Next Pharma stellt Medikamente im Auftrag von Pharmakonzernen her.

Rodrigo Bellizzi/iStock/ThinkStock/Getty Images

02.12.16
Deals

Next Pharma könnte Sun Capital 200 Millionen Euro einbringen

Der Finanzinvestor Sun Capital läutet in der Auktion des Medikamentenherstellers Next Pharma die zweite Runde ein, wie FINANCE erfahren hat. Das Timing stimmt – doch potenzielle Käufer haben einen Kritikpunkt an dem britisch-deutschen Asset.

Next Pharma dürfte nach FINANCE-Informationen in den nächsten Monaten den Besitzer wechseln. Der Private-Equity-Investor Sun Capital hat schon vor Wochen Infomemoranden an mögliche Bieter geschickt und daraufhin erste indikative Angebote bekommen. Next Pharma ist ein britischer Auftragsfertiger von Medikamenten mit starker Deutschlandpräsenz.

Jetzt sammelt Sun überarbeitete Offerten von einem verkleinerten Bieterkreis. Diese zweite Runde der Auktion soll noch im laufenden Jahr zum Abschluss gebracht werden, erfuhr FINANCE von mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Sun Capital gab zu der Angelegenheit keinen Kommentar ab.

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Next Pharma rechnet 2016 mit Ebitda von 20 Millionen Euro

Laut den Insidern lag der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von Next Pharma im Jahr 2015 bei 17 Millionen Euro, für das laufende Jahr werden 20 Millionen Euro erwartet. Sun Capital zielt beim Verkaufspreis auf das Zehnfache des erwarteten 2016er-Ebitda, hieß es. Damit könnte der Deal dem Investor 200 Millionen Euro einbringen.

Die Investmentbanken sind bereit, für den Kauf Fremdkapital in der Höhe von 4x bis 4,25x des diesjährigen Ebitda bereitzustellen, erfuhr FINANCE weiter. Das entspricht einem Volumen von bis zu 85 Millionen Euro. Den Verkauf steuert William Blair aus London. Die Investment-Boutique habe schon Ende 2015 versucht, Next Pharma zu verkaufen. Damals wollte Sun ein Multiple von 9x auf das 2015er-Ebitda einnehmen, doch kein Bieter war bereit, den Preis zu bezahlen. Jetzt sind die Bewertungen im Healthcare-Sektor weiter rasant gestiegen – insofern ist zu erwarten, dass Sun das Asset nun tatsächlich verkauft. Sun war 2011 bei Next Pharma eingestiegen.

Next Pharma sitzt in Großbritannien, aber produziert in Deutschland

Es seien nach wie vor sowohl Konzerne als auch Finanzinvestoren in der Auktion, erfuhr FINANCE weiter. Einzelne Midcap-Investoren seien allerdings nach der ersten Runde ausgestiegen, da sowohl das Multiple für ihren Geschmack zu hoch sei, als auch die Gesamtbewertung am oberen Ende des Marktausschnitts, auf den sie sich konzentrieren, kratze.

Eine Besonderheit, die potenzielle Käufer kritisch betrachten: Next Pharma hat seinen Verwaltungssitz in Großbritannien. Die Produktionsstätten des Medikamentenherstellers, der im Auftrag von Pharmakonzernen produziert, liegen dagegen zum allergrößten Teil in Deutschland. Diese Zweiteilung ist historisch gewachsen, aus der Sicht der Bieter allerdings ineffizient.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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