Leoni-Standort in der Schweiz: Der österreichische Motorradhersteller Pierer hat seinen Anteil an dem Autozulieferer weiter ausgebaut.

Leoni

13.04.21
Deals

Pierer stockt erneut bei Leoni auf

Der Industriekonzern Pierer baut seine Beteiligung an Leoni aus – um die neue Strategie des Managements zu unterstützen, heißt es aus Österreich. Doch steckt vielleicht mehr dahinter?

Pierer Industrie hat seine Beteiligung an dem kriselnden Automobilzulieferer Leoni ausgebaut. Wie die österreichische Industrieholding, der unter anderem auch der Motorradhersteller KTM gehört, gestern nach Börsenschluss mitteilte, hat sie 15 Prozent der Stimmrechte an Leoni überschritten. Das erworbene Aktienpaket dürfte gemessen am gestrigen Schlusskurs von rund 10 Euro knapp 50 Millionen Euro wert gewesen sein. Bereits am heutigen Dienstagmorgen hat die Aktie aber bereits auf rund 11 Euro zugelegt.

Mit der Aufstockung der Anteile wollen die Österreicher dem Leoni-Management um CFO Ingrid Jägering ihre Unterstützung signalisieren, heißt es in einer Mitteilung von Pierer: „Die Stärkung der Position als Ankeraktionär soll zum Ausdruck bringen, dass Pierer Industrie den vom Management der Leoni AG eingeschlagenen Kurs für die Entwicklung des Unternehmens und der Fokussierung auf das Bordnetz-Geschäft unterstützt.“ Bei Zukunftsthemen wie Digitalisierung, 5G und der Elektrifizierung seien die Nürnberger „in der vollen Breite überall vertreten“, betont Pierer.

Will Pierer Leoni übernehmen?

Leoni freut sich über das Bekenntnis der Österreicher: „Wir begrüßen es grundsätzlich immer, wenn Aktionäre Interesse an unserem Unternehmen haben und Aktien erwerben. Für uns ist es ein positives Signal, dass einer unserer Aktionäre jetzt seinen Anteil wie angekündigt aufstockt und wir glauben daran, dass wir mit dem eingeschlagenen Kurs unsere Geschäftsentwicklung weiter nachhaltig verbessern können.“

Pierer Industrie ist die Investment-Holding des österreichischen Unternehmers Stefan Pierer. Bereits Anfang März hatte Pierer den Anteil an Leoni von 5 auf 10 Prozent aufgestockt. Damals teilte Stefan Pierer mit, mit der Erhöhung des Anteils „strategische Interessen“ zu verfolgen und eine „aktive Rolle“ als Ankerinvestor einnehmen zu wollen. Dieses Engagement demonstrierte Pierer bereits in der vergangenen Woche: Der Konzern entsendete das Vorstandsmitglied Klaus Rinnerberger in den Aufsichtsrat von Leoni. Dort löste Rinnerberger Dirk Kaliebe ab, der im Sommer vergangenen Jahres in das Kontrollgremium einzog und dessen Vertrag im kommenden Monat auslaufen soll.

Nun hat Pierer den Anteil weiter aufgestockt – möglicherweise ein Schritt Richtung Übernahmeangebot? Ein ähnliches Verhalten hatte Pierer zumindest bereits bei dem Automobilzulieferer SHW an den Tag gelegt. Dort kauften die Österreicher stetig Anteile und lösten damit letztlich ein Pflichtangebot aus. Seit Ende Juni 2019 ist Pierer Mehrheitsaktionär von SHW.

Leoni kommt beim M&A-Prozess voran

Leoni kämpft wie viele Automobilzulieferer mit dem Wandel zur E-Mobilität und den Folgen der Coronakrise. Würde sich Pierer Leoni einverleiben, müsste der Konzern die Transformation des Unternehmens maßgeblich mittragen. Dazu gehört auch der Verkauf von Einzelteilen der Kabelsparte sowie die Umsetzung der Sparmaßnahmen des Programms „Value21“.

Um sich neu auszurichten, hat das SDax-Unternehmen im August vergangenen Jahres bekanntgegeben, die Kabelsparte „WCS“ aufzuspalten, nachdem ein Komplettverkauf des Bereichs gescheitert war. Damit trennt sich der Konzern von der kleineren Kabelsparte, um sich auf die Restrukturierung der größeren, aber zuletzt defizitäre Bordnetzsparte („WSD“) zu konzentrieren.

FINANCE-Köpfe

Ingrid Jägering, Leoni AG

Ihre Karriere startet Ingrid Jägering 1998 bei Siemens und hat dort mehrere Führungspositionen im In- und Ausland inne, unter anderem als CFO der Windenergiesparte Siemens Wind Power in Dänemark. Nach vierzehn Jahren bei Siemens geht Jägering zu dem Großmotorenbauer Man Diesel & Turbo, wo sie zwischen 2012 und 2016 als Geschäftsführerin und CFO verschiedener Geschäftsbereiche tätig ist. Anschließend übernimmt sie verschiedene Führungspositionen bei Osram Opto Semiconductors. Seit August 2019 ist Jägering Finanzchefin bei dem Autozulieferer Leoni.

zum Profil

Die Kabelsparte erzielte im vergangenen Jahr einen Außenumsatz von 1,6 Milliarden Euro. Der berichtete Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 69 Millionen Euro. Die Bordnetzsparte verzeichnete 2020 einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro, der berichtete Verlust (Ebit) lag bei 210 Millionen Euro. Damit steht die Kabelsparte für etwas mehr als ein Drittel, die Bordnetzsparte für etwa zwei Drittel der Konzernumsätze von Leoni, die 2020 bei 4,1 Milliarden Euro lagen.

Beim M&A-Prozess konnten die Nürnberger jüngst Teilerfolge vermelden: Anfang März verkaufte der Autozulieferer das Schweizer Kabelgeschäft an ein Konsortium um den ehemaligen Leoni-Vorstand Bruno Fankhauser und die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Helvetica Capital. Nur wenige Wochen später kündigte Leoni zudem an, mit dem derzeitigen Geschäftsführer des Bereichs, David Schlenter, einen Käufer für die Einheiten „Datenkommunikation und Compound“ am Standort Stolberg („Leoni Kerpen“) gefunden zu haben. Dieser Verkauf steht allerdings noch unter dem Vorbehalt verschiedener Bedingungen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Wie geht es bei Leoni weiter? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite zu Leoni. Mehr über die Finanzchefin Ingrid Jägering erfahren Sie auf ihrem Profil bei FINANCE-Köpfe.