Weber Automotive ist wieder in Familienhand. Die Streitigkeiten mit dem PE-Investor Ardian sind aber immer noch nicht beigelegt.

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15.05.20
Deals

M&A-Deals: Weber Automotive, Wella, ProSiebenSat.1

Die Gründerfamilie holt sich Weber Automotive zurück, KKR übernimmt die Wella-Marken von Coty – und steigt wieder bei ProSiebenSat.1 ein: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Weber Automotive geht an Gründerfamilie zurück

Neustart für Weber Automotive: Wie der insolvente Automobilzulieferer bekannt gab, hat die Gründerfamilie Weber „den maßgeblichen Teil“ der Weber Automotive Gruppe im Rahmen eines Asset Deals zurückgekauft. Der Private-Equity-Investor Ardian bleibt weiterhin Eigentümer der verbleibenden Assets. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet Weber Automotive „erst in einigen Wochen“.

Teil des M&A-Deals sind die Produktionsstandorte in Markdorf am Bodensee, im baden-württembergischen Neuenbürg und in Bernau bei Berlin. Auch die Anteile an Weber Magdeburg sowie Beteiligungen in den USA und Ungarn gehören künftig wieder der Familie Weber. Für die saarländische Weber-Tochter Saarotec wollen die Insolvenzverwalter eine „unabhängige Einzellösung“ finden. Alle übernommenen Vermögensgegenstände werden in eine neue Gesellschaft eingebracht, die künftig unter dem Namen Albert Weber GmbH firmiert.

Führen wird die neue Gesellschaft Martin Bleimehl, der derzeit das Werk des Gruppenunternehmens Saarotec leitet. Die Weber Holding wird künftig Roger Breu führen, er war unter anderem Geschäftsführer des Autozulieferers Schweizer Group. Die Insolvenz des baden-württembergischen Automobilzulieferer hatte im vergangenen Sommer einen Streit zwischen der Familie Weber und Ardian entfacht – es folgte eine Strafanzeige durch den Finanzinvestor. Die Ermittlungen dauern noch an.

KKR kauft Coty-Haarpflege um Wella

Coty verkauft einen Mehrheitsanteil seines Wella-Haarpflegegeschäfts an KKR: Wie der US-Kosmetikkonzern der deutschen Milliardärsfamilie Reimann mitteilte, sichert sich der Finanzinvestor 60 Prozent der Anteile an den Marken Wella, Clairol, OPI und Ghd. Die übrigen 40 Prozent verbleiben bei Coty. Die Marken inklusive Schulden werden dabei mit rund 4,3 Milliarden US-Dollar (rund 4 Milliarden Euro) bewertet – demnach könnten Coty aus dem M&A-Deal rund 3 Milliarden Dollar an Barmitteln zufließen, so die Nachrichtenagentur Dpa-Afx. Coty könne durch den Verkauf seine Schulden „bedeutend senken“, so die Agentur weiter.

Die beiden Parteien gehen zudem eine strategische Partnerschaft ein, bei der Coty für 750 Millionen Dollar (rund 693 Millionen Euro) eigene Aktien an KKR verkauft. Coty hatte die Sparte Professional Beauty“ im Oktober vergangenen Jahres ins Schaufenster gestellt. Dem Konsumgüterkonzern Henkel wurde auch Interesse an Wella nachgesagt – die Düsseldorfer hatten sich Medienberichten zufolge bis zuletzt im Rennen um das Geschäft befunden. Coty wurde bei dem Verkauf von der Wirtschaftskanzlei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom (Federführung: Jan Bauer, Richard Youle und Katja Butler) rechtlich beraten.

KKR: Wiedereinstieg bei ProSiebenSat.1

KKR ist diese Woche noch ein weiteres Mal auf dem M&A-Markt aktiv gewesen: Der Private-Equity-Investor steigt wieder bei ProSiebenSat.1 ein. Aus einer Stimmrechtsmitteilung des Münchener Medienkonzerns geht hervor, dass KKR nun 5,21 Prozent der Anteile kontrolliert – 3,21 Prozent der Anteile haben dabei eine Stimmberechtigung, weitere 2 Prozent hält der Finanzinvestor indirekt über diverse Finanzinstrumente. Damit hat die Beteiligung – bei der es sich KKR zufolge um ein rein finanzielles Investment handelt – einen Wert von etwas mehr als 110 Millionen Euro.

Für KKR ist es bereits das zweite Investment in ProSiebenSat.1: Der Private-Equity-Investor war bereits von 2006 bis 2014 an dem Münchener Medienunternehmen beteiligt. Das ProSiebenSat.1-Management um CEO und CFO Rainer Beaujean muss sich nun mit drei Großaktionären abstimmen: Neben KKR hält die vor knapp einem Jahr eingestiegene italienische Mediaset ein Aktienpaket von mittlerweile mehr als 24 Prozent an den Münchenern. Auch der tschechische Investor Daniel Kretinsky kontrolliert mit seinem Geschäftspartner Patric Tkac aktuell 10 Prozent der ProSiebenSat.1-Aktien.

Aus für Verkaufsprozess der M-Bank

Die Commerzbank hat den geplanten Verkauf der polnischen Tochter M-Bank abgeblasen: Wie das Frankfurter Geldinstitut bekannt gab, bleibt die M-Bank Teil des Konzerns. Aufgrund der Coronavirus-Krise könne sich die Commerzbank nicht zu „attraktiven Konditionen“ von ihrer Mehrheitsbeteiligung in Höhe von 69,3 Prozent trennen.

„Es ist klar, dass wir ein so wertvolles Asset wie die M-Bank nur dann verkaufen, wenn die Bedingungen stimmen. Das von der Corona-Krise geprägte Kapitalmarktumfeld ermöglicht es uns jedoch nicht, eine attraktive Bewertung zu erzielen, die dem tatsächlichen Wert der M-Bank entspricht “, begründete Finanzchefin Bettina Orlopp. Die Frankfurter hatten ihre polnische Privatkundentochter im September vergangenen Jahres ins Schaufenster gestellt, um den erneuten Konzernumbau finanzieren zu können. Die Strategie „Commerzbank 5.0“ könne jedoch auch ohne den Verkauf umgesetzt werden, so Orlopp.

ThyssenKrupp: Doch keine Lösung für Marine Systems?

ThyssenKrupp äußerte sich Anfang der Woche zu den Gerüchten über die Zukunft seiner Werftentochter Marine Systems (TKMS): Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Bezug auf Aussagen von CFO Klaus Keysberg in einer Analystenkonferenz berichtete, befinde sich der Essener Industriekonzern in informellen Gesprächen über eine Konsolidierung im Werftenbereich. Marine System sei offen für Gespräche über strategische Fragen. Medienberichten zufolge soll ThyssenKrupp eine Fusion seiner Werftentochter mit den Wettbewerbern Lürssen Werft aus Bremen sowie German Naval Yards aus Kiel (GNYK) ausloten.

Nur wenige Tage später gaben die Lürssen Werft und GNYK bekannt, ihre Marinesparten fusionieren zu wollen. Wie das „Handelsblatt“ schreibt, bleibt ThyssenKrupp bei der Fusion aber zunächst außen vor: Die Parteien seien sich nicht „handelseinig“ geworden, schreibt die Zeitung, unter anderem weil TKMS auch im finanziell risikoreichen Unterwassergeschäft aktiv ist. Hinzu kommt, dass die beiden Werften familiengeführt sind – mit ThyssenKrupp treffen die Parteien auf einen börsennotierten Konzern. Dieser Unterschied hätte die Gespräche zusätzlich erschwert, schreibt das Handelsblatt.

Permira verkauft weiteres Teamviewer-Aktienpaket

Permira vergoldet das nächste Teamviewer-Aktienpaket: Wie der britische Finanzinvestor mitteilte, hat er 25 Millionen Aktien zu einem Preis von je 41 Euro bei institutionellen Investoren platziert. Das entspricht einer Summe von mehr als 1 Milliarde Euro. Nach dem Verkauf bleiben Permira noch weitere 39 Prozent der Anteile. Mit den Erlösen aus dem Börsengang sowie dem Anteilsverkauf im März dieses Jahres summiert sich der bisherige Cash-Ertrag für Permira auf fast 4 Milliarden Euro – bei einem Eigenkapitalinvestment von gerade einmal etwas mehr als 400 Millionen Euro.

Berater-News

Die M&A-Beratung Mayland holt Tim Hoffmeister in ihr Team: Zum 1. Juni steigt der M&A-Berater als Executive Partner im Düsseldorfer Büro ein. Bei Mayland soll Hoffmeister gemeinsam mit seinem ehemaligen Kollegen André Zentsch und CEO Matthias Just Beratungsmandate für M&A- und Finanzierungstransaktionen an Land ziehen. Er kommt von der Unicredit, wo er mehr als zehn Jahre tätig war. Bei der Bank verantwortete Hoffmeister zuletzt als Global Head Bond & Loan Syndicate die Umsetzung von Anleihe- und Kreditfinanzierungen. Seine Karriere startete er im Bereich Project Management & Project Finance bei dem Industriekonzern Klöckner.

Weitere Meldungen

Porsche SE nutzt die fallenden Aktienkurse inmitten der Coronakrise und stockt seine VW-Beteiligung leicht auf: Wie das „Handelsblatt“ berichtet, haben die Stuttgarter ihren Anteil am weltweit größten Autokonzern von zuletzt 53,1 auf 53,3 Prozent erhöht. Das im März und April erworbene Aktienpaket hat die Holding 81 Millionen Euro gekostet. Die Gesellschaft, hinter der die Familien Porsche und Piëch stehen, vermeldete zudem einen Gewinneinbruch im ersten Quartal um rund 92 Prozent auf 99 Millionen Euro.

Der staatliche Pensionsfonds Norwegens trennt sich von seinen RWE-Anteilen. Das teilte die norwegische Zentralbank Norges Bank am Mittwoch mit. Neben dem Essener Energieversorger schließe man ebenfalls die Konzerne Sasol, Glencore, AGL Energy und Anglo American wegen des Gebrauchs sowie der Produktion von Kohle aus dem Fonds aus. Über die Höhe der veräußerten Anteile ist nichts bekannt. Aufgrund derselben Richtlinie steht nun das Düsseldorfer Energieunternehmen Uniper – ebenso wie einige weitere Unternehmen – unter Beobachtung. Das „produktbasierte Kohlekriterium“ war im September vergangenen Jahres in Kraft getreten.

Knorr-Bremse verkauft zwei Geschäftsbereiche der britischen Tochter GT Group an die Accedo Group. Der Kaufpreis für die Divisionen „Aldona Seals“ und „Alpha Process Controls“ ist nicht bekannt. GT will sich künftig stärker auf das Kerngeschäft mit Abgasklappensystemen konzentrieren. Die Wirtschaftskanzlei Luther (Federführung: Andreas Blunk) sowie die US-Kanzlei Duane Morris haben Knorr-Bremse bei der Transaktion begleitet. Der Münchener Bremsenhersteller hatte GT 2016 übernommen. Aldona Seals stellt Hydraulikdichtungen und Gummiformteile her, Alpha Process Controls ist auf die Herstellung von technischen Systemen für den sicheren Transfer gefährlicher Chemikalien, Flüssigkeiten und Gase spezialisiert.

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Der Finanzinvestor Ardian übernimmt die Mehrheit am Speicherproduktespezialisten Swissbit. Das Swissbit-Management um Silvio Muschter, Thomas Luft, Vincenzo Esposito und Matthias Poppel werde im Rahmen des Deals „signifikant“ in das Schweizer Unternehmen reinvestieren. Zu finanziellen Details wurden keine Angaben gemacht. Swissbit mit Sitz im Schweizer Bronschhofen wurde 2001 aus einem Management-Buy-out von  Siemens gegründet. Ardian wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Burc Hesse) unterstützt.

Voith gründet mit Moog das Gemeinschaftsunternehmen „HMS Hybrid Motion Solutions“ mit Sitz in Rutesheim: Das Joint-Venture des Heidenheimer Technologiekonzerns und des US-amerikanischen Herstellers von Antriebslösungen dient dem Ausbau des Geschäfts mit hydrostatischen Servoantrieben in verschiedenen Industriemärkten. Die Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons (Federführung: Stephan Ulrich und Martin Gramsch) hat Moog bei dem Deal beraten.

Der Königsteiner Private-Equity-Investor Silver Investment Partners (SIP) kauft Lucien Ortscheit. Der bisherige Eigentümer des Spezialpharmahändlers, die Familie Kloos, bleibt mit einer Minderheit an dem Saarbrückener Unternehmen beteiligt. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Der Firmensitz in Saarbrücken und das Team sollen erhalten bleiben, der bisherige Geschäftsführer verantwortet mittelfristig weiterhin das operative Geschäft. Der Deal erfolgt im Rahmen einer Nachfolgeregelung. Bei dem Zukauf wurde SIP von WMC (Commercial), Rödl & Partner (Financial), KWM Europe (Recht und Steuern) und Taylor Wessing (Finanzierung und Regulatorik) beraten. Die Verkäuferseite wurde von Livingstone Partners (M&A), Orrick, Herrington & Sutcliffe (Recht), Lintz und Welsch & Kollegen (Steuern) begleitet.  

CMP Capital-Management Partners erwirbt im Rahmen einer übertragenden Sanierung den Geschäftsbetrieb von Geti Wilba. Welchen Kaufpreis die Beteiligungsgesellschaft für den insolventen Hersteller von Fleisch- und Tiefkühlprodukten zahlt, ist nicht bekannt. Der Zukauf umfasst die drei deutschen Produktionsstandorte in Cuxhaven und Bremervörde sowie die Anteile an einer österreichischen Beteiligung. Alle rund 550 Arbeitsplätze bleiben erhalten. Die Transaktion, die Anfang Juni dieses Jahres abgeschlossen werden soll, bedarf noch der kartellbehördlichen Freigabe und unterliegt verschiedenen Vollzugsbedingungen. Die Unternehmensberatung Restrukturierungspartner war mit der Investorensuche beauftragt. CMP wurde bei dem Deal von der Kanzlei CMS (Federführung: Eva Annett Grigoleit, Igor Stenzel und Niklas Lütcke) beraten.

Mandarin Capital Partners übernimmt das Kosmetikunternehmen Klapp Cosmetics: Der Private-Equity-Investor hält künftig 85 Prozent der Anteile an dem hessischen Familienunternehmen. Klapp-Gründer Gerhard Klapp bleibt weiterhin am Unternehmen beteiligt, werde sich aber „mit der Zeit“ aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Alle 200 Arbeitsplätze bleiben erhalten. MCP will die Produktion erweitern und neue Absatzmärkte im Ausland erschließen. Chancen für weitere Zukäufe sieht der Klapp-Gründer im Bereich professionelle Kosmetik. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Die M&A-Beratung JB Business Consulting hat die Verkäuferseite bei dem Deal beraten. MCP wurde von der M&A-Beratung Clairfield International unterstützt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals. Hinweise zur Bewertung im Rahmen von Transaktionen liefern unsere neuen FINANCE-Multiples, die Sie auch in der aktuellen FINANCE-Ausgabe finden.