Metro

10.04.19
Deals

Metro hadert mit Real-Verkauf

Metro hat die harte Linie beim Verkauf seiner Krisentochter Real offenbar aufgeweicht: In einer neu diskutierten Dealstruktur könnte es sogar passieren, dass der MDax-Konzern bei einem Verkauf noch Geld drauflegen muss.

Der Großhandelskonzern Metro ist im M&A-Prozess für die Supermarktkette Real offenbar von seinem harten Kurs abgewichen. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet, besteht Metro gegenüber den Kaufinteressenten nicht mehr darauf, dass diese das operative Geschäft und die von Real genutzten Immobilien zwingend in einem Paket erwerben müssen. Mit dem Einkaufsverbund Markant verhandele Metro gerade über den alleinigen Verkauf des Betriebs der insgesamt 279 Real-Märkte.

Unübersichtliche M&A-Situation bei Real

Neben Markant sind aber offenbar auch noch andere Parteien im Rennen. In verschiedenen Medienberichten schwankt die Zahl der Real-Interessenten zwischen zwei und vier. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die Immobilieninvestoren X+Bricks und ECE, ein Konsortium um die Redos-Gruppe sowie Morgan Stanley Real Estate unter den Kaufinteressenten sein sollen.

Die „Börsen-Zeitung“ wiederum meldet, dass die Redos-Gruppe aus dem Bieterrennen ausgestiegen sei, weil sie entgegen der Vorstellungen Metros nicht das gesamte kartellrechtliche Umsetzungsrisiko einer Übernahme tragen wolle.

Das Handelsblatt berichtet, dass sich die Gespräche zwischen Metro und zwei Immobilieninvestoren auf einen Abschluss zubewegten. Dies würde zu der Meldung passen, dass Metro intensiv mit Markant über den Verkauf des Real-Betriebs verhandelt.

Real-Verkauf könnte Metro 200 Millionen Euro kosten

Sollten sich dies Markant-Gerüchte erhärten, liefe es bei Real auf eine komplexe Dealstruktur hinaus. Während die Immobilien einen Verkaufserlös von bis zu 1 Milliarde Euro erreichen könnten, müsste Metro bei einem Verkauf des Betriebs, in dem Real seit Jahren rote Zahlen schreibt, draufzahlen.

Das Handelsblatt zitiert aus Unterlagen zum „Projekt Cartagena“, dass Markant Metro zwar einen Kaufpreis von 99 Millionen Euro bezahlen würde, Metro zuvor jedoch 300 Millionen Euro in Real investieren müsste, um den Liquiditätsbedarf „für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren“ sicherzustellen.

Diese Gelder könnten aber auch der Finanzierung einer harten Restrukturierung dienen. Im Markt kursieren Gerüchte, wonach ein Käufer bis zu 100 der 279 Real-Märkte schließen könnte. Das würde rund 13.000 Arbeitsplätze kosten.

FINANCE-Podcast zu Metro

Metro hält an Zeitplan für Real-Verkauf fest

Trotz dieser komplexen M&A-Situation bleibt Metro dabei, dass der Real-Verkauf bis spätestens Juni über die Bühne gegangen sein soll. Für den entsprechenden Druck in diese Richtung dürfte auch der tschechische Großaktionär Daniel Kretinsky sorgen, der Optionen hält, die es ihm ermöglichen, seinen Metro-Anteil von 11 auf über 30 Prozent aufzustocken.

In der vergangenen Woche hat es Kretinsky geschafft, sich die Frist verlängern zu lassen, in der er sich für oder gegen die Ausübung seiner Kaufoptionen entscheiden muss. Er hat nun Zeit bis Ende Juni. Der Unternehmer dürfte ein großes Interesse daran haben, dass bis zu diesem Zeitpunkt klar ist, was aus der Krisentochter Real wird.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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