15.03.12
Deals

M&A-Markt braucht externen Anstoß

Auch wenn die Branche sich selbst Mut zuspricht, steht doch nicht alles zum Besten auf dem europäischen M&A-Markt. Viele deutsche M&A-Berater hoffen schon seit längerem, dass Impulse aus dem Ausland für neuen Schwung in der Branche sorgen könnten. Die Hoffnung könnte sich erfüllen.

Zurzeit sieht es ganz danach aus, dass der Markt auf ausländische Interessenten setzen kann: Zu Beginn dieses Monats verkündete die chinesische Hebei Lingyun Industrial die Übernahme des Türschlossherstellers Kiekert aus Heiligenhaus bei Düsseldorf. Auch  Saargummi, KSM Castings und Putzmeister fanden chinesische Investoren.

Die Kiekert-Transaktion soll den Unternehmen den Markteintritt in der Heimatregion des Partners erleichtern: Der deutsche Autozulieferer verspricht sich von der Übernahme durch Lingyun mehr Chancen im Geschäft mit asiatischen Autobauern. Umgekehrt sollen die Produkte der Chinesen – unter anderem Zierteile und Auto-Türelemente – auch an die Kunden von Kiekert in Europa und den USA verkauft werden. Lingyun habe zudem genug Geld, um Kiekert auch bei Zukäufen finanziell unter die Arme zu greifen, teilte das Unternehmen mit.

Erst der Anfang

Dass diese Deals keine Einzelfälle sind, dafür sprechen die Ergebnisse des FINANCE M&A Panels, für das im Frühjahr 2012 rund 60 M&A-Chefs führender deutscher Unternehmen sowie Investmentbanker befragt wurden. Die Panelisten haben Investoren aus den Schwellenländern deutlich stärker auf dem Radar als bei den vorangegangenen Befragungen. Die Aussage, dass Käufer aus den Schwellenländern derzeit am deutschen Markt sehr aktiv sind, erreichte bei den Investmentbankern auf einer Skala von 1 („stimme nicht zu“) bis 10 („stimme voll zu“) einen Zustimmungswert von 6,78 – ein deutlicher Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Herbst (5,70). Auch die Corporates nehmen Kaufinteressenten aus den Schwellenländern deutlich stärker wahr als bei den Befragungen zuvor. 

Zwar sind die Unsicherheiten gegenüber Investoren aus den Schwellenländern bei vielen Unternehmen noch deutlich größer als bei einem Verkauf an einen europäischen Investor, doch die Flaute am europäischen M&A-Markt dürfte in diesem Punkt für ein Umdenken sorgen. Mit dem Verkauf von Putzmeister an die chinesische Sany wurde sogar ein Nachfolgeproblem bei dem deutschen Mittelständler gelöst – ein besonders sensibler Punkt für viele Unternehmer. Die Aussichten für  den europäischen M&A-Markt sind nach wie vor mau: Die Anzahl angekündigter Deals bewegt sich auf niedrigem Niveau, nur 1004 Deals zählte der Zephyr M&A Report für Westeuropa im Februar. Das ist ein Rückgang um mehr als ein Drittel im Vergleich zu Januar und der niedrigste Stand der vergangenen 13 Monate. Auf dem zwischenzeitlichen Höhepunkt im vergangenen Juni waren 2008 Deals gezählt worden. 

Der hohe Dealvalue von 42,7 Milliarden Euro ist überwiegend der Großübernahme der britischen Xstrata durch Glencore zu verdanken, die allein mit einem Dealvolumen von 20 Milliarden Euro bewertet wird. Bis sich der Markt in Europa belebt, werden Unternehmen und Investmentbanker bei M&A-Prozessen wohl weiter auf Unterstützung aus den Schwellenländern setzen. 

Zustimmung der Befragten des FINANCE M&A Panel zur Aussage „Käufer aus den Schwellenländern sind zurzeit in Deutschland sehr aktiv“ auf einer Skala von 1 bis 10 (10 = vollkommene Zustimmung). Quelle: FINANCE M&A Panel

sabine.reifenberger(*)finance-magazin(.)de

FINANCE-TV: Investmentbanker Serge Ragotzky über M&A-Deals mit chinesischen Investoren