Schaeffler fädelt zwei Deals kurz hintereinander ein.

Schaeffler

23.12.16
Deals

M&A-Deals: Schaeffler, Linde, Braas Monier

Schaeffler kauft die Mehrheit an Compact Dynamics, Linde und Praxair einigen sich auf einen Megadeal und Standard Industries darf Braas Monier übernehmen. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Schaeffler übernimmt Mehrheit bei Compact Dynamics

Der Automobilzulieferer Schaeffler übernimmt die Mehrheit an Compact Dynamics, einem Hersteller von Hochleistungselektromotoren, mit dem Schaeffler bereits seit längerer Zeit zusammenarbeitet. Schaeffler hält zukünftig 51 Prozent der Anteile an Compact Dynamics, die Semikron International veräußert. Auch mit Semikron wird der Maschinenbaukonzern weiterhin zusammenarbeiten. Mitte 2018 hat Schaeffler die Option, sich die restlichen Anteile zu sichern. Details der Transaktion sind nicht bekannt. Schaeffler wurde bei dem Deal von Clifford Chance unter der Leitung von Christof-Ulrich Goldschmidt beraten.

Außerdem hat das Unternehmen die Schaeffler Motorenelemente an die familiengeführte Weber Gruppe verkauft. Die beiden Deals sind Teil der Strategie von Konzernchef Klaus Rosenfeld, sich stärker auf die Bereiche E-Mobilität und Hybridisierung zu konzentrieren.

Linde und Praxair einigen sich auf Mega-Deal

Linde und der US-Wettbewerber Praxair haben sich auf einen Zusammenschluss geeinigt. Zwar steht eine offizielle Einigung noch aus, allerdings stehen nun zentrale Eckpunkte fest. Demnach sollen die Aktien der neuen Gesellschaft gleichermaßen verteilt sein. Die Fusion soll über einen Aktientausch unter dem Dach einer neuen Holdinggesellschaft erfolgen, die Linde heißen soll. Dafür sollen die Linde-Aktionäre Linde-Papiere für jeweils 1,54 Aktien an der neuen Holding erhalten. Die Aktionäre von Praxair können eine Praxair-Aktie in eine Aktie der neuen Gesellschaft tauschen. CEO des fusionierten Unternehmens soll Praxair-Chef Steve Angel sein. Die Niederlande und Luxemburg gelten als Anwärter für den Sitz der neuen Holdinggesellschaft. Linde wurde von Hengeler Mueller beraten.

Standard Industries kann Braas Monier übernehmen

Der US-Konzern Standard Industries und der Dachziegelhersteller Braas Monier haben sich über die Übernahme durch die US-Amerikaner geeinigt. Dafür erhöht Standard Industries das Angebot von 25 Euro auf 25,27 Euro pro Aktie. Außerdem zieht Standard Industries die Klage zurück, die sie gegen die Ausgabe von 4 Millionen Gratisaktien eingereicht hatten. Mit dieser Maßnahme wollte Braas Monier den Deal teurer und damit weniger schmackhaft machen. Der amerikanische Dachziegelhersteller muss insgesamt 110 Millionen Euro mehr als geplant für die Übernahme der Luxemburger bezahlen.

EQT verkauft BSN

Das Private-Equity-Unternehmen EQT verkauft den Hersteller von Leukoplast BSN Medical an die schwedische Svenska Cellulosa Aktiebolaget (SCA), die für Tempo-Taschentücher und Zewa-Küchentücher bekannt ist. Der Deal kostet SCA 2,74 Milliarden Euro. EQT hatte BSN im Jahr 2012 für 1,8 Milliarden Euro von der Investmentgesellschaft Montagu übernommen. Heute kann BSN einen Umsatz von 860 Millionen Euro vorweisen, der bereinigte operative Gewinn liegt bei 137 Millionen Euro. EQT wurde bei dem Deal von Pöllath + Partners durch ein Team bestehend aus Benedikt Hohaus, Barbara Koch-Schulte und Sebastian Sumalvico beraten.

Flixbus bekommt neuen Investor

Das Fernbusunternehmen Flixbus hat den Tech-Investor Silver Lake für eine neue Finanzierungsrunde gewonnen. Die bisherigen Investoren General Atlantic, Holtzbrinck Ventures und Daimler beteiligen sich ebenfalls erneut. Zu den finanziellen Details gab das Unternehmen nichts bekannt. „NGIN Mobility“ und „Gründerszene“ spekulieren allerdings über eine Investitionssumme zwischen 75 und 100 Millionen Dollar. Interessant für Technologieinvestoren ist Flixbus, weil es den Kunden digitalen Service bietet, wie etwa kostenfreies Wlan in allen Verbindungen.

Vonovia übernimmt Conwert

Die Milliardenübernahme der österreichischen Conwert durch Vonovia ist geglückt. Bei dem Übernahmeangebot von Deutschlands größter Immobiliengesellschaft haben die Conwert-Aktionäre bei 71,54 Prozent des Grundkapitals zugegriffen. Nach österreichischem Recht können die Aktionäre zwischen Vonovia-Papieren und einer Barauszahlung entscheiden. Das Barangebot liegt bei 16,16 Euro, während die Aktionäre für 149 Aktien von Conwert 74 Vonovia-Papiere bekämen. 70,87 Prozent aller Conwert-Aktien wurden in das Barangebot eingeliefert, während für 0,67 Prozent der Conwert-Aktien das Tauschangebot gewählt wurde.

UBS kauft Vermögensverwalter

Die Schweizer Großbank UBS übernimmt die französische Tochter der italienischen Banca Leonardo. Die Bank will mit dem Vermögensverwalter La Maison de Gestion ein Joint Venture für vermögende Kunden schaffen und dort die Banque Leonardo France einbringen. Das neue Institut wird ein Vermögen von rund vier Milliarden Franken verwalten. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Die UBS wird an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen die Mehrheit halten, die restlichen Anteile entfallen auf La Maison de Gestion und einige ihrer Aktionäre.

Tui übernimmt L’Tur

Der Tourismuskonzern Tui übernimmt den Last-Minute-Anbieter L'Tur. L'Tur-Gründer Karlheinz Kögel gibt dazu seinen Anteil von 20 Prozent ab. Tui war 1998 bei L’Tur eingestiegen und hatte seine Anteile seitdem erhöht. Über die Höhe des Kaufpreises für die restlichen Anteile ist nichts bekannt. L'Tur macht im Geschäftsjahr 2014/15 mit knapp 700.000 Gästen einen Umsatz in Höhe von 451 Millionen Euro.

M&A-Personalien

Christina Klinger gehört ab dem 1. Januar 2017 dem Team von KPMG Law an. Die 36-jährige Rechtsanwältin wird als Senior Managerin für die Bereiche M&A, Venture Capital und Gesellschaftsrecht am Standort Nürnberg tätig sein. Zuvor war Klinger bei Rödl & Partner Teil der internationalen M&A-Praxisgruppe.

Die Restrukturierungsberatung Falkensteg eröffnet ein neues Büro in München. Als Partner für den neuen Standort verpflichtet Falkensteg Jonas Eckhardt und Jochen Wierz, die als Experten für Distressed-M&A und Sanierungen gelten. Ab 1. Januar des neuen Jahres wird sich das Büro um den süddeutschen Markt kümmern.

Weitere M&A-Deals

Die Lufthansa will einem Bericht des Fachmagazins FVW zufolge den Ferienflieger Sun Express Deutschland komplett übernehmen. Das Joint Venture von Lufthansa und Turkish Airlines solle die Lufthansa-Billigflugtochter Eurowings verstärken.

Knorr-Bremse übernimmt das Geschäftsfeld Electrical Sytems vom Bahntechnikkonzern Vossloh. Der Barkaufpreis liegt bei 72,5 Millionen Euro, wobei darin eine variable Komponente von 25 Millionen Euro enthalten ist, die von einem künftigen Projekterfolg abhängig ist. Vossloh wurde bei dem Deal von Freshfields beraten. Knorr-Bremse wurde bei dem Deal von Hengeler Mueller beraten (Federführung: Simon Patrick Link und Hans-Jörg Ziegenhain).

Die französische Gruppe Industries Micromécaniques Internationales (IMI) übernimmt die Sapphire Holding (Stettler), ein Anbieter von Saphirgläsern für die Uhrenindustrie, von der PE-Gesellschaft HQ Equita. Details der Transaktion wurden nicht veröffentlicht. HQ Equita hatte die Schweizer 2011 von der Familie Stettler, dem Management sowie zwei Mitgliedern des Verwaltungsrates übernommen.

Apleona, eine Portfoliogesellschaft des Private-Equity-Unternehmens EQT, hat die Bilfinger Hochbau Sparte an den Schweizer Baukonzern Implenia verkauft. Zu den Details des Deals ist nichts bekannt. EQT wurde bei dem Verkauf von Freshfields beraten (Federführung: Kai Hasselbach).

Das Bergbauunternehmen K+S beteiligt sich an der saudi-arabischen Al-Biariq for Fertilizer Plant. Al-Biariq ist Hersteller von voll wasserlöslichem Kaliumsulfat. Als Preis für die Anteile wird ein einstelliger Millionenbetrag genannt. Teil des Deals ist außerdem die Option auf den Kauf weiterer 30 Prozent innerhalb der kommenden zwei Jahre.

Die Industrieholding Adcuram erwirbt die Mehrheit der Anteile an Poggenpohl Möbelwerke von dem bisherigen Mehrheitsgesellschafter Nobia AB. Adcuram hält zukünftig – vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen – 98,57 Prozent an den Münchenern. Nobia AB wurde bei der Veräußerung von Goetzpartners beraten.

Der Technologiekonzern Al-Ko übernimmt die Mehrheit des Memminger Elektronikdienstleisters Steca Elektronik. Dies geschieht im Rahmen einer Kapitalerhöhung bei Steca. Daneben bleibt die Gründerfamilie Voigtsberger als Gesellschafter beteiligt. Al-Ko wurde bei dem Deal von Heuking Kühn Lüer Wojtek um die M&A-Anwälte Boris Dürr und Marcel Greubel (Federführung) beraten.

Der Apax Fund IX übernimmt Anteile vom internationalen Labor- und Diagnosedienstleister Unilabs. Verkäufer der Anteile sind Nordic Capital und Apax France. Damit wird das Investmentunternehmen Apax alleiniger Inhaber von Unilabs. Apax wurde bei dem Deal von Linklaters unter der Federführung von Florian Harder beraten.

Die Beteiligungsgesellschaft Nord beteiligt sich mehrheitlich an Nec Med Pharma aus Höchstadt an der Aisch. Nec Med Pharma ist ein Händler für Pharma- und Medizinprodukte und kann 2016 Umsätze in Höhe von etwa 90 Millionen Euro vorweisen. Details der Transaktion sind nicht bekannt. Nec Med wurde bei dem Deal von GVG Corporate Finance beraten.

Die Deutsche Börse erhöht ihre Anteile an der Wertpapierbörse Tradegate aus Berlin. Durch die Ausübung einer dritten und letzten Kaufoption kommt die Deutsche Börse in Besitz von knapp 20 Prozent von Tradegate. Zuletzt steigerte die Deutsche Börse ihre Anteile an Tradegate 2014 von knapp 5 auf fast 15 Prozent.

Hannover Finanz
übernimmt die Hotel- und Immobilienbetriebsgesellschaft Achat zu 100 Prozent. Achat rechnet 2016 mit einem Umsatz von 54 Millionen Euro. Der Unternehmenssitz bleibt auch nach der Übernahme in Mannheim, verantwortlicher Geschäftsführer bleibt Wilhelm Kotter. Hannover Finanz wurde bei dem Deal von E&A Law, RSM Altavis und Ernst & Young beraten.

Der chinesische Staatskonzern ChemChina hat sein Übernahmeangebot für den Agrarchemiekonzern Syngenta aus der Schweiz verlängert. Mit der fünften Fristverlängerung ist die Offerte in Höhe von 43 Milliarden Dollar nun bis zum 2. März 2017 offen.

Der IT-Dienstleister Cenit aus Stuttgart plant die vollständige Übernahme von Keonys, einem französischen Experten für Software-Integration. Der Kaufpreis soll bei rund 6 Millionen Euro liegen. Die Finanzierung soll aus bestehenden liquiden Mitteln der Stuttgarter erfolgen.

Die Privatbank Hauck & Aufhäuser erwirbt das Fondsplattformgeschäft der Sal. Oppenheim in Luxemburg und übernimmt die beiden dort ansässigen Gesellschaften Sal. Oppenheim jr. & Cie. Luxemburg und Oppenheim Asset Management Services. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die geplante Fusion der Geldautomatenhersteller Diebold und Wincor Nixdorf gerät ins Stocken, da die britischen Behörden kartellrechtliche Bedenken äußern. Da die beiden Unternehmen gemeinsam mit NCR den Markt für Geldautomaten beherrschen, warnt die Kartellbehörde vor einer marktbeherrschenden Stellung des fusionierten Unternehmens. Weitere Verhandlungen sind für 2017 vorgesehen.

Der Private-Equity-Investor KKR will den Einstieg beim Marktforschungsunternehmen GfK bis Ende März abgeschlossen haben.
Dafür müssen sich die GfK-Anteilseigner bis zum 10. Februar dazu entschließen, das Übernahmeangebot anzunehmen. Finanzinvestor KKR bietet für den Einstieg 43,50 Euro pro Aktie, was deutlich über dem Drei-Monats-Durchschnittskurs liegt.

Die geplante Fusion der Immobilienkonzerne Immofinanz und CA Immo verzögert sich und ist nun für das Jahr 2018 geplant. Grund dafür ist der stockende Verkauf von fünf russischen Einkaufszentren, die Immofinanz veräußern will. Der Abschluss dieser Transaktion wurde als Voraussetzung für eine Verschmelzung der beiden Wettbewerber festgelegt.

Das Elektronikunternehmen Kuhn Industrie übernimmt die Mehrheit am Gießerei- und Maschinenbauunternehmen M. Jürgensen. Der Deal regelt die Nachfolge des bisherigen Mehrheitsgesellschafters Georg Jürgensen, der altersbedingt aus dem Unternehmen ausscheidet.

Das Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss der Apothekergenossenschaft Noweda und des Pharmagroßhändlers Ebert+Jacobi genehmigt. Durch die Übernahme ist Noweda die Nummer zwei im bundesweiten Pharmagroßhandel.

Der Softwareanbieter Nemetschek aus München übernimmt den Anbieter von Planungs-, Datenverwaltungs- und Kollaborations-Tools D-Rofus aus Norwegen. Der Kaufpreis liegt bei etwa 24,5 Millionen Euro und wird aus Eigenmitteln und der Nutzung von Kreditlinien finanziert. D-Rofus rechnet für 2016 mit einem Umsatz von etwa 4,5 Millionen Euro.

Investor Tahoe hält nach Ablauf des ersten Angebots einen Gesamtstimmrechtsanteil von 40,61 Prozent am Küchenhersteller Alno. Damit haben bisher 7,36 Prozent der Aktionäre das Angebot angenommen. Der Stimmrechtsanteil setzt sich inklusive der 16,73 Prozent direkt gehaltenen Anteile und der über die Stimmbindungsvereinbarung zugerechneten 16,52 Prozent der Aktien zusammen.

Die Forderungsmanager GFKL Lowell Gruppe hat über ihre Gesellschaft Inkasso Becker Wuppertal den Softwarespezialisten Intratech vollständig übernommen. Intratech ist damit zu 100 Prozent eine Tochtergesellschaft der GFKL Lowell Gruppe. Details des Deals wurden nicht veröffentlicht.

Der niederländische Postdienstleister Post NL übernimmt 50 Prozent der Anteile von der Holdinggesellschaft HIM Holtzbrinck 25. Der Deal ergibt sich durch die Auflösung eines Joint Ventures von Postcon und Georg von Holzbrinck. Über Postcon hält Post NL damit 100 Prozent der Anteile an der Holdinggesellschaft. Post NL wurde durch Stefanie Orttmann von Bird & Bird beraten. Details der Transaktion sind nicht bekannt.

Die Beteiligungsgesellschaft Finatem übernimmt die Mehrheit an der Schollenberger Gruppe von der Celler Brunnenbau Holding. Schollenberger hat seinen Hauptsitz in Celle und ist spezialisiert auf den Bereich der zivilen Kampfmittelsondierung und -bergung. Finanzielle Details der Übernahme wurden nicht bekannt.

Plastic Omnium veräußert sein Nutzfahrzeug-Zulieferergeschäft an den Finanzinvestor Mutares. Finanzielle Details zu dem Deal wurden nicht veröffentlicht. Plastic Omnium wurde bei der Transaktion von Lincoln International beraten.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge will die Allianz versuchen, das Frankreich-Geschäft der Generali zu übernehmen. Von den Unternehmen gibt es hierzu allerdings keine Stellungnahme, auch scheint fraglich, ob der italienische Rivale seine französische Tochter überhaupt verkaufen will.

Das Schweizer Biotechnologieunternehmen Actelion und der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson verhandeln wieder über eine strategische Transaktion. Laut „Reuters“ war zuletzt der französische Pharmakonzern Sanofi stark an einem Deal mit Actelion interessiert. Medienberichten zufolge wollte Sanofi bis zu 30 Milliarden Dollar für Actelion bieten. Durch die neuen exklusiven Verhandlungen zwischen Johnson & Johnson und Actelion ist Sanofi erst einmal aus dem Rennen.

Der IT-Dienstleister Cancom hat seine Tochtergesellschaft NSG GIS an CPU Softwarehouse verkauft. NSG GIS befasst sich mit Personaldienstleistungen in der IT-Branche. Über die Details des Deals ist nichts bekannt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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