M&A-Deals: Nach dem Verkauf von Hotelbeds will sich der Reisekonzern Tui auch von seinen Spezialveranstaltern trennen.

Tui

13.05.16
Deals

M&A-Deals: Tui, SGL Carbon, Voith

Tui will den nächsten Geschäftsbereich verkaufen, SGL Carbon plant das Graphitelektrodengeschäft abzuspalten und der Maschinenbauer Voith veräußert seine Servicesparte an Triton. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Tui plant nächsten M&A-Deal

Der Touristikkonzern Tui will nach dem Verkauf von Hotelbeds mit der Specialist Group seine nächste Sparte veräußern. In dem Geschäftsbereich sind Spezialveranstalter zusammengefasst. Dafür soll sich im Herbst ein Käufer finden. So will Tui sich weiter auf sein Kerngeschäft konzentrieren, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Zwei der Veranstaltermarken – Cristal Ski und Thomson Lakes & Mountains – will Tui jedoch behalten. Diese tragen demnach zur Auslastung der Flugzeugflotte im Winter bei.

SGL Carbon plant Verkauf der Sparte PP

SGL Carbon kommt beim geplanten Verkauf der Graphitelektrodensparte „Performance Products“ offenbar voran. SGL Carbon hatte im vergangenen Sommer angekündigt, sein Kerngeschäft abspalten zu wollen. Zurzeit sollen Gespräche mit potentiellen Käufern stattfinden, zu denen neben PE-Häusern auch strategische Investoren zählen.

CFO Michael Majerus hat mit dem M&A-Prozess die HSBC und die Deutsche Bank betraut, wie FINANCE erfuhr. Bis ein Käufer gefunden ist, wird es allerdings noch etwas dauern. In vier bis sechs Wochen wolle man das Feld der Kaufinteressenten eingeengt haben.

Triton kauft Servicesparte von Voith

Der PE-Investor Triton erwirbt die Dienstleistungssparte Industrial Services des Anlagen- und Maschinenbauers Voith. Das Private-Equity-Haus beteiligt sich mit 80 Prozent an der Sparte, die einen Jahresumsatz von 1 Milliarde Euro erzielt.

Wie viel Triton für die Servicesparte zahlt, hat Voith nicht bekanntgegeben. Allerdings wurden zuletzt 350 Millionen Euro kolportiert. Der M&A-Deal muss noch von den Kartellbehörden freigegeben werden. Bei der Finanzierung hat die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins die Käuferseite beraten. Das Team leitete Alexandra Hagelüken. Für die finanzierenden Banken Commerzbank, DZ Bank, Erste Group Bank, IKB Deutsche Industriebank, ING-DiBa, Landesbank Baden-Württemberg, Raiffeisen Bank International, Swiss Re International, UniCredit Bank und Zurich Insurance wurden durch White & Case beraten.

Altium und GCA Savvian schließen sich zusammen

Das M&A-Beratungshaus Altium und die Investmentbank GCA Savvian fusionieren. Damit geht die Konsolidierungswelle unter den M&A-Beratern weiter. Das gemeinsame Unternehmen soll mit rund 370 Mitarbeitern einen Honorarumsatz von über 185 Millionen US-Dollar erzielen. Da Altium weniger Mitarbeiter und Umsatz einbringt, hält die M&A-Beratung nur 30 Prozent an dem fusionierten Unternehmen, das in Europa GCA Altium und global GCA heißen soll. Das neue Unternehmen will in Zukunft auch größere Deals ins Visier nehmen. Altium war bisher vor allem auf den Mid-Cap-Bereich spezialisiert.

M&A-Personalien

Die Kanzlei Herbert Smith Freehills hat Sönke Becker von Baker & McKenzie abgeworben. Der 44-Jährige, der dort bislang die Praxisgruppe M&A für die Region EMEA leitete, wechselt in das Düsseldorfer Büro von Herbert Smith Freehills. Becker war seit 2007 bei Baker & McKenzie beschäftigt. Zuvor arbeitete er für die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller.

Die Wirtschaftskanzlei Dentons hat dem Konkurrenten Norton Rose Fulbright drei Anwälte abgeworben. Alexander von Bergwelt wird das neue Dentons-Büro in München leiten. Er ist auf PE-Deals, Joint Ventures und Restrukturierungen spezialisiert. Auch die Partner Michael Malterer und Igsaan Varachia werden Gründungspartner der Münchener Niederlassung. Während Malterer im M&A-Bereich tätig ist, berät Varachia zum Gesellschafts- und Steuerrecht.

Lutz Glandt wechselt zum M&A-Berater Allert & Co, wo er Mitglied im Beirat wird. Zuletzt war der 60-jährige Glandt Bereichsvorstand bei der Deutschen Post World Net sowie Geschäftsführer der WAZ-Gruppe. Zu seinen früheren Karrierestationen zählen Gruner + Jahr, Madsack und Holtzbrinck.

Weitere M&A-Deals

Das Verlagshaus Bastei Lübbe kauft dem Branchenkollegen Egmont Publishing International die Belletristikmarke LYX ab. Zudem erwirbt Bastei Lübbe mit INK ein weiteres Label von Egmont. Details des Deals sind nicht bekannt.

Die Containerreederei Hapag-Lloyd bereitet eine Allianz mit fünf asiatischen Reedereien vor. Der Verbund mit der südkoreanischen Hanjin, den japanischen Reedereien "K"-Line, Nippon Yusen und Mitsui sowie der taiwanesischen Reederei Yang Ming soll ab April 2017 die Ost-West-Fahrtgebiete abdecken. Die Zusammenarbeit soll zunächst fünf Jahre laufen und den Hamburgern Kosten- und Umsatzsynergien einbringen.

Hal Investments hat den Hörakustikhändler AudioNova International für 830 Millionen Euro an Sonova verkauft. AudioNova tritt in Deutschland unter der Marke Geers auf. Der M&A-Deal muss noch von den Kartellbehörden freigegeben werden. Der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte erwartet. Hal Investments wurde durch Hengeler Mueller und die Kanzlei De Brauw Blackstone Westbroek unter Leitung von Thomas Meurer beraten.

Der Zahlungsverkehrsdienstleister Concardis übernimmt das Unternehmen ICP International Cash Processing (ICP). Das Bundeskartellamt muss dem Deal noch zustimmen. ICP hatte King & Wood Mallesons unter Federführung von Michael Cziesla als Berater mandatiert.

Der Industriekonzern Georg Fischer kauft über seine US-Sparte Machining Solutions den amerikanischen Laserspezialisten Microlution. Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 10 Millionen US-Dollar.

Syngis plant die Übernahme des britischen Proteomik-Unternehmens Expedeon Holdings. Finanziert werden soll der M&A-Deal über eine Kapitalerhöhung um bis zu 20,5 Millionen Euro. Etwa 80 Prozent der neuen Aktien sollen von Expedeon-Aktionären gegen Sacheinlage gezeichnet werden. Der erwartete Erlös in Höhe von bis zu 5 Millionen Euro soll unter anderem für eine Barausgleichszahlung in Höhe von 1,7 Millionen Euro an die Expedeon-Aktionäre verwendet werden. Partner Thorsten Kuthe von Heuking Kühn Lüer Wojtek beriet Syngis federführend.

Perusa Partners hat sämtliche Anteile an der GB Medical Technologies Group und dem operativen Tochterunternehmen GB Implantat-Technologie an AC Pio veräußert. Als M&A-Berater hatte Perusa Partners Lincoln International mandatiert.

Das Schweizer Medizintechnikunternehmen GraceNT hat den Geschäftsbereich Ganzheitliche Medizintechnik von dem österreichischen Medizinproduktehersteller Mechtler Gesundheitstechnik erworben. Der Kauf soll im zweiten Quartal abgeschlossen werden. Die Sparte soll in den Bereich Mental Fitness integriert werden.

Die Holding JAB der Familie Reimann übernimmt über die Tochter JAB Beech die US-amerikanische Fastfoodkette Krispy Kreme Doughnuts für 1,35 Milliarden US-Dollar. In diesem Zuge zahlt JAB 21 US-Dollar je Aktie. Zudem will die Milliardärsfamilie die Kette von der Börse nehmen. Der M&A-Deal soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. JAB Beech hatte Barclays und BDT & Company sowie Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom als Berater mandatiert. Krispy Kreme wurde bei der Transaktion durch Wells Fargo Securities, Simpson Thacher & Bartlett sowie Womble Carlyle Sandridge & Rice beraten.

Die Schweizer Bio Development Holding (BDH) hat im Rahmen einer Kapitalerhöhung eine Beteiligung von 39,9 Prozent an dem Bio-Supermarkt Bio Company mit Sitz in Berlin erworben. Die bisherigen Alleingesellschafter Georg Kaiser und Hubert Bopp-Kempf halten auch künftig die Mehrheit der Anteile. Beraten wurde die Bio Company Gruppe bei der Transaktion durch Rödl & Partner unter Federführung von Oliver Schmitt. Für BDH war PwC Legal unter Leitung von Moritz Gröning tätig. Zudem beriet Rödl & Partner auch zum M&A-Projektmanagement, wobei Björn Stübiger das Team leitete.

Der PE-Investor HgCapital hat über seinen Mercury Trust in die STP-Gruppe investiert, die Rechtsanwaltssoftware anbietet. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Als Berater hatte HgCapital die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins unter Federführung von Oliver Felsenstein beauftragt.

Das Beteiligungsunternehmen The Gores Group hat die Hay Group, einen Hersteller von Motor- und Getriebeteilen, veräußert. Käufer ist das japanische Familienunternehmen Musashi Seimitsu Industry. Hay erzielt einen Jahresumsatz von rund 600 Millionen Euro. Die Wettbewerbshüter müssen dem Verkauf noch zustimmen. Als Berater war die Kanzlei Linklaters tätig, die Feder führte Ralph Drebes.

Der schwedische Netzteilhersteller Powerbox übernimmt über seine deutsche Tochter den deutschen Branchenkollegen Eplax sowie das Schwesterunternehmen Powerselect. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Beraten wurde Powerbox bei der Akquisition durch die Wirtschaftskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek unter Federführung von Jörg Schewe.

Der von Orlando Management beratene Fonds Special Situations Venture Partners II plant den Erwerb des Innight-Geschäfts von TNT in Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden. Die Transaktion ist als gemischter Asset und Share Deal gestaltet. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Beraten wurde die Käuferseite durch DLA Piper unter Federführung von Dominik Stühler und Kai Terstiege.

Die Druckhaus Bayreuth Verlagsgesellschaft, die Laurent Fischer und der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft gehört, hat die Zeitungsgruppe Nordbayerischer Kurier komplett übernommen. Mit dem M&A-Deal erwirbt das Druckhaus Bayreuth die verbliebenen 37,5 Prozent, die bislang der Eigentümerfamilie Ellwanger gehörten. Das Bundeskartellamt hat der Übernahme zugestimmt. Als Berater waren die Kanzlei Orrick, Herrington & Sutcliffe unter Leitung von Till Steinvorth sowie die Kanzlei Freshfields, Bruckhaus, Deringer für das Druckhaus Bayreuth tätig.

In diesem Jahr haben bislang so wenig ausländische Käufer M&A-Deals in Deutschland abgeschlossen wie zuletzt 1999. Insgesamt sind in den ersten vier Monaten 14,9 Milliarden US-Dollar in deutsche M&A-Targets investiert worden. Die größte in diesem Jahr angekündigte Transaktion mit einem deutschen Übernahmeziel ist der Verkauf des deutschen Braunkohlegeschäfts von Vattenfall.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.