M&A-Deals: Nach einer Finanzierungsrunde will Windeln.de jetzt wachsen.

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24.04.15
Deals

M&A-Deals: Windeln.de, Mazars, Leifheit

Windeln.de übernimmt den osteuropäischen Konkurrenten Feedo, Roever Broenner Susat und Mazars fusionieren und die Hauptaktionärin von Leifheit verkauft ihr Aktienpaket. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Windeln.de wächst in Osteuropa

Der Onlinehändler für Babybedarf Windeln.de expandiert in den osteuropäischen Markt und kauft den tschechischen Konkurrenten Feedo von den Gründern Matúš Karaffa und Martin Molčan. Feedo ist in Tschechien, Polen und der Slowakei tätig. Im vergangenen Jahr erzielte Feedo einen Umsatz von rund 6 Millionen Euro. Windeln.de selbst erwirtschaftete 2014 nach eigenen Angaben Umsätze von 130 Millionen Euro.

Erst Anfang des Jahres hatte der Münchner Onlinehändler in einer Finanzierungsrunde 45 Millionen von bekannten Investoren eingeworben. Kürzlich teilte der Onlinehändler zudem seinen noch für dieses Jahr geplanten Börsengang mit. In diesem Rahmen hatte Windeln.de mit Nikolaus Weinberger auch erstmals einen CFO berufen.

Windeln.de hält zukünftig sämtliche Anteile an Feedo, wird das Unternehmen jedoch als unabhängige Geschäftseinheit mit Sitz in Prag weiter betreiben. Auch die Gründer bleiben involviert und leiten die Geschäfte mit ihren bisherigen Mitarbeitern weiter. Der Kauf ist als gemischte Cash- und Share-for-Share-Transaktion strukturiert und umfasst eine Earn-out-Komponente. Beraten wurde Windeln.de bei dem Erwerb durch die Wirtschaftskanzlei Gütt Olk Feldhaus unter der Federführung von Sebastian Olk und Attila Oldag. Die Due Diligence wurde durch Schönherr durchgeführt.

Großaktionär von Leifheit verkauft Anteile

Die Home Beteiligungen, größte Aktionärin des Haushaltsartikelherstellers Leifheit, hat ihr gesamtes Aktienpaket von 50,49 Prozent an institutionelle Investoren veräußert. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um namhafte europäische Investoren, das Orderbuch sei überzeichnet gewesen.

Die Familie Schuler-Voith, die hinter der Home Beteiligungen steht, will mit dem Verkauf dieser langjährigen Beteiligung ihre Investitionsstrategie neu ausrichten. Die Familie hielt seit 30 Jahren Leifheit-Anteile und hatte diese in den vergangenen 15 Jahren nach und nach aufgestockt. Zukünftig hält Leifheit 4,97 Prozent eigene Anteile. Rund 10 Prozent der Anteile sind weiterhin im Besitz der MKV Verwaltungs GmbH, weitere 8 Prozent hält Joachim Loh.

PE-Investor Permira gelingt Verkauf von Iglo

Der PE-Investor Permira hat den Tiefkühlkonzern Iglo für 2,6 Milliarden Euro an die britische Beteiligungsgesellschaft Nomad verkauft. Der Kaufpreis entspricht einem Ebitda-Multiple von 8,5. Bei einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro erzielte Iglo im vergangenen Jahr ein Ebitda von 306 Millionen Euro. Permira soll weiterhin 9 Prozent der Anteile an Iglo halten. Permira hat somit nach einem ersten missglückten Verkaufsversuch 2012 den Absprung bei Iglo geschafft.

RBS und Mazars: Fusion im Wirtschaftsprüfermarkt

Die beiden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Roever Broenner Susat (RBS) und Mazars schließen sich zusammen, um der stärkeren Regulierung aus Brüssel sowie dem Konsolidierungsdruck der Branche zu trotzen. Der Umsatz von RBS in Deutschland lag 2014 bei 80 Millionen Euro, Mazars erzielte 30 Millionen Euro. Die fusionierte Gesellschaft Roever Broenner Susat Mazars wäre damit hierzulande die Nummer 8.

Bei dem Zusammenschluss der beiden Wirtschaftsprüfer fließt kein Geld. Mazars Deutschland geht in RBS auf, und das fusionierte Unternehmen wird über ein Genossenschaftsmodell Teil der internationalen Mazars-Partnerschaft, was dem Expansionskurs der RBS zugute kommt.

PE-Investor Aurelius kauft Geschäftsbereich Vollpappe von Smurfit Kappa

Der PE-Investor Aurelius übernimmt den Geschäftsbereich Vollpappe und bedruckte Kartonagen von dem Verpackungshersteller Smurfit Kappa Group. Dazu zählen Produktionsstandorte in den Niederlanden, Belgien und Großbritannien. Im vergangenen Jahr erzielte dieser Geschäftsbereich mit 830 Mitarbeitern einen Umsatz von über 240 Millionen Euro, das Ebitda betrug 14 Millionen Euro. Details der Transaktion sind nicht bekannt. 

Lampenhersteller Osram spaltet sich auf

Der Leuchtenhersteller Osram plant einen radikalen Schritt: Er will sich von seinem Kerngeschäft mit Glühbirnen und LEDs trennen. Eine Abspaltung war in der Branche bereits diskutiert worden. Schon vor knapp zwei Monaten hatte CFO Klaus Patzak in einem Interview mit FINANCE TV über ein mögliches Umdenken des Managements hinsichtlich der Konzernstruktur gesprochen. Eine endgültige Entscheidung soll der Aufsichtsrat jedoch erst Ende April treffen. Ob die geplante Abspaltung durch einen Verkauf oder ein IPO umgesetzt werden soll, ist noch offen.

Fresenius plant Zukauf in Israel

Die auf Dialyseangebote spezialisierte Fresenius Medical Care verhandelt laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeine Zeitung über den Kauf des israelischen Dialyseanbieters Nephromor. Der Kaufpreis soll im höheren zweistelligen Millionenbereich liegen. Bisher gehört Nephromor dem Pharmakonzern Teva, zu dem auch Ratiopharm gehört, sowie der israelischen Krankenkasse Clalit und kleineren Anteilseignern.

Eine Übernahme von Nephromor böte Fresenius Medical Care den Einstieg in den israelischen Markt, in dem das deutsche Unternehmen bisher nicht aktiv ist. Nephromor betreibt in Israel nach Angaben der Frankfurter Allgemeine Zeitung 21 Dialysestationen und behandelt somit ein Viertel der dortigen Dialysepatienten.

Weitere M&A-Deals

Springers Wachstum im Online-Immobilienmarkt geht voran: Der Medienkonzern Axel Springer hat die kartellrechtliche Genehmigung für die Fusion der auf IT für die Immobilienbranche spezialisierten Immowelt mit dem eigenen Immobilienportal Immonet erhalten und kann die beiden Angebote unter dem Dach der neuen Immowelt Holding integrieren, die als Gemeinschaftsunternehmen geführt wird. Beteiligt sind Axel Springer Digital Classifieds mit einer Mehrheit von 55 Prozent, sowie die Verlagsgruppe Ippen, die Rheinische Post Mediengruppe und die beiden Gründer der Immowelt.

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim zieht einem Bericht des Handelsblatts zufolge möglicherweise einen Verkauf seiner US-Generikasparte Roxane Laboratories in Betracht. Das Unternehmen verzeichnete im vergangenen Jahr mit 13,3 Milliarden Euro um 5,3 Prozent geringere Umsatzerlöse als noch 2013. Eine Entscheidung über eine Trennung von der US-Generikasparte sei noch nicht getroffen. Auch eine Stärkung des Geschäfts sei möglich.

Die Private-Equity-Gesellschaft Ambienta hat ihr erstes Target in Deutschland gefunden und mit einer Investition von mehr als 20 Millionen Euro einen wesentlichen Anteil am Industrielackhersteller Oskar Nolte erworben, wie es heißt. Die Mittel sind aus dem im vergangenen Jahr aufgelegten 323,5 Millionen Euro schweren Fonds Ambienta II und sollen primär dazu verwendet werden, um den Bereich Dekorfolien/Finishfolien auszubauen.

Der Kosmetikhersteller Ada Cosmetics International hat mit Unterstützung des PE-Investors Ardian den dänischen Hotelkosmetikanbieter Scandinavian Amenities erworben. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Ardian ist seit Juli 2014 über seinen Expansion Fund III als Mehrheitsgesellschafter bei Ada Cosmetics investiert, nachdem der Fonds vor rund einem Jahr mit einem Volumen von 500 Millionen Euro geschlossen worden war. Mit der Übernahme von Scandinavian Amenities weitet Ada sein Netzwerk in Nord- und Osteuropa aus. Um das Wachstum des Kosmetikanbieters voranzutreiben, setzt Ardian nach eigenen Angaben auf Add-on-Akquisitionen. Für das aktuelle Jahr erwartet Ada einen Umsatz von über 60 Millionen Euro, während der Umsatz 2013 noch rund 22,5 Millionen Euro betrug. Beraten wird Ada von einem Team von Ardian sowie in Rechtsfragen von der Kanzlei Willkie Farr & Gallagher. Zu den Finanzierungsaspekten der Transaktion berät ein Team von Deloitte & Touche. Berater aus steuerlicher Sicht ist Taxess.

Die Schweizer Constellation Capital Gruppe hat im Rahmen eines Share Deals die Mehrheit an der Pullacher HSM-Gruppe von den Gründern und Finanzinvestoren übernommen. Teile des Managements wurden anschließend rückbeteiligt und somit weiterhin operativ involviert. Über Details der Transaktion ist nichts bekannt. Die auf Dienstleistungen im Bahnsektor spezialisierte HSM-Gruppe erzielte zuletzt mit 900 Mitarbeitern rund 80 Millionen Euro Umsatz. Die Verkäufer wurden durch ein Team von P+P Pöllath + Partners unter der Federführung von Matthias Bruse beraten. Berater der Constellation Capital war die Kanzlei Baker & McKenzie unter der Federführung von Michael Bartosch und Alexander Fischer.

Varian Medical Systems erwirbt über ihre mittelbare Tochter VMS Deutschland Holdings die Mevis Medical Solutions, einen Anbieter für medizinische Software, im Rahmen eines öffentlichen Übernahmeangebots mit einer Annahmequote von rund 73,52 Prozent. Beraten wurde Mevis durch die Kanzlei Hengeler Mueller.

Der Elektronikhändler Media-Saturn hat die Mehrheit an Silver Ocean übernommen, die die niederländische Liveshopping-Plattform ibood.com betreibt. Verkäufer sind die Gründer Jöran Prinssen und Dennis Sanders, die weiterhin Anteile halten und geschäftsführende Gesellschafter bleiben. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Der Umsatz von ibood.com betrug im vergangenen Jahr 36,4 Millionen Euro. Zukünftig führt Media-Saturn das Unternehmen unter seiner Electronics Online Group. Die zum Metro-Konzern gehörende Media-Saturn-Unternehmensgruppe erzielte im Geschäftsjahr 2013/14 mit 65.000 Mitarbeitern einen Nettoumsatz von 21 Milliarden Euro.

Der kürzlich angekündigte Verkauf der Volkswagen-Tochter LeasePlan ist offenbar gescheitert. Die Global Mobility Holding, zu der LeasePlan gehört, teilte mit, dass Gespräche mit Investoren beendet worden seien, ohne dass eine Vereinbarung getroffen wurde. Nach Angaben der Holding wird ein Verkauf von LeasePlan in nächster Zeit nicht weiter verfolgt.

Der Kasseler Automobilzulieferer Wegu Holding wurde von der chinesischen Zhongding Group übernommen. Zu den Verkäufern zählt unter anderem ein Beteiligungsunternehmen der Deutsche Mittelstand Beteiligungen. Zhongding erzielte zuletzt weltweit einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar. Beraten wurde die Zhongding Group bei der Übernahme in rechtlichen Fragen von Rittershaus unter der Federführung von Claudia Pleßke. Strategischer Berater war Perlitz Strategy Group (Federführung Matthias Litschke), zu Steueraspekten beriet die Kanzlei Falk & Co (Federführung Alexander Düll). Die Verkäufer wurden durch ein Team von Gleiss Lutz unter der Federführung von Patrick Mossler beraten.

Franz Haniel & Cie. übernimmt den belgischen Stoffhersteller Bekaert Textiles Holding II. Verkäuferin ist die Gamma Holding, die den beiden Investmentgesellschaften Gilde Buy Out Partners und Parcom Capital Management gehört. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Bekaert erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 200 Millionen Euro.

Der Online-Optiker Brille24 aus Oldenburg übernimmt den Koblenzer Konkurrenten Optik24plus. Der Onlineanbieter Brille24, der bisher mit Eigenmarken erfolgreich ist, erweitert so sein Portfolio um Markenbrillen. Details der Transaktion sind nicht bekannt.

Offenbar findet Nokia für sein zum Verkauf stehendes Kartengeschäft Here viele Interessenten. Einem Bericht des Manager Magazins zufolge sind neben den amerikanischen Digitalunternehmen Uber und Facebook auch die deutschen Autohersteller BMW, Audi und Daimler im Dreierverbund an dem Kartendienst interessiert. Der US-Finanzinvestor Hellman & Friedman biete ebenfalls für das Unternehmen. Nokia führt sein Kartengeschäft Here mit einem Buchwert von 2 Milliarden Euro.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.