachtler, Chef des Kupferkonzerns Aurubis, äußerte sich zwischen den Jahren in der F.A.Z. zum Thema M&A: „Von allem in den USA und Südamerika sehe ich Potential für Zukäufe.“ Auch Joint Venture mit Wettbewerbern will Aurubis prüfen. Früheren Aussagen zufolge könnte der Konzern fast 2 Milliarden Euro für M&A-Manöver mobilisieren.  

Weitere M&A-Deals

Der Windparkentwickler PNE Wind hat die verbliebenen 20 Prozent seines Windparkportfolios an den Investmentfonds Allianz Renewable Energy Fund II verkauft. Das Unternehmen beziffert den Kaufpreis mit 23 Millionen Euro. Der Allianz-Fonds hatte im Dezember 2016 bereits 80 Prozent an dem Projektportfolio übernommen. PNE Wind habe durch den Verkauf der restlichen Anteile seine Liquidität weiter erhöhen können, teilte das Cuxhavener Unternehmen mit. Das Geld soll in den Aufbau neuer europäischer Windparkprojekte fließen.

Der US-Investor Warren Buffett hat seinen Anteil an dem Spezialchemiekonzern Lanxess ausgebaut. Er hält über das Vehikel General Reinsurance, einen Teil seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, nun gut 5 Prozent an dem Unternehmen. Buffett war im Frühjahr mit zunächst rund 3 Prozent bei Lanxess eingestiegen. Auch der Staat Singapur hat seinen Stimmenanteil von 3,4 auf gut 5 Prozent erhöht.

Die Versicherungsgruppe Zurich übernimmt das 2012 gegründete Unternehmen Bright Box in Hongkong vollständig. Die Übernahme soll neue Versicherungsdienstleistungen ermöglichen, die auf Datenanalyse basieren. Bright Box stellt Telematik-Lösungen bereit, die Fahrer mit ihrem Fahrzeug sowie die Fahrzeuge mit einem Netz von Autohändlern und Erstausrüstern verbinden. Zum finanziellen Volumen der Transaktion wurde nichts bekannt.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Emeram hat in die Unternehmen Meona und E.care investiert, die auf klinische Software spezialisiert sind. Sie sollen in einer neu geschaffenen Gruppe vom bisherigen Managementteam beider Firmen geführt werden. Über den Verkaufspreis haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.