ProSiebenSat.1

23.02.18
Deals

M&A-Deals: ProSiebenSat.1, Lendico, Beate Uhse

General Atlantic steigt bei der Digitalsparte von ProSiebenSat.1 ein, die ING Diba erwirbt das Fintech Lendico und für Beate Uhse gibt es eine Vielzahl von Kaufinteressenten. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

ProSiebenSat.1: General Atlantic steigt bei NCG ein

Der Private-Equity-Investor General Atlantic ist mit einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent bei der Nucom Group (NCG), der Digitalsparte von ProSiebenSat.1, eingestiegen. Für die Beteiligung bezahlt das PE-Haus rund 300 Millionen Euro. Das gab das Unternehmen mit Sitz in München bekannt. Damit bestätigte ProSiebenSat.1 entsprechende Medienberichte vom Wochenbeginn. Neben General Atlantic waren laut Informationen der Nachrichtenagentur „Reuters“ auch die Finanzinvestoren Verdane und EQT an der Sparte interessiert, zu der unter anderem die Unternehmen Verivox und Parship zählen.

Im vergangenen Jahr hatte ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling angekündigt, eine Minderheitsbeteiligung an NCG abgeben zu wollen. Bereits damals wurde General Atlantic zu den potentiellen Interessenten für die Beteiligung gezählt. Der Wert der gesamten Digitalsparte liegt bei 1,8 Milliarden Euro. Zuletzt erwirtschaftete die Sparte einen Umsatz von rund 750 Millionen Euro. General Atlantic wurde bei der Transaktion von der Anwaltskanzlei Gleiss Lutz (Federführung: Jan Balssen und Jan Bauer) beraten. ProSiebenSat.1 wurde von der Wirtschaftskanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy (Federführung: Martin Erhardt und Thomas Kleinheisterkamp) und dem Beratungshaus Pöllath & Partners unterstützt. 

Nucom nutzte das frische Kapital, um für den Gesamtpreis von 340 Millionen Euro die Minderheitsbeteiligungen an diversen Online-Beteiligungen auf oder bis nahe an 100 Prozent aufzustocken, darunter die Online-Portale Verivox und Parship Elite.

ING Diba erwirbt Fintech Lendico

Die niederländische Bank ING Diba übernimmt das Berliner Fintech Lendico und will so ihr deutsches Firmenkundengeschäft ausbauen. Lendico wurde 2013 von der Start-up-Schmiede Rocket Internet gegründet und ist auf Darlehen für kleine und mittelständische Unternehmen spezialisiert. Lendico vergibt Kredite in Höhe von 10.000 bis 250.000 Euro, mit Laufzeiten zwischen 12 und 60 Monaten. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen 100 Mitarbeiter in vier Ländern.

Die Akquisition von Lendico kommt überraschend, da sich die ING noch vor gut zwei Jahren gegen die Integration von Fintechs in die Prozesse der Bank ausgesprochen hatte. „Wir sehen in Deutschland derzeit keine Notwendigkeit, Fintechs zu kaufen“, sagte ING-CSO Tomas Peeters damals gegenüber FINANCE. Die Niederländer hatten sich bisher ausschließlich auf Kooperationen mit Fintechs beschränkt. Die Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt (Federführung: Heinrich Meyer und Christoph Schmitt) hat die ING Diba bei der Transaktion beraten.

Sieben Kaufinteressenten für Beate Uhse

Der M&A-Prozess des insolventen Erotikhändlers Beate Uhse scheint voranzugehen. Sieben namentlich nicht bekannte Kaufinteressenten haben laut Unternehmensangaben unverbindliche Kaufangebote abgegeben. Nach über 70 Geschäftsjahren musste Beate Uhse Mitte Dezember Insolvenz anmelden. Das Unternehmen konnte die 30 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe, die es 2014 begeben hatte, nicht mehr bedienen.

Für die Käufersuche ist der Generalbevollmächtigten Justus von Buchwaldt von der Kanzlei BBL verantwortlich. Er hat wiederum das Münchener Corpoate-Finance-Haus One Square Advisors beauftragt mögliche Interessenten für Beate Uhse zu finden. In einem nächsten Schritt werden die M&A-Berater von Beate Uhse nun prüfen, mit welchem Interessenten sie in ernsthafte Verhandlungen eintreten möchten. Der M&A-Prozess soll im April abgeschlossen werden. Dass es wirklich zu einem Verkauf kommt, ist jedoch noch nicht sicher, denn parallel prüfen die Verantwortlichen auch eine Unternehmensfortführung im Rahmen des Insolvenzplanverfahrens.

Adler Real Estate will Mehrheit bei Brack Capital

Der Immobilienkonzern Adler Real Estate plant die Übernahme von 70 Prozent der Anteile an der Immobiliengesellschaft Brack Capital Properties (BCP). Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in den Niederlanden und ist an der israelischen Börse gelistet. Eigenen Angaben zufolge will Adler Real Estate die Übernahme in drei Schritten durchführen.

Mit dem BCP-Großaktionär Redzone Empire habe man sich bereits auf die Übernahme von dessen 41,04-Prozent-Anteil an BCP geeinigt. Je Aktie bezahle Adler Real Estate 440 Neue israelische Schekel (ILS). Außerdem übernehme das Deutsche Unternehmen 5,26 Prozent von den Mitgliedern des Senior Managements von BCP. In einem dritten und letzten Schritt wolle das S-Dax-Unternehmen 25,8 Prozent im Zuge eines öffentlichen Übernahmeangebots erwerben. Hier biete Adler Real Estate ebenfalls 440 ILS je Aktie.

Der Kaufpreis für die 70 Prozent würde sich somit auf insgesamt 2,381 Milliarden ILS (umgerechnet  rund 539 Millionen Euro) belaufen. Nach eigenen Angaben will das Immobilienunternehmen durch die Transaktion sein Portfolio stärken. Kempen und JP Morgan begleiteten Adler Real Estate bei der Transaktion.

Temenos plant milliardenschwere Übernahme von Fidessa

Der Bankensoftwareanbieter Temenos will den britischen Wettbewerber Fidessa übernehmen. Eine entsprechende Vereinbarung haben die Verwaltungsräte in dieser Woche getroffen, heißt es in einer Pressemitteilung der Unternehmen. Im Falle einer Einigung der beiden Unternehmen würde sich aktuell ein Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro ergeben. Zusammen soll ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Finanzsoftware entstehen, so Temenos in der Mitteilung. Demnach hätten die beiden Unternehmen im vergangenen Jahr gemeinsam einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Im Detail bietet Temenos den Fidessa-Aktionären 35,67 britische Pfund je Aktie sowie eine Dividende in Höhe von 0,797 britische Pfund. Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2018 abgeschlossen werden. Wie das „Handelsblatt“ zudem berichtete, ist der aktivistische Investor Elliot bei Fidessa eingestiegen. Welche Absichten der Investor bei Fidessa verfolgt, ist nicht bekannt. Dem Bericht zufolge soll er knapp 4,9 Prozent der Anteile an dem Schweizer Unternehmen halten. 

Weitere M&A-Deals

Der Private-Equity-Investor Cathay Capital hat eine Mehrheitsbeteiligung an dem Automobilzulieferer E.Winkemann von dem Konkurrenten Equistone Partners erworben. Sowohl Equistone als auch die Geschäftsführer des Plettenberger Unternehmens werden an E.Winkemann beteiligt bleiben. Das Unternehmen beschäftigt eigenen Angaben zufolge 380 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 91 Millionen Euro. Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Burc Hesse) und die Anwaltssozietät Shearman & Sterling (Federführung: Winfried Carli) haben Cathay Capital bei der Transaktion beraten. Den Verkäufern standen Robert W. Baird & Co. sowie das Beratungshaus Pöllath & Partners beratend zur Seite.

Init, ein Anbieter von integrierten Planung-, Dispositions-, Telematik- und Ticketinglösungen für Busse und Bahnen, übernimmt das finnische Unternehmen Mattersoft Oy. Die Finnen sind Anbieter von Software und Services für intelligente Verkehrssysteme. Mit der Akquisition will das Karlsruher Unternehmen Init nach eigenen Angaben unter anderem sein Produktspektrum ausbauen sowie seine Position in Skandinavien stärken.

Das Kommunikationsdienstleistungsunternehmen 11880 Solutions hat zwei neue Großaktionäre. Die RH Vermögensverwaltung hält nun 9,42 Prozent der Anteile an dem Unternehmen und die Solventis Beteiligungen 8,16 Prozent. Einen Teil der Aktien haben die beiden neuen Großaktionäre vom italienischen Verzeichnisanbieter Italiaonline erworben.

Der Autozulieferer Bosch hat das US-amerikanische Start-up Splitting Fares (SPLT) übernommen. SPLT ist im Bereich der Mitfahrservices tätig und Betreiber einer Plattform, mit der Unternehmen, Universitäten und Stadtverwaltungen Fahrgemeinschaften bilden können. Eigenen Angaben zufolge zählt das Unternehmen bisher 140.000 Nutzer in Deutschland, Mexiko und den USA.

Die Bank BNP Paribas hat über ihren luxemburgischen Zweig die Vermögensverwaltungs- und Versicherungsaktivitäten von ABN Amro in Luxemburg erworben. Im Detail übernimmt die BNP die Luxemburger Privatbank ABN Amro Bank und ihre Versicherungstochter ABN Amro Life. Eigenen Angaben zufolge will die Bank auf diese Weise ihre Position im Wealth Management und im luxemburgischen Versicherungsmarkt stärken. Die Anwaltskanzlei Clifford Chance (Federführung: Thomas Krecek, Stefan Bruder, Corinna Rogmann, Ömer Cilingir, Rouven Reuter) hat BNP Paribas bei der Transaktion beraten.

Der Verpackungshersteller Clondalkin hat Cats-Haensel und Nimax an den Konkurrenten Schur Flexibles Group verkauft. Cats-Haensel ist ein Anbieter von Verpackungslösungen für Süßwaren und Nimax ist unter anderem auf Teebeutel spezialisiert. Gemeinsam beschäftigen die beiden Unternehmen 135 Mitarbeiter und erzielen Umsätze von mehr als 30 Millionen Euro. MP Corporate Finance stand der Clondalkin bei dem Verkauf beratend zur Seite.

Die Beteiligungsgesellschaft Obotritia Capital beteiligt sich mit 8 Prozent an der German Startups Group. Laut eigenen Angaben wurde das Anteilspaket außerbörslich erworben. Hinter Obotritia steht der Investor Rolf Elgeti, der vor allem durch Immobilieninvestments bekannt geworden ist. 

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) hat das Verwahrstellengeschäft des Finanzinstituts Bankhaus Lampe übernommen. Nach eigenen Angaben betreut die apoBank nun etwa 19 Milliarden Euro in seiner Verwahrstelle. Die genossenschaftliche Primärbank hat aktuell 426.700 Kunden und über 110.000 Mitglieder.

Der chinesische Arzneimittelhersteller Bright Future Pharmaceutical Laboratories hat das deutsche Familienunternehmen Pharmazeutische Fabrik Evers übernommen. Bright Future produziert eigenen Angaben zufolge Naturarzneimittel für den Urologie- und den Gastroenterologie-Sektor. Fabrik Evers wurde bei der Transaktion von der Anwaltskanzlei DLA Piper (Federführung: Nils Krause) beraten. 

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.