M&A-Deals der Woche: Seit dieser Woche ist es offiziell: Q-Cells geht an die südkoreanische Hanwha-Gruppe.

Q-Cells

31.08.12
Deals

M&A-Deals: Q-Cells, Petroplus, Seibel

Q-Cells ist verkauft, Gunvor schlägt bei einer Petroplus-Raffinerie zu und Schuhhersteller Seibel stockt bei Leiser auf. Diese und weitere M&A-News und M&A-Deals der Woche in unserem FINANCE Wochenrückblick.

Happy End für Q-Cells

Für die Gerüchteküche stand der Sieger lange fest, nun ist es offiziell: Am Mittwoch stimmte die Gläubigerversammlung dem Verkauf des insolventen Solarunternehmens Q-Cells an die südkoreanische Hanwha-Gruppe zu. Der M&A-Deal steht noch unter Kartellvorbehalt. Q-Cells teilte zum Kaufvertrag mit, dass dieser neben der Übernahme von betriebsbezogenen Verbindlichkeiten in niedriger dreistelliger Millionenhöhe auch einen Bar-Kaufpreis in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe vorsehe. Laut Q-Cells ist damit zu rechnen, dass auf die Insolvenzforderungen eine Insolvenzquote von mindestens 20 Prozent ausgeschüttet werden kann.

Latham & Watkins hat Q-Cells und den Insolvenzverwalter Henning Schorisch von der Kanzlei Wienberg Wilhelm im Verkaufsprozess mit einem international besetzten Team beraten. Neben Hanwha hatte zuletzt auch der spanische Solarkonzern Isofoton ein Kaufinteresse bekundet.

Petroplus-Raffinerie gehört jetzt Gunvor

Die ehemalige Petroplus Raffinerie in Ingolstadt ist mit ihren Marketingeinheiten in dieser Woche vollständig an den Rohstoffhändler Gunvor Group übergegangen. Damit wurde der im Mai geschlossene Kaufvertrag vollzogen. Verkauft wurde die Raffinerie vom Insolvenzverwalter der ehemaligen deutschen Petroplus-Tochtergesellschaften, Dr. Michael Jaffé. Die Kanzlei Noerr hat den Insolvenzverwalter im Verkaufsprozess beraten.

Der Raffineriebetreiber Petroplus-Gruppe hatte Ende Januar wegen Finanzierungsschwierigkeiten Insolvenz angemeldet. Die Konzernstruktur war über die Schweiz, Belgien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien verteilt. Durch voneinander unabhängige Insolvenzverfahren in den einzelnen Ländern wurde die komplexe Struktur getrennt.

Die Raffinerie in Ingolstadt wurde in einen Stand-by-Modus gebracht, um ein kurzfristiges Wiederanfahren binnen weniger Tage zu ermöglichen. Insolvenzverwalter Jaffé hatte dafür ein Massedarlehen mit der Commerzbank ausgehandelt, aus dem Löhne und Gehälter gezahlt wurden. Der Stand-by-Modus wurde mit Zustimmung der Gläubiger über sieben Monate aufrecht erhalten und wird nun mit dem Wiederanfahren der Raffinerie beendet. Die Raffinerie in Ingolstadt galt neben der Raffinerie im englischen Coryton als Perle der Petroplus-Gruppe. Eine Lösung für den Standort Coryton gibt es noch nicht. 

Weitere M&A-News und M&A-Deals der Woche

Der Schuhhersteller Seibel mit Sitz in der Pfalz übernimmt die bayerische Schuhhandelsgruppe Leiser. Seibel (Umsatz 2011: 130 Mio. Euro) hatte sich bereits vor zwei Jahren mit mehr als 40 Prozent an dem in Schieflage geratenen Unternehmen beteiligt. Leiser wird derzeit als eines der ersten Unternehmen im Wege eines Schutzschirmverfahrens saniert, die Leiser-Gruppe hatte Ende März für drei ihrer Gesellschaften ein Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Die vorläufigen Sachverwalter stellte die Kanzlei Schneider & Geiwitz. Der Insolvenzplan läuft noch bis Ende 2013. Seibel erwartet für Leiser einen Umsatz von 170 Mio. Euro. Von 130 Leiser-Filialen sollen 30 geschlossen werden, 400 Mitarbeiter werden entlassen.

Das IT-Unternehmen Allgeier hat in dieser Woche mitgeteilt, die Übernahme von Easy Software (Umsatz 2011: 27 Mio. Euro) nicht weiter zu verfolgen. Allgeier (Umsatz 2011: 380 Mio. Euro) war in der vergangenen Woche mit einem freiwilligen Übernahmeangebot  über 4 Euro pro Aktie gescheitert. Allgeier teilte mit, eine Einigung habe „aufgrund erheblich unterschiedlicher Vorstellungen einiger Easy Software-Aktionäre“ nicht erzielt werden können. Die Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent, an die das Angebot geknüpft war, war bei Ablauf der Annahmefrist nicht erreicht worden. Eine Verbindung der Geschäftsaktivitäten beider Unternehmen hält man bei Allgeier aber weiterhin für sinnvoll.

Die Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz hat ihren 55-prozentigen Anteil am Werkzeugbauer Ecoroll Gruppe für einen nicht genannten Preis an eine norddeutsche Familienholding verkauft. Lampe Corporate Finance hat den Deal beraten. Hannover Finanz war 2002 durch die Finanzierung eines Management-Buy-In-Konzepts im Rahmen einer Nachfolgeregelung bei Ecoroll eingestiegen. Das Unternehmen, das auch eine Tochterfirma in den USA hat, erwartet für 2012 einen Umsatz von 12 Mio. Euro. Erst vor wenigen Wochen hatte Hannover Finanz den Ausstieg beim Sportwarenhändler Runners Point bekannt gegeben.

Der russische Pumpenhersteller HMS Group hat 75 Prozent am Thüringer Hersteller von Zentrifugalpumpen Apollo Gößnitz (Umsatz 2011: 20,3 Mio. Euro) gekauft. Der Kaufpreis für die Mehrheitsbeteiligung beträgt EUR 25 Millionen und wurde vollständig fremdfinanziert. Die HMS Gruppe veröffentlichte für das erste Quartal 2012 einen Gewinn von 485 Mio. Rubel (rund 12,1 Mio. Euro). Die Kanzlei Bryan Cave hat die HMS Group zu allen rechtlichen Aspekten der Transaktion beraten. Als M&A-Berater hat Leonardo das Projekt begleitet.

Die M&A-Beratung IMAP hat ihr Team um vier neue Mitarbeiter verstärkt. Christoph Corinth verstärkt seit wenigen Wochen als Partner das Büro in München. Junxiong Wang unterstützt seit August als Projektmanager den IMAP-China-Desk. Jan Zellmann und Hans-Christian Vastert werden das Beratungshaus künftig als Analysten unterstützen. 

Das Basler Chemieunternehmen Syngenta übernimmt für 125 Mio. US-Dollar die Insektizid-Sparte des Bereichs Professional Products von DuPont. Die Transaktion werde voraussichtlich im vierten Quartal 2012 abgeschlossen.

Das italienische Unternehmen Marposs, ein Anbieter von Messtechnik, ist neuer Eigentümer von Dittel Messtechnik mit Sitz in Landsberg am Lech. Ein Kaufpreis wurde nicht bekannt. Für Marposs ist es nicht der erste Zukauf in Deutschland, das Unternehmen hat bereits Artis (2008), Santec (2011) sowie im Februar die Firma Brankamp in die Gruppe geholt. Ein Team von CMS Hasche Sigle hat Marposs bei dem M&A-Deal beraten. 

Die Beteiligungsgesellschaft Pinova Capital beteiligt sich im Rahmen einer Nachfolgeregelung am Unternehmen Deconta, einem Ausrüster für Asbestsanierer. Der geschäftsführende Gesellschafter Wilhelm Weßling bleibt Mehrheitseigner. Deconta wurde bei der Transaktion durch die VR Unternehmerberatung beraten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de