Die italienische Mediaset hat ihre Beteiligung an ProSiebenSat.1 erneut ausgebaut.

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27.03.20
Deals

M&A-Deals: ProSiebenSat.1, Flex Capital, Halder

Mediaset kauft schon wieder ProSiebenSat.1-Anteile, Flex Capital übernimmt einen QR-Code-Spezialisten, und die Beteiligungsgesellschaft Halder schlägt gleich dreimal in der Schweiz zu: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Mediaset stockt bei ProSiebenSat.1 auf

Mediaset hat seine Beteiligung an ProSiebenSat.1 weiter ausgebaut: Wie der italienische Medienkonzern mitteilte, hat er über seine spanische Tochter Mediaset Espana die Anteile am deutschen Konkurrenten um 4,25 Prozent erhöht. Das Aktienpaket hat Mediaset rund 61 Millionen Euro gekostet, schreibt das Börsenportal der „ARD“. Damit hält die spanische Mediaset-Gesellschaft jetzt 9,75 Prozent an den Münchenern. Insgesamt kontrolliert der Mediaset-Konzern 20,1 Prozent der Stimmrechte von ProSiebenSat.1.

Ende vergangenen Jahres hatte Mediaset bereits mitgeteilt, den ProSieben-Anteil ausbauen zu wollen. An dem Medienkonzern war zuletzt auch ein Investor interessiert: Vor gut zwei Wochen stockte Daniel Kretinsky seine Anteile an ProSiebenSat.1 ebenfalls erneut auf. Gemeinsam mit seinen Co-Investoren Roman Korbacka und Patrik Tkac kontrolliert der Tscheche aktuell etwas mehr als 10 Prozent.

Flex Capital erwirbt Mehrheit an QR-Code-Spezialisten

Flex Capital tätigt das erste Investment: Die Private-Equity-Gesellschaft übernimmt die Mehrheit an Egoditor. Hinter dem 120 Millionen Euro schweren Fonds der Mittelstands-Private-Equity-Gesellschaft stehen mehrere Investoren und Start-up-Gründer. Egoditor bietet die Webseite „qrcode-generator.de“ an, auf der Nutzer ihre eigenen QR-Codes erstellen und steuern können – zum Beispiel für Marketingkampagnen. Auch nach der Transaktion bleiben die Egoditor-Gründer Nils Drescher und Nils Engelking weiterhin im Management tätig.

Welchen Kaufpreis Flex Capital bezahlt, ist nicht bekannt. Bei dem M&A-Deal wurden die Berliner von CMS Deutschland (Federführung: Jörg Zätzsch) rechtlich beraten. Flex Capital ist auf Unternehmen aus dem deutschen Internet- und Software-Mittelstand mit einem Umsatz von 5 bis 30 Millionen Euro fokussiert. Pro Deal stecken die Investoren zwischen 5 und 25 Millionen Euro in die Portfoliounternehmen. Einige Flex-Partner waren dem Unternehmen zufolge auch bei dem Zahlungsanbieter Adyen sowie dem Essenslieferdienst Delivery Hero beteiligt.

Halder mit Dreifach-Deal in der Schweiz

Halder übernimmt die Schweizer Unternehmen Sirag, Univer und Uniprod, welche auf Lösungen in der Pneumatik und Prozesstechnik spezialisiert sind. Der Verkauf ist für zwei der drei geschäftsführenden Gesellschafter eine unmittelbare Nachfolgelösung, teilt Halder mit. Der dritte Gesellschafter, Othmar Seiler, wird die Sirag, Univer und Uniprod künftig führen. Die drei Gesellschaften erzielten 2019 zusammen einen Umsatz von 15 Millionen Euro.

Im nächsten Schritt will Halder die Add-ons mit den Portfoliogesellschaften Drumag Fluidtechnik und EPH Elektronik in der Valeta-Gruppe zusammenführen. Halder zufolge erwirtschaften die Unternehmen dann gemeinsam einen Umsatz von rund 37 Millionen Euro und beschäftigen rund 200 Mitarbeiter in Deutschland, Litauen und der Schweiz. Finanzielle Transaktionsdetails nennt der deutsche Private-Equity-Investor nicht. Begleitet wurde die Transaktion von LGT (Federführung: Jonathan Smith), den Kanzleien CMS (Federführung: Stephan Werlen) und Luther (Christoph Schauenburg), sowie von EY (Simon Sterchi und Luise Kremer) und Deloitte (Reto Gerber und Sabrina Herren).

Fortum gelingt Uniper-Übernahme

Erfolg für Fortum: Die Finnen haben nun auch die Uniper-Anteile der Hedgefonds Elliott und Knight Vinke übernommen. Wie Fortum mitteilte, kontrolliert der Energiekonzern jetzt 69,9 Prozent der Uniper-Anteile. Für die 20,5 Prozent der beiden Investoren bezahlt Fortum bis zu 2,6 Milliarden Euro. Damit haben die Finnen insgesamt bereit 6,5 Milliarden Euro in die Übernahme gesteckt, schreibt die "Börsen-Zeitung".

Fortum will Uniper schon seit geraumer Zeit übernehmen. Zunächst war das Uniper-Management gegen die Übernahme durch die Finnen, stimmte der Transaktion dann aber letztlich doch zu. Zuletzt standen nur noch die Genehmigungen von verschiedenen Behörden aus. Anfang dieses Monats erteilte dann aber auch die russische Antimonopolbehörde ihre Freigabe.

Corona bringt Thyssen-Deal nicht zum Scheitern

Der Verkauf der Aufzugsparte von ThyssenKrupp wackelt trotz Corona offenbar nicht: CEO Martina Merz wies gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“ Spekulationen zurück, denen zufolge der Deal wegen der Coronavirus-Krise wackeln würde. „In aller Deutlichkeit: Der Vollzug der Transaktion steht nicht in Frage. Die Käufer haben kein Rücktrittsrecht”, sagte Merz in einer der Nachrichtenagentur vorliegenden Mitarbeiterinfo.

„Die Finanzierung der Transaktion auf der Käuferseite steht und ist von den beteiligten Eigen- bzw. Fremdkapitalgebern vertraglich abgesichert”, so Merz weiter. Ein Konsortium um die Finanzinvestoren Advent und Cinven sowie die RAG-Stiftung hatten sich Ende Februar dieses Jahres die Aufzugsparte des Stahlkonzerns für 17,2 Milliarden Euro gesichert.

Weitere Meldungen

Der geplante Verkauf der Wind- und Solarsparte von Baywa zieht sich weiter in die Länge. Grund dafür sind in erster Linie erschwerte Verhandlungsbedingungen wegen der Coronavirus-Krise, schreibt die Nachrichtenagentur „Reuters“. Zusätzlich hat sich die Sparte im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich besser entwickelt als zunächst gedacht, so Vorstandschef Klaus Josef Lutz. Die Umsätze sind um 29 Prozent gestiegen, der operative Gewinn um fast ein Drittel, schreibt die Nachrichtenagentur. Deswegen müsse ein Investor mehr Geld in die Hand nehmen als die bisher veranschlagten 500 Millionen Euro. Seit einem Jahr will Baywa die Solar- und Windkraftsparte verkaufen. Ursprünglich sollte der M&A-Prozess bis Ende März dieses Jahres abgeschlossen sein.

First State
beteiligt sich an MVV Energie: Wie das „Handelsblatt“ unter Bezug auf Branchenkreise berichtete, übernimmt der Infrastrukturinvestor 45,1 Prozent an dem Mannheimer Energiekonzern. Die Stadt Mannheim behält weiterhin die Mehrheit. MVV hatte zuvor bekannt gegeben, dass die Aktionäre EnBW und Rheinenergie einen Käufer für ihre Anteile gefunden hätten – nur um wen es sich dabei handelt, gab das Unternehmen nicht bekannt. Der M&A-Deal bedarf noch Gremienzustimmungen und behördlichen Genehmigungen. Dem „Handelsblatt“ zufolge haben die Aktienpakete einen Börsenwert von rund 750 Millionen Euro. MVV wurde bei der Transaktion von Hengeler Mueller (Federführung: Matthias Hentzen) beraten.

SIX nimmt die nächste Hürde bei der Übernahme der Börse Madrid: Wie die „Börsen-Zeitung“ berichtete, habe die spanische Regierung der Übernahme von BME durch die Schweizer Börse zugestimmt. Die Transaktion wird nun der spanischen Börsenaufsicht zur Genehmigung vorgelegt, so der Bericht weiter. Die Schweizer wollen für ihren Wettbewerber 2,8 Milliarden Euro auf den Tisch legen.

KKR hat seinen Axel-Springer-Anteil auf 47,62 Prozent ausgebaut: Wie der US-Finanzinvestor mitteilte, sicherte er sich im Rahmen des öffentlichen Delisting-Angebots weitere 2,6 Prozent an dem Berliner Medienhaus. Für die 2.805.793 Aktien zahlte KKR 63 Euro pro Papier. Dem Delisting-Angebot ging ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot im vergangenen Jahr voraus: Damals wurden den US-Amerikanern bereits rund 45 Prozent der Aktien am Berliner Verlagsunternehmen angedient. Das Delisting, das ursprünglich für Anfang Mai geplant war, soll außerdem schon Anfang April stattfinden.

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Merz Real Estate wird Noratis-Großaktionär: Das zur Merz-Gruppe gehörende Beteiligungsunternehmen steigt mit 29,4 Prozent bei dem Eschborner Bestandsentwickler von Wohnimmobilien ein. Verkäufer der Anteile sind den Eschbornern zufolge „zwei wesentliche Aktionäre der Noratis AG“, darunter Noratis-CEO Igor Christian Bugarski. Er bleibt mit 8 Prozent am Unternehmen beteiligt. Merz Real Estate erwirbt 1.057.650 Aktien zu je 21 Euro. Darüber hinaus habe sich Merz Real Estate dazu verpflichtet, bis zum Ende des Geschäftsjahres 2024 bis zu 50 Millionen Euro in das Immobilienunternehmen zu investieren. Das Bundeskartellamt muss dem Deal noch zustimmen. Die Wirtschaftskanzlei Noerr hat Noratis bei der Transaktion beraten.

Europoles findet einen Käufer: Der insolvente Hersteller von Masten und Türmen mit Sitz in Neumarkt verkauft seine verbliebene Beleuchtungssparte an Metalogalva, einen portugiesischen Stahlhersteller. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Alle Mitarbeiter im Inland und Ausland sollen übernommen werden. Den Abschluss der Transaktion erwarten die Unternehmen im Herbst dieses Jahres. Europoles rutschte im Oktober 2018 in die Insolvenz, nachdem ein Großauftrag mit einem Gesamtvolumen von über 110 Millionen Euro vom Auftraggeber zurückgezogen wurde. Im Zuge der Restrukturierung hatte Europoles bereits im April 2019 sein Infrastrukturgeschäft inklusive der Tochtergesellschaft Europoles Suisse an Fuchs & Söhne verkauft. Die Kagelmann-Gruppe übernahm den Bereich RMP. Auch die polnische Kromiss sowie eine Mehrheitsbeteiligung an der Europoles Middle East konnte das Unternehmen bereits veräußern.

Der Berliner Anbieter von Lebensberatung Adviqo übernimmt die französische Online-Beratungsplattform Kang mehrheitlich. Verkäufer der Anteile ist der Pariser Finanzinvestor Truffle Capital. Zur Höhe der Mehrheitsbeteiligung sowie dem Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Kang-CEO Nicolas Grumbach soll das Unternehmen weiterhin leiten. Hinter Adviqo steht der Münchener Private-Equity-Investor Auctus Capital. Bei der Transaktion wurden die Berliner von dem Prüfungs- und Beratungshaus Rödl & Partner unterstützt. Truffle wurde von Alantra und La Tour International beraten.

Der Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) kauft den Böblinger IT-Dienstleister MCL. Das Management bleibt im Rahmen des Deals „in nennenswertem Umfang an der Unternehmensgruppe rückbeteiligt“, heißt es in einer Mitteilung. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. MCL beschäftigt mehr als 140 Mitarbeiter an acht Standorten in Deutschland und Österreich. Die Anwaltsgesellschaft Allen & Overy hat OEP bei der Transaktion begleitet.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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