M&A-Leaks werden manchmal absichtlich gestreut, um den Kaufpreis zu steigern. Doch die Behörden achten immer strenger auf die Einhaltung der M&A-Regeln.

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22.06.17
Deals

M&A-Leaks: Hier sickern Transaktionen besonders oft durch

Verschwiegenheit ist bei M&A-Deals eigentlich höchstes Gebot, doch nicht immer gelingt das. Eine Studie zeigt, welche Branchen und Regionen derzeit besonders anfällig für M&A-Leaks sind.

Immerhin 8,6 Prozent der weltweiten M&A-Deals sind im vergangenen Jahr vor der eigentlich geplanten Veröffentlichung bekannt geworden. Das ergab der am heutigen Donnerstag veröffentlichte „Annual M&A Leaks Report 2017“ des Datenraumanbieters Intralinks und der Cass Business School der University of London, für den auf Basis von Thomson-Reuters-Daten fast 6.000 Transaktionen zwischen 2009 und 2016 untersucht wurden. Von diesen wurden 462 geleakt.

Die Zahl der geleakten Transaktionen liegt damit auf dem Niveau des Jahres 2015 und deutlich über dem Niveau von 2014, als nur 6 Prozent der Transaktionen vorzeitig bekannt geworden waren. Auf Länderbasis sind die Schwankungen allerdings enorm: Deutschland liegt in diesem Jahr mit einer Quote von 9,1 Prozent an geleakten M&A-Deals etwas über dem Durchschnitt. 2015 dagegen war Intralinks zufolge keine Transaktion vorzeitig bekannt geworden. Kanada dagegen, das im vergangenen Jahr noch Leaks bei 12,5 Prozent der Transaktionen zu verzeichnen hatte, konnte sich 2016 auf eine Leak-Quote von 4,3 Prozent verbessern.

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Im Raum Asien-Pazifik werden die meisten M&A-Deals geleakt

Besonders anfällig für ein vorzeitiges Bekanntwerden von Transaktionen waren im vergangenen Jahr Deals in der Region Asien-Pazifik. Mit 16,7 Prozent führt Indien die Liste der Länder mit den höchsten Leak-Quoten an – auch mit Blick auf den Gesamtzeitraum von 2009 bis 2015 ist Indien das Land, in dem die meisten Transaktionen vorzeitig publik geworden sind.

Auf dem zweiten Rang fand sich im vergangenen Jahr Südkorea, wo sich der Anteil der geleakten Deals auf 16,1 Prozent gegenüber 2015 mehr als verdreifacht hat. Japan landete 2016 mit einem Anteil von 12 Prozent durchgesickerten Transaktionen auf dem dritten Rang der Negativliste, ebenfalls eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr (2015: 3,1 Prozent). Deutlich gesunken ist die Zahl der M&A-Leaks in den USA, wo jedoch auch die Behörden verstärkt gegen Unregelmäßigkeiten vorgehen.

Kanada und Frankreich verzeichnen die wenigsten M&A-Leaks

Am besten gehütet waren M&A-Deals im vergangenen Jahr in Kanada und Frankreich: In beiden Ländern sickerten Intralinks zufolge nur 4,3 Prozent der Deals durch. In Großbritannien waren es 7 Prozent.

Auch im Branchenvergleich klappte die Geheimhaltung von Fusionen und Übernahmen unterschiedlich gut: Die weltweit meisten Leaks verzeichneten im vergangenen Jahr die Bereiche Konsumgüter, Handel und Real Estate. Der Anteil der durchgesickerten Deals hat sich im Consumer-Bereich 2016 gegenüber dem Vorjahr auf 15,5 Prozent verdoppelt. Der Immobiliensektor ist mit Blick auf den Gesamtzeitraum seit 2009 die Branche mit den meisten M&A-Leaks. Andere Branchen schnitten in der Geheimhaltung besser ab: Im Gesundheitswesen, der Energiebranche sowie dem Sektor Industrials sickerten im vergangenen Jahr die wenigsten Transaktionen durch.

Preiseffekte durch M&A-Leaks nehmen ab

Die Studienautoren vermuten, dass die höhere Aufmerksamkeit der Behörden vieler Länder bei M&A-Transaktionen dazu beitragen dürfte, die Zahl an absichtlich gestreuten M&A-Leaks zu verringern. Werden M&A-Deals absichtlich verbreitet, soll dies in aller Regel dazu beitragen, den Preis der Übernahme nach oben zu treiben.

Doch dieses Kalkül geht nicht mehr so gut auf wie früher: Betrachtet man den gesamten Zeitraum von 2009 bis 2016, liegt der Median der Übernahmeprämien für geleakte Transaktionen bei einem Plus von 47 Prozent und damit um 20 Prozentpunkte höher als die Prämie bei geheim gehaltenen Übernahmen. Allerdings verringert sich dieser Abstand: Im vergangenen Jahr lag die Übernahmeprämie für geleakte Deals im Median nur noch bei 38 Prozent.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de