Die deutsche Traditionsmarke Wella stellt Haarpflegeprodukte her. Nun soll sie gemeinsam mit den anderen Marken der Coty-Sparte „Professional Beauty“ verkauft werden.

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25.10.19
Deals

M&A-Deals: Wella, ProSiebenSat.1, Vossloh

Die Haarpflegemarke Wella steht im Schaufenster, zwei altbekannte Investoren steigen bei ProSiebenSat.1 ein, und Vossloh räumt in Amerika auf: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Reimann-Familie stellt Wella ins Schaufenster

Die Milliardärsfamilie Reimann prüft den Verkauf von Wella: Die deutsche Unternehmerfamilie will sich von der deutschen Traditionshaarpflegemarke trennen. Diese gehört gemeinsam mit der gesamten Sparte „Professional Beauty“ dem US-Kosmetikriesen Coty, der wiederum Bestandteil des Portfolios der Reimannschen JAB Holding ist. Erst 2015 kaufte Coty das Markenportfolio für 12 Milliarden Euro von dem US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble. Zu diesem gehören neben Wella auch die Haar- und Nagelpflegemarken Clairol, OPI und Ghd. Allerdings misslang die Integration der Marken, Übernahmeziele wurden nicht erreicht.

Der US-Konzern will sich daher von der Sparte „Professional Beauty“ trennen, um die Markenanzahl im Portfolio zu reduzieren und sich künftig auf das Kerngeschäft mit Parfüm, Kosmetik und Hautpflege zu konzentrieren. Zudem will Coty mit dem Verkauf den Leverage wieder in Richtung 3x Ebitda senken. Das US-Geschäft schwächelte zuletzt stark und sorgte auch für Unruhen bei JAB. Der aktuelle M&A-Prozess wird von der Investmentbank Credit Suisse begleitet und soll bis zum Sommer 2020 abgeschlossen werden.

Kretinsky: Erst Metro, jetzt ProSiebenSat.1?

Die Metro-Investoren Daniel Kretinsky und Patrik Tkac steigen bei ProSiebenSat.1 ein: Die beiden Investoren halten nun – gemeinsam mit dem slowakischen Investor Roman Korbacka – über ihr Investitionsvehikel Ruby 3,6 Prozent der Anteile an dem Fernsehkonzern. Nach Angaben des „Handelsblatts“ hat das Aktienpaket einen Wert von 110 Millionen Euro. Das Motiv für den Einstieg ist noch unklar. Vor fünf Monaten erst beteiligte sich der Medienkonzern Mediaset des Italieners Silvio Berlusconi mit rund 10 Prozent an den Münchenern.

Vossloh räumt auf

Vossloh treibt seine Portfoliobereinigung voran: Der Bahntechnikkonzern verkauft Cleveland Track Material (CTM) für umgerechnet 35 Millionen Euro. CTM ist dem Bahntechniker zufolge die größte US-amerikanische Konzerngesellschaft im Geschäftsbereich „Customized Modules“. Wer der Käufer ist, gab Vossloh nicht bekannt: Es handele sich um einen „strategischen Erwerber“. Den Abschluss der Transaktion erwarten die Sauerländer noch in diesem Jahr.

Zusätzlich will der zum CEO berufende Finanzchef Oliver Schuster alle Teile des Customized-Modules-Geschäft in Nord- und Südamerika auf den Prüfstand stellen. Die Gesellschaften erwirtschaften Vossloh zufolge einen Umsatz von 65 Millionen Euro und weisen ein „über mehrere Jahre negatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) beziehungsweise eine deutlich unterdurchschnittliche Profitabilität“ auf.

Im Rahmen des im Frühjahr selbst auferlegten Maßnahmenprogramms will sich Vossloh von „nachhaltig verlustbehafteten beziehungsweise unterdurchschnittlich profitablen Aktivitäten“ trennen. In diesem Zuge verkauften die Sauerländer im August auch ihr Lokomotivengeschäft an den chinesischen Bahntechnikriesen CRRC. Aufgrund von nicht zahlungswirksamen Sonderbelastungen und Wertberichtigungen aus dem Locomotive-Deal macht der Bahntechniker im Rahmen der Transaktionen 55 Millionen Euro Verlust.

Siemens Gamesa übernimmt Teile von Senvion

Der Verkauf von Senvion-Geschäftsteilen an den deutsch-spanischen Konkurrenten Siemens Gamesa ist in trockenen Tüchern: Wie der insolvente Windanlagenbauer mitteilte, ist der Vertrag zur Übernahme wesentlicher Teile des europäischen On-Shore-Servicegeschäfts sowie der Rotorblattfertigung im portugiesischen Vagos unterzeichnet. Der Deal hat ein Volumen von 200 Millionen Euro. 2000 Senvion-Mitarbeiter werden im Rahmen der Transaktion zu Siemens Gamesa wechseln und behalten demnach einen Arbeitsplatz, das entspricht 60 Prozent der Senvion-Stellen.

Siemens Gamesa will beide Deals bis März 2020 abschließen. Für einige weitere Geschäftsbereiche von Senvion wurde ein Liquidationsprozess eingeleitet, für andere Aktivitäten, wie das Indien-Geschäft sowie das außereuropäische Servicegeschäft, führt Senvion weiterhin Sondierungsgespräche mit möglichen Investoren. Der deutsch-spanische Windanlagenbauer wurde bei der aktuellen Transaktion von der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beraten. Senvion wurde von Rothschild & Co sowie von DLA Piper (Federführung: Benjamin Parameswaran und Mike Danielewsky) beraten.

Freenet vereitelt UPC-Sunrise-Deal

Die geplante UPC-Übernahme durch Sunrise ist vom Tisch: Der Schweizer Mobilfunkanbieter hat den Milliardendeal abgesagt. Die Transaktion wäre 6,3 Milliarden Schweizer Franken schwer gewesen. Wie Sunrise in einer Pressemitteilung erklärt, haben die Schweizer ihre Pläne aufgrund „klarer Hinweise von Aktionären und der Ankündigung von Freenet, gegen die dafür nötige Kapitalerhöhung zu stimmen“ verabschiedet.

Damit setzt sich die deutsche Freenet, mit 25 Prozent an dem Schweizer Unternehmen beteiligt, durch: Der Sunrise-Großaktionär hatte sich schon im August gegen eine Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC gewehrt. Auch das Zugeständnis seitens Sunrise, die für die Akquisitionsfinanzierung geplante Kapitalerhöhung zu reduzieren, oder das Angebot vom Verkäufer Liberty Global, sich mit einer halben Milliarde Franken an der Kapitalerhöhung zu beteiligen, ließen Freenet nicht von dem Veto abrücken.

AMS probiert es bei Osram nochmal

Kann AMS Osram endlich übernehmen? Nach dem Scheitern des ersten Übernahmeversuchs hat der österreichische Sensorhersteller ein zweites Angebot für Osram lanciert. Die Chancen für eine erfolgreiche Übernahme stehen damit besser als zuvor, denn AMS ist mittlerweile nicht nur größter Aktionär mit knapp 20 Prozent, sondern hat zudem die Mindestannahmeschwelle auf 55 Prozent gesenkt. Zuvor lag sie bei 62,5 Prozent. An der Höhe des Gebots hat AMS allerdings nicht geschraubt: Die Österreicher bieten nach wie vor 41 Euro je Aktie, was einer Unternehmensbewertung von 4,6 Milliarden Euro entspricht.

Daher dürften andere Bieter – aus dem Private-Equity-Lager – von dieser Konstellation abgeschreckt sein: Bain und Advent, die überlegt hatten, für Osram zu bieten, haben sich gegen die Abgabe eines neuen Angebots entschieden. Und auch das Osram-Management hat seinen Widerstand gegen den Deal aufgegeben. Käme ein Deal zustande, würden auch die Indexfonds ihre Osram-Aktien andienen. Mit mehr als 70 Prozent könnte AMS einen Beherrschungsvertrag abschließen und das Unternehmen anschließend von der Börse nehmen.

Weitere Meldungen

Grammer will ein Joint-Venture mit Chinesen gründen: Wie aus einer Unternehmensmitteilung hervorgeht, befindet sich der Automobilzulieferer „in fortgeschrittenen Verhandungen mit Changchung Fawsn”, einem chinesischen Automobilzulieferer. Das 50/50-Joint-Venture für Automobil-Inneneinrichtung soll seinen Sitz in China haben.

Nach der dritten Gewinnwarnung plant der Schweizer Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach eine Kapitalerhöhung: Dabei könnte Großaktionär Martin Haefner dem Automobilzulieferer bis zu 325 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 295 Millionen Euro) zuschießen. Seine Bedingung: Haefner will im Rahmen der Transaktion einen Anteil von mindestens 37,5 Prozent am Aktienkapital erwerben. Derzeit kontrolliert er 17,5 Prozent der Anteile. Zu weiteren Bedingungen macht der Schweizer Milliardär eine sichere Fremdfinanzierung sowie die Bestellung von zwei Verwaltungsratsmitgliedern, die von seiner Holding Bigpoint vorgeschlagen werden sollen.

Der Göttinger Pharma- und Laborzulieferer Sartorius kauft drei Geschäftsbereiche des Life-Science-Portfolios von Danaher, einem Technologiekonzern mit Sitz in Washington, USA. Der Kaufpreis beträgt 750 Millionen US-Dollar in bar (umgerechnet 675 Millionen Euro), die Transaktion soll im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden. Sartorius wurde bei dem Deal von der Anwaltskanzlei Milbank (Federführung: Michael Bernhardt und Alexander Rinne) unterstützt. Die Finanzierung des Kaufpreises stellt die BNP Paribas als Mandated Lead Arranger, Bookrunner und Underwriter, sie wurde dabei von Hengeler Mueller (Federführung: Johannes Tieves) beraten.

Die Unternehmerfamilie Oetker denkt über einen Verkauf des Bankhauses Lampe nach: Offenbar erwägen die französische Privatbank Oddo, die niederländische ABN Amro und der chinesische Mischkonzern Fosun eine Übernahme des Geldhauses. Dies berichten der Anlegerinformationsdienst „Platow-Brief" sowie die Nachrichtenagentur „Bloomberg". Die Familie Oetker kommentierte, der Konzern prüfe Optionen für Lampe, einschließlich eines Verkaufs. Sollte es dazu kommen, könnte das Bielefelder Bankhaus Insidern zufolge mit 200 Millionen Euro oder mehr bewertet werden.

Rewe muss einen Rückschlag bei der Lekkerland-Übernahme hinnehmen: Die Kölner dürfen das Österreich-Geschäft ihres Wettbewerbers nicht übernehmen. Aufgrund von Bedenken der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde wird der in Österreich operativ tätige Teil von Lekkerland von der Transaktion ausgenommen. Für den restlichen Teil des Deals hatte Rewe bereits vor zwei Wochen grünes Licht bekommen.

Die Deutsche Bahn drosselt das Tempo beim Verkaufsprozess ihrer britischen Tochter Arriva. Dies berichtete die Nachrichtenagentur „Reuters“ mit Bezug auf Konzernkreise. „Weder ein Börsengang noch der Verkauf an Investoren wird dieses Jahr noch umzusetzen sein”, äußerten sich mit den Plänen vertraute Personen gegenüber der Agentur. Als Gründe hierfür nennt die Agentur sowohl das Ringen um den Brexit als auch die vertiefte Prüfung der Arriva-Bücher durch potenzielle Investoren. Zudem sei der finanzielle Druck gesunken, da die Deutsche Bahn die Ausgabe von Hybridanleihen in Höhe von 2 Milliarden Euro plant. Eine Entscheidung zu Arriva soll noch dieses Jahr getroffen werden, so eine Bahn-Sprecherin gegenüber „Reuters“.

Der chinesische Autokonzern Beijing Automotive Group (Baic) will seine Anteile an Daimler nicht weiter erhöhen. Wie Baic-Chef Xu Heyi auf einer Konferenz in Peking mitteilte, ist die Investition in eine Beteiligung abgeschlossen. Der chinesische Joint-Venture-Partner hatte sich Ende Juli dieses Jahres 5 Prozent an Daimler gesichert und ist seitdem drittgrößter Aktionär des Stuttgarter Autokonzerns.

Die auf Schmierstoffe spezialisierte Fuchs-Gruppe erwirbt den US-Konkurrenten Nye Lubricants mit Sitz in Fairhaven, Massachusetts. Finanzielle Transaktionsdetails werden nicht genannt. Mit der Übernahme erweitern die Mannheimer ihre Forschungs- und Entwicklungskompetenz, so Keith Brewer, CEO von Fuchs Lubricants in den USA. Den Abschluss der Transaktion erwartet Fuchs zum Ende dieses Jahres. Den Mannheimern zufolge beschäftigt Nye 180 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von 51 Millionen US-Dollar (umgerechnet 46 Millionen Euro).

Waterland kauft ein Add-on für die Dienstleistungsplattform Schönes Leben: Der Private-Equity-Investor übernimmt die Mehrheit an den Mediko Pflege- und Gesundheitszentren von Aureus. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Mit der Transaktion, die noch unter Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe steht, erweitert die Schönes-Leben-Gruppe das Geschäftsfeld Pflege um 20 Seniorenresidenzen. Die Schönes-Leben-Gruppe wurde bei der Transaktion von Hengeler Mueller (Federführung: Alexander Nolte) beraten.

HIG Europe, der europäische Arm der gleichnamigen Private-Equity-Gesellschaft, übernimmt den nordrhein-westfälischen Rollstuhlhersteller Meyra sowie den dänischen Wettbewerber Alu Rehab. Beide Unternehmen sollen nach der Übernahme zusammengeschlossen werden. Der Abschluss der Transaktion erfolgt bis Ende dieses Jahres. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. HIG wurde bei der Transaktion von der M&A-Beratung Proventis unterstützt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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