M&A-Deals: Medienberichten zufolge sucht VW nach einem Käufer für die niederländische Tochter VDM. Es gibt schon Interessenten.

Volkswagen

13.03.15
Deals

M&A-Deals: VW, Rocket Internet, Schmolz+Bickenbach

Rocket Internet baut weiterhin auf Essenlieferanten und erhöht seine Beteiligung an Delivery Hero und Foodpanda. VW sucht offenbar einen Käufer für die niederländische Tochter VDM und Schmolz+Bickenbach startet einen zweiten Versuch, um seine Distributionseinheiten zu verkaufen. Die M&A-Deals, M&A-News und Personalien der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

VW sucht offenbar Käufer für niederländische Tochter

Volkswagen will offenbar seinen Anteil am niederländischen Flottenmanagement-Unternehmen LeasePlan verkaufen. Medienberichten zufolge sei VW mit dem Bankier Friedrich von Metzler in Gesprächen über den Verkauf der Anteile. Beide halten jeweils 50 Prozent am Unternehmen. Laut einem Bericht der Telebörse sei ein Konsortium unter der Führung von PE-Investor TDR Capital kurz vor dem Einstieg. Die Rede ist von einem Kaufpreis von über 3 Milliarden Euro. Ein von VW angeführtes Konsortium hatte LeasePlan im Jahr 2004 für 2 Milliarden Euro von der niederländischen Bank ABN Amro übernommen. 2009 war auch noch Metzler eingestiegen.

Wacker Chemie will Siltronic abspalten

Das Münchner Chemieunternehmen Wacker Chemie will seine Tochter Siltronic, einen Wafer-Hersteller mit viel Geschäft in der Halbleiterindustrie, abspalten. Dazu würden verschiedene Optionen erwogen, gab das Unternehmen bekannt. Laut Handelsblatt soll die Investmentbank Rothschild als Berater von Wacker mandatiert worden sein. Denkbar sei eine strategische Partnerschaft mit einem Unternehmen genauso wie der Einstieg eines Investors oder ein IPO. Grund für die Spin-off-Überlegungen sei die hohe Kapitalintensität, die das Geschäft von Siltronic mit sich bringt.

DMG Mori Seiki bessert Gildemeister-Angebot nach

DMG Mori Seiki hat das Angebot für die Übernahme des deutschen Maschinenbauers Gildemeister (inzwischen DMG Mori Seiki AG) erneut nachgebessert. Bereits vergangenen Woche hatte der japanische Kooperationspartner das Angebot von 27,50 Euro auf 30 Euro aufgestockt. Jetzt liegt es bei 30,55 Euro. Gleichzeitig hat DMG Mori Seiki die geforderte Mindestannahmeschwelle von 50 auf 40 Prozent gesenkt. DMG Mori Seiki hatte zuletzt selbst außerbörslich Aktien zugekauft und damit die Hürde von 40 Prozent überwunden. 

Rocket Internet investiert weiter in Online-Bestellservice

Rocket Internet baut seine Beteiligung an Essenslieferanten aus. Der Inkubator erhöht seinen Anteil an Delivery Hero auf fast 40 Prozent durch die Einbringung des kürzlich erworbenen Essenslieferdienstes Talabat sowie durch den Erwerb von Anteilen bestehender Delivery-Hero-Investoren für 52 Millionen Euro. Außerdem hat Rocket seinen Anteil an Foodpanda auf rund 51 Prozent ausgebaut und sich mit 37 Millionen Euro an einer Finanzierungsrunde beteiligt. Rocket plant zudem seine 11,4 Prozent-Beteiligung an Yemeksepeti, einem Essenlieferdienste in der Türkei, in die Global Online Takeaway Group einzubringen. Rocket Internet hatte Anfang Februar mehr als eine halbe Milliarde Euro in Essenslieferanten gepumpt und die Global Online Takeaway Gruppe gegründet. 

Schmolz+Bickenbach versucht Distributionseinheiten zu verkaufen

Der Schweizer Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach hat wieder Verkaufsgespräche für die Distributionseinheiten in Deutschland, Belgien und den Niederlanden aufgenommen. Ein erster Versuch scheiterte im Dezember, weil die Kaufpreisangebote „nicht den Wert der Aktivitäten widerspiegeln“ würden, wie es damals hieß. Die betreffenden Einheiten gehören zur Division Sales & Services und vertreiben werksfremde Produkte. Sie entsprechen damit „nicht mehr der in 2013 ausgearbeiteten Ausrichtung der Schmolz+Bickenbach Gruppe auf die Produktion und den Vertrieb werkseigener Produkte“, sagte der Konzern. 2014 hatten sie einen Umsatz von 600 Millionen Euro und beschäftigten 1.000 Mitarbeiter. 

Zalando-Investoren verkaufen Anteile

Teilausstieg bei Zalando: Im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens haben einige Großinvestoren ihre Zalando-Aktien an der Börse platziert. Insgesamt wurden 18 Millionen Aktien zu 23,75 Euro pro Stück platziert. Morgan Stanley, Goldman Sachs und Credit Suisse waren mandatiert. Die Verkäufer waren unter anderem Holtzbrinck Ventures sowie Al European Holdings und auch die Samwer-Brüder haben Aktien abgegeben. Kinnevik Internet hat hingegen nicht verkauft.

M&A-Personalien

Der M&A-Berater Jörg Tybussek ist bei der paneuropäischen Corporate-Finance-Beratung Leonardo aufgestiegen und Managing Director geworden. Er kam 2013 von Canaccord Genuity zu Leonardo, wo er vor allem Deals aus dem Konsumgüterbereich bearbeitete. Davor war er als Director im Consumer- und Retail-M&A-Team der HSBC tätig.

Der deutsche M&A-Chef bei JP-Morgan Dirk Albersmeier wird künftig zusammen mit dem Briten David Lomer für das M&A-Geschäft in der EMEA-Region verantwortlich sein. Albersmeier ist seit 2005 Chef des M&A-Geschäfts für Deutschland und Österreich. In der Vergangenheit hat er beispielsweise die Deutsche Annington beim Kauf der Gagfah beraten.

Der M&A-Berater Kai Ingo Seidel wechselt nach 15 Jahren bei DC Advisory zu Lincoln International. Er übernimmt im Frankfurter Büro die Leitung der Industriegruppe Healthcare für die DACH-Region sowie Belgien, Niederlande und Luxemburg. Seidel begleitete bei DC Advisory Kunden in der Healthcare-Branche bei Unternehmensverkäufen, Akquisitionen, Carve-outs sowie Finanzierungen.

Weitere M&A-Deals

Das Waggonvermiet- und Schienenlogistikunternehmen VTG beteiligt sich an Übernahme der Güterwagen der slowakischen Bahn ZSSK Cargo. 34 Prozent der Anteile verbleiben bei der ZSSK Cargo, VTG sowie eine Investorengruppe übernehmen jeweils 33 Prozent. Beide Partner investieren zusammen rund 7 Millionen Euro in das Eigenkapital der Gesellschaft.

Bill Gates investiert in ein deutsches Unternehmen: Der reichste Mann der Welt pumpt über die Bill and Melinda Gates-Stiftung 52 Millionen US-Dollar (46 Millionen Euro) in den Tübinger Impfstoff-Spezialisten Curevac und hält damit rund 6 Prozent an dem Unternehmen. Außerdem investiert er eine unbekannte Summe in die Entwicklung und klinische Erprobung von bei Curevac entwickelten Impfstoffen. Beraten wurde Curevac von Baker & McKenzie, federführend war Constanze Ulmer-Eilfort.

Für die Thyssen-Krupp-Tochter VDM scheint es einige Interessenten zu geben. Dem Handelsblatt zufolge gebe es drei Bieter, darunter den Luxemburger Stahlkonzern Aperam, den Finanzinvestor Lindsay Goldberg Vogel und den ehemaligen Schmolz+Bickenbach-Chef Benedikt Niemeyer. Ende September gab Thyssen-Krupp bekannt, nochmal einen Verkaufsversuch für seine Tochter starten zu wollen, nachdem der Konzern sie wieder von der finnischen Outokumpu zurücknehmen musste.

Der PE-Investor CVC Capital Partners hat 18 Millionen Aktien an Evonik Industries verkauft. Das Volumen liegt bei 525 Millionen Euro. Beraten wurde CVC dabei von einem Freshfields-Team um Rick van Aerssen. Die Aktien wurden im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens bei institutionellen Investoren platziert. Nach Abschluss der Transaktion hält CVC noch rund 14 Prozent am Grundkapital von Evonik. Der Investor war 2008 eingestiegen.

Der Nahrungsmittelkonzern Dr. Oetker hat den Götterspeise-Hersteller D‘Gari in Mexiko übernommen. Zum Kaufpreis ist nichts bekannt. Das mexikanische Unternehmen beschäftigt rund 600 Mitarbeiter. Oetker hat erst vergangene Woche den Tiefkühltortenhersteller Coppenrath & Wiese übernommen.


Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen darf den US-Anbieter TRW nur dann übernehmen, wenn die Sparte Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Fahrgestellteilen von TRW verkauft wird. Das entschied jetzt die EU-Kommission. ZF habe sich bereits verpflichtet, diese Auflage einzuhalten. ZF Friedrichshafen kauft TRW für rund 13 Milliarden Dollar.

Der Münchener PE-Investor Paragon hat das Geschäft mit Hygiene- und Desinfektionslösungen („Anti Germ International“) sowie Wasseraufbereitungslösungen („Medentech“) von BK Giulini mit Sitz in Ludwigshafen übernommen. In den ausgegliederten Unternehmensteilen arbeiten rund 400 Mitarbeitern an 11 Standorten weltweit. Beraten wurde der Investor von Mazars, federführend war Claus Buhmann.

Der Immobilienspezialist Becken und der Asset und Investment Manager MPC Capital wollen zukünftig auf dem deutschen Immobilienmarkt enger zusammenarbeiten und gründen ein Joint Venture.  Ziel der Kooperation ist die Strukturierung von regulierten Investmentfonds mit einer Core/Core Plus Investmentstrategie mit dem Schwerpunkt auf Büroimmobilien in Deutschland.

Der PE-Investor Palero Capital hat Felina International, einen Schweizer Unterwäschehersteller, erworben. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Palero wurden von @Visory beraten.

julia.becker[at]finance-magazin.de

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