M&A-Deals: PNE Wind, Bayer, Strenesse

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16.12.16
Deals

M&A-Deals: PNE Wind, Bayer, Strenesse

PNE Wind verkauft ein Windpark-Portfolio an die Allianz, die Monsanto-Aktionäre sprechen sich mit einer großen Mehrheit für die Bayer-Übernahme aus und Strenesse hat einen neuen Investor. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

PNE Wind verkauft Windpark-Portfolio an Allianz

Der Windparkprojektierer PNE Wind verkauft ein 142 (Megawatt) MW leistungsstarkes Windpark-Portfolio  im Gesamtwert von 330 Millionen Euro an den Infrastrukturfonds Allianz Renewable Energy Fund II, der von Allianz Global Investors verwaltet wird. Die Summe setzt sich aus 103 Millionen Euro für das Portfolio und 227 Millionen Euro Finanzschulden zusammen.

PNE Wind verkauft damit 80 Prozent seines Portfolios an die Allianz. Zwei noch nicht fertiggestellte Windparks mit einer Leistung von jeweils 6 MW bleiben zunächst in der Bilanz von PNE Wind, die durch den Deal stark entlastet wird. Die Allianz hat eine Kaufoption für einen weiteren Windpark mit einer Leistung von 10 MW, der aktuell noch das Genehmigungsverfahren durchläuft. PNE Wind wurde bei dem Deal von der Kanzlei Watson Farley & Williams beraten.

Haniel wagt Schulterschluss mit Rentokil Initial

Das Family Office Haniel führt sein Portfoliounternehmen CWS-Boco, einen Spezialisten für Berufsbekleidung und Hygiene, mit dem kontinentaleuropäischen Hygienegeschäft des Wettbewerbers Rentokil Initial zusammen. CWS-Boco erzielte im Jahr 2015 einen Umsatz von 779 Millionen Euro, Daten zur Größe des Rentokil-Geschäfts liegen nicht vor. An dem neuen Unternehmen wird Haniel 82 Prozent halten, der Rest wird bei Rentokil liegen. Das Closing wird bis Mitte nächsten Jahres angestrebt. Beraten wurde Haniel bei dem Deal von der deutschen Sozietät Glade Michel Wirtz und von der Kanzlei Schönherr, deren Team unter der Federführung von Florian Kusznier stand.

Monsanto-Aktionäre für Bayer-Übernahme

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer ist der Übernahme des amerikanischen Saatgutproduzenten Monsanto einen großen Schritt näher gekommen. Die Anteilseigner von Monsanto sprachen sich mit großer Mehrheit für eine Übernahme durch die Leverkusener aus. Da die Aktionäre nun etwa 75 Prozent der Monsanto-Aktien halten, ist mit der Zustimmung eine wichtige Hürde für Bayer genommen. Die größte Übernahme der deutschen Unternehmensgeschichte soll den Leverkusener Chemiekonzern 128 Dollar pro Aktie und insgesamt 66 Milliarden Dollar kosten.

Neuer Investor für Strenesse

Der schwäbische Modehersteller Strenesse hat einen neuen Investor gefunden. Die insolventen Schwaben konnten sich mit einer Schweizer Treuhandgesellschaft einigen. Dadurch können alle Arbeitsplätze bei Strenesse auch in der Zukunft erhalten bleiben, erklärte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. An die Spitze des Modeherstellers rückt zum Jahreswechsel Jürgen Gessler, der bis 2015 die Porsche Design Group leitete. Gessler wird sich auch persönlich an Strenesse beteiligen.

Rocket Internet baut Anteil an Delivery Hero aus

Das Internetunternehmen Rocket Internet hat seinen Anteil am Lieferunternehmen Delivery Hero durch einen Aktientausch erhöht – und damit Fragen zur internen Bewertung aufgeworfen. Durch den Tausch erhöhte sich die Beteiligung von Rocket Internet an Delivery Hero nur von 36,6 auf 37,7 Prozent. Die verkaufte Beteiligung an Foodpanda lag allerdings bei 49 Prozent, was neue Debatten zur Werthaltigkeit des Rocket-Portfolios auslöste. Ausweichend erklärte Rocket Internet gegenüber FINANCE: „Nach der Transaktion hält Rocket Internet einen größeren Anteil (37,7 Prozent) an einem durch die Transaktion vergrößerten Unternehmen.“ Beraten wurden Foodpanda und die Anteilseigner von Noerr (Federführung: Sascha Leske).

Delivery Hero verkauft Hungryhouse

Einen weiteren M&A-Deal gibt es außerdem bei Delivery Hero selbst zu vermelden. Das Lieferunternehmen verkauft seine Tochterfirma Hungryhouse an den britischen Konkurrenten Just Eat. Der Kaufpreis liegt bei 238,2 Millionen Euro. Abhängig von der Geschäftsentwicklung bis zum Abschluss der Übernahme könnten zusätzlich bis zu 40 Millionen Pfund für die Übernahme fällig werden. Nach der Übernahme von Foodpanda ist der Verkauf der britischen Tochter Hungryhouse für Delivery Hero ein weiterer Schritt bei der Neuaufstellung seines internationalen Netzwerks von Online-Bestellplattformen.

Weichai erhöht Beteiligung an Kion

Der chinesische Großaktionär Weichai hat seine Beteiligung an dem Gabelstapler Kion erhöht. Durch den Aufkauf von fast 3,3 Millionen Aktien für insgesamt etwa 180 Millionen Euro steigt der Anteil von Weichai an den Wiesbadenern von 40,3 auf 43,3 Prozent. Die hinzugekauften Anteile könnten ein Schritt in Richtung einer Komplettübernahme sein, wie Experten spekulieren.

Braas Monier übernimmt A-Tiilikate

Der Dachziegelhersteller Braas Monier hat das finnische Dachsteinwerk A-Tiilikate übernommen. Durch die Übernahme der Nummer zwei im lokalen Markt für Bausteine stärkt Marktführer Braas Monier seine Position in Finnland. Über den Kaufpreis ist bisher nichts bekannt, allerdings wird der Deal vollständig aus dem Free Cash Flow finanziert.

A-Tiilikate konnte im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von 2,9 Millionen Euro erwirtschaften. Das operative Ebitda lag bei 0,2 Millionen Euro. Zuletzt war Braas Monier vor allem im Zusammenhang mit der harten Gegenwehr gegen die Übernahme durch Standard Industries in den Schlagzeilen.

Heraeus verkauft Geschäftsbereich an Materion

Die US-amerikanische Materion Gruppe hat einen Geschäftsbereich, der auf Target Material spezialisiert ist, von der Heraeus Gruppe übernommen. Damit sichert sich der Technologiekonzern Expertise auf dem Gebiet der Sputter Targets, also Materialien für die Herstellung dünnster Edelmetall-Beschichtungen für die Glas-, Photovoltaik- und Halbleiter-Industrie. Die betroffenen Standorte befinden sich in Hanau, Taiwan, USA, China und Japan. Bei dem Deal wurde die Heraeus Gruppe von der internationalen Anwaltskanzlei Baker McKenzie unter der Federführung von Florian Kästle beraten. Die behördliche Genehmigung für die Transaktion steht noch aus.

Silverfleet verkauft Zeitarbeitsfirma Orizon

Der Private-Equity-Investor Silverfleet verkauft die japanische Zeitarbeitsfirma Orizon für rund 75 Millionen Euro nach Japan. Käufer ist das Dienstleistungsunternehmen Outsourcing, das Orizon über seine deutsche Tochter OSI Holding Germany übernimmt. Der Verkaufspreis liegt damit deutlich unter dem Betrag, den Silverfleet im Jahr 2006 noch gezahlt hatte. Silverfleet, damals noch als PPM Capital aktiv, zahlte einst 176,5 Millionen Euro für die Aufnahme von Orizon in sein Portfolio. Beraten wurde Outsourcing von Gleiss Lutz, federführend tätig war Michael Burian. Silverfleet wurde von Latham & Watkins beraten (Federführung: Burc Hesse).

Lonza übernimmt Capsugel

Der Spezialchemiekonzern Lonza aus der Schweiz übernimmt Capsugel, ein US-Unternehmen, das auf Produkte zur Verabreichung von Medikamenten spezialisiert ist, vom Finanzinvestor KKR. Der Kaufpreis liegt bei 5,5 Milliarden Dollar, es ist der größte Firmenzukauf in der Geschichte von Lonza. Die Finanzierung soll durch eine Kombination aus Eigen- und Fremdkapital erfolgen, auch eine Kapitalerhöhung ist geplant. Durch den Deal kommen beide Unternehmen zusammen auf einen Umsatz von etwa 4,8 Milliarden Franken.

Webhoster Strato geht an United Internet

Der Telekomanbieter United Internet übernimmt den Webhoster Strato von der Deutschen Telekom. Der Kaufpreis für den Deal liegt bei etwa 600 Millionen Euro, ein Abschluss wird – unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen – im ersten Halbjahr 2017 erwartet. United Internet muss für Strato zunächst 566 Millionen Euro überweisen, der Rest hängt von der weiteren Geschäftsentwicklung bei Strato ab. Der Preis liegt damit deutlich über den 275 Millionen Euro, die die Telekom 2009 für die Strato-Übernahme zahlen musste. Insgesamt bewertet United Internet Strato mit gut dem 12-fachen Ebitda.

M&A-Personalien

Freshfields Bruckhaus Deringer befördert zum 1. Januar 2017 weltweit 18 Anwältinnen und Anwälten zum Counsel. Den Aufstieg in das wichtige Gremium der internationalen Anwaltssozietät schafften auch vier Anwälte aus Deutschland: Markus Benzing ist Experte für Finanzaufsichtsrecht. Nicholas Günther ist auf Gesellschaftsrecht und M&A spezialisiert. Matthias Schleifenbaum gilt als Experte für Umwelt- und Abfallrecht. Und Johannes Vogel befasst sich vor allem mit Leasingfinanzierungen, geschlossene Fonds sowie Insolvenzrecht und Restrukturierungen.

Weitere M&A-Deals

Knorr-Bremse hat einen Rückschlag beim Übernahmeversuch des schwedischen Wettbewerbers Haldex erlitten: Die US-Justizbehörde hat angekündigt, den geplanten Deal genau zu überprüfen. Haldex hatte sich im Bieterstreit zunächst für ZF Friedrichshafen ausgesprochen, bis Knorr-Bremse dann mit 128 schwedischen Kronen pro Aktie ein um drei Kronen höheres Angebot vorgelegt hatte.

Die Aktionäre des chinesischen Recyclers Chiho-Tiande haben der Übernahme des gesamten Stammkapitals des schwer in Schieflage geratenen Schrottrecyclers Scholz zu einem Preis von 1 Euro genehmigt. Damit ist die Übernahme vollzogen. Der Kauf wurde Ende August dieses Jahres angekündigt.

Der Versicherer Zurich Insurance plant die Übernahme des australischen Reise-Versicherungsanbieters Cover-More für 551 Millionen Dollar. Damit will Zurich noch mehr auf dem australischen Markt aktiv werden, nachdem die Schweizer dort erst kürzlich das Lebensversicherungsgeschäft von Macquarie Life erworben hatten. Das Angebot für Cover-More liegt bei 1,95 australischen Dollar pro Aktie, wie Reuters berichtet.

Der Kartenzahlungsdienstleister Concardis, der bislang deutschen Banken und Sparkassen gehört, steht offenbar vor dem Verkauf, wie Reuters von Insidern erfahren hat. Zu den potentiellen Käufern gehören demnach die PE-Investoren CVC, Bridgepoint und ein Konsortium aus Advent und Bain Capital, nicht jedoch Konkurrent Wirecard. Im Gespräch ist ein Verkaufspreis von mehr als 600 Millionen Euro.

Die Aiag Holding übernimmt mehr als 90 Prozent des schwedischen ITK-Anbieters Dialect AB. Aiag ist eine Beteiligungsgesellschaft des PE-Investors Perusa. Bei der Transaktion, die zum 31. Dezember 2016 wirksam wird, wurde Perusa von Vinge, Deloitte und Implement Consulting beraten.

Der Bahntechnikkonzern Vossloh hat den US-amerikanischen Streckenschwellenhersteller Rocla Concrete Tie vom Private Capital Fund Altus Capital Partners erworben. Der Kaufpreis liegt bei etwa 117 Millionen US-Dollar. Vossloh wurde bei dem Deal von Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.

Die Beteiligungsgesellschaften Bid Equity und Afinum haben die Mehrheit am Softwareunternehmen Midoco übernommen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Im Zuge dessen haben sich die geschäftsführenden Gesellschafter von Midoco, Steffen Faradi, Marcus Haarmann und Jörg Hauschild, rückbeteiligt. Michael Leue und Hubertus Schröder von Bryan Cave traten bei dem Deal als Berater für Midoco auf.

Der Finanzinvestor Hannover Finanz hat die Schiller Fleisch Gruppe übernommen. Der Veredlungs- und Zerlegebetrieb wurde von der internationalen Anwaltskanzlei Reed Smith unter der Federführung von Octávio de Sousa beraten.

Der US-Konzern Johnson & Johnson wird das Schweizer Biotech-Unternehmen Actelion nicht übernehmen. Nachdem sich die beiden Unternehmen nicht über eine Übernahme einigen konnten, gibt es offensichtlich einen neuen Kaufinteressenten für Actelion, berichtet Reuters. Dabei soll es sich Insidern zufolge um den französischen Pharmakonzern Sanofi handeln.

Die chinesische San'an Optoelectronics und der Finanzinvestor GSR Go Scale Capital haben offenbar kein Interesse mehr an einer Übernahme des Lichttechnikkonzerns Osram, wie Reuters aus Insiderquellen berichtet. Anstelle einer Mehrheitsübernahme könnte nun zunächst eine Minderheitsbeteiligung an Osram stehen. Im Gespräch ist eine Übernahme der 17,5 Prozent von Osram, die derzeit Siemens hält.

Der österreichische Ölkonzern OMV und der russische Gaskonzern Gazprom haben sich auf ein Tauschgeschäft ohne Geldfluss geeinigt. OMV erhält demnach eine Beteiligung von 24,5 Prozent an Öl- und Gasfeldern im westsibirischen Urengoi. Gazprom erhält im Gegenzug 38,5 Prozent von der OMV-Tochter Norge, die Öl und Gas aus der Nordsee fördert.

Der deutsch-südafrikanische Möbelkonzern Steinhoff plant eine Zusammenlegung seiner Afrika-Tätigkeiten mit der afrikanischen Supermarktkette Shoprite. Daraus soll ein neues Unternehmen mit dem Namen Retail Africa hervorgehen. Retail Africa soll in 15 Ländern Afrikas aktiv sein und dort 186.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Der Flughafenbetreiber Fraport und Heinemann, Betreiber von Duty-Free-Geschäften, planen eine intensivere Zusammenarbeit in Form eines Gemeinschaftsunternehmens. Das neue Joint Venture soll beiden Unternehmen zu gleichen Teilen gehören und unter dem Namen Frankfurt Airport Retail firmieren.

Die Baufirma Porr übernimmt das Spezialtiefbauunternehmen Franki Grundbau voraussichtlich im Januar 2017. Franki Grundbau wird auch weiterhin eigenständig als Firma auftreten, dann als 100-prozentiges Tochterunternehmen von Porr. Über Details des Deals ist nichts bekannt. Franki Grundbau konnte im vergangenen Jahr einen Umsatz von über 60 Millionen Euro verbuchen.

Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" stehen die ersten Details der geplanten Fusion von Linde und dem US-amerikanischen Konkurrenten Praxair fest. Praxair-Chef Steve Angel soll demnach an der Spitze des Gasekonzerns stehen, die Erstnotierung der Aktie in New York erfolgen. Der Finanzchef soll ebenfalls ein Amerikaner sein. Wie das "Handelsblatt" berichtet, befindet sich der Deal auf der Zielgeraden und könnte noch vor Weihnachten abgeschlossen werden. Linde wird bei dem Deal von Perella Weinberg Partners, Morgan Stanley, Hengeler Mueller, Cravath, Swaine & Moore und Linklaters beraten. Credit Suisse und Sullivan & Cromwell beraten Praxair.

Dem Wirtschaftsmagazin Bilanz zufolge plant der Nahrungsmittelkonzern Kraft Heinz die Übernahme des Wettbewerbers Mondelez. Zu Mondelez gehören Marken wie Milka, Toblerone und Tuc, der Börsenwert des US-Konzerns liegt bei etwa 66 Milliarden Dollar.

Der Schweizer Spezialchemiekonzern Sika übernimmt den US-amerikanischen Hersteller von Polyiso-Dämmstoffen Rmax Operating. Mit der Übernahme des in Dallas (Texas) sitzenden Unternehmens sichert sich Sika einen besseren Zugang zum nordamerikanischen Markt. Rmax Operating rechnet 2016 mit einem Umsatz von 75 Millionen Dollar. Transaktionsdetails sind nicht bekannt.

Gasunie Deutschland Transport Services und Open Grid Europe übernehmen gemeinsam den Fernleitungsnetzbetreiber für Erdgas Jordgas Transport von Statoil Deutschland. Luther beriet bei dem Deal Open Grid Europe, Hogan Lovells beriet unter der Leitung von Tobias Flasbarth Statoil und White & Case trat als Berater von Gasunie auf (Federführung: Thomas Burmeister).

Die Private-Equity-Gesellschaft Hellmann & Friedmann hat ein Aktienpaket von Scout24 in einem beschleunigten Bookbuilding-Verfahren platziert. Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins begleitete den Deal unter der Federführung von Roland Maaß.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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