Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch ist Morgan Stanley nun größter Aktionär des Windparkprojektierers PNE.

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10.01.20
Deals

M&A-Deals: PNE, IMAP, RWE

Morgan Stanley darf nicht bei PNE regieren, die M&A-Beratung IMAP geht mehrheitlich an eine Privatbank, und RWE will Anteile nach Dortmund verkaufen: Die spannendsten M&A-Deals der Woche in unserem FINANCE-Rückblick.

Morgan Stanley erreicht keine Mehrheit bei PNE

Misserfolg für Morgan Stanley Infrastructure Partners (MSIP): Wie der Infrastrukturfonds in dieser Woche mitteilte, hat er sich im Rahmen des PNE-Übernahmeangebots bis zum Ende der Annahmefrist rund 40 Prozent der Aktien des Windparkprojektierers gesichert. Damit erreicht Morgan Stanley nicht die Mehrheit an PNE, ist aber künftig größter Aktionär der Cuxhavener. Der M&A-Deal ist nach Angaben von Morgan Stanley bereits abgeschlossen.

Morgan Stanley hatte im vergangenen Jahr vier Euro je PNE-Aktie geboten. Ursprünglich hatten die US-Amerikaner die Mindestannahmeschwelle bei 50 Prozent festgelegt, im November gaben sie jedoch bekannt, auf diese zu verzichten. Die PNE-Aktionäre Enkraft und AOC hatten sich zuvor gegen die Offerte ausgesprochen, der PNE-Vorstand hingegen ist Befürworter des Angebots.

IMAP geht an Frankfurter Bankgesellschaft

Die Frankfurter Bankgesellschaft erwirbt die Mehrheit an IMAP: Die Privatbank der Sparkassen-Finanzgruppe übernimmt dabei 75,1 Prozent an der Mannheimer M&A-Beratung. Verkäufer der Anteile sind der IMAP-Gründer und Vorstand Karl Fesenmeyer, sowie das Vorstandsmitglied Peter Koch.

Die restlichen 24,9 Prozent der Anteile sollen langfristig in den Händen des vierköpfigen IMAP-Vorstands liegen, zu dem neben Fesenmeyer und Koch auch Carsten Lehmann und Henning Graw gehören. „Für uns ist es sehr wichtig, dass wir künftig nicht als Abteilung einer Bank auftreten, sondern weiterhin unabhängig im Markt positioniert sind und unternehmerisch agieren können“, so Lehmann.

In dem Deal sehen beide Parteien strategische Ergänzungen in Bezug auf die gemeinsame Hauptzielgruppe der Familienunternehmen. Mit dem Einstieg in die M&A-Beratung könne man nun neben Vermögensstrategien sowohl Transaktionsberatung als auch die Finanzierung von Deals aus einer Hand anbieten, sagt Holger Mai, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Frankfurter Bankgesellschaft Gruppe. Finanzielle Details zur Transaktion, die noch der Zustimmung des Bundeskartellamts bedarf, sind nicht bekannt. Die Frankfurter Bankgesellschaft wurde bei dem Deal von der Wirtschaftskanzlei GSK Stockmann (Federführung: Uwe Jäger) beraten.

Dortmund will mehr von RWE

Die Stadt Dortmund will ihre Beteiligung an RWE aufstocken: Wie „Der Neue Kämmerer“ berichtete, will die Stadt in den kommenden fünf Jahren bis zu 1,3 Millionen Aktien des Essener Energieversorgers über ihr Investmentvehikel KEB Holding erwerben. Ein Aktienpaket dieser Größe hat derzeit einen Wert von etwas mehr als 33 Millionen Euro.

Bislang halten die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) 23,6 Millionen RWE-Aktien – das entspricht 3,8 Prozent der Aktien des Dax-Konzerns. Die KEB Holding ist mit 4,8 Prozent an RWE beteiligt. Ein Grund für den geplanten Schritt sei die geplante Dividendenausschüttung von RWE, mit der DSW21 „Verluste im ökologischen und nachhaltigen Bereich Nahverkehr weiterhin mit ausgleichen“ will, zitiert die Fachzeitschrift „Der Neue Kämmerer“ die Dortmunder Stadtwerke.

Berater-News

Wechsel auf die Beraterseite für Moritz von Laffert: Der ehemalige Geschäftsführer des Medienkonzerns Condé Nast Deutschland wird neuer Partner bei Proventis. Für das M&A-Beratungshaus soll der 51-Jährige das Geschäft in der Medien- und Konsumgüterbranche ausbauen. Neben seiner Geschäftsführerposition bei Condé Nast Deutschland war von Laffert auch Vice President von Condé Nast International – dort konnte er als Director Acquisitions & Investments bereits M&A-Erfahrung sammeln. Bei Proventis soll von Laffert nun nicht nur als M&A-Berater fungieren, sondern auch seine Managementerfahrung nutzen, um Kunden bei Transformationsprozessen zu beraten.

HSBC Deutschland bekommt eine neue Leitung für den Bereich M&A Deutschland und Österreich: Heiko Mittelhamm wird im April die bisherigen Co-Chefs Jan Masek und Ralf Neuhaus in ihrer Funktion ablösen. Mittelhamm wechselt von der britischen Investmentbank Barclays zu dem Düsseldorfer Geldhaus. Dort war er seit 2014 als M&A-Chef tätig. Zuvor arbeitete der 43-Jährige zehn Jahre bei der Investmentbank Lazard in Frankfurt. Nach Angaben der HSBC verlässt Masek die Bank, während Neuhaus bei der HSBC bleibt und Mittelhamm künftig in beratender Funktion als Vice Chairman unterstützen wird.

Das Big-Four-Haus KPMG baut sein M&A-Team mit drei Partner-Neuzugängen aus und eröffnet zwei neue Standorte: Seit Beginn des Jahres verantwortet Matthias Grau als Partner den Bereich Distressed M&A in Frankfurt. Der 52-Jährige kommt von der Investmentbank Saxenhammer. Am neuen Standort Berlin ist Ashkan Kalantary als Partner für Venture-M&A zuständig – er kommt von PwC. Ab Anfang Februar wird zudem Christian Ramme als Partner den Bereich M&A in der Technologie-, Medien- und Telekom-Branche am neuen Standort München leiten. Ramme wechselt von der Corporate-Finance-Beratung Acxit Capital Partners zu KPMG.

Weitere Meldungen

Abschied von Paydirekt: Wie das „Handelsblatt“ berichtete, haben sich zwölf private Banken von ihren Anteilen an dem gemeinsamen Bezahldienst der deutschen Kreditwirtschaft getrennt. Unter den Geldhäusern befinden sich nach Informationen des Handelsblatts unter anderem die ING, Santander, die Targobank sowie die Hypo-Vereinsbank. Den Ausstieg nutzen die Deutsche Bank und die Commerzbank, um wiederum ihre Beteiligung an dem Online-Bezahldienst Paydirekt zu erhöhen: Das Anteilspaket der Poolbanken in Höhe von 11,11 Prozent geht dem Bericht zufolge zu gleichen Teilen an die Deutsche Bank und die Commerzbank. Damit kommen die beiden Großbanken auf jeweils 16,67 Prozent an Paydirekt – die verbleibenden Paydirekt-Anteile verteilten sich zu gleichen Stücken auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken, so der Bericht weiter.

Der Vermögensverwalter DWS beteiligt sich minderheitlich an Arabesque AI: Wie die Frankfurter bekannt gaben, erwerben sie 24,9 Prozent an dem britischen Unternehmen, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz Aktienkursentwicklungen prognostizieren will. Zudem gehen beide Parteien eine Partnerschaft ein, die der Digitalisierung des Asset Managements von DWS dient, heißt es in der Mitteilung. Wie die DWS erst jetzt bekanntgab, wurde die Transaktion bereits abgeschlossen. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Arabesque wurde bei der Transaktion von der Kanzlei White & Case (Federführung: Hermann Melnikov) beraten.

Die auf Geschäftsreisen spezialisierte Online-Plattform Voya verkauft ihr Reisebürogeschäft an die Reisebüro-Kette Lufthansa City Center. Das Geschäft soll künftig unter der neuen Marke „Voya Travel“ von dem Frankfurter Franchiseunternehmen betrieben werden. Zudem gehen beide Unternehmen eine Kooperation ein, mit dem Ziel, stationäre und digitale Technologien zu verknüpfen. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht genannt. Die Wirtschaftskanzlei GSK Stockmann (Federführung: Thomas Derlin) hat Voya bei dem Deal beraten.

Das spanische Pharmaunternehmen Esteve übernimmt seinen deutschen Konkurrenten Riemser. Das teilten die Parteien in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Verkäufer des Berliner Spezialpharmaunternehmens ist der Finanzinvestor Ardian, der Riemser 2012 übernommen hatte. Über finanzielle Details der Transaktion, die im ersten Quartal abgeschlossen werden soll, wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Zukauf wollen die Spanier ihre Transformation zu einem Spezialpharmaunternehmen beschleunigen und ihren Zugang zum Krankenhausmarkt erweitern. Esteve wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells (Federführung: Daniel Dehghanian und Jörg Schickert) unterstützt.

Die Tech-Beteiligungsgesellschaft Elvaston übernimmt den EPR-Hersteller Godesys und integriert die Mainzer zusammen mit weiteren Beteiligungen in die Step-Ahead-Gruppe. Die neue Gruppe von mittelständischen Unternehmen beschäftigt 230 Mitarbeiter an 29 Standorten in der DACH-Region, die nach Abschluss der Transaktion zum Teil zusammengelegt werden, heißt es in der Mitteilung. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. P+P Pöllath + Partners hat Elvaston bei dem Deal beraten.

Die Kunow-Gruppe bekommt einen neuen Eigentümer: Der Private-Equity-Investor Mentha Capital übernimmt für das Portfoliounternehmen Customs Support das Speditionskontor Gotthold Kunow sowie die Unternehmen der Kunow-Gruppe. Bei der Transaktion wurde die Käuferseite von Proventis Partners begleitet.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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