Novartis

15.11.18
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Novartis verwirrt die Investoren

Was plant Novartis mit der Generikasparte Sandoz? Spekulationen um eine Abspaltung weist der Schweizer Pharmakonzern zurück – und ruft dennoch Fragezeichen hervor.

Der Pharmakonzern Novartis macht Tempo bei der Neuaufstellung: Die Baseler wollen sich nun offenbar auch von der Generikasparte Sandoz trennen. Das berichtet die Schweizer Zeitung „Tagesanzeiger“ unter Berufung auf Teilnehmer einer Investorenkonferenz. Dort habe Konzernchef Vas Narasimhan angekündigt, Sandoz in den kommenden zwei Jahren zu einer eigenständigen Sparte umzubauen.

Für diese Einheit würden dann alle strategischen Optionen geprüft, so das Blatt weiter. Diese Formulierung legt nahe, dass sich Pharmariese – Börsenwert 180 Milliarden Euro – von Sandoz trennen will, aber noch nicht entschieden hat, ob die Sparte an einen Investor verkauft oder an die Börse gebracht werden soll.

Novartis spricht von „Missverständnissen“

Gegenüber FINANCE erklärte ein Novartis-Sprecher, es handle sich um „Spekulationen, allenfalls basierend auf Missverständnissen bei Gesprächen am Rande des R&D Updates“. An der Strategie zu Sandoz habe sich nichts geändert.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg wiederum zitierte einen Sprecher mit den Worten, man habe über einen Umbau, nicht über eine Abspaltung von Sandoz gesprochen. Der Konzern wolle dem Geschäft mit Nachahmermedikamenten mehr Autonomie geben und die Ausrichtung schärfen. Das könnte allerdings die Vorstufe zu einer späteren Verselbstständigung sein.

CEO Vas Narasimhan will Novartis umbauen

Tatsächlich würde eine Abspaltung der Generikasparte gut zur strategischen Vision des seit Februar amtierenden CEOs Narasimhan passen. Wiederholt hat der 42-jährige US-Amerikaner erklärt, den Pharmakonzern auf innovative Medikamente fokussieren zu wollen.

Dazu gehören insbesondere Krebsheilmittel, allerdings weder die Generikadivision Sandoz noch die Augenheilsparte Alcon, obwohl diese Geschäfte zusammen für ein Drittel des Konzernumsatzes der Schweizer stehen und damit zentrale Säulen sind. 2017 erwirtschaftete Novartis einen Konzernumsatz von 49 Milliarden US-Dollar.

Sandoz verkauft Teile des US-Geschäfts

Davon entfielen 10 Milliarden Dollar auf Sandoz, was die Novartis-Tochter zu einem der größten Generikaproduzenten der Welt macht. Allerdings macht der Preisdruck für Nachahmermedikamente Sandoz schwer zu schaffen, das Unternehmen schrumpft.

Erst vor kurzem trennte sich Novartis deshalb von Teile seines US-amerikanischen Generikaportfolios, wo der Preisdruck besonders stark ist. Für 900 Millionen Dollar verkauften die Schweizer ihr US-Dermatologiegeschäft sowie das Portfolio mit Generika-Tabletten an den Wettbewerber Aurobindo Pharma.

IPO-Pläne für Alcon kommen voran

Stimmen die Medienberichte, startet Konzernchef Narasimhan damit die zweite Stufe eines immer größer werden Konzernumbaus. Im Sommer schon hatten die Schweizer beschlossen, die erst einige Jahre zuvor für 50 Milliarden Dollar übernommene Augenheilsparte Alcon im kommenden Jahr an Börse zu bringen. Alcon stellt Instrumente für die Augenchirurgie, aber auch Kontaktlinsen her und erwirtschaftet 6 Milliarden Dollar Jahresumsatz.

Anfang dieser Woche reichte Novartis die nötigen IPO-Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Im November und Dezember will Novartis-CFO Harry Kirsch in New York und London auf Roadshow gehen. Die Börsennotiz ist in New York und Zürich geplant.

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