Ende der M&A-Pause: Merck greift in die Fusionsgespräche der US-Konzerne Versum und Entegris ein.

Merck

27.02.19
Deals

Merck grätscht in US-M&A-Deal

Ende der M&A-Pause: Mit einem Gebot über 5,3 Milliarden Euro versucht Merck, die Fusion der beiden US-Konzerne Versum und Entegris zu vereiteln.

Ende der Zurückhaltung von Merck am M&A-Markt: Der Dax-Konzern torpediert die laufenden Fusionsgespräche zwischen den beiden US-Chemiekonzernen Versum und Entegris mit einem Gegenangebot für Versum. Beraten von der Investmentbank Guggenheim sowie der Kanzlei Sullivan & Cromwell bietet Merck 48 US-Dollar in bar pro Versum-Aktie.

Nach Berechnung von Merck sind das 16 Prozent mehr als der gegenwärtige Kurs von Versum und 52 Prozent mehr als vor der Fusionsankündigung von Versum und Entegris. Zudem bietet Merck – anders als Entegris – den Versum-Aktionären den Kaufpreis in bar. Das Merck-Angebot hat ein Volumen von 5,3 Milliarden Euro und bewertet Versum mit 12,6-fachen erwarteten Ebitda des laufenden Jahres. „Unser Angebot bietet den Versum-Aktionären einen sicheren Wert und schützt sie vor Integrations- und anderen Post-Merger-Unwägbarkeiten. Außerdem ist die Transaktion voll durchfinanziert“, umwirbt Merck die Anteilseigner des US-Targets.

Merck erhofft sich viel von Versum

Versum ist ein Spezialist für Elektronikmaterialien, die von der Halbleiter- und Displayindustrie eingesetzt werden. In Geschäft mit Display-Chemikalien ist Merck Weltmarktführer. Die Portfolios beider Unternehmen „ergänzen sich gegenseitig“, meint Merck. Von einer Zusammenführung erhofft sich der Dax-Konzern schnellere Innovationszyklen, Größenvorteile, eine erweitere globale Präsenz und effizientere Lieferketten.

Käme Merck bei Versum zum Zug, würde sich die Übernahme in eine Phalanx weiterer großer M&A-Deals einreihen, die Merck in der jüngeren Vergangenheit in den USA getätigt hat.

Ende 2014 zahlte Merck 17 Milliarden Dollar für den Laborausrüster Sigma-Aldrich. Schon 2009 hatten die Darmstädter gut 7 Milliarden Dollar für das US-Unternehmen Millipore ausgegeben. 

FINANCE-Köpfe

Dr. Marcus Kuhnert, Merck KGaA

Marcus Kuhnert beginnt nach seinem Studium und der Promotion 1999 seine Karriere bei Henkel als Corporate Controller. Von dort wechselt er in die Investor Relations-Abteilung und leitet ab 2003 den Bereich Konzernabschlüsse und Beteiligungscontrolling. Ab 2007 arbeitet Kuhnert in Singapur als Regionalleiter für die Klebstoff-Division.

Im Jahr 2008 übernimmt er die Verantwortung für das CEO-Office und leitet die Strategieentwicklung. Ab 2009 übernimmt Kuhnert interimistisch auch die Unternehmenskommunikation. Ein Jahr später wird er zum Bereichs-CF0 der Sparte Laundry & Home Care ernannt.

Im Frühjahr 2014 erreicht ihn das Angebot, als CFO des Pharma- und Chemiekonzerns Merck die Nachfolge des zu Lanxess zurückkehrenden Matthias Zachert anzutreten und in die Stadt heimzukehren, in der er auch studiert und promoviert hat. Im August 2014 beginnt seine Amtszeit als CFO des Dax-Konzerns aus Darmstadt. 

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Leverage von Merck sinkt unter 3x Ebitda

Nach dem Kauf von Sigma-Aldrich hatte der Konzern eine Pause bei großen M&A-Deals ausgerufen, um CFO Marcus Kuhnert die Gelegenheit zu geben, den milliardenschweren Schuldenberg auf ein niedrigeres Niveau zu bringen.

Ende des dritten Quartals 2018 betrug die Nettofinanzverschuldung 10,1 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2018 erwartet Merck einen operativen Gewinn von 3,7 bis 3,9 Milliarden Euro, woraus sich ein aktueller Leverage von deutlich unter 3x Ebitda errechnet. Auch nach der Integration von Versum soll der Leverage unter 3x Ebitda verbleiben, sagte CFO Kuhnert am späten Nachmittag in einem Investoren-Call. Trotzdem rutschte die Merck-Aktie im Anschluss um 4 Prozent ins Minus. 

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de