Opel

15.02.17
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Opel-Chef verfolgt Alternativplan zum Verkauf

General Motors' Pläne, Opel zu verkaufen, gewinnen immer mehr an Substanz. Doch CEO Karl-Thomas Neumann hat andere Ideen für den deutschen Autobauer – und auch in der Politik regt sich Widerstand.

PSA Peugeot Citroën muss sich auf schwierige Verhandlungen um eine mögliche Übernahme von Opel einstellen: Der Vorstand des deutschen Autobauers verfolgt offenbar einen Alternativplan, um die angeschlagene Marke wieder profitabel zu machen, wie das „Manager Magazin“ berichtet. Demnach wolle Opel-Chef Karl-Thomas Neumann die Rüsselsheimer bis 2030 zur reinen Elektromarke innerhalb des Mutterkonzerns General Motors (GM) umbauen. Spätestens im Mai hätte der GM-Vorstand über den Elektroplan entscheiden sollen, berichtet das Blatt weiter.

Was nun aus diesen Plänen wird, ist unklar. Denn gestern war bekannt geworden, dass GM mit dem französischen Autokonzern über einen möglichen Verkauf der seit Jahren verlustreichen Tochter verhandelt. Das Opel-Management wurde Presseberichten zufolge erst zu einem späten Zeitpunkt über die Sondierungsgespräche informiert. Opel und PSA kooperieren bereits seit einiger Zeit bei der Produktion mancher Modelle. Eine anfangs geplante, weitergehende Allianz kam jedoch bisher nicht zustande.

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GM-Verkaufspläne überrumpeln Opel-Vorstand

Opel setzt bereits seit einiger Zeit auf Elektroantriebe und bringt gerade mit dem Ampera E ein neuartiges reines Elektrofahrzeug auf den Markt, das mit deutlich gestiegener Reichweite auch massentauglich sein soll. Der Plan von Opel-Chef Neumann ist radikal: Ab 2030 sollen demnach von Opel überhaupt keine Autos mehr mit Verbrennungsmotor angeboten werden. Selbst eine Aufspaltung des deutschen Autobauers habe der Opel-Vorstand erwogen, berichtet das „Manager Magazin“ – nach dem Vorbild der Energieversorger RWE und E.on, die ihre Zukunftsgeschäfte von den Altgeschäften getrennt haben.

Angesichts dieser Ideen, die mit Zustimmung der Führung in Detroit geschmiedet wurden, kamen die Übernahmegespräche nun überraschend für den Opel-Vorstand: Das Management sei erst am Dienstagmorgen telefonisch in die Pläne von GM eingeweiht geworden, so das Blatt. Lediglich Neumann sei ein wenig früher informiert worden.

Peugeot-Chef will mit Merkel über Opel sprechen

Auch die Politik zeigt sich erzürnt über die Kommunikation von GM und Peugeot. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries kritisiert, es sei völlig inakzeptabel, dass Verhandlungen ohne Rücksprache mit dem Betriebsrat oder der hessischen Landesregierung geführt worden seien. Die Gewerkschaft IG Metall beklagt „eine beispiellose Verletzung sämtlicher Mitbestimmungsrechte“.

Peugeot-Konzernchef Carlos Tavares versucht nun offenbar, die Wogen zu glätten. Die Franzosen suchen ein schnelles Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie die „Bild“ unter Berufung auf Firmenkreise berichtet. Es gehe darum, darzulegen, dass der französische Zwei-Markenkonzern PSA Peugeot Citroen eine Allianz mit Opel plane. Auch mit deutschen Arbeitnehmervertretern wolle Tavares schnell reden.

Gleichzeitig hat sich die GM-Führung auf den Weg in die Opel-Zentrale nach Rüsselsheim gemacht, um über den Stand der Verkaufsgespräche zu informieren. Beides deutet darauf hin, dass die Gespräche längst über das ergebnisoffene Ausloten mehrerer Optionen hinaus gegangen sind.

Für GM wäre der Opel-Verkauf zugleich der Abschied aus dem Europa-Geschäft, das seit Jahren das Konzernergebnis der Amerikaner belastet: 1999 konnte GM in Europa zuletzt ein positives Ergebnis erzielen, 2016 lag der operative Verlust bei 257 Millionen US-Dollar. Frühestens für 2018 erwarten die Detroiter für Opel schwarze Zahlen.

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