Mit Bohlen & Doyen bekommt die MBB-Tochter Friedrich Vorwerk ihre erste Add-on-Akquisition.

Friedrich Vorwerk

04.11.19
Deals

MBB startet Buy-and Build-Projekt

Der Finanzinvestor MBB startet ein ehrgeiziges Buy-and-Build-Projekt im Pipeline- und Erdverkabelungsgeschäft: Kurz nach dem Kauf von Vorwerk kommt mit Bohlen & Doyen nun schon die erste Add-on-Akquisition. Kann MBB mit Vorwerk den Aumann-Coup wiederholen?

Mit der Komplettübernahme von Bohlen & Doyen hat die familiengeführte, börsennotierte Mittelstandsholding MBB kaum mehr als vier Monate gebraucht, um ihre neue Tochter Friedrich Vorwerk auf einen anorganischen Wachstumskurs zu bringen. Verkäufer von Bohlen & Doyen ist der französische SPIE-Konzern, der Kaufpreis wurde nicht genannt. Als Käufer tritt Vorwerk auf. Der Deal muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

MBB will von Energiewende profitieren

Das neue ostfriesische Tochterunternehmen ist laut MBB „ein führender Anbieter für den Bau von Pipelines und erdverlegten Stromtrassen“ und damit im gleichen Markt tätig wie Vorwerk, deren Kauf MBB Ende Juni angekündigt hatte. Das Closing der Übernahme des Familienunternehmens erfolgte Ende Juli. An Vorwerk hält MBB 60 Prozent, der Rest liegt bei der Gründerfamilie und dem Management.

Das Kalkül hinter dem Investment ist ein politisches: In Deutschland entstehen in den nächsten Jahren im Zuge der Energiewende viele neue Stromtrassen und Gasspeicher. Viele neue Trassen sollen in der Erde verlegt werden. Sowohl Vorwerk als auch Bohlen & Doyen sind Spezialisten für die dafür nötigen Konstruktionsarbeiten, und beide erwirtschaften jeweils rund 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Nicht etwa Synergien in Form von Kosteneinsparungen, sondern die komplementären Technologien seien der wesentliche Beweggrund der Add-on-Akquisition, sagte MBB-CIO Constantin Mang auf FINANCE-Anfrage.

Mit einem kombinierten Umsatz von über 200 Millionen Euro und 1.200 Mitarbeitern wird das Duo Vorwerk/Bohlen & Doyen auch auf Anhieb eine wichtige Säule des gesamten MBB-Konzerns. Inklusive der beiden Neu-Investments steigt der annualisierte Umsatz der Industrieholding auf 660 Millionen Euro. 2018 erzielte MBB mit all ihren Töchtern noch einen Umsatz von 506 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 55 Millionen Euro. Das Umsatzziel für 2020 beträgt 750 Millionen Euro.

Dient Aumann als Vorbild für Vorwerk?

Strategie von MBB ist es, sich nicht in das Tagesgeschäft seiner Beteiligungen einzumischen, dafür aber gemeinsam mit dem Management der Tochterunternehmen eine Zukunftsstrategie zu entwickeln. Als Blaupause für das Vorwerk-Projekt könnte das sehr erfolgreiche Investment in den Maschinenbauer und Autozulieferer Aumann dienen. Diesen führte MBB aus mehreren kleinen Mittelständlern zusammen, das neu formierte Unternehmen richtete die Industrieholding dann in Richtung Elektromobilität aus.

Obwohl diese nur für einen Teil des Aumann-Umsatzes steht, kreierte dieser „Spin“ eine attraktive Börsen-Story, im Jahr 2017 brachte MBB Aumann mit hohem Gewinn an die Börse. Auf ein solches Szenario angesprochen, dämpft MBB-Manager Mang die kurzfristigen Erwartungen jedoch erst einmal: „Nach der Akquisition von Bohlen & Doyen durch Vorwerk steht ein Zusammenwachsen der Unternehmensgruppe im Vordergrund. Grundsätzlich sind wir aber bei allen unseren Tochterunternehmen Zukäufen gegenüber aufgeschlossen.“ Trotz eines „spürbaren Interesses vom Kapitalmarkt“ stünden bei Vorwerk zudem keine Börsenpläne auf der Tagesordnung, so Mang.

MBB kann Kurs-Höhenflug nicht halten

Die Erwartungen der MBB-Investoren sind jedoch hoch, ist der Finanzinvestor mit seiner Ausbaustrategie doch schon einmal gut gefahren: Zwischen 2014 und 2018 konnte MBB seinen Umsatz mehr als verdoppeln. An der Börse erlebte die Aktie ab dem Jahr 2016 sogar einen wahren Höhenflug: Der sich anbahnende Aumann-IPO sorgte für eine Kursverfünffachung auf nahezu 120 Euro. Zeitweise war das lange unscheinbare Investmenthaus an der Börse rund eine dreiviertelmilliarde Euro wert.

Der Höhenflug der MBB-Aktie (5-Jahres-Chart)

Doch in diesem Jahr läuft es nicht mehr rund: Eine Gewinnwarnung bei Aumann, der wertvollsten Beteiligung, hat MBB seit April über ein Viertel des Börsenwerts gekostet. Der Einstieg bei Vorwerk hat den Kurs aber stabilisiert, der Sinkflug endete im Bereich von 60 Euro. Aktuell stehen die Papiere bei 62,40 Euro.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals. Hinweise zur Bewertung im Rahmen von Transaktionen liefern unsere neuen FINANCE-Multiples, die Sie auch in der aktuellen FINANCE-Ausgabe finden.