Bei TLG und Aroundtown stehen alle Zeichen auf Zusammenschluss. Es könnte die Milliardenfusion am Immobilienmarkt werden.

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06.09.19
Deals

M&A-Deals: TLG Immobilien, ThyssenKrupp, ProSiebenSat.1

Am M&A-Markt bahnt sich eine Milliardenfusion an, ThyssenKrupp ändert offenbar die Pläne für die Aufzugsparte, und ProSiebenSat.1 stellt die Produktionstochter ins Schaufenster: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

TLG Immobilien und Aroundtown ebnen Weg für Fusion

In der Immobilienbranche bahnt sich eine Milliardenfusion an: TLG Immobilien beteiligt sich mit 9,99 Prozent an dem Luxemburger Wettbewerber Aroundtown. Für die Anteile an dem wesentlich größeren Rivalen bezahlen die Berliner über 1 Milliarde Euro an Avisco. Die Beteiligung des einzigen Aroundtown-Großaktionärs, hinter dem der israelische Geschäftsmann Yakir Gabay steht, sinkt nach dem Verkauf auf 17 Prozent.

Neben dem Anteilskauf hat Avisco mit TLG auch eine Optionsvereinbarung abgeschlossen: TLG hat für weitere 4,99 Prozent der Anteile ein Erwerbsrecht, Avisco ein Verkaufsrecht. Die Option darf vorbehaltlich einiger Bedingungen, wie kartellrechtlicher Freigaben, bis Ende Februar 2020 gezogen werden.

Rund 700 Millionen Euro des Kaufpreises zahlt TLG in bar, den Rest finanziert der Immobilienkonzern über eine Linie, die Avisco zur Verfügung stellt. Zudem tritt das kleinere Unternehmen TLG aus steuerlichen Gründen bei den Verhandlungen als bietende Gesellschaft auf. Der Einstieg von TLG bei dem im MDax-gelisteten Wettbewerber ebnet den Weg für einen Zusammenschluss der beiden Immobilienunternehmen. Der nächste Schritt ist ein Einzug von TLG in den Verwaltungsrat von Aroundtown.

ThyssenKrupp will Aufzugsparte offenbar doch verkaufen

ThyssenKrupp wechselt offenbar den Kurs bei den Plänen für seine Aufzugsparte. Ursprünglich wollte der Industriekonzern die Sparte an die Börse bringen – dem „Handelsblatt“ zufolge forciert er nun doch einen Verkauf: Das Thyssen-Management habe in den vergangenen Tagen Briefe an potenzielle Interessenten geschrieben, mit der Aufforderung zur „zeitnahen“ Abgabe eines Kaufangebots, so die Wirtschaftszeitung. Die Essener gaben an, Interessensbekundungen potenzieller Käufer zu prüfen. Dem „Handelsblatt“ sagte ein Thyssen-Sprecher, es sei bereits ein strukturierter Prozess für die Bewertung von Angeboten eingeleitet worden.

Mit diesem Richtungswechsel wird der geplante Börsengang immer unwahrscheinlicher. Sollte es tatsächlich zu einem Verkauf der Sparte kommen, stünden angeblich schon mehrere Finanzinvestoren, aber auch Wettbewerber von ThyssenKrupp bereit. Weil der Aufzugsparte großes Interesse nachgesagt wird, rechnen Marktbeobachter mit Geboten im Bereich von 15 Milliarden Euro.

Trennt sich ProSiebenSat.1 von Red Arrow?

ProSiebenSat.1 stellt die Zukunft der Produktionstochter Red Arrow Studios auf den Prüfstand: Wie das Medienportal DWDL zuerst berichtete, wollen die Münchener Red Arrow veräußern. Der Verkaufsprozess, mit dem die US-Investmentbank Morgan Stanley betraut sei, laufe bereits. Der Sender bestätigte dem Medienportal den angestoßenen Verkaufsprozess – dessen Ausgang sei jedoch offen. Investoren könnten nun bis zum Freitag der kommenden Woche ihr Interesse bekunden.

Bei einem für ProSiebenSat.1 angemessenen Preis sollen die Münchener offenbar bereit sein, sich fast vollständig von ihrer Produktionstochter zu trennen. Dem Bericht zufolge bleiben die deutsche Produktionsfirma Redseven Entertainment sowie das Digitalstudio Studio71 aber im Konzern. Zwar gehören die Red Arrow Studios neben der Digitalsparte Nucom zu den Wachstumstreibern von ProSiebenSat.1 – trotzdem findet sich die Produktionstochter offenbar nicht mehr in der langfristigen Strategie des Senders wieder.

Bafin gibt Startschuss für Osram-Bieterkampf

Das Bieterrennen um Osram ist eröffnet: AMS hat von der Finanzaufsicht Bafin grünes Licht für ein offizielles Osram-Übernahmeangebot erhalten. Das teilte der österreichische Chiphersteller in dieser Woche mit. Nun müssen sich die Osram-Aktionäre zwischen der Offerte von AMS und dem Angebot der Private-Equity-Investoren Bain und Carlyle entscheiden: Beide Angebote laufen bis zum 1. Oktober. Aufgrund des zugelassenen Konkurrenzangebots von AMS wird die erste Offerte der US-Finanzinvestoren, die am 5. September endete, automatisch verlängert. Sollte es zu einer Übernahme durch AMS kommen, könnte Osram zerschlagen werden, daher stellte sich die Gewerkschaft IG Metall in dieser Woche erneut gegen die Pläne der Österreicher.

Berater-News

WTS verstärkt seinen Beratungsbereich: Zu dem Steuerberatungs- und Financial-Advisory-Haus wechseln Markus Groß von Baker Tilly und Thomas Haugg von Deloitte Consulting. Beide kommen mit jeweils kleinen Teams neu an Bord. Groß und sechs weitere Kollegen wechseln zu den Standorten in München und Frankfurt der M&A-Beratung FAS, die 2017 von WTS übernommen wurde. Haugg und zwei weitere Neuzugänge wechseln nach Berlin, Köln und Stuttgart.

Beförderung für Dirk Damegger: Wie aus einem Jobportal hervorgeht, verstärkt der M&A-Berater als Head of Consumer & Retail seit Anfang des Monats Lincoln International. Zuvor arbeitete Damegger nach eigenen Angaben knapp zwei Jahre als Managing Director bei dem Konkurrenten Raymond James, ebenfalls im Segment Consumer & Retail. Davor war er seinem Profil zufolge unter anderem für die IKB, das Corporate & Investment Banking der französischen Société Générale sowie die Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim tätig.

Weitere Meldungen

Armira beteiligt sich an Boxine, einem Hersteller und Händler von Audiosystemen für Kinder. Neben der Münchener Industrieholding beteiligen sich auch weitere Investoren, wie das Family Office der Hexal-Gründerfamilie Strüngmann, an der Transaktion. Die Boxine-Gründer Patric Faßbender und Marcus Stahl bleiben als geschäftsführende Gesellschafter für das operative Geschäft verantwortlich. Armira wurde von der Anwaltskanzlei CMS (Federführung: Hendrik Hirsch und Tobias Schneider) bei der rechtlichen Due Diligence, den Vertragsverhandlungen sowie den Verhandlungen mit W&I-Versicherern beraten.

Riverside
steigt bei Toolport ein: Der Private-Equity-Investor sichert sich Anteile des Onlinehändlers von Profizelten sowie Zubehör- und Ersatzteilen. Im Rahmen des Zukaufs will Riverside die internationale Präsenz des Norderstedter Unternehmens ausbauen. Das neue Portfoliounternehmen sei dem Finanzinvestor zufolge ein weiteres Beispiel für Investments in den Bereich „Specialty Manufacturing & Distribution“. Eigenen Angaben nach hat das Private-Equity-Haus seit der Gründung des Segments bereits in 80 Unternehmen in dem Bereich investiert. Die Höhe des Investments sowie der erworbenen Anteile nannte Riverside nicht.

VW
beteiligt sich minderheitlich an Seereal Technologies, einem Spezialisten für 3D-Holografie mit Sitz in Dresden und Luxemburg. Über die genaue Höhe der Beteiligung sowie den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Der Einstieg bei Seereal verhilft den Wolfsburgern zu einem besseren Zugang zu Augmented-Reality-Anzeigetechnologien im Auto. Zwischen den beiden Unternehmen besteht bereits seit Ende 2018 eine Forschungskooperation. VW wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Arqis (Federführung: Lars Laeger) sowie der Rechtsanwaltskanzlei Held Jaguttis beraten.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und das Kölner Unternehmen Athletia gründen das Start-up Ryghts: Das Joint-Venture soll im Rahmen des Programms „DFL for Equity“ künftig illegale Übertragungen von Fußballspielen über das Internet aufspüren und eindämmen. Athletia ist auf die Aufspürung und Löschung illegaler Aufzeichnungen im Internet und auf Social-Media-Plattformen spezialisiert. An dem Gemeinschaftsunternehmen hält die DFL 15 Prozent der Anteile. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. PwC Legal (Federführung: Gerhard Wacker) und PwC haben die DFL bei der Beteiligung rechtlich und wirtschaftlich beraten.

E.on
treibt einen Squeeze-out voran: Im Rahmen der Innogy-Übernahme hat sich der Energiekonzern 90 Prozent der Anteile gesichert. Damit ist die Bedingung für die Abfindung der übrigen freien Aktionäre gegeben. E.on will nun „so schnell wie möglich die in den letzten Monaten mit Innogy gemeinsam erarbeiteten Integrationspläne umsetzen“. Die Preisspanne schätzte E.on-CEO Johannes Teyssen auf Nachfrage der Agentur „Dow Jones Newswire“ zwischen 42 und 43 Euro je Aktie ein, Abweichungen eingeschlossen.

Hellman & Friedman rudern zurück: Die beiden Private-Equity-Investoren haben ihr Aktienpaket an Scout24 wieder verkauft. Damit ziehen sich die Private-Equity-Häuser nach der gescheiterten Übernahme wieder vollständig aus ihrem Investment zurück. Das 6,7 Millionen Papiere schwere Aktienpaket veräußerten die Investoren für 348 Millionen Euro an institutionelle Investoren. Umgerechnet sind das 52 Euro je Scout24-Aktie. Geboten hatten Hellman & Friedman Ende März 46 Euro je Scout24-Anteilsschein.

Continental investiert in den Bereich Künstliche Intelligenz: Der Automobilzulieferer erwirbt eine Minderheitsbeteiligung an dem israelischem Softwareunternehmen Cartica AI. Zu der Beteiligungshöhe oder dem Kaufpreis machten die Hannoveraner keine Angaben. Mit dem Zukauf will der Automobilzulieferer die Produktentwicklung im Bereich der Objekterkennung beschleunigen.

Die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement (HGV) erwirbt die restlichen 74,9 Prozent der Anteile an dem Hamburger Fernwärmenetz des Energiekonzerns Vattenfall. Für die Anteile bezahlt die Beteiligungsholding der Hansestadt Hamburg auf der Basis des vereinbarten Mindestkaufpreises von 950 Millionen Euro einen Kaufpreis von 625 Millionen Euro. Die Transaktion erfolgt dabei durch die Ausübung einer Kaufoption. Die Anwaltskanzlei Allen & Overy (Federführung: Helge Schäfer und Rüdiger Klüber) hat die HGV bei dem Deal unterstützt.

Der französische Energiekonzern Engie übernimmt das Berliner Start-up Mobisol. Das Unternehmen, das B2C-Solaranlagen überwiegend für den afrikanischen Markt herstellt, wird im Rahmen der Insolvenz in Eigenverwaltung veräußert. Die Berliner hatten im April dieses Jahres einen Insolvenzantrag gestellt. Transaktionsdetails des Deals, der noch der Zustimmung der Kartellbehörden in Tansania bedarf, sind nicht bekannt. Die Wirtschaftskanzlei Dentons mit dem Generalbevollmächtigten Daniel Fritz (Federführung: Clemens Maschke) und Stefan Weniger von der Agentur Restrukturierungspartner jwt haben Mobisol bei der Transaktion beraten. Als Sachwalter agierte Friedemann Schade von der Sozietät BRL Boege Rohde Luebbehuesen.

Friedola Tech gehört nun zu Blue Cap: Die Industrieholding hat den Leichtbau-Kunststoffproduzenten vollständig übernommen. Mit der Übernahme wollen die Unternehmen sich stärker auf ihr Kerngeschäft, unter anderem mit der Marke Con-Pearl fokussieren. Stephens Europe und Rödl & Partner (Federführung: Cyril Prengel, Florian Kaiser und Frank Breitenfeldt) haben die Mehrheitsgesellschafter von Friedola Tech, die Con Peal Acquisitions, beim Verkauf beraten.

Der digitale Unternehmensfinanzierer Kapilendo übernimmt die Bankingplattform Wevest Digital. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Mit der Übernahme erweitern die Berliner ihr Dienstleistungsangebot um digitale Wertpapieremissionen und Investmentservices.

Vöb
übernimmt Safir mehrheitlich: Der Bonner Dienstleister ist jetzt mit 51 Prozent an dem Förderbanken-Softwareanbieter mit Sitz in Berlin beteiligt. Safir-Gründer und Geschäftsführer Thilo Kind hält die restlichen 49 Prozent. Einen Kaufpreis nannte Vöb nicht.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals. Hinweise zur Bewertung im Rahmen von Transaktionen liefern unsere neuen FINANCE-Multiples, die Sie auch in der aktuellen FINANCE-Herbstausgabe finden.