In der Aktionärsstruktur von ProSiebenSat.1 gibt es erneut eine Veränderung: Mediaset erhöht seinen Anteil.

ProSiebenSat.1

12.11.19
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Mediaset stockt bei ProSiebenSat.1 auf

In der Aktionärsstruktur von ProSiebenSat.1 tut sich einiges. Nun erhöht der italienische Berlusconi-Medienkonzern Mediaset seinen Anteil. Über die Gründe wird spekuliert.

Die italienische Medienholding Mediaset erhöht ihren Anteil an ProSiebenSat.1 von 9,6 auf 15,1 Prozent. Das Unternehmen wird von Pier Silvio Berlusconi, dem Sohn des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten, geführt und war erst im Frühjahr bei den Münchenern eingestiegen. Damals sicherte sich Mediaset die 9,6 Prozent für 330 Millionen Euro, inzwischen hat das Aktienpaket einen Wert von knapp 500 Millionen Euro. Die Aufstockung erfolgte über eine spanische Mediaset-Tochter.

Das Investment ist Teil des Plans der Italiener, eine paneuropäische Antwort auf den hohen internationalen Wettbewerbsdruck im Mediensegment zu finden. Streamingdienst-Anbieter wie Amazon und Netflix sind eine enorme Konkurrenz für die klassischen Fernsehkonzerne. ProSiebenSat.1 ging in diesem Sommer mit der eigenen Streaming-Plattform Joyn an den Markt, um sich zu positionieren. Im Frühjahr kursierten vor Mediasets Einstieg bei ProSiebenSat.1 sogar Gerüchte, die Italiener seien an einer Fusion interessiert.

Mediaset will angeblich Gespräche forcieren

Konzernchef Max Conze hatte im Frühjahr den Einstieg der Italiener „begrüßt“, der Konzern sieht das Investment „als Vertrauensbeweis in unsere Strategie und das Team“. Allerdings wird nun spekuliert, dass Mediaset das bisherige Level der Zusammenarbeit nicht ausreicht.

Man werde jetzt miteinander sprechen müssen, zitiert die Agentur Reuters einen Insider. Mediaset könnte demnach mit der höheren Beteiligung auch einen Sitz im Aufsichtsrat fordern. In der offiziellen Mitteilung heißt es ganz offen formuliert, Mediaset wolle seine Position als Großaktionär und seine „Verbindung zu dem Unternehmen“ stärken.

ProSiebenSat.1- Aktie profitiert nur kurz

Der Aktienkurs des Münchener Medienhauses sprang nach der Bekanntgabe zunächst deutlich nach oben und legte gegenüber dem Vortag von Werten um 13,70 Euro auf rund 14,30 Euro zu. Allerdings gab das Papier die Zugewinne bis zum Mittag wieder ab und rutschte sogar erneut unter die 14-Euro-Marke.

Aktienkurs von ProSiebenSat.1 seit Montag 11. November 2019

Ein Grund könnte sein, dass Branchenbeobachter der Aufstockung nicht allzu viel abgewinnen können. Analystin Lisa Yang von Goldman Sachs sieht die Aufstockung von Mediaset zwar positiv für den Aktienkurs von ProSiebenSat.1, äußerte aber Zweifel an der dahinterliegenden Strategie. Eine europäischen Kette für frei-empfangbares Fernsehen aufzubauen sei nur bedingt sinnvoll.

Metro-Investor Kretinsky an ProSiebenSat.1 beteiligt

Der Einstieg von Mediaset ist nicht die einzige Änderung im Aktionariat der Münchener in den vergangenen Monaten. Auch die Metro-Investoren Daniel Kretinsky und Patrik Tkac sind seit kurzem an ProSiebenSat.1 beteiligt. Sie haben über ihr Investitionsvehikel Ruby 3,6 Prozent an dem Unternehmen erworben. Welche Strategie sie mit dem Einstieg verfolgen, ist ebenfalls noch unklar.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de