Die Familie von Peter Leibold, dem Gründer der insolventen German Pellets, steigt wieder ins Pellets-Geschäft ein.

German Pellets

22.12.16
Deals

Pleitier-Familie Leibold zurück im Pellets-Geschäft

Nur wenige Monate nach der dramatischen Insolvenz nähert sich die Familie Leibold ihrem einstigen German-Pellets-Imperium wieder an. Auch bei der Rückkehr der umstrittenen Unternehmer gibt es Streit.

Die Familie Leibold, die noch vor wenigen Monaten mit der spektakulären Pleite von German Pellets den Mini-Bondmarkt in Atem gehalten hat, steigt wieder in das Pellets-Geschäft ein. Kathrin Wiedmer, die Tochter des German-Pellets-Gründers Peter Leibold, hat dafür zugekauft. Die von ihr gegründete Mitteldeutsche Pellets Vertrieb Gmbh (MPV) übernimmt die drei insolventen Woodox-Werke in Sachsen und Sachsen-Anhalt, berichtet das „Handelsblatt“. Die Werke mit rund 70 Mitarbeitern gehörten zwar nicht zu German Pellets, wurden aber von der MPV für German Pellets betrieben und sind ebenfalls in die Insolvenz gerutscht.

Kathrin Wiedmer hat sich in dem Bieterkampf gegen jene Investmentgesellschaft durchgesetzt, die das Hauptwerk von German Pellets gekauft hat. Der Kaufpreis liegt laut Informationen des Handelsblatts bei einer höheren einstelligen Millionensumme. Verkäufer der Werke war Heta, die Bad Bank der Hypo-Alpe-Adria. Für die Bank stellte der familiäre Hintergrund offensichtlich kein Problem dar.

Und auch Ex-German-Pellets-Chef Peter Leibold steigt bei dem Deal indirekt wieder in das Geschäft ein. Einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge hat Kathrin Wiedmer ihren Vater bei einer Tochtergesellschaft der MPV als Geschäftsführer eingesetzt. Die gute Nachricht für den Bondmarkt: Anders als German Pellets haben die Woodox-Werke keine ausstehenden Anleihen, heißt es beim „Handelsblatt“.

Neuer Rechtsstreit für Familie Leibold?

Gut ins Bild passt scheinbar auch die Vorgeschichte des Deals, denn eigentlich sollte er ganz anders ablaufen. Im August hatte die „Wirtschaftswoche“ bereits von den Übernahmeplänen der Familie berichtet. Der Vertrieb der Woodox-Werke sollte von der MPV in das Hamburger Unternehmen Pellex Bioenergie AG verlagert werden. Der Pellets-Produzent wollte sich auf diesem Weg vergrößern. Im Gegenzug sollte Kathrin Wiedmer Großaktionärin bei Pellex werden. Die Pläne seien schon in der finalen vertraglichen Umsetzung, hieß es damals.

Warum Pellex bei dem Deal nun doch außen vor gelassen wurde, ist nicht bekannt. Laut „Handelsblatt“ erwägt das Unternehmen nun, Schadensersatzansprüche gegen die MPV geltend zu machen. Es habe Mängel im Bieterverfahren gegeben, meint Pellex. Die Familie Leibold dürfte ein drohender Rechtsstreit kaum schrecken. Es wäre nicht der erste.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Einen Rückblick auf die dramatischen Entwicklungen bei dem Pellets-Hersteller in den Monaten vor der Insolvenz finden Sie auf unserer Themenseite German Pellets.